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Griechenland: der Absturz geht weiter

FMW-Redaktion

Kürzlich haben sich die griechische Regierung und ihre Gläubiger geeinigt – die neue Hifstranche wird ausbezahlt. Überraschend schnell – wohl, wie IWF-Chefin Christine Lagarde formulierte, weil man neben der Diskussion um einen möglichen Brexit nicht auch noch das Wiedererscheinen des Grexit-Gespents riskieren wollte. Dieser Deal wird die Lage der Griechen weiter verschärfen (Kürzung von Pensionen, Anhebung von Steuern etc.). Das wenige, was die Griechen noch haben, ist vielfach der Besitz einer Immobilie – aber auch in diesem Bereich sieht es schlecht aus: die Immobilien-Preise werden wohl weiter fallen und damit das Vermögen der Griechen weiter schmälern.

Laut Angaben von griechischen Immobilienexperten werden die Preise in den nächsten beiden Jahren um weitere 20%-25% sinken. Der Grund liegt auf der Hand: die beschlossenen Maßnahmen werden die finanzielle Lage der meisten Griechen weiter verschlechtern, sodass praktisch jede Nachfrage für den Kauf von Immobilien fehlt. Die Experten sprechen daher von einer maxmimal negativen Situation: ein gesättigter Markt ohne jede Nachfrage, die Folge ist logischerweise ein weiterer Sturz der Preise. Dazu kommen Zwangsversteigerungen von Immobilien für jene, die ihre Kredite bei den Banken nicht mehr bedienen können.

Seit dem Jahr 2008, also dem Begin der Krise, sind die Preise für Immoblien in Griechenland bereits um durchschnittlich 45% gefallen in den Städten Athen und Thessaloniki, im gesamten Land um durchschnittlich 41%. Sollten die Prognosen der Experten eintreffen, würden sich die Preise innerhalb von zehn Jahren (2008 bis 2018) um 65-70% reduzieren.

Für die Griechen heißt das: die Lage verschlechtert sich weiter. Nicht nur das Vermögen der Immobilienbesitzer sinkt damit weiter, sondern auch ihre Fähigkeit, neue Kredite von Banken zu erhalten, die über eine Immobilie abgesichert sind. Die Folge: die Rezession wird sich weiter verschärfen.

Mit dem Deal zwischen Athen und den Gläubigern bekommt Griechenland wieder etwas mehr Zeit geschenkt (vor allem zur Zins-Zahlungen an die EZB für griechische Anleihen in deren Bestand, die im Juli fällig werden). Aber was fehlt ist nur der Ansatz einer Vision oder eines Plans, wie man die griechische Wirtschaft wieder aufbauen könnte.

Im derzeitigen Umfeld am besten geht es derzeit noch den Banken des Landes: der griechische Bankenindex ist im letzten Monat um 21% gestiegen – weil die EZB vermutlich heute beschließen wird, den Waiver für griechische Banken wieder einzuführen: die hellenischen Banken könnten dann wieder griechische Staatsanleihen als Sicherheit für neue Kredite hinterlegen (diese Praxis war Anfang 2015 angesichts der Krise eingestellt worden). Ist doch auch schön..



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