Gold

Goldpreis vor Ausbruch? Zinsen und Zölle befeuern Rally

Goldpreis vor Ausbruch? Zinsen und Zölle befeuern Rally
Grafik: ChatGPT

Der Goldpreis befindet sich aktuell wieder in einer starken Aufwärtsbewegung und verzeichnete dabei seine längste Gewinnserie seit Februar. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Auf der einen Seite steht eine zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit in den USA, auf der anderen Seite wachsen die Erwartungen an eine baldige Zinssenkung der US-Notenbank Fed. In diesem komplexen Umfeld gewinnt Gold als klassischer sicherer Hafen wieder deutlich an Attraktivität.

Goldpreis wieder im Aufwind

Zu Beginn der neuen Handelswoche präsentierte sich der Goldpreis fester und setzte seinen jüngsten Aufwärtstrend bis auf 3.390 US-Dollar pro Unze fort. Damit legte Gold am Dienstag den vierten Handelstag in Folge zu. Vor dem Hintergrund anstehender US-Wirtschaftsdaten wie den morgigen Daten zu den US-Arbeitslosenzahlen könnten sich für das Edelmetall zusätzliche Impulse ergeben.

Ein zentraler Auslöser für den jüngsten Kursanstieg waren die am vergangenen Freitag veröffentlichten, überraschend schwachen Arbeitsmarktdaten aus den USA. Anzeichen einer Schwäche der weltweit größten Volkswirtschaft haben infolgedessen die Spekulationen über eine Lockerung der Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed bei ihrer nächsten Sitzung im September angeheizt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Senkung des Leitzinses um 25 Basispunkte stieg von etwa 40 auf 85 Prozent. Zudem rechnene die Marktteilnehmen nun wieder mit einer zweiten Zinssenkung bis Jahresende. Für Gold ist diese Entwicklung grundsätzlich vorteilhaft, da niedrigere Zinsen die Opportunitätskosten für das Halten des zinslosen Edelmetalls deutlich reduzieren.

Neben den geldpolitischen Aspekten gewinnen auch geopolitische und handelspolitische Themen weiter an Bedeutung. Besonders im Fokus stehen dabei neue US-Zölle, die voraussichtlich am 7. August in Kraft treten. Die Mischung aus enttäuschenden US-Konjunkturdaten, zunehmendem politischen Einfluss durch Donald Trump auf die Notenbank und statistische Institutionen sowie ein saisonal günstiges Umfeld wirken demnach unterstützend für den Goldpreis. Hinzu kommt die weiterhin hohe Gold-Nachfrage vonseiten der Zentralbanken und Chinas.

Auftrieb durch schwache US-Daten

Die aktuellen makroökonomischen Daten aus den USA zeichnen ein schwaches Bild: Der Dienstleistungssektor stagniert, der Arbeitsmarkt zeigt Ermüdungserscheinungen, und die Konsumausgaben bleiben hinter den Erwartungen zurück. Diese Signale deuten auf eine mögliche Konjunkturabkühlung hin. In der Folge spekulieren Marktteilnehmer verstärkt auf eine Lockerung der Geldpolitik durch die Fed. Bereits jetzt schätzen Swap-Händler die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im September auf rund 90 %. Entsprechend robust zeigte sich der Goldpreis auch zu Wochenbeginn mit einem Anstieg auf 3.390 US-Dollar pro Unze – ein Plus von mehr als 3 % innerhalb von vier Handelstagen.

Neben der Geldpolitik spielen auch geopolitische Spannungen und der eskalierende Handelskonflikt eine zentrale Rolle. Besonders die bevorstehenden US-Zölle, die am 7. August in Kraft treten sollen, sorgen für Unsicherheit an den Märkten. Zusätzlich wächst der politische Druck durch Donald Trump auf die Notenbank und den Fed-Chef sowie auf die unabhängigen Statistikbehörden in den USA. Diese Entwicklungen steigern die Attraktivität von Gold als krisenresistenter Vermögenswert weiter.

Technische Perspektive

Aus technischer Sicht hat der Goldpreis zuletzt wichtige Widerstandsmarken durchbrochen – etwa die Schwelle bei 3.365 USD. Allerdings konnte das Edelmetall das hohe Niveau von Dienstag nicht halten und fiel im heutigen Handel auf die wichtige Marke von 3.365 USD zurück, was auf Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rally hindeuten könnte. Der Goldpreis könnte zunächst in einer Handelsspanne zwischen 3.350 und 3.400 USD verharren, bevor es zu einer Richtungsentscheidung kommt. Ein nachhaltiger Ausbruch über die Marke von 3.400 USD würde weiteres Aufwärtspotenzial bis 3.440/50 USD eröffnen. Nach unten gelten die Bereiche bei 3.350 und 3.310 USD als erste Unterstützungszonen. Der folgende Gold-Chart von TradingView zeigt die aktuelle charttechnische Situation.

Gold: Goldpreis steht vor einer Entscheidung - Fed und Zölle stützen

Analysten zeigen sich zunehmend optimistisch hinsichtlich der langfristigen Perspektiven für den Goldpreis. Die Citigroup hat ihre vorher eher zurückhaltende Prognose revidiert und erwartet nun einen Anstieg auf bis zu 3.600 USD innerhalb der kommenden drei Monate. Mittelfrsitig könnte der Preis sogar die Marke von 4.000 USD bis 2026 überschreiten. Die Experten verweisen dabei auf Faktoren wie eine mögliche Fortsetzung der Dollar-Schwäche, explodierende US-Staatsverschuldung, strukturelle Inflationsrisiken und die globale politische Unsicherheit.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Goldpreis aktuell von einer Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit, geldpolitischen Erwartungen und geopolitischen Spannungen profitiert. Kurzfristig bleibt die technische Lage spannend, doch langfristig sehen viele Experten weiterhin Potenzial nach oben. In einem zunehmend fragileren globalen Umfeld bestätigt sich erneut die Rolle von Gold als wertstabiler Anker für Investoren.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Spekulanten werden ihre speziellen Erwartungen zum Goldpreis haben.
    Ich, als „langjähriger Horter,“ bin mit der Preissteigerungen schon jetzt für das ganze Jahr zufrieden.
    Über 15 % in Euro (und das steuerfrei) ist doch schon was.
    Es sollte von Gold auch nicht zuviel erwartet werden.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage