Anleihen

Griechenland-Drama: Juncker hat mit Tsipras gebrochen

Von Markus Fugmann

Das Tischtuch zwischen dem Präsidenten der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, und dem griechischen Regierungschef Tsipras ist offenkundig zerschnitten. So berichten Insider von einer Wut-Rede von Juncker gegen Tsipras und Griechenland bei einem Treffen der Europäischen Kommission in Straßburg. Juncker sei wie ausgewechselt gewesen, so die Quellen weiter, die Zuhörer seien nach seiner Tirade sprachlos zurück geblieben, da Juncker sich voller Ärger und Ressentiments gegen Tsipras und Griechenland geäußert habe. Juncker werde an keinem Vermittlungsversuch mehr teilnehmen, bis die griechische Seite endlich vernünftige Vorschläge vorlege, so die Quelle weiter.

Jean Claude Juncker will Griechenland helfen
Sauer auf Tsipras: Jean-Claude Juncker
Foto: Factio popularis Europaea / Wikipedia (CC BY 2.0)

Juncker hatte sich bereits öffentlich enttäuscht gezeigt über Tsipras, nachdem der griechische Ministerpräsidenten das Angebot von Juncker vor dem Atehner Parlament nicht einmal erwähnt habe, sondern die Vorschläge der Gläubiger insgesamt als unannehmbar bezeichnet hatte. Juncker hatte Tsipras Mittel aus dem Infrastrukturfond der EU-Kommission in Höhe von 34 Milliarden Euro angeboten.

Mit dem Zerwürfnis steigt die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite Griechenlands stark an. Die EU-Kommission ist kein direkter Gläubiger Griechenlands und verfügt über erhebliche finanzielle Mittel. Juncker war daher der optimale „Makler“ zwischen Griechenland und seinen Gläubigern. Beobachter gehen davon aus, dass Juncker nun angesichts der aus seiner Sicht unbelehrbaren Haltung von Tsipras und seiner Regierung nicht mit dem möglichen Negativ-Folgen im Falle eines schlechten Endes in der Griechenland-Frage in Verbindung gebracht werden möchte – sprich Juncker um seine Reputation fürchtet, nachdem Tsipras sein weitreichendes Angebot nicht einmal erwähnt habe. Sollte Athen scheitern, dann wegen der Tsipras-Regierung, so nun die Haltung von Juncker. So sagte ein EU-Ofizieller heute, die Verhandlungen mit Griechenland seien wie die Quadratur des Kreises.

Ob Tsipras wirklich heute mit Merkel und Holande zusammen kommen wird, ist nach wie vor nicht sicher. Bislang jedenfalls gibt es für das Treffen noch von keiner Seite eine offizielle Bestätigung.



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