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Grenke weiter auf Talfahrt nach neuen Fragen von Viceroy

Die Aktie ist weiter auf Talfahrt und verliert über -20%. Immerhin scheinen Anleihen von Grenke bisher nicht von der EZB gekauft worden zu sein..

Markus Fugmann

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Die Grenke Aktie ist weiter auf Talfahrt und verliert über -20%– trotz der Erwiderung des von Viceroy Research beschuldigten Unternehmens, wonach die Vorwürfe von massivem Bilanzbetrug unhaltbar seien. Grenke hatte heute Morgen mitgeteilt: „Dieser Bericht enthält Unterstellungen, die Grenke auf das Schärfste zurückweist. Ein zentraler Vorwurf lautet, dass von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln ein substanzieller Anteil nicht existiere. Dies ist nachweislich falsch.“

Der Vorwurf erinnert also stark an den Fall Wirecard – hier zeigte sich bekanntlich, dass die angeblich auf einem Wirecard zugehörigen Treuhänderkonto liegenden 1,9 Milliarden Euro gar nicht existierten. Grenke weist in seiner Stellungnahme bisher also nur diesen Vorwurf zurück – andere Punkte wolle man später entkräften.

Gestern hatte Viceroy Research, hinter der der Hedgefonds Fraser Perring steht, Grenke vorgeworfen, nicht nur Bilanzfälschung zu betreiben, sondern es Betrügern zu ermöglichen, im Bereich Krypto und Binäre Optionen Kunden gezielt zu prellen. All das passiere über das von Grenke betriebene Bankgeschäft (das Unternehmen hat seit 2009 eine Banklizenz durch den Kauf der ehemaligen Privatbank Hesse Newman):

„Grenke’s bonds are hovering above junk territory due to capital adequacy stemming from its banking business, which we believe is hiding fake cash, and is actively used to launder money for binary options scams, crypto scams, and fraudulent unregulated trading platform.“

Auch das wiegt schwer – schließlich handelt es sich, sollten die Vorwürfe stimmen, um Betrug in besonders schwerem Fall. Viceroy Research hat auf die bisher doch eher maue Erwiderung von Grenke heute unmittelbar reagiert und wirft dem Unternehmen „selektive Blindheit“ vor:

„Grenke have made scattered responses to the press and via a press release. As fascinating and incriminating as the responses have been, it is the lack of response to key issues that are of greater concern to Grenke investors.“

In dem kurz nach dem Grenke-Statement veröffentlichten Dokument stellt Viceroy Research heute weitere Fragen, die teilweise sehr technisch erscheinen.  Zentral aber ist die Frage von Viceroy: wenn Grenke angeblich ausreichend mit Kapital ausgestattet sei – also die von Grenke behaupteten liquiden Mittel tatsächlich vorhanden wären – warum nehme dann das Unternehmen extrem teure Finanzierungsmittel in Kauf?

„Why does Grenke continue to load up on expensive unsecured debt, enter expensive asset backed commercial paper programs, and issue capital and hybrid notes if it’s sitting well above capital adequacy requirements with 2 years of revenues on its balance sheet?“

So oder so: kaum verebbt der Sturm um Wirecard, kommen in Deutschland mit Grenke und in den USA mit Nikola zwei weitere Unternehmen in den Verdacht, massiv Manipulationen zu betreiben. Brisant scheint uns, dass es gerade die Notenbanken sind, die mit ihrer Geldpolitik die Märkte mit Liquidität fluten und auch vor dem Kauf von hochspekulativen Unternehmensanleihen nicht zurück schrecken. Immerhin scheinen Anleihen von Grenke bisher nicht von der EZB gekauft worden zu sein – anders als etwa 2017/2018 bei dem Skandal um Steinhoff..

