Gold

Datenblindflug und Zinsrätsel Goldpreis zieht an – Unsicherheit treibt das Edelmetall hoch

Goldmünzen. Fotograf: Chalinee Thirasupa/Bloomberg

Der Goldpreis schießt erneut nach oben, während die Märkte zwischen fehlenden Konjunkturdaten, einer gespaltenen Fed und wachsenden Hoffnungen auf sinkende Zinsen navigieren. Gold profitiert von der Unsicherheit – und Anleger setzen auf weitere Höhenflüge.

Goldpreis steigt nach Shutdown-Ende

Der Goldpreis zog an, nachdem Händler ihre Aufmerksamkeit nach dem Ende des Government Shutdowns in Washington wieder auf die Zinsausblicke der Federal Reserve richteten. Ein leichter Rückgang des Dollarindex sorgt ebenfalls für Auftrieb.

Das Edelmetall stieg bis auf 4.239 US-Dollar je Unze und setzte damit seine mehrtägige Rally fort. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor ein Gesetz unterzeichnet, das den längsten Regierungsstillstand in der Geschichte der USA beendet. Dennoch warnte das Weiße Haus, dass die offiziellen Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten für Oktober vermutlich nicht veröffentlicht werden. Ohne diese Zahlen bleiben die Märkte und die Fed bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Lage im Unklaren.

Gold: Fed uneins über Zinsen - doch der Goldpreis steigt weiter
Gold stabil trotz fehlender wichtiger Daten
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Die Datenlücke während des Stillstands führt dazu, dass Investoren im Blindflug agieren oder sich auf private Statistiken verlassen müssen, um die Lage der weltweit größten Volkswirtschaft einzuschätzen. Gold hat diese Woche einen neuen Aufschwung erlebt, teilweise in Erwartung weiterer Zinssenkungen nach der Wiederaufnahme der Arbeit in Washington – ein positiver Faktor für das Edelmetall, das selbst keine Zinsen abwirft.

Fed uneins über Zinskurs

Die Notenbanker der Fed sind sich jedoch nicht einig über die Notwendigkeit weiterer Senkungen der Kreditkosten. So sprachen sich der Präsident der Federal Reserve Bank of Atlanta, Raphael Bostic, und die Präsidentin der Bank of Boston, Susan Collins, beide dafür aus, die Zinsen stabil zu halten, um die Inflation zu dämpfen. Auch die Märkte scheinen sich nicht mehr sicher zu sein, dass die Fed im Dezember die Zinsen senken wird. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung fiel auf nur noch 54 Prozent.

„Das Fehlen offizieller Wirtschaftsdaten und die Besorgnis über den Grad der restriktiven Geldpolitik haben zu unklaren Erwartungen hinsichtlich der bevorstehenden Entscheidung der Fed im Dezember geführt“, schrieben Analysten von TD Securities, darunter Oscar Munoz, in einer Mitteilung. „Daten klären Debatten, während das Fehlen von Daten zu festgefahrenen politischen Ansichten führt.“ Ein Treiber für den Goldpreis dürfte daher eher die Sorge vor weiter steigenden Schulden nach dem Ende des Shutdowns sein.

Der Goldpreis ist in diesem Jahr um fast 60 % gestiegen und auf dem besten Weg, die beste Jahresperformance seit 1979 zu erzielen. Die Zentralbanken haben ihre Käufe verstärkt, um die Wertbeständigkeit und Diversifizierung ihrer Vermögenswerte zu erhöhen. Investoren haben in das Edelmetall investiert, um sich gegen die wachsende finanzielle Unsicherheit in einigen der größten Volkswirtschaften der Welt abzusichern.

Obwohl der Goldpreis nach Sorgen, die Rally sei zu weit und zu schnell gelaufen, von seinem Rekordhoch von mehr als 4.380 US-Dollar im vergangenen Monat zurückgefallen ist, rechnen mehrere Investoren im kommenden Jahr mit einem erneuten Anstieg auf 5.000 US-Dollar und darüber hinaus. China bleibt einer der aktivsten Käufer unter den Zentralbanken und treibt damit sein Bestreben voran, eine Finanzwelt zu stärken, die weniger abhängig von den US-dominierten Märkten ist.

Der Spot-Goldpreis stieg um 0,6 % auf 4.236,57 USD pro Unze um 08:33 Uhr Ortszeit in London. Der Bloomberg Dollar Spot Index blieb unverändert. Silber kletterte bis an sein Rekordhoch, während auch die Preise für Platin und Palladium zulegten.

FMW/Bloomberg



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3 Kommentare

  1. Mittlerweile ist es völlig überzogen. Die Retail Investoren spinnen sich zu Tode. So wie die einen jeden Dip kaufen, egal, wie überbewertet Big Tech ist, so spinnen sich die anderen grad bei Gold aus. Ich halte Bares vor. Der Goldpreis wird irgendwann auch mal wieder fallen. Es ist einfach zu teuer, zu steil, viel zu viel Euphorie im Markt.

    1. @Schwabenpower

      Da ist keine Euphorie im Markt und auch keine Angst. Bislang kaufen vor allem die Zentralbanken.

  2. Euphorie bei Gold?

    Ich stufe das eher als Panik ein. Irgendwas scheint gewaltig nicht zu stimmen. In der Verganenheit war ein Push dieser Stufe irgendwie immer mit Weltuntergangsstimmung am Aktienmarkt gekoppelt (sehe ich das richtig?).

    Das ist nicht so.

    Um das einchätzen zu können müsste man rauskriegen, ob das schnelles Zockergeld ist, dass hier treibt oder Smart Money. Bzw., da vermutlich beides, wie hoch die Anteile davon sind.

    Ich frage mich, ob die üblichen Charttechnik-Regeln noch anwendbar sind. In meinen Charts stehen noch Lücken. Ich kann mir vorstellen, wenn etwas wirklich großes im Busch ist, dass gerade beim Gold die üblichen Indikatoren fehlinterpretiert werden könnten.

    ich beobachte schon seit längerer Zeit, dass viele Analysten das Ding komplett falsch eingeschätzt haben und auch die Charttechniker haben es schwer.

    Die Langfristprognostiker halten da schon bessere Trefferquoten. Die Fans haben diese Stände vorhergesagt.

    Für den Kleinanleger ist eine Oz für 3500 OKn schon echt ein beeindruckendes Erscheinungsbild. Die Frage ist, welche Rolle das für Institutionelle, Zentralbanken und Smart Money spielt.

    Gold war schon immer (bis auf einige Jahrzehnte) ein Metall der Macht.

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