Gold

Was jetzt entscheidend ist Goldpreis vor Warsh: Stoppt er die Rally – oder befeuert er sie?

Goldpreis fällt vor Rede von Fed-Chef Warsh
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Der Goldpreis ist nach seiner fulminanten Rally ins Stocken geraten. Vom Drei-Monats-Hoch bei knapp 4.700 Dollar ging es inzwischen bis auf rund 4.570 Dollar zurück. Doch der nächste große Impuls steht bereits bevor: Am Freitag tritt Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole vor die Öffentlichkeit. Seine erste große Rede als Vorsitzender der US-Notenbank könnte darüber entscheiden, ob die Gold-Rally eine Verschnaufpause einlegt – oder schon bald den nächsten Schub erhält.

Goldpreis trotzt dem Zinsdruck

Am Mittwoch hatte der Goldpreis nach fünf Gewinntagen in Folge erstmals wieder deutlich nachgegeben. Hartnäckige US-Inflationsdaten stärkten die Erwartungen, dass die Federal Reserve im September die Zinsen anheben könnte. Der Dollar erholte sich von seinem jüngsten Rücksetzer, während vor allem die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wieder anzog – eine ungünstige Kombination für das zinslose Edelmetall.

Dennoch steht für Gold im August noch immer ein Plus von fast 15 Prozent zu Buche. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass der Goldpreis zuletzt zeitweise gemeinsam mit den Anleiherenditen gestiegen ist. Normalerweise konkurriert Gold mit sicheren Staatsanleihen: Steigen deren Renditen, erhöhen sich die Opportunitätskosten für das Edelmetall.

Dass diese klassische Beziehung zuletzt nicht mehr zuverlässig funktionierte, hat einen Grund. Die überraschenden Eingriffe des US-Finanzministeriums am Anleihemarkt haben Sorgen über den wachsenden US-Schuldenberg neu entfacht und dem sogenannten Debasement Trade neues Leben eingehaucht.

Debasement Trade ist zurück

Anleger setzen dabei auf Vermögenswerte, die Schutz vor einer langfristigen Entwertung klassischer Währungen bieten sollen. Neben Gold profitierten davon zuletzt auch Kryptowährungen wie Bitcoin. Gleichzeitig erwies sich der schwache Dollar als wichtiger Treiber der Gold-Rally.

Die aktuelle Entwicklung zeigt einen Wandel: Steigende Renditen müssen den Goldpreis nicht zwangsläufig belasten, wenn sie gleichzeitig als Ausdruck wachsender Sorgen über Staatsverschuldung, Inflation und die Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik wahrgenommen werden. Solange der Dollar schwach bleibt und der Debasement Trade anhält, kann Gold den Gegenwind vom Anleihemarkt offenbar besser verkraften als gewöhnlich.

Doch genau diese Konstellation wird nun auf die Probe gestellt.

Warsh wird zum Gold-Katalysator

Am Freitag um 16 Uhr deutscher Zeit hält Kevin Warsh seine mit Spannung erwartete Rede beim Notenbank-Symposium in Jackson Hole. Für die Märkte ist sie besonders relevant, weil Warsh bislang bewusst auf eine umfangreiche Forward Guidance verzichtet hat. Anleger hoffen daher auf Hinweise, wie der neue Fed-Chef die hartnäckige Inflation und den jüngsten Anstieg der langfristigen Anleiherenditen bewertet und ob eine Zinserhöhung im September tatsächlich eine Option ist.

Fällt Warsh hawkisher aus als erwartet und öffnet die Tür für eine baldige Zinserhöhung, dürften insbesondere die kurzfristigen US-Renditen und der Dollar zulegen. Für Gold wäre das nach der starken August-Rally ein Belastungsfaktor und könnte die laufende Konsolidierung verlängern.

Charttechnisch würde dann zunächst die 200-Tage-Linie bei rund 4.511 Dollar in den Fokus rücken. Ein Rücksetzer bis an diesen viel beachteten Durchschnitt und ein Abpraller nach oben wären bullisch zu werten. Darunter wartet zwischen etwa 4.450 und 4.400 Dollar eine wichtige horizontale Unterstützungszone. Solange diese Bereiche halten, bleibt eine Fortsetzung der übergeordneten Rally wahrscheinlich. Erst ein nachhaltiger Rückfall unter das Verlaufstief vom 14. August bei 4.311 Dollar wäre ein erstes deutlicheres Schwächesignal.

Gold: Goldpreis fällt vor Rede von Fed-Chef Warsh in Jackson Hole

Überrascht Warsh dagegen mit einer zurückhaltenderen Tonlage und dämpft die Erwartungen an eine Zinserhöhung, könnten die Renditen nachgeben und der Dollar erneut unter Druck geraten. Der Goldpreis hätte dann die Chance, zunächst die Marke von 4.600 Dollar zurückzuerobern und anschließend wieder das Hoch bei knapp 4.700 Dollar ins Visier zu nehmen.

Besonders aufschlussreich wäre allerdings eine dritte Variante: Bleibt Gold selbst bei einem hawkishen Warsh und steigenden Renditen oberhalb seiner wichtigen Unterstützungen stabil, wäre das ein bemerkenswertes Stärkezeichen. Es würde darauf hindeuten, dass der Debasement Trade inzwischen schwerer wiegt als der klassische Gegenwind durch höhere Zinsen.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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