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Griechenland ist nicht wettbewerbsfähig – den Rest haben die Eliten ruiniert

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FMW-Redaktion

Die Buchautoren Matthias Weik und Marc Friedrich haben vor Kurzem ihr neues Buch veröffentlicht mit dem Titel „Kapitalfehler Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“. Mit ihrer freundlichen Genehmigung veröffentlichen wir an dieser Stelle einen Ausschnitt zum Thema Griechenland – lesenswert!

Friedrich-Weik
Die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich.

Griechenlands Wirtschaft: Nicht wettbewerbsfähig. Den Rest haben Griechenlands Eliten ruiniert

Um die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands besser zu verstehen, sollte man sich etwas eingehender mit der dortigen Wirtschaft beziehungsweise mit dem beschäftigen, was davon noch übrig geblieben ist.

Auch wenn Griechenland meint, dass Feta, der seit Jahrtausenden aus Schafs- und Ziegenmilch hergestellt wird, ein wichtiger Teil seines kulturellen Erbes ist – lässt sich damit keine Wirtschaftskrise lösen. Würden wir uns dennoch entscheiden, Griechenland durch massenhaften Verzehr von Schafskäse retten zu wollen, dann sollten wir allerdings wissen, woher der Käse überhaupt kommt. Etwa ist der in Deutschland weit verbreitete Schafskäse der Marke »Salakis« in Wirklichkeit kein griechischer Käse. Dieser Feta gehört zu dem weltumspannenden französischen Konzern Lactalis mit global rund 60 000 Mitarbeitern. »Patros« – mit dem schönen Slogan »Genuss auf mediterrane Art« – kommt von der bayerischen Firma Hochland, die ebenfalls mit Griechenland nicht viel am Hut hat. Somit fällt der Fetakäse, um der griechischen Wirtschaft auf die Beine zu helfen, schon einmal flach. Der berühmte »griechische« Weinbrand Metaxa auch, denn der gehört zum französischen Likörhersteller Rémy Cointreau. Immerhin würden wir durch dessen Genuss unseren französischen Freunden unter die Arme greifen, die ebenfalls Unterstützung benötigen. Und wie sieht es mit dem weltweit beliebten griechischen Olivenöl aus? Nicht viel besser. Im globalen Vergleich ist Griechenland nämlich lediglich ein Fliegengewicht. Allein Spanien produziert dreizehn Mal so viel Olivenöl wie Griechenland. Auch einstmals gefragte Produkte wie Tabak, Baumwolle, Zucker­rüben und die Bekleidung, die heute in Niedriglohnländern hergestellt werden, spielen kaum noch eine Rolle.

Tourismus wird Griechenland nicht retten

Fast jeder fünfte Grieche ist in der Tourismusbranche beschäftigt. Mit einem Beschäftigungsverhältnis von 18,2 Prozent ist der Tourismus damit eine der wichtigsten Einnahmequellen Griechenlands. Allein im Jahr 2015 waren 26 Millionen Gäste gekommen, die meisten aus Deutschland. Die Einnahmen stiegen auf 14,5 Milliarden Euro. Das sind 7 Prozent des BIP. In Deutschland trägt der Tourismus lediglich 4,7 Prozent zum BIP bei. 7 Prozent klingt auf den ersten Blick erst einmal gut. Wenn 14,5 Milliarden Euro aber 7 Prozent des BIP entsprechen, dann hört sich das schon nicht mehr so vielversprechend an. Im Vergleich dazu summieren sich die 4,7 Prozent Deutschlands auf ordentliche 97 Milliarden Euro. Der Glaube einiger Träumer aus Politik und Wirtschaft, dass der Tourismus Griechenland aus der Misere ziehen könnte, ist falsch. Auch wenn der Tourismus im Wandel ist – weg von der 1 - 3-Sterne-Kategorie hin zur 5-Sterne-Luxushotellerie – wird sich die Situation nicht ändern. Dazu ist auch die Neigung immer noch zu groß, den Fiskus zu hintergehen, indem man beispielsweise in Restaurants keine Quittungen ausstellt. Außer Managern, Hotelfachkräften oder Spitzenköchen werden vorrangig billige und oftmals auch ungelernte Servicekräfte beschäftigt. Zudem ist der Tourismus ein saisonales Geschäft; auf den griechischen Inseln etwa machen die meisten Hotels zwischen November und März dicht. Auch die heimische Landwirtschaft wird schwerlich vom Tourismus profitieren. Um die luxuriösen Bedürfnisse der ausländischen Gäste zu befriedigen, sind die Griechen auf Importe angewiesen.

