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Anleihen

Irre oder normal? Anleihemarkt stuft Griechenland solventer ein als Italien

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Akropolis in Athen - Symbolbild für Griechenland

Wie bitte? Griechenland soll finanziell gesünder da stehen als Italien? Kann das sein? Die Rendite für Anleihen ist quasi der Gradmesser dafür, wie hoch alle Teilnehmer am Kapitalmarkt als große „Crowd“ die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass ein Land einen Zahlungsausfall hinlegt – also eine Staatspleite, durch welche die Rückzahlung von Anleihen entfällt. Je höher die Rendite, desto größer die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall. Denn es ist wie im normalen Leben. Risiko muss bezahlt werden. Soll ein Investor zum Beispiel griechische Anleihen kaufen, und ist der Meinung, dass das Risiko einer Staatspleite gerade steigt, dann wird er nur kaufen, wenn er dafür auch einen Risikoaufschlag erhält in Form einer höheren Rendite auf sein eingesetztes Kapital. Der Kurs der Anleihe fällt, die Rendite steigt.

Griechenland mit geringerer Rendite

Gestern lag die Rendite für griechische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit nur noch bei 1,18%. Gleichzeitig lag die Rendite für zehn Jahre laufende italienische Staatsanleihen bei 1,20%. Heute Vormittag lag Italien bei 1,30% und Griechenland bei 1,28%. Derzeit schwanken die Renditen hin und her, und Griechenland notiert etwas über Italien. Aber zeitweise stand Griechenland am Anleihemarkt also solventer da als Italien. Vereinfacht kann man derzeit von einem gleich hohen Niveau sprechen.

Der gigantische 86 Milliarden Euro Schuldenberg, mit dem Griechenland durch die Europartner gerettet wurde, ist nicht etwas abbezahlt worden. Nein, er ist noch da, die Staatsschulden Griechenlands sind dadurch noch weiter gestiegen. Es wird nur nicht darüber berichtet. Positiv für die Griechen ist wohl, dass man seit einiger Zeit zurück ist am freien Anleihemarkt, dass man seit geraumer Zeit keine Chaosmeldungen präsentiert, und dass es eine neue konservative Regierung gibt – die nach außen natürlich vertrauensbildender auf den Kapitalmarkt wirkt als die vorige linke Regierung Tsipras. Im folgenden Chart sieht man, wie die griechische Anleiherendite in den letzten vier Jahren dramatisch gesunken ist. Es geht also nicht nur um aktuelle Ereignisse, sondern offenbar um eine grundlegende Beruhigung in der Betrachtung der griechischen Solvenz. Keine schlechten Nachrichten mehr, Rettungsprogramm „erfolgreich verlassen“, also alles gut?

Italien

Und Italien? Die Rechtspopulisten sind zwar nicht mehr an der Regierung. Aber bei den Wahlumfragen dürfte es womöglich nur bis zur nächsten offiziellen Wahl dauern, bis sich das Chaos in der italienischen Politik wieder erhöht. Bankenkrise und die Rezession in der Industrie sind aktuelle Probleme, aber derzeit nicht wirklich im Fokus der Weltöffentlichkeit. Wie sieht denn der Vergleich zwischen den beiden Ländern aus? Wir schauen hier mal auf die Arbeitslosenquote (die offiziellen Quoten!), und auf die Staatsverschuldung. In Italien ist die Staatsverschuldung (folgende Grafik) auf zuletzt 134,8% in Relation zum BIP angestiegen. Bis kurz vor der Finanzkrise waren es 100%.


source: tradingeconomics.com

In Griechenland liegt die Schuldenquote derzeit bei 181,2%. Kurz vor der Finanzkrise lag man knapp über 100%, grob vergleichbar mit Italien. Also haben sich die griechischen Schulden in Relation zum BIP deutlich stärker entwickelt als in Italien. Trotzdem ist die Lage in Italien in Relation zu dem meisten anderen EU-Ländern dramatisch. Nur ist im Lauf der Jahre ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Ist halt so, was sollen wir dagegen schon machen?


source: tradingeconomics.com

In Italien liegt die Arbeitslosenquote (die offizielle!) derzeit bei 9,7%. Vor der Finanzkrise waren es 6%, und auf dem Höhepunkt 2014 waren es 13%. Im Chart sieht man den Verlauf seit 80er-Jahren.


