Folgen Sie uns

Anleihen

Griechenland mit erster fünfjähriger Anleihe seit drei Jahren: Investoren wollen diese Rendite einfach haben!

In Griechenland geht es so richtig bergauf, stimmts? Wenn man nach den jüngsten Nachrichten geht, bekommt man diesen Eindruck. Die Euro-Partner haben gerade erst 7,7 Milliarden Euro…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

In Griechenland geht es so richtig bergauf, stimmts? Wenn man nach den jüngsten Nachrichten geht, bekommt man diesen Eindruck. Die Euro-Partner haben gerade erst 7,7 Milliarden Euro rübergeschoben, damit Griechenland Altschulden abzahlen kann (also nur eine Umschuldung). Und gerade erst hat der Internationale Währungsfonds (IWF) beschlossen dem Land 1,6 Milliarden Euro zu leihen, falls die Euro-Partner noch ein bisschen am Konzept der Zinsentlastung und Schuldenverschiebung in die Zukunft rumschrauben.

Vor solch einem Hintergrund hatten wir schon am 7. Juli großspurig diese Headline gebracht Griechenland bald mit regulärer fünfjähriger Anleihe? Jede Wette, die wird der Renner. Und heute 18 Tage später ist es so weit. Die griechische Schuldenagentur PDMA verkauft am heutigen Dienstag zum ersten Mal seit drei Jahren wieder eine langlaufende Anleihe. Es sind dieses Mal fünf Jahre Laufzeit.

Damals war es für ebenfalls 5 Jahre Laufzeit eine Emissionsrendite von 4,95%. Heute liegt der Zinskupon der neuen Emission wahrscheinlich bei 4,875%. Man geht aber in Finanzkreisen aktuell davon aus, dass die Nachfrage aktuell enorm ist durch institutionelle Investoren. Man hört sogar von Nachfragevolumen von 6 bis 7 Milliarden Euro. Die letztliche Verkaufssumme ist noch nicht klar – vielleicht wird es heute ein Emissionsvolumen von 2, 3 oder 4 Milliarden Euro? Wir wissen es noch nicht.

Aber bei einer Nachfrage von 7 Milliarden Euro darf man davon ausgehen, dass die griechische Schuldenagentur einen Verkaufspreis von spürbar mehr als dem Nominalwert von 100% verlangen kann (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). Zahlen die Investoren mehr als 100%, sinkt damit auch ihre Emissionsrendite. Man erwartet die Rendite derzeit grob geschätzt zwischen 4,5% und 4,75%. Damit wäre sie (wenn auch nur knapp) unter der Rendite von vor 3 Jahren. Das kann Alexis Tsipras als Erfolg verkaufen.

Denn man kann sagen, dass man am Kapitalmarkt wieder akzeptiert wird, der das Ausfallrisiko Griechenlands als Schuldner als geringer einstuft als noch vor drei Jahren. Wie man heute von zahlreichen Bankern hört, ist man recht happy über eine Rendite von wahrscheinlich über 4,5%. Denn wo ist das Risiko, wenn IWF und Euro-Partner gerade erst frisches Geld nachgeschossen haben? Werden sie Athen in den nächsten fünf Jahren pleite gehen lassen? Natürlich nicht. Da sind 4,5% auf fünf Jahre schon eine tolle Sache, letztlich bezahlt durch den europäischen Steuerzahler, der ja am Ende für die ganze Nummer gerade steht. Denn bei einer Staatspleite wären all die ganzen Euro-Rettungsgelder weg – das wird man nicht zulassen.

Die Regierung in Athen spricht heute davon, dass die heutige Auktion ein Test ist, ob der griechische Staat sich auf den Markt (als Geld-Lieferant) verlassen kann, wenn Athen nächstes Jahr die Geldversorgung quasi „umstellt“ von den Euro-Partnern hin zum freien Markt. Noch hat die PDMA das offizielle Auktionsergebnis nicht veröffentlicht, aber alles deutet auf ein sehr gutes Ergebnis für Athen hin.

Und wenn die EZB demnächst griechische Anleihen mit aufnimmt in ihr PSPP-Anleihekaufprogramm für Staatsanleihen aus der Eurozone? Dann wäre Alexis Tsipras ein „gemachter Mann“. Es wäre logisch, dass die EZB als neuer Rettungsanker diesen Schritt geht, wenn die Euro-Partner nächstes Jahr aufhören Gelder nach Athen zu pumpen. Dann stürmen aller Wahrscheinlichkeit nach nämlich private Anleiheinvestoren reihenweise neue Anleihen aus Athen um damit schnelle Kursgewinne zu erzielen – denn sie können die Anleihen kurz nach der Erstauktion gleich wieder teurer an die EZB weiter verkaufen. Die EZB darf nämlich nicht in der Erstauktion kaufen, sondern muss am freien Markt zugreifen.

Wenn die privaten Institutionellen Investoren wissen, dass die EZB kurz darauf am freien Markt kaufen will und auch kaufen wird, ist das ein genial einfacher Gewinn, wenn man in der Lage ist mit großen Geldbeträgen zu hantieren! Denn dann lohnen sich kleine Gewinne hinter dem Komma!

