Folgen Sie uns

Interessantes aus der Presse

Griechenland: Goldman Sachs und Juncker machen Druck

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Sollte es in Griechenland zu Neuwahlen kommen und die linke Partei Syriza gewinnen, könnte dies laut Goldman Sachs schwerwiegende Konsequenzen haben. Die Investmentbank warnt:

„In the event of a severe Greek government clash with international lenders, interruption of liquidity provision to Greek banks by the ECB could potentially even lead to a Cyprus-style prolonged “bank holiday”. And market fears for potential Euro-exit risks could rise at that point.“

Also eine Schließung der Banken für den Fall, dass Griechenland mit einer Syriza-Regierung ihr Vorhaben wahrmacht und sowohl die Tilgung der Schulden als auch die Zinszahlungen einstellen sollte. In diesem Fall, so Goldman Sachs, dürfte die EZB also die Liquiditätsversorgung der griechischen Banken einstellen.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Cluade Juncker warnt vor den möglichen Folgen bei möglichen Wahlen in Griechenland: in der ORF-Sendung „Inside Brüssel“ sagte er, die Griechen wüssten sehr wohl, welche Auswirkungen ein „falsches Resultat“ bei den Wahlen für Griechenland haben könnte. Er wolle dazu keine eigene Meinung äussern, sondern wolle lediglich, das keine Extremisten dort an die Regierung kommen.

Also liebe Griechen: seid schön brav und macht das Kreuz, wenn es denn Neuwahlen geben sollte, an der richtigen Stelle. Sonst bekommt ihr es mit Mario Draghi, Jean-Claude Juncker und jener Bank zu tun, durch deren Hilfe in Sachen Bilanzkosmetik Griechenland erst in die EU aufgenommen werden konnte.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    12. Dezember 2014 15:51 at 15:51

    Super Schlagzeile.Juncker&GS machen Druck!Auf wen&was?Steuersätze,ultralockerste Geldpolitik?Wollt ihr den totalen Krieg,welchen ich euch erst vor kurzem als beschränktem Landgewinnfeldzug verprochen habe?Es ist immer das Gleiche:1Finger reichen,dann die komplette Hand nehmen,dann,wegen Lebensgefahr,prophylaktisch amputieren&wegen Lebensrettung auch noch Lob einheischen wollen!

  2. Avatar

    Loris

    12. Dezember 2014 17:19 at 17:19

    Der EU-Kommissionspräsident übt Druck auf den demokratischen Entscheidungsprozess eines Landes aus!? Wer ist dieser Präsident? Wer hat ihn gewählt? Wer hat ihn authorisiert? Was erlaubt er sich? Wieviel Europäser kennen ihn überhaupt und wollen ihn überhaupt kennenlernen?
    Ein starkes Stück diese Warnung und sinnbildlich für dieses neue Eliten-Europa, das mit der internationalen Finanzmafia nur allzu gerne ins Bett springt, Landesinteressen übergeht und seine Bürger wie Abfall behandelt. Ich glaub, das wird nix mehr mit den Bürgern und der EU, wenn eine solche Farce einer Demokratie und dieses Ausmaß an Intransparenz, Kungelei und Lüge diesen Laden zusammenhalten soll (der ja übrigens immer mehr Hunger nach neuem “Lebensraum“ zeigt und sich gierig in Richtung Osten frißt). Lösung für GR (und alle anderen die folgen mögen): Austritt aus dem Euro (notfalls auch aus EU und Nato), Schuldenschnitt bzw. Rückzahlung verweigern, Verstaatlichung lebenswichtiger Bereiche, sofortige Erschließung heimischer Ressourcen und Expertise, Bündnis- wie Sicherheitspartnerschaften mit Russland und China. Der eurasische Wirtschaftsverbund verpricht mehr Dynamik und Perspektive für Europas Süden. Machen ir uns nix vor, denn es ist vorbei: Der U$-Pudel €U taumelt mit tonnenschweren Schulden auf dem Rücken in den Abgrund, ganz langsam und stetig.

  3. Avatar

    mogerret

    12. Dezember 2014 20:10 at 20:10

    Griechenland wird seit seiner Krise an der Nase herumgeführt. Ebenfalls das EU-Volk.
    Es geht nicht um die griechischen Finanzen. Es geht eizig und alleine um die gen Westen gerichtete Politik. Das Szenario ist einfacher als man denkt. Die Krise kam genau richtig, um die gen Osten gerichtete Politik zu unterbinden. Die EU finanzierte Griechenland mit Hilfe von Millionen aus dem sogenannten Rettungsschirm, und machte die neue Regierung quasi abhängig von Europa. Damit verhinderte man , dass Griechenland sich trotz seiner Gas und Ölvorkommen nicht selber über Wasser halten konnte,da ihnen hierzu das nötige KnowHow fehlt, um diese Rohstoffe zu fördern. Statt dessen steht Griechenland bei der EU in der Kreide. Würde durch Neuwahlen eine Politik entstehen, die sich wieder gen Osten richtet, und somit eventuel sogar mit Russland einen neuen Partner finden würde( mit dem nötigen Knowhow), wäre das Risiko für die EU zu hoch, Griechenland aus der Eurozone, oder gar aus der EU zu verlieren. Die wohl grössten EU-Rohstoffvorkommen rückten also in weite Ferne,….weg von Europa. Dies versucht man jetzt zu verhindern, und setzt Griechenland immer weiter unter Druck. Denn eine solche Schwächung hätte fatale Folgen für Europa,…und die USA(die darf man hier nicht vergessen).
    Das wird aber wohl nicht geschehen, …….man wird weiter Geld nach Griechenland senden, damit man sie weiter bequem unter Kontrolle hat.
    Nun,…..mal sehn ob Putin hier die Hände aufhält und hier das nächste Ziel seiner eigentlich Europafreundlichen Politik sucht, ….das Losreissen der EU aus den Fängen der USA.

  4. Avatar

    Chris

    12. Dezember 2014 20:16 at 20:16

    Ganz ehrlich, wenn die Linken gewählt werden, ist das schlimmste was passieren kann, dass diese Banken vor Gericht gebracht werden, die illegal Kredite an das griechische Volk gebracht haben. Denn ein Kredit, dass durch Bestechen von Politikern zustande gekommen ist, ist kein Kredit. Deswegen fürchten sich die Banken.
    Aber bevor der unbelesene Tsipras Präsident in Griechenland wird, wird er wahrscheinlich an einem tragischen Unfall sterben, wie der Sohn von Onassis. Oder eiskalt abserviert wie JFK.
    Politik in Griechenland macht doch sowieso jeder Andere als die Griechen selbst.

  5. Avatar

    Wolfgang Koch

    12. Dezember 2014 23:31 at 23:31

    An den vorangegangenen,mit erheblichem Aufwand,recherchierten klasse Kommentaren,sieht man was Sache ist, im Volk!Er-kauder,der neue-ichkanndeinefressenichtmehrsehenamericanstaffordshirebullterrierangieforeverbisindentod.Starker,auch grammatikaler Tobak!Warum nur neigt der deutsche,zum Gehirnabgebenden Führer(innen)kult,immer&immer wieder?

  6. Avatar

    Jonny

    13. Dezember 2014 21:01 at 21:01

    Man sollte die Verursacher dieser Kriese abservieren und zwar auch eiskalt.

    Kiegsverbrecher,wie Bush&Obama+deren Gehilfen.

    Die Jenigen die diese unterstützen,bzw. das deutsche Volk verraten,wie z. Beispiel eine ehemalige jung Kummunistin+ widerum deren Gehilfen, wie z.Beispiel einen Rollstuhlfahrer, ab nach Den Haag und lebenslänglich,am besten nach Guantanamo,wo die friedliebende Weltpolizei die Gefangenen mit Menschenwürde behandelt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Lesetipp: Die Kamelkurve prophezeit der Welt die Krise

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

FMW-Redaktion

Dubai ist ein Frühindikator für die Welt. Und die Dinge stehen derzeit nicht zum Besten im Wüstenstaat. Warum die „Kamelkurve“ die Krise auch für die Weltwirtschaft ankündigen könnte, lesen Sie in der „Welt“ hier..

https://twitter.com/Schuldensuehner/status/679258959895773184/photo/1

Weitere Artikel zu Dubai finden Sie hier..

weiterlesen

FMW

Die großen Crashs 1929 und 2008. Warum sich Geschichte wiederholt

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Heute erscheint das Buch von Barry Eichengreen „Die großen Crashs 1929 und 2008. Warum sich Geschichte wiederholt“ auf deutsch (englisches Original: „Hall of Mirrors“). Barry Eichengreen ist der Nestor der Crash-Forschung, in seinem Werk analysiert er die Gründe, die zu den Crashs der Jahre 1929 und 2008 führten. Wir haben zu diesem Thema am Freitag ein Interview mit dem Autor veröffentlicht unter dem Titel „Eichengreen: Ein deutscher Marshallplan für Griechenland„.

Hier nun, mit freundlicher Genehmigung des FinanzBuch Verlags, ein Auszug aus der Einleitung des Buches:

Barry Eichengrenn Crash 1929 und 2008

Dies ist ein Buch über Finanzkrisen. Es beschreibt die Ereignisse, die
solche Krisen verursachen. Es handelt auch davon, warum Regierungen
und Märkte so reagieren, wie sie es tun. Und es handelt von den
Konsequenzen.
Es schildert die große Rezession von 2008 und 2009 und die große
Depression von 1929 bis 1933 – die beiden großen Finanzkrisen unseres
Zeitalters. Nicht nur in politischen Kreisen weiß man, dass es Parallelen
zwischen diesen beiden Episoden gibt. Viele Kommentatoren haben
beschrieben, wie das Wissen über das frühere Ereignis – die »Lektionen
aus der Großen Depression« – die Reaktionen auf die Ereignisse 2008
und 2009 beeinflusst hat. Weil diese Ereignisse so auffällig denen der
1930er-Jahren ähnelten, lieferte diese Erinnerung an die Vergangenheit
eine Art Objektiv, durch das man sie betrachten konnte. Die Tendenz, die
Krise aus der Perspektive der 1930er-Jahre zu sehen, wurde noch dadurch
verstärkt, dass Politiker von Ben Bernanke – Vorsitzender des Board of
Governors der Federal Reserve – bis Christina Romer – Vorsitzende des
ökonomischen Beratungskomitees des Präsidenten Barack Obama – diese
Geschichte in ihren früheren Karrieren als Akademiker studiert hatten.
Infolge dieser Lektionen verhinderten die Politiker das Schlimmste.
Nachdem die Pleite von Lehman Brothers das globale Finanzsystem an
den Rand des Abgrunds geführt hatte, versicherten sie, dass sie keine
weitere Pleite einer für das System äußerst wichtigen Finanzinstitution
mehr zulassen würden, und sie hielten dieses Versprechen. Sie widerstanden
einer Politik unter dem Motto: »Bettle deinen Nachbarn an«, die in
den 1930er-Jahren den Zusammenbruch der internationalen Transaktionen
verursacht hatte. Die Regierungen erhöhten ihre öffentlichen Investitionen
und senkten die Steuern. Die Zentralbanken fluteten die Finanzmärkte
mit Liquidität und gewährten einander solidarisch Kredite in einer
Weise, die es so noch nie gegeben hatte.

Diese Entscheidungen waren vor allem vom Wissen über die Fehler der
Vorgänger beeinflusst. In den 1930er-Jahren unterlagen die Regierungen
der Verführung des Protektionismus. Sie ließen sich von einem veralteten
ökonomischen Dogma leiten, kürzten ihre öffentlichen Ausgaben
zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt und versuchten, ihre Budgets ins
Gleichgewicht zu bringen, als stimulierende Investitionen notwendig gewesen
wären. Es machte keinen Unterschied, ob die betreffenden Politiker
Englisch sprachen, wie Herbert Hoover, oder Deutsch, wie Heinrich
Brüning. Ihre Maßnahmen verschlimmerten nicht nur den Niedergang,
sondern sie scheiterten sogar an der Aufgabe, das Vertrauen in die öffentlichen
Finanzen wiederherzustellen.
Die Zentralbanker hielten an der Idee fest, dass sie nur so viele Kredite
bereitstellen müssten, wie es für die legitimen Bedürfnisse der Unternehmen
erforderlich war. Sie gewährten mehr Kredite, wenn die Wirtschaft
expandierte, und weniger, wenn es einen Rückgang gab, womit sie Booms
und Krisen noch verstärkten. Sie vernachlässigten ihre Verantwortung für
finanzielle Stabilität und schritten nicht als Kreditgeber in Notfällen ein.
Das Ergebnis war ein sprunghaftes Ansteigen von Bankenpleiten und ein
verkümmerndes Kreditgeschäft. Man ließ zu, dass die Preise kollabierten
und Schulden nicht mehr zu managen waren. Milton Friedman und
Anna Schwartz geben in ihrem einflussreichen Werk über die Geschichte
der Geldpolitik den Zentralbanken die Schuld an diesem Desaster. Sie
kommen zu dem Fazit, die unfähige Politik der Zentralbanken sei mehr
als jeder andere Faktor für die ökonomische Katastrophe der 1930er-Jahre
verantwortlich gewesen.
Da die Verantwortlichen die Lektionen aus dieser früheren Episode gelernt
hatten, gelobten sie, es diesmal besser zu machen. Wenn damals die
Welt in Deflation und Depression gestürzt war, weil ihre Vorgänger weder
die Zinsen gesenkt noch die Finanzmärkte mit Liquidität geflutet hatten,
würden sie diesmal mit einer expansiven Geld- und Finanzpolitik reagieren.
Wenn die Finanzmärkte zusammengebrochen waren, weil ihre Vorgänger
panische Anstürme auf die Banken nicht verhindert hatten, würden
sie auf ganz entschiedene Weise mit den Banken umgehen. Wenn
Bemühungen, den Staatshaushalt auszugleichen, den Niedergang in den
1930er-Jahren verstärkt hatten, würden sie finanzielle Anreize schaffen.
Wenn der Zusammenbruch der internationalen Kooperation die Probleme
der Welt verschlimmert hatte, würden sie persönliche Kontakte und
multilaterale Institutionen nutzen, um sicherzustellen, dass es diesmal
eine angemessene Koordination politischer Maßnahmen gab.
Als Resultat dieser ganz anderen Reaktionen erreichte die Arbeitslosenquote
in den USA 2010 einen Spitzenwert von 10 Prozent. Das war
immer noch besorgniserregend hoch, aber die Quote lag doch weit unter
den katastrophalen 25 Prozent während der großen Depression. Hunderte
Banken gingen pleite, aber nicht Tausende. Es gab viele Verwerfungen
an den Finanzmärkten, aber deren völliger und äußerster Kollaps wie in
den 1930er-Jahren wurde mit Erfolg abgewendet.
Das war nicht nur in den USA so, sondern auch in anderen Ländern.
Jedes unglückliche Land ist auf seine eigene Weise unglücklich und ab
2008 gab es unterschiedliche Grade der wirtschaftlichen Unzufriedenheit.
Aber abgesehen von einigen fehlgeleiteten europäischen Ländern erreichte
dieses Unglück nicht das Niveau der 1930er-Jahre. Weil die politischen
Maßnahmen besser waren, fielen die sozialen Verwerfungen, die
Schmerzen und das Leid geringer aus.
So sagt man jedenfalls.
Diese nette Geschichte ist leider zu einfach.
Sie lässt sich nicht mit der Tatsache in Einklang bringen, dass man die
Risiken nicht antizipiert hat. Bei einem Besuch der London School of
Economics 2008 hat Königin Elisabeth II. eine später berühmt gewordene
Frage gestellt: »Warum hat das niemand kommen sehen?«, fragte sie
die versammelten Experten. Sechs Monate später schickte eine Gruppe
prominenter Wirtschaftswissenschaftler der Königin einen Brief und entschuldigte
sich für »den Mangel an kollektiver Fantasie«.

(..)