source: tradingeconomics.com

In Griechenland liegt die offizielle Arbeitslosenquote (folgender Chart seit den 90ern) derzeit bei 17,2%. Vor der Finanzkrise waren es unter 10%, und im Höhepunkt 2013 waren es sage und schreibe 27%. Eine Erholung ist eingetreten, zweifellos. Aber 17,2% Arbeitslosigkeit (real tatsächlich wohl weit über 20%?) ist immer noch extrem hoch! Auch die Schuldenquote ist dramatisch höher als in Italien. Bei einer erneuten echten Konjunkturkrise (läuft ja bereits an?) könnten beide Länder ins Straucheln geraten. Die Renditen könnten/sollten dann zügig steigen. Positiv ist zu vermerken: Die Europartner hatten alleine mit dem letzten Rettungspaket 86 Milliarden Euro nach Athen gepumpt. Bei erneuten Problemen wird man wohl kaum auf die buchhalterische Forderung verzichten wollen (Staatspleite abwenden), und dann erneut retten, mit frischen Euros?

Bei Italien würde man wohl einfach alle drei Augen zudrücken. Maastricht mal ein paar Jährchen komplett ausblenden, kräftiges Schuldenmachen zulassen, vielleicht noch mit irgendeiner Art Garantie aus Brüssel? Läuft schon irgendwie alles weiter. Der Kapitalmarkt ist ja bereits tiefenentspannt bei diesen winzigen Renditen. Positiv für Athen und negativ für Rom darf man auch noch folgenden Umstand werten. Der griechische Anleihemarkt ist in Relation betrachtet relativ klein, und ein bedeutender Teil der Schulden liegt in den Händen von Europartnern. Rom muss sich ohne Rettungsprogramme seit Jahren durchgehend am freien Anleihemarkt finanzieren… ach ja, wir vergaßen… die EZB als großer Aufkäufer war ja seit Jahren auch in Rom helfend zur Stelle (das darf man nicht Staatsfinanzierung nennen). Und ja, seit einer Woche hat die EZB ja ihr neues Anleihekaufprogramm gestartet. Wieder neue Nachfrage von diesem gigantisch großen Akteur sorgt natürlich auch für Abwärtsdruck bei den Renditen.


source: tradingeconomics.com

3 Kommentare

3 Comments

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    Immobilionär

    8. November 2019 18:34 at 18:34

    Das heisst komplett verzerrte Märkte durch die allmächtigen Notenbanken.
    Heute um 14: Uhr habe ich meine Hypothek für 2 Jahre verlängert für 0,8% Zins.( Immobilie an bester Lage, vermietet, Belehnung ca. 40% des Immoweres. = Null Risiko für die Bank)
    Um 18: Uhr höre ich am Radio, dass in Griechenland 39% der Kredite faul seien.Jetzt lese ich, das bankrotte Griechenland bekommt Kredite für ca. 1,2 %
    Diese Verzerrungen sind DRAGHISCH, Bitte Oekonomie u.Oekonomiestudium abschaffen, es braucht nur noch Marketingleute die Lügen u.Hundescheisse gut verkaufen können.

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    Hesterberg

    8. November 2019 18:52 at 18:52

    Niemand würde Italien oder Griechenland für 1,30% Zinsen Geld leihen und schon gar nicht für 10 Jahre, wenn Deutschland nicht direkt und indirekt für die Schulden dieser Länder haften würde. Solange das Gesamtvermögen der Deutschen noch ausreichend hoch ist, kommen die Südländer auch noch günstig an Geld. Italien und Griechenland werden im EUR ihre Schulden nie zurückzahlen.

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    Marko

    8. November 2019 19:59 at 19:59

    Na und ?

    Diese 2 Kandidaten sind bewußt dem EUR beigetreten, nur wie sieht`s dann aus mit dem Exit ?

    Zu 99 % nicht machbar, es sei denn, man will freiwilligst im Chaos versinken ?

    Natürlich hätte man dann seine eigene „Klo-Papierwährung“ – die „echte“ Währung wäre trotzdem der „harte“ EUR !

    Diese 2 Staaten wären die Ersten, die es voll und gnadenlos erwischen dürfte !

    Und ja, Italien ist eine andere Hausnummer als Griechenland, aber : der EUR ist erst recht viel größer, und das wissen die.

    Aus dem EUR kommen die 2 sowieso nicht mehr heraus (wollen die doch gar nicht, wieso auch ? ), „Mama“ EUR, muss die subventionieren.

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Allgemein

Unternehmensschulden erreichen weltweit neuen Rekordstand

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Weltweite Unternehmensschulden laut OECD auf Rekordniveau

Die in Form von Anleihen verbrieften weltweiten Unternehmensschulden haben ein neues Rekordhoch erreicht. Warum die OECD die Alarmglocken läutet?

