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Griechenland: Eurogruppen-Treffen zum Scheitern verurteilt

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Das am Donnerstag geplante Eurogruppen-Treffen droht bereits im Vorfeld zu scheitern. Offenkundig lehnt die griechische Regierung es ab – wie von den Gläubigern gefordert – ein neues Papier vorzulegen. In einem Interview mit „Bild“ sagte Finanzminister Varoufakis:

„Nein – denn die Eurogruppe ist nicht das Forum, Positionen und Vorschläge zu präsentieren, die zuvor nicht auf unterer Verhandlungsebene diskutiert und verhandelt worden sind.“

Grund des Scheiterns der Gespräche am vergangenen Sonntag sei gewesen, so Varoufakis, dass die Delegation der Gläubiger-Seite nicht befugt gewesen sei, die Voschläge der griechischen Regierung zu diskutieren. Nach Berichten von EU-Offiziellen jedoch hatte die griechische Delegation gar keine neuen Vorschläge gemacht, sondern mehrere Stunden bei einem Brunch verbracht und sei daher zu spät zu dem Termin gekommen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor berichtet, dass sich Vertreter der Eurozone im Falle eines Scheiterns der Gespräche beim Eurogrupppen-Treffen am Donnerstag auf einen Notfallplan geeinigt hätten: Demnach würden dann über das Wochenende Kapitalkontrollen für Griechenland verhängt, die jedoch vom Athener Parlament beschlossen werden müßten. „Sollte Athen sich weigern, bliebe den Euro-Ländern als allerletzte Möglichkeit, Griechenland im Zahlungssystem zu isolieren“, so die „Süddeutsche Zeitung“ weiter.

Die griechische Regierung hat diesem Bericht inzwischen widersprochen – doch dürfte sie in derartige Überlegungen ohnehin nicht eingeweiht sein. Dass von der griechischen Regierung wenig Bewegung zu erwarten ist, zeigt schon der Hinweis von Varoufakis, dass erst untere Ebenen neue Vorschläge ausarbeiten müßten. Hinzu kommt, dass Ministerpräsident Tsipras heute zu einem dreitägigen Besuch in St. Petersburg aufbricht, wo er auch Putin treffen wird. In der heißen Phase der Verhandlungen ist also der Regierungschef praktisch nicht verfügbar, sondern konferiert ganz im Gegenteil mit einem möglichen Geldgeber als Alternative zu den Gläubigern. Gestern hatte Tsipras gegenüber der griechischen Zeitung „To Synkreton“ gesagt, man werde geduldig warten, bis die Gläubiger auf einen vernünftige Linie einschwenken würden.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Chris

    16. Juni 2015 09:06 at 09:06

    Stell dir vor es ist €urorettung und keiner geht hin!

  2. Avatar

    wolfgang

    16. Juni 2015 10:08 at 10:08

    Was heißt Griechenland im Zahlungssystem zu isolieren? Das kann doch nur heißen: keine ELA mehr gewähren. Dazu bedarf es eines Beschlusses des Zentralbankrates mit 2/3-Mehrheit. Andere rechtlich zulässige Möglichkeiten hat die EU nicht.

  3. Markus Fugmann

    Markus Fugmann

    16. Juni 2015 10:10 at 10:10

    @Wolfgang, gemeint ist wohl eher, Griechenland vom SWIFT-System abzukoppeln!

  4. Avatar

    Frank

    16. Juni 2015 10:41 at 10:41

    Hllo Herr Fugmann, hier mal ein vernünftiger Bericht aus meiner Sicht zum Thema Griechenland!!!!

    Merkel muss Griechen retten: Bei Crash größte Verliererin der Geschichte

    Deutsche Wirtschafts Nachrichten | Veröffentlicht: 16.06.15 02:11 Uhr | 9 Kommentare

    Die Londoner Banken-Szene geht davon aus, dass Angela Merkel ein Machtwort zur Rettung Griechenlands sprechen wird. Der Grund: Im Fall eines Grexit hätten Angela Merkel und François Hollande 160 Milliarden Euro verspielt – der größte Verlust, den Politiker ihren Ländern jemals beschert hätten.

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    Themen: Bank Run, Endspiel, EU, Euro, Griechenland, Hollande, Kredite, Merkel, Schulden, Sparguthaben, Steuerzahler, Tsipras, Varoufakis

    Beschwörung der Geister: Aus egoistischer Sicht ist für Angela Merkel und Francois Hollande die Rettung Griechenlands alternativlos. (Foto: dpa)
    Beschwörung der Geister: Aus egoistischer Sicht ist für Angela Merkel und Francois Hollande die Rettung Griechenlands alternativlos. (Foto: dpa)

    Einer der Gründe, warum die griechische Regierung in der Krise relativ locker agiert, liegt in dem Risiko, dass Angela Merkel und François Hollande vor sich herschieben: Im Zentralorgan der City of London, der FT, hat Wolfgang Münchau errechnet, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam 160 Milliarden Euro im Feuer haben. Münchau schreibt: „Wenn Griechenland über seinen Schulden an den offiziellen Sektor insolvent geht, dann würden allen Deutschland und Frankreich 160 Milliarden Euro verlieren. Angela Merkel und François Hollande würden als die größten Finanz-Verlierer in die Geschihte eingehen. Die Gläubiger mögen vielleicht noch die Gespräche über einen Schuldenschnitt ablehnen. Doch das könnte anders sein, wenn Griechenland beginnt, in die Pleite zu rutschen. Wenn sie verhandeln, gewinnen alle. Griechenland würde in der Euro-Zone bleiben, weil die fiskalischen Anpassungen wegen der geringeren Schuldenlast leichter zu tragen wären. Die Gläubiger könnten auf diesem Weg wenigstens einen Teil ihrer sonst sicher verlorenen Kredite retten.“

    Münchau ist der Meinung, dass Tsipras im Grunde nichts zu verlieren hat, weil die griechische Wirtschaft eine geschlossene Wirtschaft sei, in der eine Abwertung nicht zu sehr ins Gewicht fallen würde. Mehr noch: Die neue Drachme könnte den Griechen im Tourismus sogar nützen.

    Diese These scheint gewagt zu sein: Der Schweizer Ökonom Michael Bernegger hat in einem Beitrag für Social Europe dargelegt, dass die griechische Wirtschaft wegen der Handelsflotte sehr exportorientiert sei – übrigens entgegen den gängigen Klischees sehr erfolgreich. Diese wichtigste Industrie würde von einer massiv abgewerteten Drachme vermutlich existentiell getroffen.

    Auch in einem anderen Punkt ist Münchaus Analyse mindestens unvollständig: Wenn er schreibt, dass der Grexit für Griechenland eine Kleinigkeit wäre, lässt er außer Acht, was die Griechen mit ihren Bankguthaben machen sollten. Die griechischen Banken können die Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Person nicht stemmen. Ob bereits die europäische Bankenunion einspringen kann, ist unter Juristen umstritten.

    Doch von all diesen Unschärfen abgesehen, trifft der FT-Kommentar ins Schwarze: Weder Merkel noch Hollande können sich einen Grexit leisten. Das mediale Getöse, das nach einem Rauswurf Griechenlands schreit, ist zynisch gegenüber den Griechen – warum haben wir denn die EU eigentlich? Damit wir jetzt sagen, die Griechen seien an ihrem Unglückselbst schuld? Allein voran hat sich SPD-Chef Sigmar Gabriel mit seinen antigriechischen Ressentiments als Meister der Sozial-Demagogie erwiesen.

    Doch noch deutlicher verkennen die „Ende-mit-Schrecken-Romantiker“, dass beim Platzen des Deals mit Griechenland die europäischen Steuerzahler eine solch unvorstellbar hohe Rechnung präsentiert bekommen, dass sich die Regierungen vermutlich nicht mehr auf die Straße getrauen. Die zusätzlichen Belastungen kommen in einer Phase, in der die Konjunktur lahmt, weil die Statistik-Tricks nicht funktionieren. Zusätzlich käme der Crash in einer Phase, in der sich die EU mit den Russland- Sanktionen selbst geschwächt hat.

    Auch wenn Merkel und Hollande wenig von Wirtschaft verstehen: Als „biggest financial losers in history“, wie sie die FT nennt, wollen die beiden nicht enden.

    Daher hat der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis völlig recht, wenn er sagt, dass Merkel und die Euro-Retter nur bluffen. Man braucht keine Spieltheorie, um zu erkennen, für welchen Exit sich Merkel und Hollande

  5. Avatar

    FR

    16. Juni 2015 10:52 at 10:52

    „Russische U-Boot Basis in Piräus“ oder „Griechisches Erdgas in russischer Pipeline“ . So in etwa könnten die kommenden Schlagzeilen lauten..?

    Beste Grüße & gute Trades

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Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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