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Goldverbot: Historisch kein Einzelfall

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Droht ein neues Goldverbot? In Zeiten klammer Staatskassen weckten die Goldschätze der Bürger schon oft das Interesse der Regierenden. Auch in der deutschen Geschichte gab es bereits 32 Jahre lang ein Goldverbot und Besitzbeschränkungen.

Das Goldverbot ist historisch kein Einzelfall

Staatlich sanktionierte Beschränkungen und sogar Totalverbote des privaten Besitzes und des Handels von Gold gab es in der Geschichte in allen Gesellschaftssystemen: von der Antike über die mittelalterlich-feudale Gesellschaft, zu Zeiten der Aufklärung, des Faschismus, des Sozialismus bis hin zu den Entwicklungsländern des 20. Jahrhunderts (China und Indien). Es gab Goldverbote in Monarchien, Diktaturen und Demokratien. Einige Beispiele aus der Geschichte zeigt der folgende Zeitstrahl:

Das Goldverbot in der Geschichte

In Deutschland war der Besitz von Gold aber auch der von Silber mehrfach verboten. Zunächst kam es zu Zeiten der Weimarer Republik auf dem Höhepunkt der Inflation zur Einschränkung des Handels mit beiden Edelmetallen. Im Jahr 1923 verbot Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) den Goldbesitz komplett.

Im Oktober 1936 wurde auf Anordnung von Hermann Göring eine Ablieferungspflicht für Gold in Kraft gesetzt. Ausgenommen waren Alt- und Bruchgold. Ab dem 1. Dezember 1936 drohte im Zusammenhang mit dem Gesetz gegen Wirtschaftssabotage bei Zuwiderhandlung sogar die Todesstrafe. Ab dem 16. August 1938 galten Goldmünzen im Deutschen Reich nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel und konnten auch nicht mehr an die Reichsbank veräußert werden.

Am 13. September 1939, also kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wurde das Besitzverbot sogar auf Unternehmen ausgeweitet und alles gewerblich gehaltene Gold beschlagnahmt.

Am 1. Januar 1940 verloren auch die Silbermünzen des Deutschen Reiches ihren Status als Zahlungsmittel.

Das letzte sich nahtlos anschließende Goldverbot in Deutschland erließen die Siegermächte dann am 20. September 1945. Neben Gold mussten die Deutschen auch ihr Silber und Platin sowie alle ausländischen Banknoten und Münzen an die Alliierten abliefern. Aufgrund der vorherigen Goldverbote war diese Ablieferungspflicht jedoch nicht sehr effektiv. Unternehmen und Bürger, die noch im Besitz von Edelmetallen waren, versteckten ihre Besitztümer und ignorierten die Proklamation weitgehend.

Das letzte Goldverbot galt rein juristisch in Westdeutschland bis zum 5. Mai 1955 und in der DDR bis zum 20. September des gleichen Jahres. Der Besitz und Handel von Gold war somit in Deutschland nach 32 Jahren der Verbote und Einschränkungen in beiden Teilen unseres Landes wieder legal.

Die Motive für das Goldverbot

Das Hauptmotiv der staatlichen Goldverbote war stets Finanznot. Drohende Staatsbankrotte waren ein willkommener Anlass, sich an den Edelmetallschätzen der Bürger zu bedienen. Oft traten Goldverbote in Kombination mit er Etablierung von ungedeckten Fiat-Währungen auf, mit denen die Edelmetallbesitzer abgefunden wurden. Die Lebensdauer dieser als „Zettelwirtschaft“ verspotteten Geldsysteme war zeitlich stets limitiert und endete bislang ausnahmslos mit dem völligen Wertverlust dieser „Papierwährungen“. Gelegentlich endeten solche Geldexperimente auch mit dem unfreiwilligen Ableben der dafür verantwortlichen Herrscher, z. B. im Falle des Königs Gaichatu von Persien.

Ein weiteres häufiges Motiv für die Konfiskation von Gold war der Abfluss von Goldreserven ins Ausland durch anhaltend hohe Defizite im Außenhandel.