Unternehmensschulden erreichen ein nie da gewesenes Niveau

Ein weiterer Beweis dafür, dass die Finanzkrise nie aufhörte zu existieren, kann man u. a. an dem Stand der weltweit verbrieften Unternehmensschulden erkennen. Gemäß den jüngsten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben sich die Anleiheschulden der Unternehmen seit dem Jahr 2008 bis zum Ende des Jahres 2019 auf 13,5 Billionen US-Dollar verdoppelt. Die OECD sieht in diesem Zusammenhang gleich mehrere Entwicklungen problematisch und warnt u. a. vor dem anhaltenden Rückgang der Qualität der im vergangenen Jahr verbrieften Unternehmensschulden. Über die Hälfte der neu ausgegebenen Anleihen sind mit „BBB“ geratet und erfüllen nur noch knapp den Status „Investment Grade“. Sollte es zu einer weiteren Eintrübung der Konjunktur kommen, bestünde die Gefahr massenhafter Qualitätsabstufungen in den „Ramsch“-Bereich. Dies würde es vielen institutionellen Käufern dieser Schuldpapiere verunmöglichen, die Anleihen der betroffenen Unternehmen weiterhin zu erwerben oder in ihren Beständen zu halten.

Die in ihrer Bonität herabgestuften Unternehmen hätten dann kaum alternative Finanzierungsquellen und müssten deutlich höhere Kreditkosten in Kauf nehmen. Beide Effekte erhöhen wiederum die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen weiter und können zu einem gefährlichen Dominoeffekt führen. Die OECD weist daher auf das Risiko hin, dass ein künftiger Abschwung zu deutlich höheren Ausfallraten führen kann als in früheren Kreditzyklen. So waren in den Jahren 2000 bis 2007 am Kapitalmarkt aufgenommene Unternehmensschulden nur zu 39 Prozent mit dem schlechten Rating „BBB“ bewertet.

Besorgniserregend ist auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Unternehmen weltweit in neue Schulden stürzen: Seit dem Jahr 2010 gewinnt die Schuldenaufnahme an Dynamik. Im vergangenen Jahr haben Firmen außerhalb des Finanzsektors neue Verbindlichkeiten in Höhe von 2,1 Billionen US-Dollar aufgebaut. Dieses Volumen entspricht dem bisherigen Rekord aus dem Jahre 2016 – mit einem Unterschied: Damals wuchs die Weltwirtschaft noch mit einer Jahresrate von 3,2 Prozent, im Jahr 2019 waren es nur knapp 3 Prozent. Für das laufende Jahr wird hingegen, je nach Schätzung, nur noch mit einem Wachstum von 2,3 bis 2,8 Prozent gerechnet, einhergehend mit einem neuen Rekord bei den Unternehmensschulden. Der Trend hin zu immer weniger Wachstum, das durch immer höhere Schulden erkauft wird, setzt sich damit fort. Besonders stark explodierten die Unternehmensschulden seit dem Jahr 2018 in den Schwellenländern. Auch dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen, da gerade in China, das nach wie vor als Schwellenland geführt wird, immer mehr Unternehmen nur noch dank massiver Ausweitung ihrer Verbindlichkeiten zahlungsfähig bleiben. Die Coronavirus-Epidemie wird diese Entwicklung zusätzlich verstärken.

Die Gründe für die Emissionsflut bei Unternehmensanleihen

Positiv zu werten ist, dass die weltweit sinkenden Kapitalmarktzinsen die Kreditkosten in den letzten Jahren massiv gesenkt haben. Dadurch ist es für Unternehmen attraktiver geworden, sich direkt am Kapitalmarkt durch die Ausgabe von Anleihen zu refinanzieren, anstatt teurere Bankkredit in Anspruch nehmen zu müssen. So fanden im Zuge der sinkenden Kapitalmarktzinsen in den letzten Jahren in hohem Volumen auch Umfinanzierungen statt. Für die Banken bedeutet dies einen Marktanteilsverlust bei Unternehmensfinanzierungen. Banken, die über kein eigenes Anleihegeschäft verfügen, leiden besonders unter diesem Trend.

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Anleihen

Zinssenkung voraus – Anleihemarkt in den USA sendet klares Signal

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Federal Reserve in Washington DC - Zinssenkung voraus?

Die flache und in Teilen bereits inverse Zinsstrukturkurve in den USA sowie drohende Kreditausfälle dezimieren die Kreditmargen der US-Banken. Nur durch eine weitere Zinssenkung kann die Situation verbessert werden.

Die Banken und der Kapitalmarkt werden eine Zinssenkung erzwingen

Bedingt durch die Eigentümerstruktur bei der Fed of New York haben die Großbanken einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank (Buch: Die Kreatur von Jekyll Island: Die US-Notenbank Federal Reserve – Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf). Die sich weiterhin stark gen Süden bewegenden Zinsen am amerikanischen Kapitalmarkt führen zu der gefürchteten Invertierung der Zinsstrukturkurve. Um die Kreditvergabefreudigkeit der Banken nicht zu belasten, muss die Fed, auch im Interesse ihres offiziellen dualen Mandats, kurzfristig mindestens eine Zinssenkung vornehmen. Nur durch eine Absenkung des Leitzinses kann die für das Kreditgeschäft der Banken wichtige Versteilerung der Zinsstrukturkurve wieder erreicht werden. Die dritte und bislang letzte Zinssenkung im aktuellen Zyklus erfolgte am 30. Oktober letzten Jahres um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) aus genau diesem Grund. Der effektive Leitzins liegt seitdem in den USA bei 1,55 Prozent. Die rote Linie in der unteren Grafik zeigt die erneut flache bzw. zu Teilen bereits invertierte Zinsstrukturkurve in den USA.

Zinssenkung? Hier die Zinsstrukturkurve als Chart

Die US-Notenbank kommt um eine weitere Zinssenkung nicht herum

Noch erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer in den USA erst für Ende Juli die erste von zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Doch diese Erwartungshaltung wird sich im Zuge der in den nächsten Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten auf der Zeitebene nach vorn verlagern und auch die Anzahl der Zinsschritte wird sich weiter erhöhen. Sehr wahrscheinlich wird die Fed bereits am 18. März oder spätestens am 29. April eine weitere Zinssenkung vornehmen. Bereits jetzt deuten erste Daten auf einen signifikanten Einbruch des Welthandels und des Weltwirtschaftswachstums hin. Die jüngste Umsatzwarnung des Börsen-Highflyers Apple ist ein Indiz dafür, dass sich auch die US-Wirtschaft diesem Einbruch nicht wird entziehen können.

Das gilt zum Beispiel auch für die US-Autobauer von General Motors bis Tesla, für die China der zweitwichtigste Absatzmarkt ist. Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent im Schlussquartal 2019 und einer erwarteten Expansionsrate von nur noch 1,5 Prozent für das Auftaktquartal 2020 schreitet die Konjunkturabkühlung auch in den USA voran. Verstärkt wird dieser Trend nun durch die noch nicht quantifizierbaren Schäden durch die Coronavirus-Epidemie. Eines kann man aber schon seriös prognostizieren: Die negativen Wachstumseinflüsse sind signifikant.

Die bereits zu Jahresbeginn gedämpften Aussichten für die US-Konjunktur, also noch vor dem Covid-19 Ausbruch, hatten mehrere Gründe:

1) Der Produktionsstopp bei Boeing
2) Die erneut massiv gestiegenen Beiträge für Krankenversicherte
3) Auslaufende Effekte aus der Steuerreform von 2018
4) Die Rekordverschuldung bei den Unternehmen und Verbrauchern
5) Der starke US-Dollar mit wieder aufflammender Schwellenländer-Dollar-Krise
6) Die flache bis inverse US-Zinsstrukturkurve

Für die Banken bedeutet dieses Umfeld einerseits drohende Anstiege bei den Kreditausfällen und anderseits sinkende Margen im Kreditgeschäft. Bekanntermaßen leihen sich die großen Geschäftsbanken (Primary Dealer) bei der US-Notenbank Fed kurzfristig Geld und verleihen es langfristig an Staaten, Unternehmen und Verbraucher weiter (Fristentransformation). Die Kapitalmarktzinsen sind dabei die Benchmark für die Zinsen der kurz-, mittel- und langfristigen Ausleihungen.

Die heute veröffentlichten Zahlen der auch in den USA, speziell an er Ostküste, vertretenden Großbank HSBC, zeigen exemplarisch, wie stark die Margen bereits unter Druck kommen. Die Bank will nach eigenen Angaben das in den USA eingesetzte Kapital bis 2022 um 45 Prozent reduzieren, über 30 Prozent der US-Filialen sollen geschlossen werden und die Aktivitäten des in New York angesiedelten Investmentbankings sollen deutlich zurückgefahren werden. Die Bank erwartet auch wegen der Folgen des Covid-19 steigende Kreditausfälle und ein bereits jetzt spürbar rückläufiges Kreditgeschäft, speziell in Asien. Die angestrebte zweistellige Eigenkapitalrendite rückt damit weiter in die Ferne.

