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Goldpreis und Schweizer Franken vs Aktien – Blick auf den Risk Off Trade

Claudio Kummerfeld

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am

Gold Barren

Der Goldpreis zeigt heute einen sehr interessanten Verlauf, und der Schweizer Franken setzt einen klaren Trend fort. Beides wollen wir in diesem Artikel in Relation zur Lage am Aktienmarkt besprechen. Dabei kommen wir aber nicht am Ölmarkt vorbei. Der Ölpreis ist heute mit 30 Prozent Verlust gegenüber Freitag gecrasht. Der Öl-Krieg zwischen Saudis und vielen anderen Anbietern ist nun offen ausgebrochen! Das hat heute auch die Aktienmärkte nochmal richtig kräftig zum Fallen gebracht. Dieser Crash wird viele Profi-Trader auf dem falschen Fuß erwischt haben – so hätte man ja annehmen dürfen, dass endlich mal eine technische Aufwärtsreaktion eintritt bei den heftigen Verlusten der letzten Wochen in Dax, Dow und Co? Aber es kam ganz anders.

Goldpreis vor neuem Aufwärtsschub?

Und genau da kommen wir zur interessanten Bewegung im Goldpreis am heutigen Tage. Man könnte nämlich eine Parallele erkennen zum Verlauf zwischen Gold und Dow 30 in den letzten Tagen. Im Chart sehen wir den Goldpreis in rot-grün gegen den Dow 30 auf CFD-Basis, im Verlauf seit dem 25. Februar. Bei dem stark fallenden Aktienmarkt hätte der Goldpreis eigentlich ständig kräftig steigen müssen im Sinne des Risk Off Trades? Dabei geht es nämlich darum, dass Anleger in unsicheren Zeiten aus Aktien fliehen und dafür in den „Sicheren Hafen“ namens Gold flüchten. Aber der Goldpreis stieg nicht wie wild an. Mehrmals während die Aktienkurse die letzten Tage übel abstürzten, brach auch der Goldpreis ein, oder legte Seitwärtsphasen ein.

By the way… am Samstag hat Hannes Zipfel in einem sehr interessanten Artikel beschrieben, warum man darüber nachdenken sollte Gold bei jedem Rücksetzer zu kaufen. Ähnliches wie die letzten Tage sieht man auch heute bei der Bewegung im Gold. Erst reagierte der Goldpreis so wie man es eigentlich erwarten würde. Aktien und Ölpreis verloren heute früh sehr stark, und der Goldpreis stieg schnell um gut 30 Dollar an auf 1.702 Dollar. Dann aber kam der Rückschlag runter auf 1.654 Dollar. Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.675 Dollar, und die Tendenz wirkt ganz vorsichtig gesagt „seitwärts oder ein klein wenig bullisch“. Der Grund für die aktuelle Zurückhaltung im Gold könnte der selbe sein, den wir die letzten Tage schon thematisiert hatten.

Wenn dieser Grund nachlässt, konnte der Goldpreis womöglich wieder Fahrt nach oben aufnehmen. Gut beschreiben tut Robert Zach von investing.com die aktuelle Lage. So sagt er, dass es angesichts der massiven Verluste der Futures auf den Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq zu einem so genannten Limit Down kam, also dem maximalen Rückgang pro Handelstag. Da sich wahrscheinlich auf einigen Händlerkonten keine ausreichende Liquidität befunden habe, hätten zusätzliche Einlagen nachgeschossen werden müssen, um Margin Calls zu vermeiden. Um freie Geldmittel zu schaffen, hätten wohl einige Händler ihre Gold-Longpositionen geschlossen, woraufhin es zu einer 45 Dollar-Preiskorrektur auf zwischenzeitlich 1.657 Dollar kam. Andere Händler hätten den Ausverkauf auf eine technische Gegenreaktion zurückgeführt.

Goldpreis vs Dow 30 seit dem 25. Februar

Also, nochmal kurz die Grundidee hinter diesem Szenario: Wenn die Gewinnmitnahmen im Gold zur Deckung von Margin Calls am Aktienmarkt abklingen, kann der Goldpreis dann erneut einen Aufwärtsschub hinlegen? Sicher ist das nicht, aber denkbar! Wie viel Aufwärtspotenzial steckt noch im Goldpreis? Dieser Frage widmet sich Marc Friedrich im folgenden aktuellen Video etwas grundsätzlicher!

https://youtube.com/watch?v=WAGBmKBNkeQ

Schweizer Franken im Trend

Der Schweizer Franken ist da weniger unklar in seiner Richtung. Neben Gold, aber auch Yen und Staatsanleihen, ist der Schweizer Franken einer der Fluchthäfen. Während der Goldpreis sich noch etwas schwer tut, zeigt der Franken einen viel eindeutigeren Trend, nämlich stetig nach oben gegenüber dem Euro im großen Bild! Klarer könnte ein Trend kaum sein! Mit 1,0542 notierte Euro vs Schweizer Franken heute früh so tief wie seit Sommer 2015 nicht mehr. Mit aktuell 1,0610 ist der Kurs zwar zurückgekommen gegenüber heute früh, aber die Franken-Aufwertung läuft im großen Bild betrachtet weiter (im Chart fallender Euro und somit steigender Franken seit 2018). Natürlich ist das ein Horror für die Schweizerische Nationalbank (SNB), die seit Jahren mit Interventionen versucht den Franken billig zu halten. Aber der Drang des Marktes hin zum Franken scheint weiterhin stärker zu sein. Oder sind wir in diesen Sekunden, wo dieser Artikel hier online geht, gerade Zeuge von einer massiven SNB-Intervention, und der Franken setzt zur Abwertung an?