Seit 1971 ist die Weltleitwährung US-Dollar und mit ihr alle Hauptwährungen nicht mehr in Gold eintauschbar. Daher ist die Gefahr heute geringer, dass aus diesem Grund z. B. die USA Gold verbieten. Die Defizite im Außenhandel und in den öffentlichen Haushalten werden heutzutage einfach durch die Notenpresse gedeckt. Handelsbilanzdefizite versucht die aktuelle US-Administration, durch Protektionismus in den Griff zu bekommen.

 

Die Gefahr neuerlicher Goldverbote

Denkbar ist, dass die aus der unkonventionellen Geldpolitik der Notenbanken zur Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit von Staaten, Banken, nichtfinanziellen Unternehmen und Bürgern resultierenden Nebenwirkungen irgendwann nicht mehr kontrollierbar sind und in stark erhöhte Inflation münden. Die Staaten könnten daraufhin Währungsreformen und Konfiskationen von Edelmetallen erneut in Betracht ziehen, um die Schulden abzuwerten und ein neues Währungssystem zu etablieren, dessen Vertrauensanker erneut Gold bilden könnte.

Die rechtlichen Hürden für eine Enteignung sind gleichwohl hoch und es dürfte im Rahmen dieses Landeshoheitsaktes zumindest eine angemessene Abfindung zu den dann aktuellen Edelmetallpreisen gezahlt werden.

Goldverbot und Schutz vor Enteignung

Noch bis zum Jahresultimo kann man in Deutschland bis zu einer Grenze von 10.000 Euro Edelmetalle diskret erwerben, also ohne Angabe der persönlichen Daten und ohne Vorlage eines Ausweisdokuments. Ab dem 1. Januar sinkt diese Grenze für diskrete Edelmetallkäufe auf nur noch 2.000 Euro ab.

Diese und andere Entwicklungen werden von einigen bereits als Vorbote eines kommenden Goldverbots interpretiert. Der Gesetzgeber weist aber darauf hin, dass in den Anrainerstaaten Deutschlands, z. B. in Frankreich, bereits deutlich niedrigere Legitimationsgrenzen für Edelmetalle gelten und mit der Harmonisierung der Beträge lediglich dem Schwarzgeldtourismus nach Deutschland entgegengewirkt werden soll.

Klar ist aber auch, dass sich eine Konfiskation, sollte diese in Zukunft stattfinden, natürlich sehr viel einfacher gestaltet, wenn die Daten der Goldkäufer bekannt sind.

Dennoch wird es schwierig, den Besitz von Gold zu kontrollieren, schließlich könnte man es bereits wieder veräußert, verloren oder als gestohlen gemeldet haben.

Wann immer es zu Goldverboten in der Geschichte kam, waren die Edelmetallbesitzer sehr kreativ, beim Verstecken ihrer privaten Besitztümer. Es ist schwer vorstellbar, dass Kohorten von Staatsbeamten mit Hacke und Spaten in porifiskalischer Absicht die Gärten und Wälder Deutschlands umgraben, auf der Suche nach Goldschätzen.

Eine Alternative zum Verstecken des Goldes ist die Lagerung im Ausland, z. B. in Kanada oder der Schweiz. Allerdings hat auch diese Strategie der geografischen Diversifikation seine Tücken: Zum einen sind theoretisch auch in diesen Staaten Goldverbote möglich und zum anderen zeigt das Beispiel des Goldverbots in den USA von 1933 bis 1974, dass auch die Lagerung im Ausland keinen ultimativen Schutz bietet: Am 14. Januar 1961 dehnte Präsident Dwight D. Eisenhower das im Jahr 1933 von Franklin D. Roosevelt eingeführte Goldverbot auf das Ausland aus. Zuvor hatten viele Amerikaner ihr Gold in die Schweiz verbracht. Mit der Executive Order 10905 war es allen US-Bürgern und Unternehmen verboten, Gold oder Goldzertifikate in ausländischen Depots zu halten oder im Ausland damit zu handeln. Bei Verstößen gegen dieses Verbot drohten hohe Geldstrafen von bis zu 10.000 US-Dollar oder sogar Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren. Von diesem Verbot waren allerdings seltene Goldmünzen ausgenommen.