Fazit und Ausblick

Lange kann die Fed auf ihrer aktuellen Position des Nichtstuns und Abwartens nicht mehr verharren. Zu stark wird sich auch in den USA die konjunkturelle Dynamik abkühlen – mit negativen Effekten auch auf die Preisstabilität und den Arbeitsmarkt. Womit dann auch das offizielle duale Mandat der Fed tangiert wäre. Die Geschäftsbanken werden zusätzlichen Druck auf die Fed ausüben, da sie eine Verschlechterung ihrer Kreditportfolios fürchten und bereits jetzt unter schwindsüchtigen Margen im Kreditgeschäft leiden (abgesehen vom Kreditkarten-Geschäft). Perspektivisch kommt die Fed auch um den erneuten Ankauf von gebündelten Kredit- und Hypothekenpapieren nicht herum, da die Banken, wie z. B. die HSBC, ihre Bilanzen reduzieren als weiter aufblähen wollen. Daher muss die Fed ihre Bilanz umso stärker ausweiten, um das für die US-Wirtschaft essenzielle Kreditrad in Schwung zu halten.

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Anleihen

Griechenland und die Zinsen – das Symbol für den Anlagenotstand

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Die Akropolis ist das Symbol für Griechenland

Erfahrene Ökonomen schütteln nur noch den Kopf. 0,902 Prozent, das war die Rendite, die man gestern am Markt bekam, wenn man sich eine 10-jährige Staatsanleihe aus Griechenland ins Depot holte. Zum Vergleich: die wohl sicherste und liquideste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury, notierte gestern Abend bei 1,61 Prozent. Die Welt der Zinsen ist aus den Fugen geraten, ganz besonders in Europa.

Die schützende Hand über Griechenland

Wie kann ein Land wie Griechenland, dessen Staatsschulden 180 % zum Bruttoinlandsprodukt ausmachen, sich langfristig zu einem solchen Zinssatz verschulden? Man muss einen gewaltigen Schutzpatron oder sagen wir Sponsor haben, der nicht nur für das Land gewisse Sicherheiten gewährleistet, sondern auch für ein Zinsklima in mehr als zwei Dutzend EU-Staaten sorgt, damit diese Anomalie zustande kommt. Es ist die Europäische Zentralbank (jüngst mit klarer Warnung an die Politik), die mit ihren Leitzinssenkungen und den Anleihekaufprogrammen eine Zinslandschaft kreiert hat, in der es für die großen Kapitalsammelstellen (Pensionskassen, Versicherungen) kaum noch renditebringende Anlagenöglichkeiten gibt. Also weicht man in den Not auf die Länder aus, die noch etwas Zinsen bringen.

Griechenland war 2019 nicht nur der Star an den weltweiten Aktienmärkten mit einem Plus von 49 Prozent, auch die Anleihekäufer griffen beherzt zu. Die Zinsen fielen so rapide, dass die Kurse der Bonds um 30 Prozent nach oben schossen. Investoren verlassen sich auf die EU-Staaten, die mit ihren Garantien dem Land mindestens für die nächsten acht Jahre den Rücken freihalten.

Es läuft für Griechenland im Sinne der internationalen Investoren. Eine stabilere Regierung und ein Abbauprogramm der faulen Kredite bei den Banken in Höhe von 71 Milliarden Euro haben dazu geführt, dass die Ratingagentur Fitch im Januar Griechenlands Rating auf BB hochgestuft hat, gerade noch zwei Stufen unter Investmentgrade. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass das Land bald wieder so stabil eingestuft wird, dass es einen neuen und überaus zahlungskräftigen Käufer für die Staatspapiere geben könnte: Griechenland würde ins Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank rücken. Darauf hoffen die Investoren und kaufen „Ouzo-Bonds“. Eigentlich unglaublich für ein Land, dass so tief in den Schulden steckt.

Der einmalige Anlagenotstand

Das gerade geschilderte Phänomen beschränkt sich natürlich nicht nur auf Griechenland und ganz Europa. Japan hat vor mehr als zwei Jahrzehnten den Anfang gemacht. Jetzt läuft eine riesige Zinssenkungswelle über den Planeten mit über 100 Zinssenkungen weltweit im Jahr 2019, aber es ist noch nicht das Ende. Die weltweite Verschuldung erlaubt keinen Zinsanstieg derzeit. Dabei sind fallende Zinsen keine Spezialität des 21. Jahrhunderts. Eine wissenschaftliche Langzeit-Studie des Harvard-Wissenschaftlers Paul Schmelzing hat gezeigt. (siehe Artikel vom 11. Januar): Die Zinsen fallen in ihrer Tendenz schon seit dem Jahr 1300, aber jetzt ist ein kritischer Punkt erreicht. Wir sind Teil eines riesigen Experiments geworden.

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