Gold

Wenn Schulden Renditen treiben Goldpreis unter Druck: Warum US-Renditen helfen könnten

Goldpreis belastet durch Renditen
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Die wichtigsten Eckpunkte

  • Der Goldpreis steht unter Druck durch steigende US-Renditen und einen starken Dollar.
  • Die Ölpreise erhöhen den Inflationsdruck, was die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen steigert.
  • Investoren verlangen angesichts der wachsenden US-Schulden höhere Renditen auf Staatsanleihen, während Gold keine Zinsen abwirft.
  • Die technische Analyse zeigt, dass der Goldpreis kritisch bei 4.100 Dollar liegt; ein Fall darunter könnte weiter fallende Preise signalisieren.
  • Die Nachfrage der Zentralbanken, insbesondere Chinas, könnte den Goldpreis unterstützen, trotz der aktuellen Herausforderungen.

Der Ölpreis steigt, US-Staatsanleihen bieten die höchsten Renditen seit fast zwei Jahrzehnten – und der Goldpreis gerät unter Druck. Anleger rechnen mit weiteren Zinserhöhungen, während der feste Dollar zusätzlichen Gegenwind bringt. Doch hinter den steigenden Renditen könnte mehr stecken als die Erwartung einer strafferen Geldpolitik: Verlangen Investoren angesichts der wachsenden US-Schulden eine höhere Prämie? Für den Goldpreis könnte das mittel- bis langfristig sogar zur Stütze werden.

Ölpreissprung verstärkt den Druck

Am Montag verlor Gold rund vier Prozent und fiel auf ein Siebenwochentief. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump einen iranischen Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormus abgelehnt. Brent-Öl sprang daraufhin zeitweise auf mehr als 108 Dollar je Barrel, gab einen Teil der Gewinne später aber wieder ab. Am Dienstagmorgen stieg der Preis erneut um 1,7 Prozent auf rund 107 Dollar. Die Hoffnung auf eine baldige Entspannung am Ölmarkt schwindet.

Teures Öl erhöht das Risiko, dass der Preisdruck in den USA anhält. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Federal Reserve. Nach ihrer Anhebung im September preisten Anleger laut FedWatch Tool zuletzt eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent für einen weiteren Schritt im Oktober ein. Auch der zuletzt festere Dollar belastet den Goldpreis.

Hinzu kommt der Ausverkauf am US-Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg seit dem Tief Ende Juni bei 4,36 Prozent auf aktuell rund 5,26 Prozent – ein Anstieg um 0,90 Prozentpunkte. Für Anleger bieten neu ausgegebene Anleihen damit höhere laufende Erträge als zuvor. Gold wirft dagegen keine Zinsen ab. Für die USA bedeutet der Renditeanstieg zugleich höhere Kosten, wenn sie neue Schulden aufnehmen oder fällige Anleihen refinanzieren.

Wenn Schulden Renditen treiben

Die kurzfristige Erklärung für den Anstieg der Renditen liegt bei Inflation und Zinserwartungen. Bei länger laufenden Anleihen kommt jedoch eine weitere Frage hinzu: Welche Prämie verlangen Investoren angesichts der wachsenden US-Schuldenlast, um dem Staat über Jahre Geld zu leihen? Wie viel dieser Prämie im jüngsten Renditeanstieg steckt, lässt sich aus den Renditen allein nicht ablesen.

Das Finanzierungsproblem ist messbar. Das unabhängige US-Haushaltsbüro CBO erwartet für 2026 Nettozinsausgaben von rund 1,04 Billionen Dollar. Bis 2036 könnten sie auf 2,14 Billionen Dollar steigen. Gleichzeitig soll die öffentlich gehaltene Staatsschuld von 101 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung wachsen. Höhere Zinsen treffen damit auf einen immer größeren Schuldenberg.

Daraus kann ein Kreislauf entstehen: Fordern Anleger für langfristige Anleihen höhere Renditen, verteuert sich die Finanzierung des Staates. Der steigende Schuldendienst erhöht wiederum den künftigen Finanzierungsbedarf. Vor dieser Wechselwirkung warnt auch die Haushaltsorganisation Committee for a Responsible Federal Budget.

Für Gold hat der Renditeanstieg deshalb zwei Seiten. Im Moment überwiegt der Nachteil: US-Anleihen bieten mehr Ertrag, während Fed und Dollar zusätzlichen Druck ausüben. Sollten hohe Renditen künftig stärker als Ausdruck von Haushaltsrisiken wahrgenommen werden, könnte Gold als Alternative wieder an Attraktivität gewinnen. Eine Stütze für den Goldpreis bleibt zudem die Nachfrage der Zentralbanken. Chinas Zentralbank stockte ihre Goldreserven im August um 20,2 Tonnen auf – der größte monatliche Zukauf seit Oktober 2023.

Gold testet wichtige Unterstützung

Charttechnisch haben zuletzt wieder die Verkäufer die Kontrolle übernommen. Der Goldpreis ist am Montag unter die frühere Ausbruchszone bei 4.165 bis 4.200 Dollar gefallen. Dort waren Erholungen zwischen Ende Juni und Anfang August mehrfach gescheitert, bevor am 5. August der Ausbruch gelang. Nun bewegt sich der Kurs wieder innerhalb der damaligen Seitwärtsphase.

Die nächste Entscheidung könnte nun um 4.100 Dollar fallen. Bei 4.106 Dollar verläuft im Tageschart das 78,6-Prozent-Retracement des Anstiegs seit Juni. Knapp darüber, bei 4.110 Dollar, stoppte der Rückgang zunächst; anschließend erholte sich Gold auf aktuell rund 4.140 Dollar. Hält die Unterstützung, könnte der Goldpreis versuchen, die frühere Ausbruchszone zurückzuerobern. Fällt er dagegen unter 4.100 Dollar, rückt die Region um 4.000 Dollar in den Blick.

Ob steigende Renditen Gold weiter belasten oder der Druck durch die Zinserwartungen nachlässt, dürften die PCE-Inflationsdaten am Mittwoch und der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag mitentscheiden.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die heutigen Anleger spekulieren auf eine schnelle Wiedereröffnung der Straße von Hormus…dazu kommt heute die! Meldung ,die Saudi Pipeline hätte bald wieder die volle Kapazität erreicht…
    Ob’s so kommt wird man sehen..Zweifel sind angebracht…

    Nach meiner bescheidenen Meinung wird der Iran versuchen die Ölpreise bis zu den Midterms hoch zu halten…damit Trump die Zwischenwahlen verliert…die Motivation ist klar…Trump muss weg..
    Von den Ölpreisen wird auch die Rendite der Zehnjährigen abhängen..die Benchmark im internationalen Geschäft…Trump wird versuchen die Rendite unter die 5 Prozent zu drücken…aber dazu braucht er die Wiedereröffnung der Straße von Hormus…hier stoßen also gegensätzliche Interessen aufeinander…

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