Nach zwei Gewinntagen stabilisiert sich Gold, während die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zu eskalieren drohen und ein möglicher US-Militärschlag gegen den Iran näher rückt. Der Goldpreis steigt erneut über die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze – trotz anhaltender Unsicherheit über die künftige Zinspolitik der Fed und unmittelbar vor richtungsweisenden US-Konjunkturdaten, die die Anleger in Atem halten.
Goldpreis steigt über 5.000 Dollar
Der Goldpreis notierte zuletzt wieder über der Marke von 5.000 US-Dollar je Unze und zeigte sich damit weitgehend stabil. Laut einem Bericht von Bloomberg wägen die Marktteilnehmer aktuell vor allem steigende geopolitische Risiken im Zusammenhang mit Iran sowie die künftige Zinspolitik der US-Notenbank Fed ab.
US-Präsident Donald Trump erklärte, er werde Verhandlungen über ein mögliches Atomabkommen mit Iran lediglich noch „zehn bis fünfzehn Tage“ Zeit einräumen. Gleichzeitig verstärkten die Vereinigten Staaten ihre militärische Präsenz in der Region – es ist der umfangreichste Truppenaufmarsch seit der Zeit vor dem Irakkrieg 2003.
Der Goldpreis war in den beiden vorangegangenen Handelssitzungen um mehr als zwei Prozent gestiegen. Dennoch steuert das Edelmetall auf ein moderates Wochenminus zu. In Teilen Asiens blieb der Handel aufgrund der Feiertage zum Mondneujahr weiterhin ausgesetzt, was die Liquidität verringerte.

Unsicherer Zinsausblick
Ein zentraler Treiber für den Goldpreis bleibt der weitere Kurs der US-Zinsen. Gold profitiert typischerweise von sinkenden oder niedrigen Leitzinsen, da dadurch die Opportunitätskosten für das Halten unverzinslicher Anlagen wie Edelmetallen sinken.
Fed-Gouverneur Stephen Miran dämpfte jüngst die Erwartungen an deutliche Zinssenkungen im laufenden Jahr. Aktuelle Konjunkturdaten signalisierten zudem eine robustere US-Wirtschaft als bislang angenommen. Damit bleibt der geldpolitische Ausblick unsicher – ein Faktor, der die Volatilität am Goldmarkt hochhält.
Das jüngste Protokoll der Fed-Sitzung offenbarte zudem eine überraschend restriktive Grundhaltung. Mehrere Notenbanker stellten sogar eine erneute Zinserhöhung in Aussicht, sollte sich die Inflation als hartnäckig erweisen.
Seit einem historischen Kursrutsch zu Monatsbeginn präsentiert sich der Markt außergewöhnlich schwankungsanfällig. Damals fiel der Goldpreis innerhalb von nur zwei Tagen von einem Rekordhoch über 5.595 US-Dollar nahezu auf 4.400 US-Dollar zurück. Eine Welle spekulativer Käufe, die sich im Januar beschleunigt hatte, brachte eine mehrjährige Rally an ihre Belastungsgrenze.
Trotz dieses Rücksetzers gelten viele strukturelle Treiber als intakt. Dazu zählt insbesondere die zunehmende Abkehr von Staatsanleihen und traditionellen Währungen. Investoren suchen verstärkt nach Alternativen zur Absicherung gegen fiskalische Risiken und Währungsabwertung.
Banken erwarten Aufwärtstrend
Große Investmentbanken wie BNP Paribas, Deutsche Bank und Goldman Sachs gehen daher davon aus, dass der Goldpreis im weiteren Jahresverlauf wieder anziehen dürfte. Analysten von Goldman Sachs betonen, dass Zentralbanken – ein wesentlicher Motor der bisherigen Goldrally – weiterhin an einer Aufstockung ihrer Bestände interessiert sind. Gold dient ihnen als Absicherung gegen geopolitische und finanzielle Risiken.
Zwar dämpfte die zuletzt erhöhte Marktvolatilität die Käufe, doch strategisch bleibt Gold für viele Notenbanken ein Kernbestandteil der Reservestruktur.
Angesichts der Spannungen rund um Iran rückt zudem die Funktion von Gold als sicherer Hafen erneut in den Vordergrund. Ein größerer Militärschlag gegen die Islamische Republik – deren Führung nach landesweiten Unruhen um die Stabilität des Regimes besorgt ist – könnte die USA in einen weiteren Konflikt im Nahen Osten verwickeln. Es wäre der dritte größere Militäreinsatz seit 1991.
Parallel dazu notierte der Ölpreis nahe einem Sechsmonatshoch, was die geopolitische Risikoprämie zusätzlich unterstreicht.
Angebot und Marktbewegung
Auch von Unternehmensseite kommen neue Impulse. Newmont, der weltweit größte Goldproduzent, kündigte an, die Förderung im laufenden Jahr um rund zehn Prozent zu senken. Hintergrund sind unter anderem geplante Modernisierungen in mehreren Minen. Ein geringeres Angebot könnte mittelfristig preisstabilisierend wirken.
Kurzfristig richten sich die Blicke jedoch auf wichtige US-Konjunkturdaten, die für neue Dynamik sorgen dürften. Neben der Veröffentlichung des US-Bruttoinlandsprodukts stehen insbesondere die von der Fed stark beachteten PCE-Preisdaten im Fokus.
Am Spotmarkt stieg der Goldpreis um 8:20 Uhr in Frankfurt um 0,4 Prozent auf 5.015,36 US-Dollar je Unze. Silber kletterte um 0,4 Prozent auf 78,83 US-Dollar. Platin und Palladium legten ebenfalls leicht zu. Der Bloomberg-Dollar-Spot-Index stieg um 0,1 Prozent und verzeichnete auf Wochensicht ein Plus von 0,9 Prozent.
FMW/Bloomberg
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