Gold/Silber

Goldpreis-Verlauf unter Joe Biden – das ist keine einfache Thematik

Gold mit US-Dollar und Adler

Wenn ein Unternehmen seine Quartalszahlen deutlich besser als erwartet veröffentlicht, dann ist die Lage einfach und klar. Der Aktienkurs sollte steigen. Und im Goldpreis? Da wird die Lage mit Sicht auf mehrere Wochen und Monate etwas schwieriger. Joe Biden ist jetzt neuer US-Präsident. Und nun steht das gewaltige 1,9 Billionen Dollar schwere Stimulus-Paket an. Wird es verabschiedet werden, und was sind die Auswirkungen auf den Goldpreis?

Carsten Fritsch von der Commerzbank wies am Mittwoch in einem Kommentar darauf hin, dass die Verabschiedung dieses gigantischen Konjunkturpakets die erste große Aufgabe von Joe Biden sein werde. Zwar würden die Demokraten nach dem Sieg bei den Senats-Stichwahlen in Georgia über eine knappe Mehrheit in beiden Kongresskammern verfügen. Einfach werde der Genehmigungsprozess dennoch nicht. Von daher bleibe abzuwarten, wie lange es dauert, bis das Paket unterschriftsreif auf dem Schreibtisch des neuen Präsidenten liegt. Gold dürfte laut Carsten Fritsch von dieser Unsicherheit profitieren. Nach Inkrafttreten dürfte die Wirtschaft in den USA dank des massiven Impulses spürbar anziehen, was den US-Dollar aufwerten lassen und den Goldpreis damit belasten könnte.

Goldpreis im größeren Bild mit guten Aussichten?

Das ist das kurzfristige Szenario für die Aussicht auf Tage und Wochen. Und danach, wenn man auf das große Gesamtbild blickt? Gold ist doch der Fluchthafen, wenn die angeblich große Inflationswelle kommt? Ja, dieses Szenario sollte im größeren Bild nie vergessen werden. Die Notenbanken drucken immer mehr Geld, die Staaten verschulden sich immer mehr. Nicht eine Hyperinflation, sondern „nur“ ein deutlich spürbares Anziehen der Inflation könnte den Goldpreis wieder anfachen als Fluchthafen. Die Fed hat Ende letzten Jahres schon klar gemacht, dass sie zur Stützung der Konjunktur eine möglicherweise anziehende Inflation erst einmal nicht bremsen würde mit höheren Zinsen. Dies wäre womöglich die Chance für Gold-Trader auf höhere Kurse zu setzen.

Blickt man ganz aktuell auf den Goldpreis, dann hat er diese Woche zulegen können. Unter 1.830 Dollar am Montag gestartet, ging es bis gestern rauf auf das Hoch bei 1.874 Dollar. Aktuell kann man sich mit 1.862 Dollar auf erhöhtem Niveau halten. Im Chart sehen wir seit Montag den steigenden Goldpreis gegen den fallenden US-Dollar (Dollar-Index blau). Gestern hatten wir schon den nicht einfach zu erklärenden Goldpreis-Anstieg in dieser Woche besprochen. Derzeit ist die Lage nicht ganz so klar wie üblich. Die Biden-Wahl bringt viel in Bewegung.

Chart zeigt Goldpreis-Anstieg seit Montag gegen fallenden US-Dollar



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1 Kommentar

  1. Also erst mal zeigen die Preiskurven nicht den Goldpreis sondern von größtenteils ungedecktem Papiergold. Dann sind eine Menge Bewegungen an anderer Stelle zu verzeichnen. Nachdem die Zentralbanken lange klammheimlich ihre Goldbestände aufgestockt haben treten sie nun wieder als Nettoverkäufer auf. Schon weil sie befürchten das ein explodierender Goldpreis die Leute auf dumme Gedanken bringen könnte.
    Die Goldnachfrage im Schmuckbereich ist immer noch niedrig, denn in den ärmeren Ländern, wo Goldschmuck eben auch den Notgroschen für schlechte Zeiten darstellt, müssen viele nun an diese Reserven gehen.

    Abgesehen davon ist es völlig unerheblich wie sich der Goldpreis in Tagen und Wochen entwickelt. Außer natürlich für die Tageszocker.

    Auf lange Sicht gehe ich trotzdem von deutlich steigenden Preisen aus. Eine explodierende Inflation sehe ich in der nächsten Zeit aber trotzdem nicht, da der Dagobert Duck Effekt weiterhin intakt ist. Werner Sinn wies übrigens auf noch einen Geldspeicher hin, den ich bisher gar nicht im Auge hatte. Nämlich die immensen liquiden Mittel die die Banken selbst horten (Bestandteil der Geldmenge M0). Er nennt das „Liquiditätsfalle“.
    Solange diese Kohle nicht in die breite Masse strömt wird auch die Inflation nicht explodieren obwohl es wahrscheinlich schon zu weiter erodierenden Realeinkommen kommen wird.

    Es könnte natürlich auch China den Stecker ziehen, wobei die aktuell aus meiner Sicht noch kein Interesse daran haben.

    Zusätzlich sei darauf hingewiesen dass Inflation nicht für jeden das selbe ist. Während ein anziehender Milchpreis den einen schon schwer belastet profitiert der andere von extrem gesunkenen Zinsen wenn er seine Hypotheken umschuldet (noch nie hat mir ein Kreditvertrag soviel Spaß gemacht).

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