Milan Cutkovic von Axitrader beschreibt die Lage am Markt heute so, dass kurzfristig dürften weiterhin die sicheren Häfen gefragt bleiben dürften – vom Schweizer Franken über den japanischen Yen bis hin zum Gold. Die Marktteilnehmer hätten aber ein wachsames Auge auf den Euro-Kurs zum Schweizer Franken, da die Wahrscheinlichkeit einer stärkeren Intervention der Schweizer Nationalbank zunehme, sollte es zu einer Bewegung in Richtung Parität kommen. Also, Augen auf beim Franken, und… so möchten wir anmerken, eventuell weiteres Aufwärtspotenzial beim Goldpreis?

Euro vs Schweizer Franken seit Sommer 2015

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    9. März 2020 14:37 at 14:37

    „Gold auf 50-100.000 Dollar…“
    Sorry, aber das kann ich beim besten Willen nicht mehr Ernst nehmen. Keine Notenbank, kein Staat, keine Regierung, keine Diktatur würde sowas zulassen. In einem derartigen Szenario würde es Krieg und Zerstörung geben und am Ende würden wir wie Ötzi herumlaufen mit einer Goldmünze zu 100.000 Dollar in der Hand. Kurze Zeit später wegen Goldbesitzes zum Tode verurteilt. Marc Friedrich you are the best🤩.

  2. Avatar

    Hannes Zipfel

    9. März 2020 14:48 at 14:48

    Ich stehe dem Argument der Notverkäufe bei Gold zur Liquiditäsbeschaffung skeptisch gegenüber. Andernfalls würde dies auch bei den Anleihen der Fall sein, die deutlich liquider sind und auch in höherem Volumen in den Portfolios weltweit enthalten sind. Doch dieser „sichere“ und völlig überbewertete Hafen darf brutal ansteigen – ohne jeden Notverkauf. Hier geht es möglicherweise eher darum, den Goldpreis so lange wie möglich auszubremsen.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      9. März 2020 14:59 at 14:59

      @Hannes, hmm, Anleihen aber bedürfen keine Hinterlegung von Eigenkapital und können bei Repos als Sicherheit hinterlegt werden für neue Liquidität – das ist also sehr wertvoll für die Player..daher verkaufen sie eher nicht Staatsaneihen, anderes als gehebelte Positionen auf GGold..

      • Avatar

        Hannes Zipfel

        9. März 2020 15:16 at 15:16

        @Markus: Ja, für die großen Player, die ihre Bond-Positionen am Repo-Markt refinanzieren können, mag das absolut stimmen. Für alle anderen „normalen“ Investoren mit Aktien-/Anleihe-Mischportfolios eher nicht. Aber die „Großen“ machen natürlich die Preise. Egal, sobald die Fed die Märkte mit Liquidität flutet, wird auch dieser Belastungsfaktor für Gold wegfallen.

  3. Avatar

    PK

    9. März 2020 15:41 at 15:41

    bitte nicht die eventuell deflatorischen Tendenzen dieses ganzen aktuellen Umfeldes unterschätzen.
    Ich bin auch ziemlich long Gold aber man darf nicht zu euphorisch werden. Vielleicht gibt es daher eine Pause im Gold.

    • Avatar

      Lausi

      9. März 2020 18:19 at 18:19

      Was war noch einmal „King“ bei einer Deflation? Ach ja, Cash! (und Puts :-) Das gleiche Spielchen hatten wir doch schon mal 2008 gehabt, wo es auch ans Eingemachte ging, und alles gemeinsam in den Keller rauschte!

      • Avatar

        Columbo

        9. März 2020 19:43 at 19:43

        @Lausi

        Cash ist King, klar, solange die Bank solvent ist. Die Frage ist, was crasht zuerst, die Hausbank oder das Aktiendepot? Die gute Nachricht: Das gut gestreute Aktiendepot geht nicht auf Null. Die schlechte: Das Bankkonto geht auf Null (ausgenommen die Einlagensicherung…vielleicht).

  4. Avatar

    Columbo

    9. März 2020 15:53 at 15:53

    Einige kleinere Notenbanken, nicht Fed oder Ezb, könnten gezwungen sein, Gold zu verkaufen, was sich auf den Preis auswirken würde, oder? Im Sinne von Kleinvieh macht auch Mist.

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Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

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am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

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