Devisen

Griechenland: Staatspleite wird wahrscheinlicher

Von Markus Fugmann

Das ist schon ein starkes Stück: Griechenland hat bereits am Freitag eine Reformliste vorgelegt, allerdings nur elektronisch – und auf griechisch. Kein Wunder, dass man in Brüssel der Athener Regierung unprofessionelles Verhalten vorwirft. Ohnehin, so heisst es aus EU-Kreisen, reichten auch die eingereichten Vorschlläge nicht aus.

Blickt man auf die Renditen (=Risikoprämien) griechischer Anleihen, wird eine Pleite des Landes immer wahrscheinlicher: Credit Default Swaps (CDS) preisen nun eine Wahrscheinlichkeit einer Pleite in den nächsten fünf Jahren mit 72% ein – Anfang März waren es noch 67%. Griechische Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit, die vor einem Jahr verkauft wurden, sind inzwischen auf 68% ihres Nennwertes gefallen. Allein die Schulden, die Greichenland über Staatsanleihen aufgenommen hat, liegen bei 67,5 Milliarden Euro, 40% davon halte die EZB oder andere Notenbanken der Eurozone. Dass Ministerpräsident Tsipras erneut einen Schuldenschnitt ins Gespräch gebracht hat, erhöht die Verunsicherung weiter.

Am Freitag hatte Fitch Griechenland um weitere zwei Stufen von „CCC“ auf „B“ abgestuft. Dabei malt Fitch die Finanzlage des Landes in düsteren Farben, geht aber dann doch davon aus, dass es letztendlich noch zu einer Einigung mit den Gläubigern komme. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür seit dem Wochenende nicht höher geworden. Ein EU-Offizieller bezeichnete die Vorschläge Griechenlands als Stückwerk und vage, zumal die griechischen Abgesandten nicht hätten erklären können, was einige davon tatsächlich bedeuteten. Subtext: extreme Inkompetenz.

Laut Angaben hochrangige Vertreter der Eurozone soll es am Mittwoch zu einer Telefonkonferenz der Eurogruppe kommen. Allerdings sei unwahrscheinlich, dass sich die Minister der Eurozone vor Mitte April träfen und mehr Geld für Griechenland freigäben. Das Zeitfenster wird also immer enger, zumal die Tsipras-Regierung den Ernst der Lage wohl nicht völlig verstanden hat. Eins ist sicher: hinter den Kulissen wird wohl fieberhaft an Szenarien gearbeitet, was ein Grexit für Folgen haben könnte. Die Bereitschaft, dieses Riskiko einzugehen, wird immer höher: der Vize-Präsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff hat, wie Reuters berichtet, einen Grexit ins Spiel gebracht – wenn die greichische Regierung nicht bereit sei, echte Reformvorschläge vorzulegen, „müsste man gegebenenfalls auch einen Bruch, einen Grexit riskieren“



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