Die Architekten des Euro waren sich dieser Geschichte bewusst. Man erinnerte
sich sogar noch intensiver an sie, weil 1992 bis 1993 der Wechselkursmechanismus
zusammenbrach, der die europäischen Währungen
miteinander verband wie ein Seil eine Gruppe von Bergsteigern. Daher
bemühten sie sich um ein stärkeres währungspolitisches Arrangement.
Es sollte auf einer Einheitswährung basieren und nicht von den Wechselkursen
zwischen einzelnen Landeswährungen abhängig sein. Die Abwertung
einer Landeswährung sollte nicht mehr möglich sein, weil die einzelnen
Länder dann keine nationale Währung mehr haben würden, die sie
abwerten könnten. Dieses Euro-System sollte nicht von nationalen Notenbanken
reguliert werden, sondern von einer supranationalen Institution,
der Europäischen Zentralbank.
Wichtig ist, dass der Vertrag zur Einrichtung der Währungsunion keine
Möglichkeit zum Ausstieg vorsah. In den 1930er-Jahren konnte ein Land
durch eine unilaterale Entscheidung seiner nationalen Legislatur oder seines
Parlaments den Goldstandard abschaffen. Im Gegensatz dazu wäre
die Abschaffung des Euro in einem Land ein Vertragsbruch und würde
das gute Verhältnis dieses Landes mit seinen Partnerstaaten innerhalb der
EU gefährden.
Die Architekten des Euro vermieden zwar einige Probleme des Goldstandards,
sorgten dafür aber für andere Probleme. Indem das Euro-System
ein trügerisches Bild der Stabilität schuf, setzte es große Kapitalströme in
die südeuropäischen Länder in Gang, welche schlecht dafür gerüstet waren,
mit ihnen umzugehen – wie schon in den 1920er-Jahren. Als diese
Ströme die Richtung wechselten, führten die Unfähigkeit der nationalen
Zentralbanken, Geld zu drucken, und der nationalen Regierungen, sich
dieses Geld zu leihen, zu tiefen Rezessionen – wie schon in den 1930er-Jahren.
Der Druck, etwas zu verändern, wurde immer stärker. Die Unterstützung
von Regierungen, die das nicht taten, wurde schwächer. Es häuften
sich die Prognosen, der Euro werde ebenso scheitern wie der Goldstandard;
Regierungen in notleidenden Ländern würden ihn verlassen. Und
falls sie zögern sollten, dies zu tun, würden sie von anderen Regierungen
und politischen Führern abgelöst werden, die zum Handeln bereit wären.
Schlimmstenfalls könnte sogar die Demokratie in Gefahr sein.
Es stellte sich heraus, dass dies ein falsches Verständnis der Lehren aus
der Geschichte war. Als Regierungen in den 1930er-Jahren den Goldstandard
aufgaben, waren der internationale Handel und das Kreditwesen
schon zusammengebrochen. Diesmal taten die europäischen Länder gerade
genug, um dieses Schicksal zu vermeiden. Daher musste man den
Euro verteidigen, um den gemeinsamen Markt, den Handel innerhalb
Europas und den Zahlungsverkehr zu bewahren. In den 1930er-Jahren
zählte die politische Solidarität zu den frühen Opfern der Depression.
Trotz der Belastungen durch die Krise setzten die Regierungen diesmal
ihre Konsultationen und ihre Zusammenarbeit mithilfe internationaler
Institutionen fort, die stärker und besser entwickelt waren als die
in den 1930er-Jahren. Die wirtschaftlich und finanziell starken EU-Länder
vergaben an ihre schwachen europäischen Partner weiterhin Kredite.
Diese Kredite hätten zwar höher sein können, aber verglichen mit den
1930er-Jahren waren sie dennoch umfangreich.
Und schließlich kam es nicht zu einer Krise der Demokratie, wie sie
diejenigen prognostiziert hatten, die mit dem Kollaps des Euro rechneten.
Es gab Demonstrationen, auch solche, bei denen es zu Gewalttaten kam.
Regierungen stürzten. Aber anders als in den 1930er-Jahren überlebte
die Demokratie. Die Kassandras des Zusammenbruchs hatten die Wohlfahrtsstaaten
und die sozialen Sicherheitsnetze übersehen, die infolge der Depression
aufgebaut worden waren. Sogar dort, wo die Arbeitslosenrate
bei mehr als 25 Prozent lag, wie es in den am schlimmsten betroffenen
Teilen Europas der Fall war, kam es nicht zu offenkundiger Verzweiflung.
Das schwächte die politische Gegenreaktion. Es begrenzte den Druck, das
bisherige System zu verlassen.
Es ist allgemein bekannt, dass die Erfahrung der Großen Depression
die Wahrnehmung und die Reaktionen auf die große Rezession stark
geprägt hat. Aber um zu verstehen, wie diese Geschichte genutzt – und
missbraucht – wurde, muss man sich nicht nur die Depression genauer
ansehen, sondern auch die Entwicklungen, die sie ermöglicht haben. Wir
müssen also ganz am Anfang beginnen, nämlich im Jahr 1920.

weiterlesen

Interessantes aus der Presse

Verwirrung um Lagardes Grexit-Aussagen: IWF bringt Korrektur

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Hat sie oder hat sie nicht? Das ist hier die Frage – der IWF sagt nun: sie hat nicht. Gemeint sind die Aussagen der IWF-Chefin Lagarde gegenüber der „FAZ“. So wird ihr Satz allgemein so zitiert:

„Der Austritt Griechenlands ist eine Möglichkeit“, würde aber nicht das Ende der Eurozne bedeuten („likely not spell the end of the
euro.“).

Doch taucht ein wörtliches Zitat in dem Artikel der „FAZ“ gar nicht auf.

Nun hat der IWF gestern eine Richtigstellung der Äusserungen Lagardes herausgebracht, „to clarify and put into context the quotes reported in the FAZ
interview.“ Das Interview der „FAZ“ mit Lagarde wurde in englischer Sprache durchgeführt, der IWF hat die Aussagen Lagardes nun gestern im Original veröffentlicht.

Nun hat ein Sprecher des IWF auf Nachfrage einer Nachrichtenagentur klar gemacht, dass Lagarde in dem Interview weder das Ende der Eurozone noch das Ende des Euro in dem Interview erwähnt habe. Ofefnkundig versucht also der IWF, die Wellen, die das Interview mit der „FAZ“ aufgebracht hat, wieder zu glätten. Man ist nervös – auch und gerade beim IWF..

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen