Gold

Expertenaussagen Goldpreis vor neuem Auftrieb? Gold-Nachfrage in Asien

Nach einem Doppelschlag gegen Gold vor einer Woche könnte der Goldpreis doch weiter steigen? Experten blicken auf die Nachfrage in Asien.

Grafik: sawitreenan88-Freepik.com

Letzte Woche Freitag gab es einen Abrutscher im Goldpreis. Es war ein regelrechter Doppelschlag, der 80 Dollar Verlust brachte. Denn die US-Arbeitsmarktdaten fielen stark aus, was in den USA auf hohe Zinsen für längere Zeit hindeutete. Und aus China wurde bekannt, dass die dortige Zentralbank im Mai gar kein Gold mehr gekauft hat. War das nur eine Pause bei den Goldkäufen? Wie auch immer. Mit 2.313 Dollar zeigt sich der Goldpreis aktuell jedenfalls halbwegs beruhigt. Im XAUUSD Chart sehen wir den Verlauf der letzten fünf Jahre. Gibt es wieder gute Gründe, um positiver auf Gold zu schauen?

Chart zeigt Kursverlauf im Goldpreis in den letzten fünf Jahren

Goldpreis-Rally nach Schock für Zentralbanken

Wir erinnern an dieser Stelle an ein Experten-Interview vom 4. Juni, bei dem der große Gesamtblick besprochen wurde. Seit mehreren Quartalen soll die Rally im Goldpreis laufen, weil gerade in Asien viele Zentralbanken geschockt waren von den westlichen Sanktionen, bei denen Guthaben der russischen Zentralbank beschlagnahmt wurden im Zuge des Ukraine-Kriegs. Weil man Angst hat (vor allem in China?), zukünftig selbst auch mal von solchen westlichen Maßnahmen betroffen zu sein (Angriff auf Taiwan?), tauscht man seine Wertgegenstände, die beschlagnahmt werden können, nun seit geraumer Zeit um in Gold. Dies könnte die enorme Rally vor allem seit Herbst 2022 erklären, wo der Goldpreis noch unter 1.700 Dollar notierte.

Hohe Nachfrage nach Gold durch Privatkunden in Asien

Aber abgesehen von diesem größeren Bild gibt es aktuell auch Stimmen, die den Fokus lenken auf eine hohe Nachfrage nach Gold von Privatkunden in Asien. Asiatische Gold-Käufer im Einzelhandel sind nach wie vor sehr daran interessiert, mehr von dem Edelmetall zu kaufen, selbst wenn die Preise auf einem hohen Niveau verharren, wobei geopolitische und makroökonomische Unsicherheiten ihr Interesse wecken, so formuliert es Bloomberg aktuell. Die Teilnehmer einer Edelmetallkonferenz, die diese Woche in Singapur stattfand, äußerten sich enthusiastisch über die Aussichten für Gold, und sahen eine anhaltend starke Nachfrage in der Region. Dies gilt selbst nach einer rekordverdächtigen Rallye, die den Goldpreis seit Mitte Februar um 16 % auf über 2.300 Dollar je Unze ansteigen ließ.

„Der Stimmungsumschwung hat offensichtlich zu neuen, höheren Preisen geführt – und das hat die Leute wieder zum Handeln gebracht“, sagte Rhona O’Connell, Leiterin der Marktanalyse bei StoneX Financial am Rande der Konferenz. Aber „es ist nicht nur eine Reaktion auf den Goldpreis, es ist eine Reaktion auf das, was den Preis überhaupt erst angetrieben hat, nämlich die Unsicherheit und das Konzept des Risikos.“

Angesichts der Tatsache, dass in diesem Jahr in mehr als 40 Ländern Wahlen stattfinden, war das politische Risiko ein wichtiges Thema auf der Asia Pacific Precious Metals Conference. Die Besorgnis über die sich verschlechternde Lage der großen Volkswirtschaften, insbesondere Chinas, und der Verfall der lokalen Währungen tragen ebenfalls zur Attraktivität von Gold bei, auch wenn das Metall dadurch für die meisten Käufer teurer wird.

China ist nach wie vor der wichtigste Einzelhandelsmarkt in Asien und fordert Finanzzentren wie London und New York als wichtigste Treiber für den Goldpreis heraus. Das Metall hat in China eine lange Tradition als Sparinstrument, und das Land ist der größte Verbraucher und führende Produzent. Dies wird nun durch die Turbulenzen auf den lokalen Immobilien- und Aktienmärkten noch verstärkt. Der chinesische Markt ist im Moment wahrscheinlich die größte treibende Kraft bei der Preisfindung“, sagte Ruth Crowell, Geschäftsführerin der London Bullion Market Association. „Das Wachstum der Goldnachfrage in Asien wird sich fortsetzen“.

Die LBMA baut ihre Präsenz in Asien aus, wo sie einen enormen Zuwachs an neuen Mitgliedern, darunter Banken, Händler und Raffinerien mit guter Lieferfähigkeit, verzeichnen kann, so Crowell. Andernorts in Asien schwächte sich die Nachfrage nach Gold in Indien zwischen März und April etwas ab, aber der Appetit ist zurückgekehrt, da Juweliere während der Festsaison höhere Umsätze als im Vorjahr verzeichnen, so der World Gold Council.

Auf kleineren Märkten wie Vietnam ist die Nachfrage stark, und es wird erwartet, dass der Verbrauch in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahr um 10 % steigt, so Huynh Trung Khanh, stellvertretender Vorsitzender der Vietnam Gold Traders Association. In Japan halten sich die Käufe in Grenzen, obwohl der schwächelnde Yen den Goldpreis für die dortigen Käufer erheblich verteuert.

„Wir sehen natürlich Verkäufe, aber auch mehr Käufe, und zwar auf historisch hohem Niveau“, sagte Bruce Ikemizu, Hauptdirektor der Japanese Bullion Market Association. „Das hat es in der Vergangenheit nie gegeben.“ Das Angebot an Altmetall in der Region hat sich ebenfalls verknappt – was in diesem hohen Preisumfeld ungewöhnlich ist und ein „klares Zeichen dafür ist, dass die Verbraucher ihr Gold nicht loswerden wollen“, so Nikos Kavalis, Geschäftsführer der Beratungsfirma Metals Focus Ltd.

Längerfristig gibt es jedoch Grund, den Aufwärtstrend zu dämpfen, da sich die geopolitischen Aussichten stabilisieren könnten, sobald der diesjährige massive Wahlzyklus vorbei ist. „Das nimmt ein Element der Unterstützung weg, es sei denn, die neuen Regime sind so stark, dass sie die Menschen beunruhigen“, sagte O’Connell von StoneX.

FMW/Bloomberg



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage

Exit mobile version
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

75,0% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.