Nach einem scharfen Rückrsetzer stabilisierte sich der Goldpreis unterhalb von 5.000 Dollar, während Investoren gespannt auf frische US-Inflationsdaten und mögliche Zinssenkungen der Federal Reserve blicken. Wall-Street-Turbulenzen, Margin Calls und algorithmischer Handel hatten zuvor für massiven Verkaufsdruck bei Gold und Silber gesorgt.
Gold und Silber stoppen Rückschlag
Der Goldpreis hat sich nach einem abrupten Kurseinbruch in der vorherigen Handelssitzung wieder gefangen. Auch Silber stabilisierte sich, nachdem das weiße Metall zeitweise um 10 % eingebrochen war. Schnäppchenjäger nutzten die niedrigeren Kurse und griffen vor der Veröffentlichung wichtiger US-Inflationsdaten zu.
Am Freitag stieg der Spotpreis für Gold zeitweise um bis zu 1,4 %, nachdem das Edelmetall am Vortag 3,2 %verloren hatte – der stärkste Tagesverlust innerhalb einer Woche. Laut einem Bericht von Bloomberg fiel der plötzliche Rückgang mit deutlichen Verwerfungen an der Wall Street zusammen. Dort gerieten zahlreiche Sektoren unter Druck, da Investoren die potenziellen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Unternehmensgewinne neu bewerteten und dies als Verkaufsanlass nutzten.
Die Korrektur beim Silber- und Goldpreis dürfte durch Margin Calls sowie algorithmische Handelsstrategien zusätzlich verstärkt worden sein. Wenn Investoren gezwungen sind, Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen, werden häufig liquide Positionen wie Gold verkauft, um Sicherheiten nachzuschießen.

Margin Calls und Algorithmus-Handel
Laut Liu Shiyao, Analystin bei Zijin Tianfeng Futures, schwappte der Ausverkauf an den US-Aktienmärkten auf die Edelmetalle über. Investoren mit breit diversifizierten Portfolios hätten Rohstoffe veräußern müssen, um Margin Calls zu bedienen.
Viele Marktteilnehmer hielten verschiedene Anlageklassen parallel. Wenn eine Seite stark unter Druck gerate, entstehe automatisch Verkaufsdruck auf anderen Positionen. Dennoch sei der Effekt begrenzt: Gold und Silber befinden sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase nach der fulminanten Rally Anfang des Jahres.
Auch Michael Ball, Makrostratege bei Bloomberg, sieht systematische Handelsmodelle als Verstärker der Abwärtsbewegung. Insbesondere sogenannte Commodity Trading Advisors (CTAs), die auf computergestützte Trendmodelle setzen, könnten die Dynamik beschleunigt haben.
Zusätzlich spielte Gewinnmitnahme eine Rolle. Silber verlor am Donnerstag mehr als 10 %. Nach der historischen Korrektur zum Monatswechsel hatten sich Gold und Silber zunächst erholt – die anschließende hohe Volatilität begünstigte kurzfristige Positionsschließungen. Trotz der starken Schwankungen steuert der Goldpreis auf eine insgesamt nahezu unveränderte Wochenbilanz zu.
Inflationsdaten im Fokus
Nun richtet sich der Blick der Investoren auf die anstehenden US-Inflationszahlen. Sie gelten als richtungsweisend für die weitere Geldpolitik der Federal Reserve.
Robuste US-Arbeitsmarktdaten für Januar hatten zuvor die Erwartungen gedämpft, dass die Fed bereits zur Jahresmitte erneut die Zinsen senken wird. Sinkende Leitzinsen gelten traditionell als positiver Treiber für Edelmetalle, da Gold selbst keine laufenden Erträge abwirft und in einem Niedrigzinsumfeld relativ attraktiver wird.
Der Hedgefonds-Manager David Einhorn erklärte in einem CNBC-Interview, er rechne mit deutlich stärkeren Zinssenkungen als derzeit vom Markt eingepreist. Kevin Warsh, von Donald Trump als möglicher Nachfolger des aktuellen Fed-Chefs Jerome Powell vorgesehen, könnte laut Einhorn die vom Präsidenten gewünschten niedrigeren Finanzierungskosten umsetzen.
Goldpreis: Langfristiger Aufwärtstrend intakt?
Am 29. Januar erreichte der Goldpreis mit über 5.595 US-Dollar je Unze ein neues Allzeithoch. Dieser Höchststand markierte den vorläufigen Höhepunkt einer mehrjährigen Rally, die zuletzt durch spekulative Käufe zusätzlich angeheizt worden war. In den zwei darauffolgenden Sitzungen fiel der Goldpreis jedoch um rund 13 %.
Trotz dieser Korrektur erwarten zahlreiche Banken eine Wiederaufnahme des langfristigen Aufwärtstrends. Als zentrale Treiber gelten anhaltende geopolitische Spannungen, Diskussionen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed sowie eine strukturelle Umschichtung weg von klassischen Anlageklassen wie Währungen und Staatsanleihen.
BNP Paribas prognostiziert einen Goldpreis von 6.000 US-Dollar bis Jahresende. Auch die Deutsche Bank und Goldman Sachs zeigen sich optimistisch.
Um 6:40 Uhr in Frankfurt notierte Spot-Gold 1 % höher bei 4.971,44 US-Dollar je Unze. Silber stieg um 1,5 % auf 76,60 US-Dollar. Platin und Palladium legten ebenfalls zu, während sich der Bloomberg-Dollar-Index leicht um 0,1 % erhöhte.
FMW/Bloomberg
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Ja – ganz Schrecklich (!?)
Silber ist mit etwas über 100 % (in Euro) in den letzten 365 Tagen deutlich mehr als doppel so stark gestiegen als Gold.
Mal sehen, wieviel Silber die Comex noch bis Ende Februar „herbeimanipulieren“ kann.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Der Rohstoff Edelmetall Gold besitzt aktuell teilweise den Status einer Rücklage.
Bin ich welk?
Bei mir lassen sich die CME-Seiten aktuell nicht aufrufen:
https://www.cmegroup.com/markets/metals/precious/silver.volume.html?utm_source=copilot.com
https://www.cmegroup.com/solutions/clearing/operations-and-deliveries/nymex-delivery-notices.html
Ich schlage dort eigentlich täglich nach, Kontrolle Open Interest, Volumen, Lieferungen und Bestände. Bei Silber ist die letzten Tage von März in Mai gerollt worden (etwas früh oder?). Das Volumen war nach meiner Beobachtung gestern sehr dünn bei Silber, der Preis fiel kurz nach 16.00 Uhr wie ein Stein, ein Strich.
Bin gespannt was da steht, wenn die Seite wieder gehen. Technische Probleme haben die ja scheinbar immer genau dann, wenn irgend was ab geht.
Grüße in die Runde
Auch Goldseiten hat einen Vorabcheck eingebaut, die Seite war wohl Ziel von Hackerangriffen.
Nach Ruhe sieht das alles nicht aus.
Die Chinesen werden ab Dienstag dann erst mal in den Neujahrsfeiertagen sein.
Zum Artikel: Ja Kreuz-Calls bei sehr dünnem Volumen klingen sinnvoll. Spekulative Positionen wurden ja schon vorher ordentlich rausgespült.
An der COMEX wird jetzt heftig gearbeitet. Es ist nicht genug Silber da. Sie müssen Silber ranschaffen, möglichst viele überzeugen, ihre Kontrakte zu rollen und den Silberpreis mit allen möglichen Methoden senken. Sonst ist am 27.02. das Spiel aus und sie müssen „Silver Rule Seven“ reaktivieren: nur Geldausgleich.
Dann wird niemand mehr an der COMEX handeln, der physisches Silber für seine Produktion braucht.
kleines Update. Die Daten sind jetzt offenbar wieder verfügbar. Späte Nachtschicht…!? HOffe die Überstunden werden gut bezahlt.
Kann jemand Silber in den Deliveries finden? Ich suche und suche, Kopfkratz!
Die Excelliste mit den Beständen wurde angepasst. Da lohnt ein Blick.
Falls sich jemand auskennt,… können Märzkontrakte zur Lieferung vorgezogen werden? Ich weiß es nicht aber habe mich schon die ganze Zeit auch gefragt, woher diese ganzen Februar-Delieveries kamen, auch die im Januar… Das wäre sinnvoll zu wissen, um die Open Interest-Bewegungen einschätzen zu können.
Weil wenn das Open Interest zugunsten einer Lieferung fällt ist in Sachen Knappheit nichts gewonnen, denke ich.
@Felix:
Für mich spielt es eine nachgelagerte Rolle, ob die komplett leer laufen oder sogar cashen müssen. Allerdings finde ich das spannend wie ein Thriller.
Für mich ist die Frage, wie viel kommt da dann wieder rein in die Tresore und zu welchem Preis hedgen die Commercials dann.
Großer Bär
Wenn die es nichts schaffen, dass zu managen, kann das ein Schwarzer Schwan werden. Eher ein grauer, aber im breiten Markt spielen die Rohstoffe so eine geringe Rolle, dass es für die meisten ein Schwarzer Schwan wäre.
Ich wünsche ein schönes Wochenende und viel Spaß mit dem Thriller. Aber bis zum 27.02. kann man nur raten, was passiert.
Das einzige was sicher ist: Silber wird physisch gebraucht und Silberexplorer die erfolgreich werden, dürften eine der besten Geldanlagen der nächsten Jahre sein.
Wer einen schnellen Einstieg in die Materie will, hört sich Rick Rule an. Er hat jetzt eine Messe und lädt nur Firmen ein, von denen er selbst Aktien hält. Diese Auswahl würde ich mir ansehen.
@Felix
Danke für den Tipp. Ich google den mal.
Wann die Explorer das Rennen machen mal schauen, da muss man aber voll drin sein in der Materie. Denke, jetzt sind erst mal die Produzenten mit Zahlen dran.
Schwarzer Schwan: Ich sehe die Knappheit aber die ganzen Youtuber mit dem Comex-Crash, naja. Aktuell ziehen sich da ja viele stark zurück. An einen großen Knall glaube ich nicht. Das ist auch gar nicht nötig :-).
Schon mitbekommen, was Vance und Co hier planen bzw. auf den Weg bringen wollen?
https://www.handelsblatt.com/politik/international/seltene-erden-usa-wollen-mit-preisuntergrenzen-chinas-rohstoff-macht-stoppen/100197613.html
„…Sonst ist am 27.02. das Spiel aus…“
Wie oft das Spiel schon an irgendeinem Datum hätte aus sein müssen und dann doch nicht aus war, weil irgendwelche „Experten“ zu einfach gedacht hatten.
Die Welt ist hochkomplex und komplex denken, schaffen die wenigsten.
Daher treffen die meisten Prognosen nicht ein.
Die Zocker sind noch nicht raus…weder aus’m Gold noch aus’m Silber..
Im Gegenteil..sie werden versuchen über Optionen die Preise wieder nach oben zu drücken…
Hallo @ Felix
Mit wenigen Worten von Dir perfekt erklärt.
Bin mal gespannt, was sie den Besitzern von physischem Silber wieder für Zinsen anbieten, damit sie ihr Silber verleihen bzw. rollen.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
@Helmut
Wie verleiht man Silber, muss man sich da irgendwo registrieren?
Die Frage ist nur halb ernst gemeint aber wiederlegt ja das allgemeine Argument, EM werfen keine Zinserträge ab. Ist ja relativ offensichtlich, dass damit wohl Löscher gestopft werden, welchen Zweck sollte sonst ein EM-Leih haben? Mir fällt keiner ein.
@Felix, entschuldigen Sie die Frage: Sind Sie irgendwie an der Comex tätig, weil Sie so genau Bescheid wissen, was dort läuft?
Darüber darf ich nicht schreiben, Columbo. Aber was ich geschrieben habe, liegt auf der Hand, dafür muss man nicht dort arbeiten. Schauen Sie sich einfach die Zahlen an und rechnen Sie selbst.
Wenn es normal läuft, d.h. die von mir angedeuteten Bemühungen nicht hinreichend fruchten, haben wir am 27.02. alle ein Problem: nicht genug Silber für die Produktion.
Das Problem könnte man, wenn man einige hier ärgern wollte, so umschreiben: die Trump – Regierung kommt zu spät.
Allerdings könnte es auch sein, dass die USA hinter den Kulissen noch schneller waren, und nicht der Westen, sondern China das Problem hat.
China macht aus Rohsilber den Industriestoff, der gebraucht wird, aber China produziert selbst nicht genug Rohsilber. Es besteht eine beiderseitige Abhängigkeit. China liegt zeitlich vorn, kann aber vom Silber abgeschnitten werden. Die USA können sich genügend Rohsilber beschaffen, können es aber nicht im hinreichenden Maße selbst raffinieren. Aber niemand kann die USA daran hindern, die dazu nötigen Kapazitäten aufzubauen.
@Columbo:
Die Daten sind – sofernt die Seiten funktionieren – bei der CME verfügbar.
Felix’s Argumentation ergibt Sinn, wobei man die wahren Beweggründe der Teilnehmer etc. von außen natürlich nicht sehen kann. Das ist natürlich spekulativ.
Niedrige Preise helfen da nur bedingt, die Rollkosten sind wohl vorteilhafter, was Anreize schafft.
Das wird die, die Ware wollen oder brauchen nicht interessieren. Die verschieben ein Teil des Problems nur in den Mai.
Deshalb wollte ich nachschauen, wie viel gestern gerollt wurde, ob sie die 2000 geschafft haben. Außerdem die Lieferanträge.
@ Columbo, entschuldigen sie die Frage, sind Sie Hellseher weil sie der Einzige sind der Gold immer negativ sieht? Bei allem andern Schrott aber mit der Rosa- Brille unterwegs.
@Hellseher, ich sehe Gold nicht negativ. Ich sehe es als Versicherung, nicht als Investment.
Gold ist eine Versicherung?
Eine Versicherung ist ein Vertrag, bei dem Versicherungsnehmer regelmäßige Beiträge an ein Versicherungsunternehmen zahlen, um sich gegen finanzielle Risiken abzusichern. Sie basiert auf dem Solidaritätsprinzip, bei dem viele Versicherte eine Gemeinschaft bilden, aus deren Beiträgen die Schäden einzelner Mitglieder im Ernstfall gedeckt werden.
Wichtige Aspekte einer Versicherung:
Risikoteilung: Das Ziel ist es, existenzbedrohende finanzielle Schäden durch Risikoverteilung auf viele Schultern abzuwenden.
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Eine Versicherung mit erheblichen Kapitalerträgen, ohne Prämienzahlung, ohne Drittparteinrisiko?
Hallo @ Großer Bär
Das habe ich wohl jetzt nicht richtig verstanden.
Aber:
In meinem Fall würde mich ein Edelmetallhändler fragen, ob ich mein eingelagertes Silber gegen xxx % an ihn für xxx Tage verleihe.
Mit einer Bankbügschaft kein Problem.
Im schlimmsten Fall bekommt man natürlich nur Papiergeld.
Mit der Hälfte kann man es ja mal machen.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
Vielleicht geht das bei ETFs ja auch noch, haha, kriegt man dann eine Dividende gut geschrieben. Nee, soweit wirds wohl nicht kommen.
Hallo @ großer Bär
Z. B. im Zollfreilager gelagertes Silber kann man zur Verleihe an einen Edelmetall- Händler ausliefern lassen.
So wird auch nicht die Mehrwertsteuer fällig.
Möglichst gegen eine Bankbügschaft und einer Zusatzprämie, wenn nicht das physische Silber zurückgegeben werden kann, sondern nur bunte Zettel.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut