Gold

Was jetzt den Ausschlag gibt Goldpreis vor Richtungsentscheidung: Iran-Konflikt gegen Fed-Politik

Gold im Spannungsfeld von Iran und Fed
Grafik: ChatGPT

Der Goldpreis steht derzeit an einem kritischen Punkt – und im Spannungsfeld zwischen Iran-Konflikt und Fed-Politik. Nach der starken Erholung vom Tief Ende Mai droht dem Edelmetall bereits die nächste Verkaufswelle. Während die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten eigentlich für Rückenwind sorgen müssten, belasten steigende Inflationserwartungen, die Unsicherheit über den künftigen Kurs der US-Notenbank Fed und die Aussicht auf länger hohe Zinsen den Markt. Ein Konflikt, der über die nächste große Bewegung bei Gold entscheiden könnte.

Goldpreis im Spannungsfeld von Iran-Konflikt und Fed

Auf den ersten Blick scheint die Lage klar: Der Iran-Konflikt sorgt für Unsicherheit, Anleger suchen sichere Häfen und Gold profitiert. Doch aktuell funktioniert dieser Mechanismus nur noch eingeschränkt.

Zuletzt verschärfte sich die Situation im Nahen Osten erneut. Während US-Präsident Donald Trump von Fortschritten bei möglichen Friedensgesprächen mit Teheran sprach, kamen gleichzeitig Berichte über neue militärische Zwischenfälle in der Region auf. Der Iran feuerte Raketen auf Kuwait und Bahrain ab, während die USA Angriffe auf strategische Ziele der Islamischen Republik durchführten. Parallel dazu stieg der Ölpreis den dritten Handelstag in Folge und Brent-Rohöl kletterte zeitweise über die Marke von 98 US-Dollar je Barrel.

Genau hier liegt das Problem für den Goldpreis. Steigende Ölpreise erhöhen die Inflationsrisiken weltweit. Die Sorge vor einer neuen Inflationswelle führt dazu, dass Anleger ihre Erwartungen an die Geldpolitik der Zentralbanken neu bewerten. Statt auf baldige Zinssenkungen zu setzen, rechnen viele Marktteilnehmer inzwischen damit, dass die Zinsen länger auf einem hohen Niveau bleiben könnten. In der kommenden Woche könnte die EZB die Zinsen erstmals seit ihrer letzten Zinserhöhung vom 14. September 2023 wieder anheben. Laut den aktuellen Markterwartungen liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt bei rund 97 Prozent. Gleichzeitig sind auch die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank Fed zum Jahresende zuletzt gestiegen.

Für Gold entsteht dadurch ein ungewöhnlicher Zielkonflikt. Einerseits sorgt der Iran-Konflikt für eine erhöhte Nachfrage nach sicheren Häfen. Andererseits treiben die gestiegenen Energiepreise die Inflationserwartungen nach oben und erhöhen den Druck auf die Zentralbanken, an ihrer zuletzt eher restriktiven Geldpolitik festzuhalten oder diese sogar weiter zu verschärfen. Genau dieser zweite Effekt gewinnt derzeit die Oberhand. Aus Sicht vieler Anleger wiegen die Risiken dauerhaft hoher Zinsen inzwischen schwerer als die geopolitischen Unsicherheiten im Nahen Osten.

Gold: Unsicherheit über die neue Fed-Führung

Zusätzlichen Gegenwind liefert die Unsicherheit rund um den Wechsel an der Fed-Spitze. Mit Kevin Warsh hat ein neuer Fed-Chef die Zügel der wichtigsten Zentralbank der Welt übernommen.

Noch ist für die Märkte schwer einzuschätzen, welchen geldpolitischen Kurs Warsh verfolgen wird. Wird er die Inflation kompromisslos bekämpfen? Werden Zinssenkungen weiter nach hinten verschoben? Oder bleibt die Fed auf ihrem bisherigen Kurs?

Gerade diese Unsicherheit stellt für den Goldpreis einen Belastungsfaktor dar. Gold lebt nicht nur von tatsächlichen Zinssenkungen, sondern häufig bereits von der Erwartung einer lockereren Geldpolitik. Wenn Anleger jedoch nicht mehr sicher sind, wann und in welchem Umfang die Fed die Zinsen senken wird, verliert das Edelmetall einen wichtigen Unterstützungsfaktor.

Charttechnik bestätigt die Vorsicht

Die schwache Kursentwicklung passt damit zum aktuellen fundamentalen Umfeld. Während geopolitische Risiken normalerweise für Unterstützung sorgen würden, dominieren derzeit die Sorgen vor einer restriktiveren Geldpolitik. Nachdem der Goldpreis am 28. Mai ein Tief bei rund 4.366 US-Dollar markiert hatte, folgte eine dynamische Erholung bis knapp unter die Marke von 4.600 US-Dollar.

Doch genau dort gingen den Käufern die Kräfte aus. Inzwischen ist Gold wieder auf 4.450 US-Dollar zurückgefallen. Gleichzeitig bleibt das Muster fallender Zwischenhochs bestehen. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer die Erholung bislang eher als technische Gegenbewegung in einem intakten Abwärtstrend und nicht als Beginn eines neuen Aufwärtsimpulses bewerten.

Golpreis fällt: Gold im Spannungsfeld von Iran-Konflikt und Fed-Zinsen

Sollte die Unsicherheit rund um die FED anhalten und der Ölpreis weiter steigen, könnte der Bereich um das Mai-Tief erneut in den Fokus rücken. Erst eine nachhaltige Rückkehr über die jüngsten Erholungshochs würde das technische Bild deutlich aufhellen.

Der Goldpreis befindet sich damit aktuell zwischen zwei gegensätzlichen Kräften. Auf der einen Seite stehen geopolitische Risiken und die Nachfrage nach sicheren Häfen. Auf der anderen Seite sorgen Inflationssorgen, steigende Ölpreise und die Unsicherheit über den zukünftigen Kurs der Fed für Gegenwind. Der Markt scheint derzeit der Geldpolitik mehr Gewicht beizumessen als den geopolitischen Risiken – und genau deshalb bleibt die Lage für Gold kurzfristig fragil.

Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung oder Handelsempfehlung dar.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. Wie gerade überzeugend dargestellt wurde, ist Gold heute mehr denn je ein Spielball der Notenbanken.
    Die bestimmen, wohin es mit dem Goldpreis geht.

  2. Da geht es nur um Physisches.

    …China baut Hongkong zum neuen Goldzentrum aus – mit möglichen Folgen für London, den Dollar und den globalen Edelmetallmarkt. Während Zentralbanken weiter Gold kaufen und sich vom US-System unabhängiger machen, entsteht im Hintergrund ein neuer Machtblock im Goldhandel. Was bedeutet das bis 2029 für Gold, Silber, Rohstoffe und Anleger?

    https://www.youtube.com/watch?v=Tetuup-B1ss

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  3. Mal sehen, was dabei herauskommt.

    …Die chinesische Regierung subventioniert den Goldkauf für Privatbürger nicht direkt. Aufgrund der Immobilienkrise und schwacher Aktienmärkte hat sich Gold jedoch zum beliebtesten sicheren Hafen entwickelt, weshalb die Regierung den Zugang für institutionelle Anleger China erlaubt Versicherern Goldkauf – GranValora erleichtert, während gleichzeitig die private Nachfrage stark zunimmt Chinas Goldrausch: Bürger & Staat greifen gleichzeitig zu!.Hier sind die aktuellen Rahmenbedingungen zu Goldinvestments in China:Staatliche Devisenkontrollen: Da Bürger ihr Geld kaum im Ausland anlegen dürfen, suchen viele Privatanleger im eigenen Land Sicherheit in physischem Gold, darunter auch bei jungen Leuten sehr beliebte kleine „Gold-Bohnen“ (1-Gramm-Einheiten) Why China is buying so much Gold | Geopolitics, Economy.Steuerliche Verschärfung: Die Regierung hat zuletzt staatliche Maßnahmen ergriffen, um den heimischen Goldmarkt steuerlich etwas abzuschühlen und Staatseinnahmen zu sichern. So wurde die Mehrwertsteuer-Erstattung für bestimmte Goldverarbeiter und Einzelhändler gekürzt, was die Endkundenpreise tendenziell verteuern kann. China Ends VAT Deduction for Retail, Raising Costs and ….Ausweitung des Marktes: Ein Pilotprogramm der Regierung erlaubt es landesweit großen Versicherern, einen Teil ihres Vermögens in Gold anzulegen. China Frees Possible $27 Billion From Insurers to Buy Gold…

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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