Alte und seltene Goldmünzen, sogenannte numismatische Münzen, könnten also auch in Zukunft wieder vor Enteignung schützen. Investments in historische Goldmünzen setzen gleichwohl ein Mindestmaß an Fachkenntnis voraus und sind mit hohen Aufschlägen auf den reinen Metallwert und Kursrisiken verbunden. Die Liquidität am Markt für historische Sammlermünzen ist zudem sehr viel geringer als an den Märkten für Anlagegold.

Fazit und ergänzendes Video

Gold ist kein Allheilmittel, auch nicht für den Schutz des Vermögens in Krisenzeiten. Der Verlust oder Besitz- und Handelsverbote schränken die Effektivität des Krisenschutzes von Gold ein. Betrachtet man jedoch die Stabilität der Kaufkraft des Goldes seit der Zeit der ersten Goldverbote in der klassischen Antike, dann hat sich diese dennoch bis heute bewahrt. Die Schlussfolgerung, wegen möglicher Goldverbote auf den Besitz des edlen Metalls gänzlich zu verzichten, ist in Anbetracht der heraufziehenden Krise unseres Weltwährungssystems auch keine ideale Lösung.

Im Falle einer Krise wird es zunächst zu stark steigenden Notierungen des Goldpreises kommen, die dann auch Grundlage für eine mögliche Abfindung im Zuge von Enteignungen sein können (wie im Jahr 1933 in den USA geschehen). Zum anderen kann man diverse Maßnahmen ergreifen, um sich gegen Enteignung zu schützen: Diskretion, Verstecke, Lagerung im Ausland und Numismatik.

Am Ende bleibt der altbewährte Rat, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Eine breite Diversifikation des Vermögens unter Einbeziehung anderer mobiler Vermögensgegenstände ist die beste Strategie für die vor uns liegenden Herausforderungen in Sachen Vermögenssicherung. Neben Gold, Silber und Platin bieten sich beispielsweise auch Diamanten, Oldtimer, Kunstgegenstände oder gute Weine an. All das natürlich ergänzt um klassische Vermögenswerte wie Produktivkapital und Immobilien, wenn möglich sogar global gestreut.

Wer nur ein kleines Vermögen hat oder sich erst eines erschaffen möchte, der sollte sich im Bereich der Edelmetalle auf gängige Silbermünzen konzentrieren, diese wegen ihrer Oxidationsanfälligkeit gut verpacken und diskret lagern.

Am Ende sollte bei einer klugen Vermögensallokation, trotz möglicher Krisen, Verbote und Konfiskationen, noch etwas zum Leben übrig bleiben.

Mehr zu diesem Thema und der Frage, ob Silber in Anbetracht drohender Goldverbote das bessere Gold ist, erfahren Sie in dem hier verlinkten YouTube-Video.

Wie realistisch ist ein neues Goldverbot?

5 Kommentare

5 Comments

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    BrettonWood

    30. November 2019 13:54 at 13:54

    Hahahaha selten so gelacht, Schwarzgeldtourismus nach Deutschland, wo gabs den? Wer war das ? Das müssen ja Einzelfälle sein in der Schweiz können nach wie vor noch bis 25000 PRO TAG anonym gekauft werden, ab 01.01. noch 10‘000 vor einigen Jahren waren es noch 100‘000

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    schwarze_pille

    30. November 2019 19:24 at 19:24

    Das Goldverbot wäre viel zu offensichtich und kommt sehr „fascho“ rüber. Wie soll man irgendjemanden dafür gewinnen? Nein, die teuflischere Idee ist, man haut im Namen der „Steuergerechtigkeit“ die Mehrwertsteuer auf die Edelmetalle drauf und bürokratisiert den Handel durch, um die Kosten in die Höhe zu treiben. Der Erfolg ist wegen des globalen Marktes vor allem bei der reicheren Kundschaft allerdings zweifelhaft und wird erkauft durch die Schwächung des Finanzstandortes.

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    schwarze_pille

    30. November 2019 19:51 at 19:51

    Und was ich noch vergessen hatte: die Klimabilanz des Edelmetallabbaus. So treibt man die Fonds und Banken aus dem Geschäft.

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    Joachim

    1. Dezember 2019 08:49 at 08:49

    @Herr Zipfel: Super Beitrag, endlich mal Klartext!!!
    Diversifikation des Vermoegens: Teurer Wein und Whisky sind genauso schwer zu einem vorstellbaren Preis zu veraussern, wie ein Oldtimer oder numismatisch erwaehnenswerte Sammlermuenzen…..wenns kracht kann man den guten Whisky wenigstens selber trinken.
    Solange es Kein Bugatti aus den 30er Janren ist, wirds schwer werden, einen vernuenftigen Preis zu erzielen…es gibt immer mehr gute Oldtimer, die meist in gutbetuchten aelteren Haenden verweilen, solange das Geld billig, und die Besitzer am Leben, ist da noch alles ok…ich erinnere mich noch gut an die alten Singer-Naehmaschinen, die in den 90er Jahren zu Mondpreisen die Besitzer wechselten und damals als Wertanlage galten.
    Dann doch lieber Wald, Wiese, Werkzeug, Zigarretten und billigen Whisky…alles was ein either Bauer brauchen kann…

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    Janzid Fosil

    1. Dezember 2019 09:17 at 09:17

    Ich finde Goldverbot in Verbindung mit Expropriationen absolut notwendig.
    Im zukünftigen grünen Sozialismus ist so ein Überbleibsel des Kapitalismus wie der Goldbesitz eine Prerogative des Staates.

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Goldpreis, Ölpreis, Aktien: Der Effekt des Coronavirus

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Das gefürchtete COVID19 hat seit seinem Auftreten in China einen erheblichen Einfluss auf die globalen Märkte ausgeübt: ob auf den Goldpreis, den Ölpreis oder auch die Aktienmärkte. Die Auswirkungen dieses Virus haben sich in so gut wie allen Branchen bemerkbar gemacht. Die Korrelation zwischen dem Coronavirus und dem Ölpreis ist dabei besonders augenscheinlich: die OPEC im Zusammenhang mit dem Ausbruch reagiert und zusätzliche Produktionskürzungen angekündigt.

Schon allein die Unsicherheit der Statistiken über das Coronavirus setzt die Märkte unter Druck. Das Coronavirus und die Märkte sind inzwischen auf jeder Ebene miteinander verbunden.

Das gilt vor allem für das Coronavirus und den Goldpreis. Während sich die Nachrichten über den Ausbruch ausbreiten und die Angst vor einer Epidemie wächst, markiert der Goldpreis vor allem in Euro ein Rekordhoch nach dem anderen (von den Medien nicht gerade aufmerksam beachtet!). Und wenn dieser Trend anhält, dürfte der Goldpreis noch deutlich weiter steigen!

Wie geht es bei Ölpreis, Goldpreis und Aktienmärkten weiter? David Jones, chief market strategist bei capital.com, analysiert die jüngsten Kursreaktionen – und gibt vailide Einschätzungen, wie es weiter gehen dürfte!

Hinweis der FMW-Redaktion: Bald startet ein neues Format, bei dem Markus Fugmann und David Jones über die Lage an den Märkten diskutieren – und das könnte durchaus Unterhaltungswert haben, da David über jede Menge britischen Humors verfügt..

Der Goldpreis steigt aufgrund der Angst vor einer Pandemie durch das Coronavirus

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Devisen

Rüdiger Born: Die aktuelle Lage bei Dax, Euro und Gold

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Im Dax zeigt die Dynamik zwar noch nach oben, aber der Schub lässt nach. Der Trend könnte langsam zu Ende gehen. Der Euro ist stark auf der Abwärtsseite unterwegs, und auf der Long-Seite sehe ich noch kein überzeugendes Signal. Bei Gold könnte sich der Trend auf der Oberseite fortsetzen. Wollen Sie abgesehen von meinen täglichen Analysen im Trade des Tages noch viel mehr und vor allem aktuellere Trading-News von mir erhalten, auch aufs Handy? Nutzen Sie dazu gerne meinen neuen Service „Trade to Go“  (einfach hier anmelden). Auch dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei!

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Goldpreis in Euro – Rekordjagd unter dem Radar

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Gold Barren

Gut zwei Drittel der Deutschen besitzen Gold und nur 16 Prozent Aktien. Warum die Medien dennoch DAX & Co. mehr Aufmerksamkeit schenken? Mit 1.462 Euro pro Unze erreicht der Goldpreis zum Wochenschluss einen neuen Rekordstand. Seit Jahresbeginn verzeichnet das gelbe Edelmetall somit bereits einen Kurszuwachs von knapp sieben Prozent (+6,84 %).

Goldpreis in Euro überflügelt die Wertentwicklung der Aktienmärkte

Für die letzten zwölf Monate schlagen Gewinne von 26 Prozent zu Buche. Im Fünfjahresvergleich sind es 38 Prozent, zur Vordekade 78 Prozent und seit dem Jahr 2000 stolze 420 Prozent. Dies entspricht einer durchschnittlichen Jahresrendite von 8,7 Prozent – steuerfrei bei Anlagegold. Natürlich gab es in den letzten zwei Dekaden auch Phasen stark rückläufiger Notierungen, aber erst, nachdem sich der Goldpreis vervielfacht hatte und die Geld- und Fiskalpolitiker die Bürger nach der Finanzkrise in trügerischer Sicherheit wogen. Daraufhin veräußerten vor allem US-Anleger große Teile ihrer zu Absicherungszwecken zuvor erworbenen Goldbestände. Wie sich nun jedoch herausstellt, basierend auf falschen Annahmen. In Europa war diese Überzeugung der überstandenen Krise auf Grund der permanent schwelenden Euro-Krise nicht so stark verbreitet und Gold gewann trotz der Beruhigungspillen europäischer Politiker immer mehr an Popularität.

Goldpreis in Euro im Chartverlauf

Bemerkenswert ist, dass die nach wie vor postulierte Warnung vieler Wirtschaftsjournalisten und Anlageberater vor der gefährlich hohen Schwankungsbreite beim Goldpreis im Vergleich zu den Aktienmärkten in den letzten 20 Jahre nur zwei Mal zutraf: während der Korrekturphase zwischen Oktober 2012 und Dezember 2013 (15 Monate) und zwischen Juli 2016 und September 2018 (26 Monate). Damit war dieses häufig vorgebrachte Abschreckungsargument gegen Gold in den letzten beiden Dekaden für 83 Prozent des Zeitverlaufs unzutreffend.

Schaut man sich die aktuelle Volatilität (Schwankungsbreite) für den deutschen Leitindex DAX an, so notiert diese bei 14,3 Prozent pro Jahr. Der Goldpreis in Euro weist trotz höherer Jahresrendite eine weniger als halb so hohe Schwankungsbreite von aktuell 6,8 Prozent pro Jahr auf. Diese Tatsache ist sogar mit bloßem Auge erkennbar:

Dax vs Gold im Chartverlauf

Sie sollten sich für Ihre Goldinvestments schämen

Interessant ist, dass sowohl in den digitalen als auch in den Printmedien jeder neue Rekordstand an den Aktienmärkten, zuletzt beim DAX, gefeiert wird. Jedes Mal bekomme ich von sämtlichen großen Nachrichtenagenturen, Börsenmagazin-Apps und sogar dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Push-Meldungen auf mein Smartphone, sobald der DAX einen neuen Rekordstand erreicht. Tut dies der Goldpreis in der Währung, die für mich als Deutscher relevant ist, also in Euro, herrscht absolute Funkstille auf meinem Handy. Und das, obwohl viereinhalb Mal mehr Deutsche Gold besitzen als Aktien.

Lediglich die FAZ berichtet aktuell in einem tendenziösen (kostenpflichtigen) Artikel mit dem Titel „Was Sie über Gold wissen sollten“ über den „Goldrausch in Deutschland“. Gold sei sinngemäß nur für einen Zweck gut: für den Weltuntergang. Ein solches Szenario könne doch wohl niemand ernsthaft herbeisehnen. Als Goldanleger fühlt man sich nach der Lektüre dieses FAZ-Artikels gar nicht gut. So zum Beispiel nach diesem Satz vom FAZ-Wirtschaftsredakteur Mark Fehr: „Trifft ein solches Schreckensszenario ein, würde wohl selbst dem eingefleischtesten Goldfan der Jubel über einen satten Kursgewinn seines Investments im Halse stecken bleiben“. Würg.

