Devisen

Griechenland: Abhebungen und Schlangen an Bankautomaten

Von Markus Fugmann

Laut Insidern haben sich die Abhebungen von griechischen Konten in den letzten Tagen intensiviert. So seien am Mittwoch und Donnerstag letzter Woche 800 Millionen Euro abgehoben worden, eine Zahl, die am Freitag (wofür noch keine inoffizielen Zahlen vorliegen) übertroffen worden sein dürfte. Der Grund: am Freitag sind die Rentenzahlungen auf den Konten eingegangen, Augenzeugen berichten, dass die Banken am Freitag völlig überlaufen waren. Viele haben offenkundig sofort die gesamte Rentenzahlung der Regierung abgehoben, da am heutigen Montag in Griechenland Feiertag ist und viele die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen über das Wochenende und den anschließenden Feiertag gefürchtet hatten.

Dem ist nicht so gekommen, aber die Stimmung in Griechenland ist laut Augenzeugen angespannt. Wer eine Bank betritt, muss wie hierzulande beim Einwohnermeldeamt eine Nummer ziehen und warten, bis er an der Reihe ist – und das dauert teilweise lange, weil die Banken einen Kunden-Ansturm erleben. Lange Schlange, so wird berichtet, auch vor Geldautomaten – man fürchtet neben Kapitalverkehrskontrollen auch die Einführung von Gebühren für Geldabhebungen.

Eine entscheidende Frage wird sein, ob die EZB sich auch in dieser Woche weigern wird, die Notfallkredite (ELA) zu erhöhen. Angesichts der Abhebungen düfte die Liquiditätslage der griechischen Banken aktuell sehr angespannt sein. Um den bank run wenn nicht zu stoppen, so doch zu verlangsamen, müßte die EZB ein Zeichen setzten und die ELAs wieder erhöhen. Das aber ist fraglich, weil die EZB durch die Verweigerung weiterer Notfallkredite den Druck auf die Athener Regierung hoch halten will, noch in dieser Woche zu einer Einigung zu kommen.

Die Griechen wissen also, dass die Uhr abläuft – ob das der Tsipras-Regierung wirklich voll bewußt ist, muß man bezweifeln. So tut so, als hätten sie gute Karten in einem Spiel, in dem sie einen aber einen schnellen Erfolg braucht, damit die Partie nicht verloren geht.



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