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Griechenland: Notfall-Dispo-Erhöhung durch die EZB, Aussichten für Wirtschaft drastisch reduziert

In Griechenland hat sich die Lage beruhigt oder stabilisiert? Dem ist nicht so, nur weil fast niemand mehr darüber berichtet. Zuletzt fiel das Bruttoinlandsprodukt kräftig zurück in die Rezession mit -1,2% im letzten Quartal. Ob das 86 Milliarden…

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FMW-Redaktion

In Griechenland hat sich die Lage beruhigt oder stabilisiert? Dem ist nicht so, nur weil fast niemand mehr darüber berichtet. Zuletzt fiel das Bruttoinlandsprodukt kräftig zurück in die Rezession mit -1,2% im letzten Quartal. Ob das 86 Milliarden Euro-„Rettungsprogramm“, das nur in Einzel-Tranchen ausgezahlt wird, auch wirklich so weiterläuft wie geplant, daran haben die einfachen Griechen anscheinend wieder zunehmend Zweifel.

So verloren griechische Banken seit Jahresanfang 4 Milliarden Euro an Einlagen. Die Angst scheint zurückzukehren, dass es zu erneuten Einschränkungen beim Geldabheben kommt – von daher heben viele ihr Geld wieder ab – eine Todesspirale, wie sie schon einmal in Griechenland vorherrschte. Daher musste die EZB gestern mal wieder den „Notfall-Dispo“ für griechische Banken namens „Emergency Liquidity Assistance“ um 400 Millionen Euro aufstocken. Dieser Zugang zur Notflall-Cashzufuhr durch die EZB ist eigentlich nur für gesunde Banken gedacht, die „mal eben kurz“ Liquiditätsprobleme haben, aber das Thema hatten wir ja schon in den letzten Jahren zu Genüge. So sagt die EZB dazu, dass man aktuell die Geldflüsse bei privaten griechischen Einlagen berücksichtigen müsse.

In Griechenland wurde daraus eine Dauer-Einrichtung, weil man wohl sonst nicht wusste, wie man den Laden am Laufen halten kann. Beim Kollaps des griechischen Finanzsystems wäre nämlich endgültig alles zu Ende gewesen. Worüber gerade in diesen Tagen die Euro-Geldgeber mit Griechenland verhandeln, ist die Auszahlung einer Folge-Tranche aus dem Rettungspaket, welches sowieso eher ein Umschuldungspaket ist, das die Schulden lediglich weiter in die Zukunft verlagert. Im Juli muss Griechenland 7 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen, was eh nur über neue Schulden aus dem Rettungsprogramm funktionieren wird.

Lustig und traurig zugleich: Mal wieder ist es nur eine Drehtür-Nummer. Was die Euro-Gläubiger demnächst wohl so oder so genehmigen werden, landet im Juli als Kreditrückzahlung gut zur Hälfte bei der EZB, deren Kredite hier bedient werden müssen. Allen ist es doch klar: Es wird irgendeine Lösung geben, damit Griechenland an frisches Geld kommt. Wie auch immer diese Lösung aussieht – man wird eine Begründung präsentieren, nach der die Reformfortschritte in Griechenland im Soll liegen, und man von daher auszahlen kann. Über die Details streitet man derzeit, weshalb die Einigung auf Anfang April verschoben wurde.

Während man offiziell in Griechenland von einem Anstieg beim Bruttoinlandsprodukt für 2017 von 2,7% ausgeht, haben gerade die Banken Citigroup und Barclays ihre Prognosen für Griechenland auf 0,5% gesenkt. Laut Citi werde es im ersten Halbjahr sogar einen Rückgang geben, so wie es schon im letzten Quartal war! Da kann man geneigt sein eher den Bankprognosen zu glauben. Denn realwirtschaftliche Fortschritte sind in Griechenland an keiner Stelle zu sehen. Obwohl es nichts wirklich Neues im Kontext der letzten Jahre ist, möchten wir Folgendes an dieser Stelle ansprechen.

Bayerns Finanzminister Markus Söder sagte diese Woche mal wieder, dass es für Griechenland sehr unwahrscheinlich sei auf lange Sicht innerhalb der Eurozone überleben zu können. Wie wahr, wie wahr, so mag man meinen. Doch der Punkt, wo man über so etwas diskutieren kann, ist doch schon lange überschritten, möchten wir hierzu ergänzen. Denn die Euro-Partner haben schon so viel Geld eingeschossen – bei einem Euro-Austritt und der Wiedereinführung einer eigenen griechischen Währung würde diese gegen den Euro sofort derart dramatisch abwerten, dass die griechischen Schulden gegenüber den Euro-Partnern explodieren würden, noch stärker als ohnehin schon. Dann würde die Rückzahlungswahrscheinlichkeit dieser Schulden von aktuell 0% auf vielleicht -50% sinken?

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    24. März 2017 16:54 at 16:54

    Griechenland ist auf einem guten Weg,ihr Dauernörgler!Alle EU-Granden haben das schon mal gesa
    gt.Zuletzt ,der mit den Weibern und dem Saufen ,glaube ich!

  2. Avatar

    leser

    24. März 2017 16:59 at 16:59

    Seit der Gründung des griechischen Staates 1830 gab es vier Pleiten: 1843, 1860, 1893 und 1931. Man hat also eine gewisse Erfahrung und Tradition. Und eine Pleite hat den angenehmen Nebeneffekt, dass keine Staatsschulden „explodieren“, sondern die Gläubiger haben dann ein Problem.

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    Werner

    24. März 2017 17:02 at 17:02

    Ein Ponzi nach dem nächsten, ein Domino nach dem anderen…, noch stehen die Eurodominosteine, wie tröstlich

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    Kokkinidis Michael

    24. März 2017 17:28 at 17:28

    Griechenland, 2011/12 schuldenschnitt in Höhe von über 53,8 %, (ca 107 Milliarden) übrig blieben 100 Milliarden schulden. Heute sind die schulden griechenlands über 427 Milliarden groß. Griechenland ist eine geldvernichtungsmaschine. Olympische spiele, kosten über 30 Milliarden. Renten im jahr über 35 Milliarden. Staatliche Ausgaben im Jahr gemessen am bruttonationalprodukt über 55%.
    Gesundheitssystem fünf mal teurer als das von Belgien bei deutlich weniger Leistung und Qualität.
    Griechenland hat seit dem eintritt in die EWG über 200 milliarden wirtschaftshilfe gratis bekommen. Zypern, Spanien, Island, Irland, Portugal sind später als Griechenland geholfen worden und früher als Griechenland raus aus der krise. Griechenland wird niemals 1000 euro rente akzeptieren oder sonstiges sparen.

    In griechenland ging es teilweise schon mit 35 in rente. Es gab und gibt in griechenland immernoch unzählige phantomangestellte die Gehalt bekommen ohne überhaupt zu arbeiten. Es gab beamte die 7 Gehälter bekamen (wahrscheinlich sogar noch mehr).
    Griechenland hat über 120 Minister, Spanien ist vier mal größer als Griechenland und hat 14 Minister einschließlich Ministerpräsident. Griechenland hat 300 abgeordnete, Deutschland 600 und ist fast 8 mal größer.
    Um die geldvernichtungsmaschine griechenland hier im einzelnen aufzuschreiben bräuchte ich tage.
    Griechenland bekommt jetzt von der EU mehrere hundert milliarden zu besten konditionen teilweise bis 2060 zinsfrei aber griechenland meckert über die geldgierigen geldgeber. Wenn griechenland nicht bezahlt wird kommt die hetze und negative propaganda ua gegen EU und Deutschland wie vierte reich und gauleiter.

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      Ioanis Plappadopolous

      25. März 2017 07:49 at 07:49

      Wie wahr, wie wahr …

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      Alex

      25. März 2017 14:27 at 14:27

      Griechenland kann noch so sehr korrupt, faul oder über seine Verhältnisse leben wie es will! Wenn ein Teil der Bevölkerung so leben will ist das doch völlig in Ordnung. Und wenn der Gläubiger (z.B. deutsche Haushalte, Banken, Versicherungen, Firmen) für ein paar Zinsvorteile riskanteren Handel treibt, dann soll er gefälligst dafür auch das Risiko tragen! Siehe Argentinien wobei da seit 2014 durch neue Gerichtsverhandlungen wieder der Staatsbankrott droht. Die ganze „Wirtschaftshilfe“ war ein Kredit vom fehlenden Binnenkonsum unter anderem in Deutschland.

      Das Problem ist ganz einfach. Ein riesiger Überbau namens „Euro“ hat das Risiko kaschiert, aber es war trotzdem sichtbar. Unter anderem war Deutschland ganz fleißig unter Kohl dabei möglichst wenig Regularien einzubauen. Ohne den Euro käme ein Staatsbankrott für Griechenland mit massiver Abwertung. Während z.B. in Deutschland die Illiquidität deutscher Banken, Riester-Versicherungen und Pensionen ein riesiger Verlust von Sparguthaben aufkäme. Etwas ähnliches ist doch genau mit der Subprime-Krise gewesen und der deutsche Staat hat sich zugunsten davon verschuldet. Deutschland rettet nicht Griechenland sondern sein eigenes Auslandsvermögen in Solidarhaftung (wobei die nun teilweise auf die Bundesbank übergeht). Nicht nur das, Deutschland hat sogar noch Zinsgewinne dadurch. Deutschland schützt und bereichert sich auf Kosten von menschenunwürdigem Verhalten gegenüber Griechenland.

      Mit einer Drachme sind all diese deutschen Todsünden (Wettbewerb, 35 Rente, Geldvernichtungsmaschine usw.) eines Griechen über die Abwertung abgedeckt, außer natürlich man macht es wie die Schweiz und betreibt massive Währungsmanipulation um weiter exportieren zu können.

      Übrigens sind Zypern, Spanien, Irland und Portugal nicht aus der Krise, die stecken sogar noch richtig tief drin. Draghi betreibt Flickenschusterei für verfehlte politische Entscheidungen die unter einer gefühlten Ewigkeit unter der Kohl-Ära entstanden sind und bei Schröder I-II ihren Lauf genommen haben. Ganz platt man kann nicht dem Schuldner die Schuld zu schieben. Schau dir lieber die komplette Gier/Dummheit des Gläubigers an der mit seiner Arroganz komplett den Boden der Tatsachen verloren hat. Sogar Herr Sinn sieht keine Möglichkeit mehr

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        Kokkinidis Michael

        25. März 2017 15:33 at 15:33

        Zypern ist wieder nettoeinzahler in der EU. Den Ländern was ich vorher aufzählte (spanien, portugal, island, irland, zypern) geht es heute viel besser wie es ihnen ergangen ist ohne die hilfe der EU. Wenn griechenland meint die hilfe der EU ist nicht gut für griechenland kann griechenland auf die hilfe der EU verzichten. Die EU gibt griechenland Kredite zu besten konditionen, teilweise bis 2060 zinsfrei. Die ausrede, das geld was griechenland bekommt würde wieder zu den gläubiger fließen höre ich immer wieder. Warum kauft griechenland andauernd immer Produkte im Ausland anstatt selbst herzustellen? Allein das handelsdefizit griechenlands ist seit jahrzehnten regelmäßig über 30 milliarden groß jedes jahr und deswegen soll deutschland schuld sein? Für griechenland sind immer die anderen schuld, niemals ist griechenland selbst schuld.
        Dir griechen wollen einfach nicht wahrhaben was wirklich ihre wirtschaftlichen verhältnisse zum leben bieten. Das griechische bruttonationalprodukt ist ca 175 milliarden groß, also kann jeder selbst ausrechnen.

        Griechenland hat jahre lang das bruttonationalprodukt künstlich durch tricks hoch geschraubt. Zb ich arbeite und bekomme 1000 euro im monat, dann gehe ich zu einer bank und leihe mir 30000 euro. Danach gehe ich zu einer anderen bank und behaupte ich würde im jahr 42000 euro erwiesen und will einen hohen kredit.

        Die EU wird seit jahrzehnten von griechenland abgezogen

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          Alex

          26. März 2017 11:11 at 11:11

          Italien ist übrigens auch Nettoeinzahler. Nur die Wirtschaftsdaten sprechen eher eine Sprache von normaler Stagnation/geringem Wachstum, wie in Zypern. Spanien, Portugal fahren nun einfach Schulden um ein bisschen Normalität am Bodensatz zu haben (zum Glück das Draghi das ermöglicht). Und wenn es Irland besser geht warum erhält es mehr EU-Gelder als es einzahlt? Das Desaster Irland als Musterknabe lässt sich doch schon an dem BIP-Wachstum von 26,3% erkennen (2015). Ich sehe nur das Wachstum einer neuen Blase, wobei die alten Probleme nicht mal bereinigt sind.

          Island ist eine ganz andere Hausnummer. Da das Land nie in der Währungsunion war kam auch eine Abwertung und darüber hinaus nicht die komplette Rückzahlung der Gläubiger sehr viel einfacher zustande. Es gab sehr schwierige Verhandlungen und Enteignungen in Großbritannien vor.

          Sie hören es, weil es stimmt das eher Gläubiger davon profitieren! Haben sie sich die Handelsdaten angesehen? Neue Produkte hauptsächlich sind es Brennstoffe und Medikamente. Wobei nichtmal Griechenland selbst es kauft! Griechenland ist in der EU und kann sich nicht so einfach abschotten um dem Binnenmarkt zu entgehen. Deutschland (eher Banken / Versicherungen / Haushalte) hat definitiv eine Teilschuld. Griechenland hatte grob im Jahr 1990 für 10-jährige Anleihen 25% als Zins ausgegeben. Wer ist so doof und vertraut denen? Ah ja genau Deutschland unter Kohl mit dem WKM2 war Griechenland aufeinmal solvent. Man kann nicht dem Schuldner die Schuld geben und den törichten Gläubiger allein lasse. Dummheit schützt vor Strafe nicht. Deutschland versucht nun auf Gedeih und Verderb den weiteren Verlust seines Auslandsvermögens zu verhindern.
          Hier noch eine kurze Zusammenfassung für was die Kredite verwendet wurden.
          http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-02/eurokrise-griechenland-eu-hilfen-grafik

          Natürlich hat Griechenland mit Schuld, das verneine ich nicht. Die waren bis 1976 eine Militärdiktatur (da militärisch ausgerichtet hohe Kosten hierfür). Korruption ist ein riesiges Problem, das sich in alles hineinfrisst, aber was durch eine massive Währunsabschwächung sich ausgleicht. Es wurde einfach eine große Haube (Euro) rübergesetzt und wahrscheinlich gehofft das alles gut geht. Wie naiv. Eine miserable politische Entscheidung (das war es letztendlich auch von für Politiker genauso wie die gehetzte Wiedervereinigung) von deutschen Politikern unter Kohl mitgetragen rächt sich nun.

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      Bernd Engelking

      27. März 2017 17:09 at 17:09

      Sie haben da was nicht verstanden:
      Niemand ist aus der Krise, denn wir sind auch drin. Jedes Land ist souverän und kann machen was es will. Niemand muss ihm Geld leihen, wenn man nicht WILL.
      Wir, die Steuerzahler, haben sogar private Banken gerettet, daran kann man sehen, dass diese Rettungen essentiell sind. Wenn man aufhört zu retten, werden wir, die Bürgen, zur Verantwortung gezogen und es ist vorbei mit Geld.

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Von

Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

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Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Konsumklima und Kaufverhalten im Oktober – aktuelle Daten

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Die Coronakrise nimmt wieder mehr Fahrt auf. Deutschland hat mehr täglich Neuinfizierte als noch im Frühjahr, und die Restriktionen im Alltag nehmen wieder zu. Der selbe Reflex wie im Frühjahr zeigt sich aktuell bei den Verbrauchern – aber offenbar noch nicht im selben Ausmaß. Das kann man gut ablesen im Konsumklima und im Kaufverhalten der Deutschen. Heute früh wurden Daten zu Konsumklima und Kaufverhalten für Oktober veröffentlicht.

Konsumklima

Das einmal im Monat veröffentlichte GfK-Konsumklima zeigt heute früh, dass der Optimismus der deutschen Verbraucher im Oktober spürbar schwindet. Rund drei Viertel der Verbraucher gehen demnach aktuell davon aus, dass COVID-19 eine große bziehungsweise sehr große Bedrohung darstellt, und etwa die Hälfte macht sich große beziehungsweise sehr große Sorgen, wenn es um die persönliche Zukunft geht. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen wie auch die Anschaffungsneigung müssen Einbußen hinnehmen. Folglich prognostiziert GfK für das Konsumklima für November 2020 einen Wert von -3,1 Punkten, und damit 1,4 Punkte weniger als im Oktober dieses Jahres. Gut sichtbar ist der Abwärtstrend im Konsumklima im folgenden Chart. Ein Balken steht für einen Monat.


source: tradingeconomics.com

Kaufverhalten

Das Statistische Bundesamt hat heute früh Daten zum Kaufverhalten in Deutschland veröffentlicht. Man hat sich die Woche vom 12. bis 17. Oktober 2020 angeschaut, und mit früheren Zeiträumen verglichen. Wegen der steigenden Infektionszahlen ist die Nachfrage nach ausgewählten Hygieneartikeln und Lebensmitteln teils deutlich gestiegen. Die Verkaufszahlen von Toilettenpapier waren vom 12. bis 17. Oktober 2020 fast doppelt so hoch (+89,9 %) wie im Durchschnitt der Vorkrisen-Monate August 2019 bis Januar 2020. Der Absatz von Desinfektionsmitteln lag knapp drei Viertel (+72,5 %) und der von Seife knapp zwei Drittel (+62,3 %) über dem Vorkrisen-Durchschnitt. Die Grafik, die bis ins letzte Jahr zurückreicht, zeigt: Die Panikkäufe im Frühjahr waren deutlich heftiger als heute, aber der Trend zum Kauf bestimmter Waren geht aktuell bergauf.

Chart zeigt Kaufverhalten vor und während der Coronakrise

Hier weitere Detailaussagen der Statistiker:

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Seife blieb auch während des Sommers, als sich der Absatz von Lebensmitteln weitgehend normalisiert hatte, leicht überdurchschnittlich. In der 42. Kalenderwoche zog nun auch die Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln an. So stieg der Absatz von Mehl verglichen mit dem Vorkrisen-Durchschnitt um mehr als ein Viertel (+28,4 %) und der Absatz von Hefe um mehr als ein Drittel (+34,8 %). Die Verkaufszahlen von Teigwaren wie Nudeln waren hingegen leicht unterdurchschnittlich (-0,2 %).

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