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Griechenland: Short-Selling-Verbot wird morgen aufgehoben

FMW-Redaktion

Griechenland wird morgen laut Angaben eines Insiders, der namentlich nicht genannt werden möchte, das Verbot von Leerverkäufen aufheben. Das Verbot von Leerverkäufen war am 29.Juni gleichzeitig mit der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen eingeführt worden und bis Ende August verlängert worden. Nun aber wird es nach Angaben des Insiders nicht verlängert und wird daher ab morgen ausser Kraft gesetzt sein: Es gebe nun die Empfehlung an die Kapitalmarkt-Kommission, das Verbot aufzuheben, so der Insider. Im Laufe des Tages dürfte dann eine offizielle Bestätigung folgen, dass das Verbot aufgehoben werden wird.

Die Erfahrung zeigt, dass Aktienmärkte während eines Leerverkaufs-Verbots fallen, während sie nach Aufhebung von Leerverkaufs-Verboten wieder steigen. Einer der Gründe dafür dürfte sein, dass Leerverkäufer bei fallenden Märktzen als Käufer auftreten, wenn sie ihre Positionen schließen – und damit den Markt stabilisieren. Im Falle einer Panik nämlich gibt es meist keine oder zu wenige Käufer, ohne Eindeckungen von Short-Positionen haben Märkte daher deutlich mehr Schwierigkeiten, sich wieder zu erholen. Das zeigt einmal mehr, dass die in Deutschland nach wie vor als moralisch fragwürdig geltenden Leerverkäufe für das Funktionieren von Märkten essentiell sind. Einer der Gründe etwa für den Crash an der Wall Street 1929 war das weitgehende Fehlen von Leerverkäufern.

Trotz dieser Tatsachen neigen Regierungen und Regulierungsbehörden bei stark fallenden Märkten stets dazu, Leerverkäufe zu verbieten – so zuletzt im Falle Chinas. Es ist daher davon auszugehen, dass Chinas Märkte durch Aufhebung des Leerverkaufs-Verbots wesentlich bessere Chancen für einen erneuten Anstieg hätten, als durch staatliche Stützungmassnahmen: so hat Peking am Wochenende verstärkt Brokerhäuser verpflichtet, Gelder für den Stützungs-Kauf von Aktien durch einen eigens eingerichteteten Fonds bereits zu stellen – mit der Folge, dass die Aktien der Broker fallen, die Broker weniger Kapital haben und daher ihren Kunden weniger Margin einräumen können.

Im Falle Griechenlands könnte daher mit Aufhebung ds Short-Verbots das Schlimmste bereits überstanden sein, auch wenn im Vorfeld der Wahllen angesichts sinkender Umfragewerte für Yriza und Tsipras noch Unsicherheit über die politische Zukunft des Landes die Finanzmärkte Athens weiter belasten könnten..



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1 Kommentar

  1. Sie haben es schon richtig beschrieben: Leerverkäufe sind (mit)verantwortlich für einen steigenden oder fallenden Kurs – aber dann bröckelt meiner Meinung nach die Ideologie etwas: ich kaufe doch nicht Aktien des Kurses, sondern des Gewinns wegen (Kursunterschied Einstieg zu Verkauf). Aber essentiell sind Leerverkäufe damit noch lange nicht, sondern sie vermögen eher die Lage – so emotional sie auch sein mag (ja, auch das gehört dazu) – zu verzerren, wo eigentlich kein Verkaufsdruck oder Kaufnachfrage da ist. Um dann mit nichts (geliehen, gedeckt) oder gar nichts (nichts vorhanden, ungedeckt) etwas zu simulieren [1], was real nicht da ist, muss ich nicht für erforderlich erachten.

    [1] entspricht eher genutzter Manipulation, auch des Sentiments

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