Anleihen

Griechenland: IWF fordert Euro-Staaten zu Abschreibungen auf

Von Markus Fugmann

Es war ziemlich ruhig geworden um Griechenland – kaum mehr beunruhigende Schlagzeilen, vielmehr gedämpfter Optimismus auch seitens der Gläubiger, dass man sich schon irgendwie irgendwann einigen werde auf irgendwas. Nun aber bekommt das harmonische Verschweigen wieder Risse – und zwar durch den IWF.

IWF
In der Zentrale des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington D.C. gärt es..
Foto: IWF

So berichtet die „Financial Times„, dass der IWF in Gestalt von Poul Thomsen, der für Europa verantwortlich ist, die Gläubigerstaaten zu einem Forderungsverzicht bewegen will – sonst könne der IWF seinen Anteil an der 7,2-Milliarden-Trnache nicht an Griechenland auszahlen. Und dieser Anteil des IWF ist mit der Hälfte der Summe mehr als erheblich.

Griechenland sei derart weit entfernt von einer sinvollen ökonomischen Perspektive, dass ein Gläubigerverzicht nicht zu vermeiden sei, sagte Thomsen laut „Financial Times“ bei einem Treffen der Gläubigerstaaten mit dem IWF. Lediglich neue Sparmassnahmen der Athener Regierung könnten ein weiteres Ansteigen der Schulden Griechenlands verhindern. Der IWF drängt offenkundig auf weitere Arbeitsmarktreformen und Rentenkürzungen – wie auch der griechische Arbeitsminister Skourletis gestern gegenüber dem griechischen Fernsehsender Mega TV bestätigt hatte.

Damit erhöht der IWF nicht nur den Druck auf Griechenland, sondern vor allem auf die Staaten der EU und die EZB. Ein Forderungsverzicht hätte unabsehbare Konsequenzen insbesondere für die europäische Notenbank, die 2012 griechische Staatsanleihen gekauft hatte. Laut einem Bericht der griechischen Wirtschaftszeitung „Kathimerini“ plant die EZB selbst offenkundig derzeit drei Varianten von „haircuts“ von Sicherheitshinterlegungen griechischer Banken bei der EZB: 44%, 65% und 80%. Derzeit beträgt der „haircut“ von Sicherheiten, die griechische Banken in Form von kurz laufenden Staatsanleihen (T-Bills) Griechnelands bei der EZB hinterlegen, 23%. Je größer der „haircut“, umso dramatischer würde sich die Liquiditätslage griechischer Banken gestalten.

Während die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern weiter laufen, scheint eines klar: die Grabesruhe der letzten Tage ist erst einmal beendet, das Thema wird wieder die Finanzmärkte dominieren.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage