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Griechenland: Angst vor dem „Bank run“? Der findet doch längst statt

Von Claudio Kummerfeld

Die Frage ob Griechenland bald einen sogenannten „Bank run“ erlebt, braucht man sich nicht mehr zu stellen, denn der findet schon seit Monaten statt. In immer größerem Volumen heben Menschen Bargeld am Bankautomaten ab, was die langfristige Statistik und Berichte verschiedener Quellen zeigen.

Langfristiger „Bank run“

Die langfristige Statistik zeigt einen beängstigenden Abzug von Bankguthaben in Griechenland. Von 2009 bis 2012 fielen die Bankeinlagen der Haushalte und Unternehmen in Griechenland von über 230 Milliarden auf 150 Milliarden Euro. 2013 und 2014 war eine Art Ruhephase bei den Geldabzügen von griechischen Bankkonten – in diesem Zeitraum lagen die Guthaben relativ konstant immer knapp über 160 Milliarden Euro. Die aktuellsten Daten der griechischen Notenbank „Bank of Greece“ zeigen einen Stand der Einlagen von Haushalten und Unternehmen in Höhe von 133,7 Milliarden Euros Ende April (Ende März noch 138,6). Ende Juni werden die Zahlen für Mai veröffentlicht – dann wird diese Zahl wohl dramatisch kleiner ausfallen.

Aktueller „bank run“

Verschiedene Quellen berichten in den letzten Tagen über dramatische Summen, die derzeit täglich von griechischen Banken abgehoben werden. Es handelt sich schon seit Monaten nicht mehr um griechische Reeder oder sonstige Milliardäre – die haben ihr Geld schon vor Jahren ins Ausland geschafft. Hier und heute stehen wortwörtlich Kleinsparer und Rentner in der Schlange vor der Bank – in der Befürchtung schon morgen könnte ihr Konto eingefroren oder das Guthaben weg sein. Oder was viele auch befürchten: Über Nacht könnte auf dem Konto statt Euro auf einmal ein Drachmen-Guthaben vorhanden sein.

Das bei Profis hochangesehene Portal „Zero Hedge“ berichtete z.B. vom Volumen der Geldabhebungen in Griechenland nur am 05.06.2015 in Höhe von 700 Millionen Euro. Die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtet von derzeit täglichen 400 Millionen Euro, die in Griechenland täglich abgehoben werden.

Glaubt man dem „Telegraph“ und rechnet man die täglichen Automatenabhebungen auf den ganzen Mai hoch, waren es nur in diesem Monat Abhebungen in Höhe von 12 Milliarden Euro. Damit wären die Bankeinlagen von 2009 bis Ende Mai von 230 auf ca. 120 Milliarden Euro gefallen. Dazu kommen noch die wohl im Schnitt noch größeren Abhebungen der letzten zwei Wochen im Juni. Der befürchtete „Bank run“, also der Sturm auf die Banken, ist längst in vollem Gange!



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1 Kommentar

  1. Na klar ist der Bank Run schon lange im Gange.

    Das ist ja anscheinend auch erwünscht seitens der derzeitigen griechischen Regierung.

    Das Geld, welches sich nicht mehr auf einem griechischen Bankkonto befindet ist jedem Zugriff und jeder Maßnahme entzogen.

    Das ist Kapital welches auch nach dem Default wirtschaften kann.
    Für einen EURO kriegt man immer etwas zu kaufen.

    Die griechische Regierung wird niemals Kapitalverkehrskontrollen einführen, das ist doch gegen deren Interesse.

    Die Griechen zocken die EU ab.
    Haben sie schon immer getan, und jetzt erst richtig.

    Jetzt wird das Fass zugemacht und die Gewinne realisiert.

    Für Griechenland ist ein Default ein Grund zum Feiern:

    Auf ein Schlag alle oder einen Teil der Schulden los,
    trotzdem noch Mitglied in der EU und im EURO.

    Wo gibt es denn sonst so etwas noch?

    Bei einem Default werden in Athen Feuerwerke zelebriert
    und Champagner-Flaschen geköpft.

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