Neben dem Tourismus gilt der Export als Hoffnungsträger für das Wachstum, obwohl er 2014 lediglich 6,6 Prozent zum BIP beitrug. Exportiert werden vor allem Agrar-, Öl-, Raffinerie- und Chemieprodukte. Exportfähige Industrie existiert darüber hinaus kaum. Die Wirtschaft ist durch kleine und mittelständische Betriebe geprägt. Es gibt nur wenige Großunternehmen im Land. Spitzenreiter ist der Limonadenhersteller Coca-Cola, gefolgt von Hellenic Telecommunications. Auf Platz drei rangiert ein Sportwetten- und Lotterieunternehmen, gefolgt von der National Bank of Greece und von Hellenic Petroleum. Auf Platz sechs befindet sich mit Titan Cement einer der größten Zuschlagstoff- und Zementhersteller weltweit. Den siebten Rang belegt die Firma Duty Free Shops Abgesehen von Hellenic Petroleum und Titan Cement tragen die anderen nicht allzu viel zum Export bei.

Unter der Knute der Troika kommt Griechenland nicht aus der Krise. Alleine 2015 haben über 10 000 Unternehmen ihre Tore endgültig geschlossen, und im Schnitt haben täglich 600 Menschen ihre Arbeit verloren! Immer noch dümpelt der saisonbereinigte Industrieoutput auf einem Niveau wie noch im Jahr 1978. Damals allerdings betrugen die griechischen Staatsschulden vergleichsweise geringe 7,3 Milliarden Euro beziehungsweise 22,1 Prozent des nominalen BIPs! Zum Jahreswechsel 2016 waren es über 175 Prozent des nominalen BIPs beziehungsweise 317,1 Milliarden Euro! Die Nettoauslandsschulden bezifferten sich im 2. Quartal 2015 auf beachtliche 225,6 Milliarden Euro! Mit einem industriellen Output auf dem Stand von 1978 die Schuldenberge von 2016 bekämpfen zu wollen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Selbst wenn viele Politiker in der EU meinen, Griechenland sei mit dem dritten Rettungspaket zu retten. In Wirklichkeit wird das Land wirtschaftlich und sozial zerstört! 1978, zu der Zeit als die Währung noch Drachme hieß, waren die meisten Griechen in der Landwirtschaft tätig und die Arbeitslosenzahlen niedriger als heute. Ein Skandal: Niemals ging es den Griechen, aber auch den Spaniern, Italienern und Portugiesen schlechter als mit dem Euro.



Die beiden Ökonomen, Querdenker und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Mit ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, haben sie es bis auf Rang 2 der Spiegel-Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im Manager Magazin und Handelsblatt. In ihm haben sie u.a. die EZB Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezinses bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Der Crash ist die Lösung war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2014. Im Mai 2016 ist ihr drittes Buch „Kapitalfehler Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ erschienen. Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: http://friedrich-weik.de/ und bei Facebook. Matthias Weik und Marc Friedrich sind Initiatoren der Petition „EZB Stoppen – wir zahlen nicht für Eure Krise“.

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Anton Xydeas

    2. Juni 2016 21:50 at 21:50

    Mit den Herren Experten ist es vermutlich nicht weit her. Griechenland hat die grösste Handelsflotte der Welt. Die Schifffahrt ist ein essentieller Bestandteil der griechischen Wirtschaft und trägt einen grossen Teil zum griechischen BIPs bei. Das unerwähnt zu lassen und den Fete-Käse als Beispiel für irgendwas zu nehmen, macht das ganze nur noch jämmerlicher, wenn nicht sogar ein wenig gehässig und schlussendlich den ganzen Artikel zur Farce. Das Buch dazu, will man dann auch nicht mehr lesen.

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      Chozudopolus

      2. Juni 2016 23:16 at 23:16

      Dem muss ich deutlichst widersprechen. Sie schreiben da unfundierten Unsinn. Die Schiffe fahren zumeist unter anderer Flagge und die Schilfsindustrie genießt perverse Steuerprivillegien in Griechenland. Ich mit dem neuen Buch der beiden Herren zwar noch nicht ganz durch, erlaube mir aber jetzt schon zu sagen, dass es eines der besten Bücher der letzten Jahre ist und ich es auch Ihnen empfehle zu lesen und sie sicherlich danach ihre Meinung revidieren werden.

      Hierzu auch der Spiegel:
      http://m.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/a-974276.html

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        Anton Xydeas

        3. Juni 2016 07:56 at 07:56

        Vielleicht sollten Sie die Zahlen prüfen anstatt selbst Unfug zu schreiben. Die griechische Schifffahrt ist weit mehr als nur die gierigen Reeder. Der Anteil des griechischen Bips ist jedenfalls höher als das was die Landwirtschaft (Olivenöl und Feta) erwirtschaftet.

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    Götterbote

    3. Juni 2016 00:29 at 00:29

    Lächerlicher Auszug, der wieder mal zeigt dass hier erneut Möchtegern-Experten von Dingen schreiben, von denen sie offensichtlich keine Ahnung haben. Das fängt bei kleinen Dingen an, wie der Tatsache, dass die Art von Käse, der nicht in Griechenland hergestellt wird, auch nicht Feta genannt wird, bzw. genannt werden darf, bis hin zur Unkenntnis über die griechische Wirtschaft.

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    sabine

    3. Juni 2016 06:35 at 06:35

    Naja, nicht „das Kiind mit dem Bade ausschütten“.
    a) Richtig, die Schiffahrt ist nicht erwähnt. Aber sie ist leider kein essentieller Bestandteil der Wirtschaft, da alle Gesellschaften in Steuerparadiesen „stationiert“ sind und so nicht viel Nennenswertes zur griech. Wirtschaft beitragen.
    b) Die Angestellten selbst konsumieren auf den Meeren oder in den Häfen. Das einzige „Griechenlandrelevante“, sie schicken Löhne nach Griechenland an die Familie, was dann dort ausgegeben wird. Ob das einen entscheidenden Auswirkung auf die Wirtschaft hat, unwahrscheinlich.
    c) Die Autoren erklären vieles immer auch volkstümlich, mit Ironie und Dingen, um den Mann auf der Straße mitzunehmen. Deswegen diese „Aufhänger“ Feta-Käse bzw. der „lustige“ Einstieg. Ohne dies würden es 70% nicht lesen und so viele Fakten nicht wissen. Wissen Sie etwas besseres? Der Speigel macht es 1.000 mal mehr.

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      Götterbote

      3. Juni 2016 10:29 at 10:29

      zu a/b) wie Herr Xydeas schon schrieb: besser informieren, dann würden Sie das nicht schreiben.
      zu c) Aha! Auch wenn Bild-Zeitungs-Niveau benutzt werden muss und damit weitere Vorurteile geschürt werden, Hauptsache die Bücher verkaufen sich und eine möglichst große Masse an Menschen wird weiter verblödet. Dieser Wille einem Führer hinterher laufen zu wollen, scheint den Deutschen genauso im Blut zu liegen, wie der Feta den Griechen *Ironieaus*

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    Astrid

    3. Juni 2016 07:18 at 07:18

    Ich möchte für die Autoren ebenfalls eine Lanze brechen. Ohne ihre wertvolle und, wie ich finde auch sehr guten Bücher würden sich noch weniger Menschen mit dem essentiellen Thema Krise, Geldsystem Euro, Wirtschaft etc. beschäftigen. Ihre Aufklärungsarbeit ist gar nicht hoch genug zu schätzen. Friedrich und Weik schaffen es immer wieder komplexes einfach runterzubrennen und so viele Menschen zu erreichen, die sich normalerweise nicht für das Thema interessieren würden.
    Ihre Lösungsvorschläge in ihrem neuen Buch haben Hand und Fuss.

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      Matthias

      3. Juni 2016 08:55 at 08:55

      Die Herren Friedrich und Weik mögen bzgl. GR in ihren Analysen u. Diagnosen richtige Beschreibungen machen, dennoch outen sie sich als sozialistische Vollgeldfans u. propagieren in ihren Lösungsvorschlägen u.a. ein geldmonopolistisches Währungssystem.

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        Astrid

        4. Juni 2016 16:05 at 16:05

        Was sind den ihre Lösungen?

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    Helmut Josef Weber

    3. Juni 2016 08:47 at 08:47

    Wenn die Griechen, bei dem doppelten Lohn gegenüber Polen, nur halb so produktiv sind, dann kann das nicht funktionieren.
    Kein Mensch (selbst die Griechen nicht) kaufen dann teure griechische Produkte, sondern Produkte aus dem Ausland.
    Das bei diesen Verhältnissen tausende Firmen pleite gehen und weiter pleite gehen werden, ist ein Naturgesetz.
    Was die doppelte Energie verbraucht und nur die Hälfte leistet, ist nicht überlebensfähig.
    Kein Unternehmer mit Verstand wird auch nur einen Euro in Griechenland investieren, wenn er dabei auf griechische Arbeiter zurückgreifen muss.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

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      Götterbote

      3. Juni 2016 10:38 at 10:38

      Dann denken Sie mal bitte nach: auch griechische Unternehmer arbeiten gewinnorientiert. Und wenn auf einmal tausende pleite gehen, die zuvor (vor der Krise) keine Probleme hatte und das obwohl ja in der Krise seit Jahren eine angeblich unternehmerfreundliche Poltik betrieben wird, dann liegen die Probleme weniger in der Produktivität, als in anderen Bereichen.
      Ein weiteres Problem (nicht nur der griechischen Wirtschaft): Fast jedes griechische Unternehmen, welches erfolgreich aufstrebend und international konkurrieren könnte, wird spätestens in dem Moment von einem großen ausländischen Konzern geschluckt, wenn es Chancen hat, sich zu etablieren. Abgesehen von den Gewinnen, die dann ins Ausland abfließen und nicht mehr der griechischen Wirtschaft zugute kommen, werden die Produktionsprozesse auch noch „optimiert“ und Rohstoffe u.ä. auf einmal nicht mehr in der heimischen Wirtschaft besorgt, sondern günstiger (und qualitativ oft schlechter) aus dem Ausland.

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    Kritix

    3. Juni 2016 10:48 at 10:48

    Man kann es kaum glauben, aber, Griechenland war in den Sechziger Jahren ein Investitionsparadies. Für viele ausländische Manager war es das Traumziel, für ihre Firma dort zu leben und zu arbeiten. Das Hauptproblem war das dadurch ausgelöste Regionalgefälle, denn alle wollten in den Großraum Athen und evtl. noch Thessaloniki. Was war damals anders? Eigene Währung, ein niedriges Lohn- und Preisniveau (griechischen Kaffee gab es z.B. für 10 cent) eine solide Agrarbasis.. Die Pervertierung des Landes kam mit der EU (ab 1981), ihrer bürokratischen Umsteuerung durch heimtückische Subventionierungen und das europäische Finanzkapital. Die bis dahin funktionsfähigen Strukturen sollten nun dem Mutterschiff Europa dienen und entsprechend „zurechtgebogen“ werden. Der Euro und die davon ausgelöste Verschuldungsorgie gaben dem Land den Rest, da der gesunde „Protektionismus“ durch die Drachme nun entfiel und der Zinsrückgang um 10-15 Prozentpunkte wie ein Köder wirkte, an dem sich das ganze Land verschluckte. Der Rest ist bekannt, das Land wird nun geplündert. Es ist nicht und es geht nicht um die Wettbewerbsfähigkeit. Das Konzept ist hier völlig unangebracht, es dient der Ideologie. Das Land ist noch immer ein Traumziel, nämlich der mit Kapital „schießenden“ Kreise. Das Bild von den Geiern sei erlaubt.

    • Avatar

      Götterbote

      3. Juni 2016 12:16 at 12:16

      Danke für den Kommentar. Ein Lichtblick in der Dunkelheit der anderen „Experten“.

      Unerwähnt sollte dabei nicht bleiben, dass der Euro nicht nur eine „Geldschwemme“ verursacht hat, sondern das Volk mit dem Währungswechsel schwer zu bluten hatte. Die Umstellung wurde zwar ein wenig besser gestaltet, als dies in Deutschland der Fall war (Preise mussten ein Jahr vor und nach der Umstellung in beiden Währungen angezeigt werden, um Veränderungen für die Bevölkerung nachvollziehbarer zu machen und einer „Abzocke“ entgegen zu wirken), aber dies änderte nichts an der Tatsache, dass die im Verhältnis zur Deutschen Mark „wertlose“ Drachme als Euro nicht mehr viel her machte.

      Ein sehr gutes Indiz für den Zustand der Wirtschaft, bzw. der arbeitenden Bevölkerung ist die Gastronomie in Griechenland. Ein schwerer Einbruch dieser war mit der Einführung des Euro zu sehen. Während z.B. Clubs/Diskotheken täglich geöffnet und gut besucht waren, brach dieser Zweig fast komplett ein, so das diese Lokalitäten nur noch am Wochenende geöffnet wurden. Gleiches konnte in den Sommermonaten an den Stränden in den Restaurants und Beach-Bars beobachtet werden. Anders als zu erwarten gewesen wäre, kam der zweite, noch stärkere Einbruch nicht in den ersten Jahren der Krise, sondern erst im letzten Jahr. Seitdem ist zu beobachten, dass so gut wie alle Gastronomiebetriebe, inklusive Hotels, kaum noch besucht werden (ausländische Touristen ausgenommen). Wenn man mit Einheimischen darüber spricht, kommt die einfache und auch recht logische Antwort: man lebte in den ersten Jahren der Krise von den Reserven (soviel zum Thema, die Griechen plündern ihre Konten…), weil man sich immer wieder sagte (und den politischen Botschaften glaubte), im nächsten Jahr geht es wieder bergauf. Also wofür sparen? Nun sind aber die meisten Reserven aufgezehrt und der Luxus des Restaurantbesuchs (was in Griechenland ein wesentlicher Bestandteil des Lebens ist), musste eingestellt werden.

  7. Avatar

    Kritix

    3. Juni 2016 10:50 at 10:50

    Man kann es kaum mehr glauben, aber, Griechenland war in den Sechziger Jahren ein Investitionsparadies. Für viele ausländische Manager war es das Traumziel, für ihre Firma dort zu leben und zu arbeiten. Das Hauptproblem war das dadurch ausgelöste Regionalgefälle, denn alle wollten in den Großraum Athen und evtl. noch Thessaloniki. Was war damals anders? Eigene Währung, ein niedriges Lohn- und Preisniveau (griechischen Kaffee gab es z.B. für 10 cent) eine solide Agrarbasis.. Die Pervertierung des Landes kam mit der EU (ab 1981), ihrer bürokratischen Umsteuerung durch heimtückische Subventionierungen und das europäische Finanzkapital. Die bis dahin funktionsfähigen Strukturen sollten nun dem Mutterschiff Europa dienen und entsprechend „zurechtgebogen“ werden. Der Euro und die davon ausgelöste Verschuldungsorgie gaben dem Land den Rest, da der gesunde „Protektionismus“ durch die Drachme nun entfiel und der Zinsrückgang um 10-15 Prozentpunkte wie ein Köder wirkte, an dem sich das ganze Land verschluckte. Der Rest ist bekannt, das Land wird nun geplündert. Es ist nicht und es geht nicht um die Wettbewerbsfähigkeit. Das Konzept ist hier völlig unangebracht, es dient der Ideologie. Das Land ist immer noch ein Traumziel, nämlich der mit Kapital „schießenden“ Kreise. Das Bild von den Geiern sei erlaubt.

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Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

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Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

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Gewerbeumsatz im August rückläufig – warum es tatsächlich aber ein Anstieg ist

Claudio Kummerfeld

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Sprühender Funken bei Industrieproduktion

Den Gewerbeumsatz prognostizieren die Statistiker vom Statistischen Bundesamt aus den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen. Daher können sie heute für den Monat August vorläufig sagen, dass der Umsatz in der gewerblichen Wirtschaft (gemeint sind die Bereiche Industrie, Bau sowie Handel und Dienstleistungen) im Vergleich zu Juli um 1,3 Prozent gesunken ist. Der Wert für August liegt vor Revision um 4,7 Prozent niedriger als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Diesen Abwärtshaken beim Aufschwung erkennt man auch im Chart am Ende des Artikels, der den Indexverlauf seit Anfang 2015 anzeigt.

Dieser aktuelle Rückgang kann aber täuschen. Man achte zum Beispiel auf die aktuellen Worte von Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. Die deutschen Unternehmen hätten zwar im August 1,3% weniger umgesetzt als im Juli gemacht. Aber der ohnehin starke Juli-Umsatz sei nach oben revidiert worden. Juli und August zusammen liegen jetzt 9,2 Prozent über dem 2. Quartal, und beim BIP zeichne sich ein starkes Plus von 9 Prozent ab, so seine Worte.

Und siehe da, schauen wir uns doch mal den Juli-Indexwert in der heute veröffentlichten Grafik der staatlichen Statistiker an. Er liegt bei 128,0 Indexpunkten. Schaut man auf die Original-Veröffentlichung der Statistiker für Juli vom 27. August, dann sieht man hier einen Juli-Indexwert von nur 125,9. Also, in der Tat. Der Juli-Wert wurde heute von 125,9 auf 128 kräftig nach oben revidiert. Von daher ist der heutige Rückfall auf 126,3 im August immer noch höher als in der Erst-Veröffentlichung für Juli aus dem Vormonat. Geht man also nach den jeweiligen Erstschätzungen, dann klettert der Gewerbeumsatz von Juli auf August weiter an.

Rückläufig ist der heutige August-Wert nur, weil man einen aktuellen Schätzwert in Relation zu einer revidierten Zahl setzt. Sinn macht es aber nur, wenn man entweder zwei Schätzwerte oder zwei revidierte Werte miteinander vergleicht. Man darf vermuten, dass der August-Wert, welcher Ende Oktober veröffentlicht wird, nach oben revidiert wird. Denn die Statistiker erwähnen heute auch, dass sich die Werte aufgrund von Nachmeldungen durch Revision noch erhöhen können. Der Anstieg im Gewerbeumsatz in Deutschland geht also vermutlich weiter, ohne unterbrechenden Abwärtshaken.

Chart zeigt Verlauf im Gewerbeumsatz seit 2015

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Meine Absage an Panikmache und Alarmismus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Zentralbanken fluten derzeit wieder den Markt mit frischem Geld. Zunächst senkte die US-Fed den Leitzins im März praktisch auf Null (0-0,25 %). Die US-Regierung erprobte daneben gleich einmal eine Art Helicopter-Geld und unterstützte Arbeitslose mit 600 USD pro Monat.

Dann feuerte die EZB in den Markt und stockte im Rahmen des sog. PEPP-Programms (Pandemic Emergency Purchase Programme) die turnusmäßigen Anleihenkäufe um 600 Milliarden Euro auf. Derweil wurde die PEPP-Maßnahme nochmals erweitert. Nunmehr lassen die Währungshüter um Christine Lagarde bis Juni 2021 insgesamt 1,35 Billionen Euro rollen, um die angeschlagene Konjunktur zu stabilisieren.

Nie zuvor haben Notenbanken und nationale Regierungen derartige Summen mobilisiert in solch kurzer Zeit in den Markt gegeben. Im Vergleich dazu mutet die Geldpolitik der vergangenen Jahre geradezu konservativ und zurückhaltend an.

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die nicht nur steigende Inflation prognostizieren, sondern zumindest für den Euro wieder die Existenzfrage aufwerfen. Die Sorgen vieler Marktteilnehmer spiegeln sich eindrücklich unter anderem in steigenden Preisen für Gold und Silber. In dieser Situation sucht man Substanz, und einer Papierwährung trauen diese Substanz üblicherweise nicht zu. Nichts als bedrucktes Papier, so der verbreitete Tenor.

Aber schauen wir uns die Fakten an. Ist es im digitalen Zeitalter überhaupt noch zulässig von einer Papierwährung zu sprechen? Tatsächlich laufen gegenwärtig in der Euro-Zone Geldscheine und Münzen im Wert von rund 1,4 Billionen Euro um. Das entspricht also grob der Bewertung der Apple-Aktie vor vier Wochen. Heute hat Papiergeld streng genommen kaum noch eine wirtschaftliche Funktion außerhalb des Dienstleistungssektors bzw. des Einzelhandels. Papiergeld brauchen wir um Semmeln beim Bäcker zu holen und um ein Eis auf die Hand beim Stadtbummel zu kaufen.

Alle modernen Währungen sind heute elektronisch. Die wahren Geldmassen lagern heutzutage auf Konten, in Depots oder sind in Immobilien gebunden. So wiegt etwa der private Immobilienmarkt allein in Deutschland rund 5 Billionen Euro. Der DAX, also nur die 30 größten Unternehmen hierzulande, wiegen derzeit rund 1 Billion Euro. Noch ein Beispiel: Der französische Leitindex CAC 40 ist noch schwerer. Seine Unternehmen sind gegenwärtig rund 1,5 Billionen Euro schwer.

Möglicherweise sind diese Marktwerte aufgebläht. Diese Aussage ist zulässig. Die Aussage, dass eine moderne Währung ungedeckt von Sachwerten wäre, hingegen ist Humbug. Ich halte ganz generell die Sorgen um den Kollaps des Euro bzw. einer anderen westlichen Währung für übertrieben. Die Sorge, dass eine…..

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