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Griechenland: Die praktischen Folgen der Kapitalverkehrskontrollen und geschlossenen Banken

Von Claudio Kummerfeld

Was Kapitalverkehrstrollen und geschlossene Banken im Alltag bedeuten, sieht man immer erst, wenn es so weit ist. Beispielsweise gibt es zahlreiche Berichte aus Athen, dass Straßenverkäufer, die Lakritze, Getränke uvm verkaufen, kaum noch Umsatz machen, da sie einerseits nicht mehr an Wechselgeld kommen, und andererseits die Käufer ja auch nur noch 20- und 50 Euro-Scheine aus den Automaten erhalten. Soll man für 50 Euro Lakritze kaufen? Nein, dann lieber gar nicht. Die Folge: Keiner kauft mehr beim Straßenhändler, denn er kann ja nicht passend rausgeben.

Die Kapitalverkehrskontrollen der griechischen Zentralbank sollen verhindern, dass Bankguthaben Griechenland verlassen. Das hat aber auch auf Bereiche Auswirkungen, an die man zuerst gar nicht denkt. So können Nutzer von PayPal derzeit keine Transaktionen ins Ausland vornehmen, wenn sie ihr Bankkonto in Griechenland haben. PayPal hat seine Bankkonten im Ausland – daher würde bei einem simplen Kauf über PayPal ein Geldfluss von Griechenland ins Ausland entstehen. Also kann PayPal hierfür gar nichts. Das Unternehmen kann schlicht und einfach Zahlungsaufträge der griechischen PayPal-Nutzer nicht ausführen, weil die griechische Notenbank diesen Geldfluss unterbindet.

Genauso verhält es sich mit dem iTunes-Store von Apple. Wer ein Bankkonto in Griechenland hat und im iTunes Store z.B. Musik für 0,99 Euro kaufen will, kann dies derzeit nicht tun. Apple hat seine Konten im Ausland, der Nutzer in Griechenland – Geldtransfer verboten, denn das Geld würde Griechenland verlassen.

Ähnliches gilt eigentlich für alles, was Griechenland importiert. Als kurzfristig besonders wichtig sind die Bereiche Öl und Lebensmittel zu beachten. Wie lange reicht der im Land vorhandene Vorrat noch? Wie sollen griechische Gemüseimporteure ihre holländischen Verkäufer bezahlen? Mit Schuldscheinen? Es gibt zwar eine griechische Agrarindustrie – die kann aber sicher nicht in wenigen Tagen die bisherigen Importe eins zu eins ersetzen. Wie füllt ein Hotelier in seinem Buffet-Restaurant die Auslagen, wenn er keine Lebensmittel einkaufen kann? Und wie bezahlt er sein Personal?

Es wird eng, eine schnelle Lösung muss her, im Sinne der Bevölkerung vor Ort. Nur das Problem ist: Alexis Tsipras sieht sich jetzt in einer starken Verhandlungsposition – wie auch immer die aussehen soll.



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