Grenke und der Vorwurf der Bilanzfälschung und des Betruges

Foto: Sir Lucan, CC BY 3.0

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Goldenmonkey

    16. September 2020 11:13 at 11:13

    Eine Manipulation der Bilanz bei Nikola in den USA sehe ich nicht – weshalb? Aus dem einfachen Grund, weil dort noch keine Umsätze stattfinden. Nikola ist ein Start-Up und wird erst ab dem Ende des kommenden Jahres Umsätze erzielen. Ich würde bei Nikola den Partnern von Nikola, wie Bosch, General Motors, Nel Asa, CNH etc. mehr Gewicht geben, als einem Short Seller der sich über ein Werbevideo aufregt… Wenn das Ökosystem mit der Herstellung von Wasserstoff und den Vertrieb durch ein eigenes Wasserstoff Tankstellen Netz tatsächlich funktioniert, diese Partnerschaft ist Nikola uns noch schuldig, wird aber für 2020 noch erwartet, dann sehe ich Nikola aus dieser Perspektive als unterschätzt an und in keinem Vergleich mit irgendwelchen anderen Unternehmen im Green Energy Bereich.

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Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

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Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

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Gabor Steingart: „Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt“

Claudio Kummerfeld

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Gabor Steingart redet Klartext im folgenden aktuellen Video-Interview mit Mission Money. Er spricht von der Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt, von einer Zinsknechtschaft von noch Ungeborenen. Die heutige Politik erkaufe sich mit der Druckerpresse Ruhe in der Bevölkerung, so lautet eine der Hauptthesen von Gabor Steingart (hier geht es zu Steingarts Morning Briefing).

Gemeint ist damit, dass (so wollen wir es formulieren) Notenbanken und Regierungen derzeit ohne Ende neues Geld drucken und die Staatsverschuldung hochschrauben. Damit werden Rettungspakete bezahlt, die zukünftige Generationen als Schuldenlast erben, und dann abbezahlen müssen. Mit diesem jetzt frisch erschaffenen Geld würden alte Industrien gerettet. Und das nun zwei Jahre laufende Kurzarbeitergeld sei de facto ein Bedingungsloses Grundeinkommen, so drückt es Gabor Steingart aus.

Gabor Steingart plädiert für Abkehr von alten Industrien, und für Aufbruch in die Zukunft

Im geht es im Interview hauptsächlich darum, dass es einen Art Aufbruch in Politik und Gesellschaft geben müsse. Denn derzeit rette Deutschland seine Industrie aus dem letzten Jahrhundert. Man müsse aber in Zukunftstechnologien investieren. So plädiert Gabor Steingart unter anderem dafür die Bildungsausgaben zu verfielfachen. Anfangen könne man zum Beispiel bei deutlich mehr Ausgaben für die Digitalisierung der Schulden. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass die Lufthansa vom Staat gerade 2 1/2 Mal so viel Rettungsgeld bekommen habe als die Schulen in Deutschland für die Digitalisierung.

Die Aussagen von Gabor Steingart sind hochinteressant! Sie sollten sich die 30 Minuten Zeit nehmen. Auch werden im späteren Verlauf des Interviews andere interessante Themen angesprochen, und auch der „Wandel von Journalisten hin zu Aktivisten“. Aber hauptsächlich widmet man sich der bislang verspielten Chance, jetzt massiv in die Zukunft zu investieren. Dabei gibt er sich betont optimistisch, dass Deutschland diese Herausforderung bewältigen könne – man müsse nur endlich mal losgehen, jemand müsse den Startschuss geben.

Gabor Steingart
Gabor Steingart, Ausschnitt aus Originalfoto. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Coronakrise: Die Deutschen entdecken plötzlich Aktien!

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Ziemlich genau ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Coronakrise die Aktien auf ihren tiefsten Stand drückten. Anschließend folgte mit einem Lockdown ein einmaliger Stillstand im Berufs- und Alltagsleben der Menschen in Deutschland. Die Konsumenten gaben zwangsläufig weniger aus als vor der Coronakrise, auch unter Berücksichtigung des geringeren Einkommens seit dieser Zeit. Was sie mit ihrem Geld anstellten, ergab eine Umfrage im Auftrag der Postbank – mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

Coronakrise: Die Zurückhaltung der Konsumenten

Wie veränderte die Coronakrise das Konsumverhalten der Deutschen? Dieser Frage ging das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Postbank nach. Die Ergebnisse:

Drei Viertel der Bundesbürger gaben weniger aus als zuvor, am meisten – 82,4 Prozent die 20 bis 29-Jährigen, die geringste Zurückhaltung bei den über 60-Jährigen mit 64,2 Prozent.
Da aber insgesamt die Einkommenseinbußen im Lande aufgrund von Zuschüssen, Kurzarbeitergeld u.a. moderat ausfielen, muss Geld gespart worden sein. Und zwar bei diesen Ausgaben:

  • Urlaub 46,2 Prozent
  • Gaststättenbesuche 39,6 Prozent
  • Hobby 31,7 Prozent
  • Mode 28,1 Prozent …..

Am geringsten waren die Sparmaßnahmen bei:

  • Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten) 14,1 Prozent
  • Lebensmitteln 7,2 Prozent
  • Altersvorsorge 6,5 Prozent

Damit verbleibt ein Viertel der Bevölkerung, welches keine Ausgabenänderungen durchgeführt haben.

Wohin floss das Eingesparte?

Bei der Betrachtung der Sparziele treten doch einige Tugenden der Deutschen zu Tage – auch und gerade während der Coronakrise. Bei den Sparzielen nannten die Befragten:

  • Rücklagen für unerwartete Ausgaben 39,5 Prozent
  • Altersvorsorge 36,6 Prozent
  • Persönliche Muße 31,6 Prozent
  • Rücklagen für Krisenzeiten 28,9 Prozent
  • Erwerb von Wohneigentum 12,5 Prozent
  • Renovierungen 12,0 Prozent
  • Autokauf 11,6 Prozent
  • Rücklagen für Kinder 10 Prozent
  • Fast 13 Prozent konnten oder wollten überhaupt nichts zurücklegen.

Die Überraschung: Engagement in Aktien

Um diese Ziele wie Altersvorsorge und Weiteres zu erreichen, haben viele Sparer ausgerechnet in der Coronakrise mit all den Katastrophe-Nachrichten ihr Engagement in Aktien verstärkt. 3,2 Prozent tätigten zum ersten Mal eine Anlage in Aktien, 7,2 Prozent verstärkten ihre Wertpapierkäufe. Wie bereits schon öfters berichtet, macht 2020 das Sparplanprinzip in Deutschland die Runde. Mit 62 Prozent war die Anlage in Aktien seit dem Ausbruch der Coronakrise das bevorzugte Investment, gefolgt von ETFs (39,8 Prozent), Investmentfonds (22,2 Prozent), Zertifikate (13,9 Prozent), ganz am Ende Anleihen und Optionsscheine. Sollten deutsche Anleger tatsächlich einmal antizyklisch ins Geschäft mit Aktien eingestiegen sein?

Fazit

Auch wenn das gesamte Finanzsystem in einer sehr angespannten Lage ist und man jederzeit mit heftigen Korrekturen rechnen muss (vor allem in den kommenden Jahren) ist die Fokussierung auf Aktien von neuen Anlegern vermutliche keine schlechte Entscheidung. Die finanzielle Repression läuft – und die Zinsen haben nach vier Jahrzehnten ihren Nullpunkt erreicht. Eine (Leit-)Zinsanhebung ist aus faktischen Gründen auf lange Zeit obsolet und Zinsanlagen ergeben (gewollt) keine Rendite.

Aber die Wirtschaft muss weiter laufen, wie nach jeder Krise – und viele Aktien werden ihren Wert behalten, viele Anleihen dagegen nicht. Keiner hat eine Glaskugel. Aber ohne Wirtschaft, keine Einkommen, keine Steuereinnahmen, kein funktionierender Staat und ……kein Aktienmarkt. Banal aber wahr.

In der Coronakrise entdecken die Deutschen plötzlich Aktien

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