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Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Anleihen

Griechenland: Neue Schulden fünffach überzeichnet, wundersames Up-Rating für Banken

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Ja, Griechenland ist das Land der glückseligen Anleihe-Investoren. Risiko? Staatspleite? Das war gestern, so kann man es gefühlt ausdrücken. Griechenland wollte eigentlich „nur“ 2 oder 3 Milliarden Euro neue Schulden für zehn Jahre Laufzeit verkaufen – die erste Transaktion dieser Laufzeit seit zehn Jahren! Und nun wurden es 2,5 Milliarden Euro Erlös. Die Anleger fragten aber ein Volumen von unglaublichen 11,8 Milliarden Euro nach, wie die hellenische staatliche Schuldenagentur PDMA offiziell verkündete. Eine fast fünffache Überzeichung des Angebots.

Davon träumt selbst der seriöseste Anleihen-Emittent. Für den Top-Schuldner „Deutschland“ ist es schon sensationell, wenn (wie es derzeit alle paar Wochen geschieht) das Angebot doppelt überzeichnet wird. Griechenland ist also hochglänzend zurückgekehrt an den Anleihemarkt. Da traf es sich doch super, dass (sicher rein zufällig) am letzten Freitag unmittelbar vor der Emission die zweitgrößte Ratingagentur der Welt „Moodys“ das Land im Rating gleich zwei Stufen raufgesetzt hatte. Einen besseren Support für so eine Emission konnte es wohl kaum geben. Wie gesagt, es war sicher nur ein zeitlicher Zufall?

Die Emissionsrendite liegt bei 3,9% nach Erwartungen von 4,125%. Da hat die fast fünffache Überzeichnung zusammen mit der Rating-Aufstufung von Moodys gut was gebracht. Denn bei so einer kräftigen Nachfrage konnte man natürlich bessere Konditionen rausschlagen als Emittent. In der folgenden Grafik sieht man die Gläubiger-Struktur der neuen ausgegebenen 10jährigen Anleihen.

Auch Geschäftsbanken in Griechenland mit neuem Rating

Und ohhh Wunder, ohhh Wunder. Heute kurz nach der Anleihe-Emission des griechischen Staates wurden in Griechenland von Moodys Schuldtitel (Mortgage covered Bonds) von drei der größten Banken hoch-geratet. Dazu zählen die National Bank of Greece, die Eurobank Ergasias und die Alpha Bank. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Man schaue in die Grafik: 12% der gestrigen Emission des griechischen Staats wurde von griechischen Investoren gekauft, also mit allergrößter Wahrscheinlichkeit von Banken. Da trifft es sich doch gut, dass Banken in Athen gerade jetzt auch ein besseres Rating erhalten. Wir enthalten uns da jeglicher Meinung…

Griechenland Gläubiger der 10jährigen Anleihe
Grafik: PDMA

Nicht nur wir wundern uns über diesen zeitlich höchst interessanten Zufall. Wie hieß es doch so schön nach der Finanzkrise, also Ratingagenturen in Regress genommen werden sollten? Wir? Wir Ratingagenturen? Wir teilen lediglich unsere Meinung mit, mehr nicht.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Prognostiker

    6. März 2019 18:19 at 18:19

    Statistiken. Studien, Ratingagenturen , alles Institutionen die das Manipulieren etwas erleichtern. Wurde denn nicht schon Griechenland mit geschönten Ratings in die EU aufgenommen.
    Kürzlich ist sogar der Chef des CH Statistikamtes mit falschem Doktortitel aufgeflogen.Ich erwarte einen Kommentar vom bekannten STATISTIKER der das Alles dementiert.

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Anleihen

Türkei: Warum der Druck auf Lira, Aktien und Anleihen bald enorm steigen könnte

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Aktuell schwächelt der türkische Kapitalmarkt bereits. Nach den jüngsten Vorgängen (Präsident Erdogan lässt die Wahl in Istanbul wiederholen) war das Vertrauen ausländischer Investoren in die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei erneut geschwächt worden.

Die türkische Lira befindet sich seit Monaten in einem langsamen schleichenden Abwärtstrend. Die Aktienkurse in der Türkei befinden sich im Absturz. Heute notiert der türkische Leitindex BIST100 mit -1,5%, und ist nun seit sechs Tagen hintereinander am Fallen. Mit einem Tiefststand seit Anfang 2017 hat er aktuell auch den Zustand eines Bärenmarktes erreicht. Die Rendite für zehnjährige türkische Staatsanleihen steigt alleine heute um fast einen ganzen Prozentpunkt (Wahnsinn) auf aktuell 19,26%. Im Februar waren es noch 14%.

Und jetzt Achtung! In den nächsten Tagen könnte sich die Lage dramatisch verschärfen. Denn die Türkei will von Russland Raketensysteme kaufen. Laut einem offenbar auf Insiderquellen in US-Militärkreisen beruhenden Bericht von CNBC habe die Türkei noch zwei Wochen Zeit diesen Deal mit Russland zu stornieren. Die US-Regierung übt also massiven Druck aus. Man solle doch lieber Patriot-Raketen vom US-Hersteller Raytheon kaufen. Würde die Türkei ihre Bestellung nicht „umbuchen“, würden die USA der Türkei die Lieferung von F35-Flugzeugen aus US-Produktion verweigern, und womöglich würden die USA Sanktionen gegen die Türkei einführen. Man bedenke abseits von Donald Trumps „launigem“ Gemüt: Die Türkei ist NATO-Mitglied, und die Mitgliedsstaaten sollen Waffensysteme kaufen, die innerhalb der Gruppe kompatibel sind. Und das wird auf russische Raketen wohl kaum zutreffen.

Geht man davon aus, dass die Reporterin von CNBC richtig recherchiert hat (der Bericht klingt doch recht glaubwürdig), könnte es bald hoch her gehen zwischen der Türkei und den USA. Es ist kaum vorstellbar, dass Präsident Erdogan den Russen-Deal jetzt noch absagt. Dies wäre ein Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit, weil er sich von den USA hätte diktieren lassen, wo er seine Waffen einkaufen darf.

Man bedenke, welche Turbulenzen die winzigen US-Sanktionen am Kapitalmarkt verursachten, als die Türkei einen US-Pastor freilassen sollte. Was wäre erst los bei dieser Verweigerung der Türken in Sachen Raketen-Einkauf? Es dürfte die US-Rüstungshersteller verdammt hart treffen solch große Aufträge nicht zu erhalten, also Raketen und 100 Kampfjets. Die Reaktion aus dem Weißen Haus könnte also heftig ausfallen, und damit auch die Turbulenzen am türkischen Kapitalmarkt.

Noch sind wir in dieser Sache im „Wenn-Modus“. Wenn dies passiert, könnte danach dies und jenes passieren. Aber wer in türkischen Aktien, der Lira oder in Anleihen unterwegs ist, sollte dieses Szenario für die nächsten Tage im Hinterkopf behalten!

Türkei Istanbul
Die Hagia Sophia in Instanbul. Foto: Julian Nitzsche CC BY-SA 4.0

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Anleihen

Das BBB-Anleiherisiko in den USA – es ist nicht vom Tisch

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Auch wenn man derzeit sein Augenmerk an den Märkten hauptsächlich auf den US-Handelsstreit mit China richtet und seine möglichen Auswirkungen auf die weltweite Konjunktur, so ist ein anderes Risiko ebenso virulent, das BBB-Risiko. Gemeint ist der unglaublich gestiegene Anteil an US-Unternehmensanleihen, die nur eine Stufe über Junk-Status notieren. Und damit wird der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Anleiherisiko und der Konjunktur deutlich.

 

Die Warnungen von Jeff Gundlach

Auch wenn ich bereits mehrere Kommentare über das Risiko von US-Anleihen auf diesem Niveau geschrieben habe, brachte mir ein Video mit dem Bondkönig Jeff Gundlach das große Gefahrenpotenzial dieser Schuldenproblematik wieder ins Bewusstsein. Seine Kernaussagen:

„Die Fed achtet derzeit mehr auf die Kreditmärkte als auf die Aktienmärkte. Die Verschuldung weltweit beträgt 243 Billionen Dollar und wir haben so viele Anleihen mit BBB-Rating, nur eine Stufe von Junk entfernt. Fed-Chef Powell achtet nicht so sehr auf Verluste an den Aktienmärkten, sondern auf die Bewertung der High Yield Bonds, die sich im letzten Jahrzehnt im Volumen verdreifacht haben.“

Das Problem ist, dass bei einer Rezession diese Problembonds ausfallen können, denn: Wenn sie in den Junk Bond-Status fallen, verlieren sie den Investmentgrade-Status und müssen von den großen Kapitalsammelstellen abgestoßen werden. Davor fürchtet sich die Fed. Da sind wir wieder bei dem großen Zusammenhang. Die Konjunktur muss von der Fed am Laufen gehalten werden und es darf aus Sicht der Anleihemärkte zu keinem größeren Zinsanstieg kommen.

Deshalb sollte es sich lohnen, den Chart der High Yield Bonds ständig im Auge zu haben.

 

Hier ein paar Fakten zu den Dimensionen

im Jahr 2008 gab es in der USA zahlreiche Unternehmen, die von den Ratingagenturen mit Triple A bewertet wurden. Heute gibt es nur noch acht Unternehmen, die von Standard&Poors mit dreimal A, von allen drei Agenturen zusammen, wird nur noch eine einzige Firma mit dem Toplabel versehen, der Pharmakonzern Johnson&Johnson. Den größten Absturz verzeichnete General Electric (GE), die über ein halbes Jahrhundert das Toprating besaßen und jetzt bei BBB+ gelandet sind, unweit des Junkstatus.

Die OECD warnt in einer Studie, dass in den Industriestaaten der Unternehmensanleihemarkt von 2009 um 70 Prozent auf 10,2 Billionen Dollar gestiegen ist. Für die USA bedeutet dies eine Steigerung auf 45 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, dem zweithöchsten Wert seit dem zweiten Weltkrieg. Mit den steigenden Schulden sank das Rating, so dass bereits 54 Prozent aller US-Papiere mit Investmentgrade im schwachen BBB -Bereich angesiedelt sind. Eigentlich hätten sich das Rating in einem Wirtschaftsaufschwung verbessern müssen und nicht umgekehrt.

Nach Ansicht von Dr. Daniel Stelter (Beyond the Obvious) könnten Anleihen im Wert von 1000 Milliarden Dollar bei einer Rezession in den Junk-Bond -Bereich rutschen. Hinzu kommt, dass in den kommenden drei Jahren weltweit Anleihen in Höhe von vier Billionen Dollar zurückgezahlt oder neu finanziert werden müssen.

 

Schlussfolgerung

Der entscheidende Punkt sind die Anlagerichtlinien der großen Kapitalanlagestellen. Diese dürfen in ihrem Portfolio keine Anleihen halten, die den Investmentgrade-Status verloren haben. Das wird aber in großem Stile passieren, bei einer Eintrübung der Konjunktur. Dann müssen diese Papiere auf den Markt geworfen werden, die Zinsen für Käufer steigen und die zu ersetzenden Papiere können nicht mehr zu niedrigen Konditionen erworben werden – ein massives Ausfallrisiko. Vielleicht eine Finanzkrise 2.0 und da schlösse sich der Kausalzusammenhang zwischen Konjunktur und Asset-Märkten. Wie sagte Jeff Gundlach sinngemäß: das System ist bankrott, man will diesen nur möglichst lange hinauszögern.

Deshalb fürchten Geldpolitiker eine Rezession so wie der Teufel das Weihwasser.