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Dreistein

    26. Juli 2017 09:09 at 09:09

    Das ist mal seit langen die erste größere Umverteilung von der EU / EZB genehmigt für die Zocker vom Steuerzahler. Was hat sich in Griechenland denn verbessert? Sprudeln da auf einmal die Steuergelder in den Staatssäckel? Die Insolvent-Verschleppung geht fröhlich weiter. Warum darf Griechenland nicht direkt von der EZB Geld beziehen? und jetzt komm keiner mit, das darf die EZB nicht, jeder weiß dass die EZB vom Sekundärmarkt kauft. Der Unterschied beträgt aber 315.000.000€ Zinsen die auch sofort kassiert werden. Die geschätzten Steuereinnahmen für Griechenland 2017 betragen ja nur 89 Milliarden die Ausgaben geschätzt liegen bei 91,75 Milliarden. Die Verschuldung geht fröhlich pfeifend weiter. 2016 lagen die Einnahmen und Ausgaben auf in etwa gleichem Niveau
    aber auch nur weil der Ausverkauf Griechenlands stattfand / findet.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

weiterlesen

Anleihen

China hält immer weniger US-Staatsanleihen – warum das kein Problem ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

US-Flagge

China hält immer weniger US-Staatsanleihen. Laut aktueller Veröffentlichung des US-Finanzministeriums hielt China im Monat September ein Volumen von 1,061 Billionen US-Dollar. Vor genau einem Jahr waren es noch 1,102 Billionen Dollar. Der aktuelle Stand ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Der folgende Chart  zeigt, dass die Tendenz seitdem stetig fallend ist. Will sich da jemand unabhängig vom US-Dollar machen?

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Man kann gleich aus zwei Gründen sagen, dass diese Entwicklung für die USA als gigantischer Neuschulden-Aufnehmer kein echtes Drama darstellt. Denn die folgende Detailgrafik mit den aktuellsten Daten zeigt, dass das Volumen von US-Staatsanleihen, das durch ausländische Eigentümer gehalten wird, binnen Jahresfrist sogar gestiegen ist von 6,92 auf 7,07 Billionen Dollar.

Und zweitens kauft die US-Notenbank Federal Reserve genau wie die EZB und zahlreiche andere Notenbanken derzeit ja in gigantischem Ausmaß die Schulden des eigenen Landes auf. Nur so können die Länder in dieser Coronakrise massiv neue Schulden machen, und das auch noch mit traumhaft günstigen Konditionen. Seit Beginn der Coronakrise im März hat die Fed für 2 Billionen Dollar US-Staatsanleihen aufgekauft. Noch Mitte Februar lag die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen bei 1,57 Prozent. Jetzt sind es 0,86 Prozent.

Grafik zeigt die größten ausländischen Eigentümer von US-Staatsanleihen

weiterlesen

Allgemein

Logik der Transferunion: Fünf-Sterne fordern EZB zu Schuldenerlass für Italien auf

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Geld aus dem nichts von der EZB?

Die mit in der italienischen Regierung sitzende Fünf-Sterne-Bewegung hat heute in einem Blog-Eintrag die Europäische Zentralbank dazu aufgefordert, dass sie Italien einfach Schulden erlassen solle. Aber halt. Wie, was, warum? Die EZB kauft seit Jahren in Billionen-Höhe Anleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf, so auch die von Italien. Offiziell nicht, aber de facto werden die Regierungen von der EZB durchgefüttert (Staatsfinanzierung), mit oft nicht mehr vorhandenen Zinsen.

Und in der Coronakrise hat die EZB nochmal kräftig nachgelegt mit neuen Aufkaufprogrammen in Höhe von 1,35 Billionen Euro. So konnten die Länder in der Eurozone sich in der Coronakrise weiter kräftig verschulden, und die EZB stand als Aufkäufer am Anleihemarkt stets parat. Nun soll die EZB laut Fünf-Sterne-Bewegung Italien doch bitte diejenigen Schulden erlassen, die mit der Schuldenaufnahme für die Bewältigung der Coronakrise zu tun haben. Laut dem Blog-Eintrag gehe es um eine Summe von 140 Milliarden Euro, die bis Jahresende noch auf 200 Milliarden Euro steigen werde.

Die Fünf-Sterne-Bewegung deutet auch an, dass man sich am liebsten die Streichung aller italienischen Schulden wünscht, die von der EZB gehalten werden. Aber doch auf jeden Fall diejenigen, die mit Corona zusammenhängen. Denn das wäre leicht machbar und fair. Tja, so ist das im sozialistischen Märchenland. Man nimmt Kredite auf, die man eh nicht zurückzahlen will. Und in diesem Fall… was soll´s, die EZB gehört ja eh den Mitgliedsstaaten, also auch Italien? Daher kann man praktisch selbst Geld drucken, es an sich selbst verleihen, und dann sich selbst (über das Vehikel der EZB) die eigenen Schulden erlassen?

So einfach geht Politik im linken Märchenland, wo Geld aus dem Nichts entsteht, wo es nicht erwirtschaftet werden muss, und wo aus so einer Vorgehensweise keinerlei Probleme entstehen. Und natürlich, da kann man sich sicher sein… selbst wenn die EZB diese Forderungen gegenüber Italien wirklich streichen würde (was nicht passieren wird), dann wäre dies nicht die letzte derartige Forderung. Dann würde es heißen: Schaut her, es geht doch. Dann kann die EZB von nun an auch als Dauer-Einrichtung neue Anleihen kaufen, und danach auf die Rückzahlung der Forderungen verzichten. Dass die EZB dann selbst Verluste in Billionenhöhe anhäufen würde, welche wiederum Italien und alle anderen Eigentümer der EZB zu bezahlen hätten… egal.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank twitterte zu dieser Forderung aus Italien vor wenigen Minuten, dass dies die politische Logik der Transferunion sei. Ja, was soll man dazu noch sagen? Erst das Geld nehmen, und dann nicht zurückzahlen wollen, weil man es sowieso nie vor hatte. Das Geld entsteht ja irgendwo im luftleeren Raum. Aus der Illusion wird eine Wirklichkeit. Wo ist also das Problem, wenn man diese Schulden einfach streicht? So einfach und angenehm ist diese linke Sichtweise auf komplexe finanzielle Zusammenhänge.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage