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Griechenland: Geldabhebungen beschleunigen sich wieder, EZB macht Politik

Von Markus Fugmann

Nachdem sich die Abhebungen von griechischen Banken zuletzt etwas verlangsamt hatten, zogen sie im April wieder an: so sanken die Guthaben von Sparern um weitere um 5,426 Milliarden Euro. Im März waren es 2,759 Milliarden Euro gewesen, im Februar 7,869 Milliarden und im Januar 12,718 Milliarden. Offenkundig steigen in Griechenland derzeit wieder die Ängste, dass die Regierung Kapitalverkehrskontrollen einführen könnte. Im Gespräch sind auch Gebühren für Abhebungen von Bankautomaten sowie für Banküberweisungen.

Angesichts der wieder steigenden Geldabflüsse ist interessant, dass die EZB in dieser Woche die Notkredite für Griechenlands Banken nicht erhöht hatte – und das obwohl eben weiter Geld von den hellenischen Banken abfließt. In der Vorwoche hatte die EZB den Notkreditrahmen (ELA) nur um 200 Millionen Euro erhöht – mit dem Argument, dass die Geldabflüsse erheblich abgenommen hätten.

Dass die EZB sich also nun trotz der steigenden Gedlabflüsse in dieser Woche geweigert hat, die ELA zu erhöhen, obwohl sie gewußt haben dürfte, dass sich die Abhebungen wieder beschleunigen, zeigt, dass die europäische Notenbank die Vergabe der Notkredite als poltisches Machtmittel gegen die Athener Regierung gebraucht. Mit der Verweigerung, weitere Notkredite zu gewähren, will die EZB eindeutig den Druck auf die Tsipras-Regierung erhöhen, um zu einer raschen Vereinbarung mit den Gläubigern Griechenlands zu kommen. Griechenlands faktisch insolvente Banken hingegen sind und bleiben die Achillesverse der Athener Regierung: können Griechenlands Banken als einzige potentielle Käufer keine von Griechenland begebenen T-Bills mehr kaufen, gehen die finanziellen Lichter für Hellas sehr bald aus.



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1 Kommentar

  1. rein physikalisch: was passiert, wenn man auf eine Sache von allen Seiten den Druck versucht ins unermessliche zu steigern?

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