 

Von Hundsgemeini – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15697318

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Anleihen

Einfach verdientes Geld: Für 10 Jahre Geld leihen und 0,07% Gewinn machen

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Ja, die Zeiten für für den Bundeshaushalt werden demnächst wohl ungemütlicher. Die Steuereinnahmen werden vermutlich sinken, während die Kosten konstant hoch bleiben oder sogar noch weiter steigen (Soziales, Verteidigung, Rente uvm). Wie gut, dass unser aller Finanzminister Olaf Scholz wenigstens in einem Bereich verdammt einfach, sogar spielend einfach Geld verdienen kann. Wir hatten in den letzten Jahren schon öfters solche Beispiele gebracht bei zwei oder fünf Jahre laufenden Anleihen.

Spielend einfach Geld verdienen mit dem Verkauf von Anleihen

Aber heute ist die zehn Jahre laufende Bundesanleihe an der Reihe als Gewinn-Geschäft, was nicht so oft vorkommt. Aktuell verdient der deutsche Bundeshaushalt auch mit der Ausgabe von zehn Jahren laufenden Bundesanleihen Geld. Ja, man kann es nicht oft genug betonen, was für ein kaputter Kapitalmarkt das ist. Aber kommt es nur oft genug vor, setzt der Gewöhnungseffekt ein. Und so kaputt wirkt all das auf einmal nicht mehr!

Aber zur Sache. Heute hat die Finanzagentur Deutschland GmbH für Olaf Scholz den institutionellen Investoren zehn Jahre laufende Bundesanleihen mit einem Volumen von 3 Milliarden Euro zum Kauf angeboten. Die Nachfrage lag bei 4,29 Milliarden Euro. Bei der vorigen Auktion vor vier Wochen lag die Nachfrage bei gleich hohem Angebot bei 4,78 Milliarden Euro. Damals lag die Emissionsrendite bei +0,02%. Heute liegt sie bei -0,07%. Also macht Olaf Scholz heute sogar einen kleinen Gewinn mit dem Verkauf von Schulden – und das wie gesagt bei zehn Jahren Laufzeit!

Grundsätzliches

Grundsätzlich zur Thematik: Warum große Institutionelle wie Versicherungen, Banken, Fonds, Pensionskassen etc überhaupt Anleihen mit negativer Rendite kaufen? Nun, Fonds, Versicherungen etc können ihre gigantischen Cash-Bestände nicht auf Bankkonten liegen lassen. Schon bei „kleinen“ Millionen-Summen muss heutzutage jeder Kunde praktisch bei jeder Bank in der Eurozone um die 0,4% Strafzins an die Bank zahlen. Denn die Bank muss für überschüssige Liquidität ja auch 0,4% Strafzins an die EZB entrichten – also reichen Banken für große Guthaben den Strafzins an den Endkunden weiter. Von daher ist es langfristig gesehen für die großen Investoren „günstiger“ 0,07% Zinsen an den deutschen Staat zu zahlen als 0,40% Zinsen an die eigene Hausbank.

Und was ist, wenn die Negativrenditen bei Anleihen noch unter -0,40% sinken? Dies ist bei deutschen Kurzläufern ja seit geraumer Zeit der Fall. Grundsätzlich kann man sagen: Der Mechanismus ist einfach. Je mehr (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten) der Investor für eine Anleihe zahlen muss, desto geringer ist seine Rendite, weil der Zinskupon sich ja nicht ändert. Sinkende Renditen bedeuten steigende Kurse und umgekehrt. Große Institutionelle, die nicht ans Anlegen denken, sondern ans Zocken, schielen auf die Kursgewinne bei Staatsanleihen. Und handelt man mit Milliardensummen, war da in den letzten Jahren einiges zu holen. Der Emissionskurs der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe zum Beispiel lag im Januar noch bei 99,57% (Rendite +0,29%). Jetzt liegt der Kurs schon bei 103,11% (Rendite -0,07%).

Olaf Scholz und Angela Merkel
Wenigstens mit dem Verkauf von Schulden können Olaf und Mutti wie im Schlaf Geld verdienen, dank Mario Draghi. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

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