Den Wirtschaftsjournalisten, die Gold immer noch missverstehen oder gar eine emotionale Abneigung entgegenbringen, sei gesagt, dass der Verzicht auf die ultimative Krisenwährung den Deutschen mehr Nach- als Vorteile brächte. Gold ist nicht der Verursacher der Krise, sondern sorgt dafür, dass die deutsche Bevölkerung im Ernstfall finanziell nicht nackt dasteht und es in unserem Land nach möglichen heftigen Verwerfungen auch relativ schnell wieder aufwärtsgehen kann. Dies ist doch auch im Interesse der deutschen Eliten und im Interesse des wirtschaftlichen Überlebens ihrer Presseorgane. Oder etwa nicht?

Einerseits ist die Abneigung einiger Wirtschaftsmedien gegenüber der Rekordjagt beim Goldpreis verständlich, signalisiert dieser schließlich die zunehmenden Risse in dem System, in dem sie seit Jahrzehnten gut leben. Anderseits gelten dieselben preistreibenden Faktoren auch für die gefeierten Höchststände an den Aktienmärkten: die Niedrigzinspolitik mit sogar negativen Realzinsen in den bedeutendsten Volkswirtschaften sowie eine rekordhohe Geldversorgung durch die Notenbanken als ultimatives Notfallmittel zur Aufrechterhaltung des überschuldeten Wirtschaftssystems. Gold ist ebenso wie andere Vermögenswerte nur ein Fieberthermometer – nicht die Krankheit.

In der Geldanlage kommt man an Gold nicht mehr vorbei

Anders als viele Wirtschafts- und Börsenmedien es suggerieren, ist die Beimischung von Gold in den Vermögensmix in Anbetracht der Umstände absolut sinnvoll. Das von mir bereits des Öfteren vorgestellte Cantillon-Portfolio beinhaltet neben Aktien, Staatsanleihen und REITs auch ein Viertel physisches Gold in Euro (Xetra-Gold). Das Portfolio besteht aus lediglich fünf Exchange Traded Funds (ETF). Die relativ hohe Beimischung des gelben Edelmetalls hat eine signifikanten Outperformance des Gesamtportfolios gegenüber den deutschen Standardaktien und sogar gegenüber dem Weltaktienmarkt sowie dem US-Leitindex S&P 500 ermöglicht. Wobei die Schwankungsbreite (Vola) des Portfolios (blaue Linie) mit 6,4% p. a. nicht einmal halb so hoch ist, wie die Vola der Aktienmärkte (iShares DAX: 23,3% p. a., iShares MSCI World in EUR: 9,6% p. a., iShares S&P 500 in EUR: 11,52% p. a. Vola bei 21,4% Jahresrendite).

Dax vs MCSCI vs Goldpreis Cantillon im Chart

Dabei ist noch zu berücksichtigen, und auch das wird in den Medien gern vergessen zu erwähnen, dass die Kursgewinne aus physischem Anlagegold nach 12 Monaten und einem Tag Haltedauer steuerfrei sind. Dies trifft auch für den im Portfolio enthaltenen ETF Xetra-Gold zu.

Fazit und Ausblick

Die ausbleibende oder tendenziell negative Berichterstattung zu der Rekordjagt beim Goldpreis in nahezu allen Währungen (außer noch dem US-Dollar) hat die Deutschen in der Vergangenheit nicht davon abgehalten, das gelbe Edelmetall gegenüber den angepriesenen Aktien zu präferieren. Diese Entscheidung zahlt sich nach einer temporären Phase der Underperformance nun im Zuge des Fortschreitens der Systemkrise und dem Auftauchen „Schwarzer Schwäne“, wie dem Coronavirus, erneut aus.
Auch im Jahr 2020 spricht das wirtschaftliche, geopolitische, fiskalpolitische und geopolitische Umfeld dafür, dass die ultimative Reservewährung Gold die Aktienmärkte erneut outperformt.

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