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Griechenland : Syriza ist gut, aber nicht am Bankautomaten

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

In Griechenland hat das Volk 25.01.2015 links gewählt. Syriza ist gut, wohl aber nicht am Bankautomaten, wenn man der aktuell veröffentlichten Statistik aus Griechenland Glauben schenkt.

Griechenland Ministerpräsident Alexis Tsipras

 

 

 

 

 

Der Wahlsieger Alexis Tsipras
Foto: Robert Crc – Subversive festival media / Wikipedia (FAL 1.3)

 

Das liebe Geld

„Bei Geld hört die Freundschaft auf“ – eine global gültige Weisheit. In Griechenland haben die Bürger am 25.01.2015 entschieden, dass das Land links regiert wird. Man hatte kein Vertrauen mehr in die beiden großen (korrupten?) Parteien. Auch die Bürger, die nicht Syriza gewählt haben, scheinen der Regierung einen Vertrauensvorschuss zu geben, da die Zustimmung zur Regierung derzeit sehr hoch ist. Die Realität aber zeigt sich am Ende am Bankautomaten. Vertraut ein Volk seiner Regierung wirklich, dann vertraut man auch darin, dass das hart ersparte Geld auf dem Sparbuch morgen immer noch auf dem Sparbuch liegt – denn ein funktionierendes Bankensystem ist das Fundament jeder Gesellschaft – oder können Sie sich vorstellen morgen zum Bankautomaten zu gehen, und es kommt kein Geld mehr raus, weil die Bank pleite ist, und alle anderen Banken auch? Und ihr Geld ist einfach weg?

„Bank run“ in Griechenland

Der amerikanische Begriff heißt „Bank run“ – damit ist gemeint, dass die breite Masse der Bevölkerung zur Bank stürmt um „noch“ vorhandene Guthaben abzuheben, da man kein Vertrauen mehr in die Seriosität des Staates hat, und folglich auch nicht mehr daran glaubt, dass das Ersparte dauerhaft auf der Bank sicher ist. Und genau das passiert derzeit in Griechenland. Zwar gibt es diesen Geldabzug bei Banken in Griechenland schon seit Anfang der Krise, aber die jüngst veröffentlichten Daten der „Bank of Greece“ (Notenbank) zeigen, dass allein im Januar 2015 in Griechenland 12,2 Milliarden Euro Guthaben abgezogen wurden. Man kann getrost davon ausgehen, dass die Zahlen für Februar noch dramatischer ausfallen. Die Wahl fand zwar erst am 25.01. statt, aber das Syriza gewinnt, war vorher schon weitestgehend sicher. Dennoch dieser enorme Geldabfluss. Die wirklich Reichen haben ihr Geld schon kurz nach Ausbruch der Krise 2008 weggeschafft. Folglich kann man davon ausgehen, dass hier der „kleine Mann“ sein Erspartes von der Bank abhebt und unters Kopfkissen legt.

Die Banken

Die EZB vergibt ja bereits massiv Kredite an Banken in Griechenland (gegen Sicherheiten)… diese Summe ist allein im Januar im Vergleich zum Dezember von (gerundet) 56 um weitere 26 auf jetzt 82 Milliarden Euro gestiegen. Atemberaubend!  Die Privatbanken in Griechenland haben im Januar sogenannte ELA-Kredite (eine Art Kurzzeit-Dispo) bei der Bank of Greece aufgenommen in Höhe von 5,2 Milliarden Euro – im Dezember lag dieser Wert noch bei 0. Auch hier darf man auf die Februar-Zahl gespannt sein, die deutlich ansteigen dürfte, denn die EZB hatte der Bank of Greece jüngst erlaubt den Rahmen für diese ELA-Kredite auf 68,3 Milliarden Euro auszuweiten. So umgeht man kurzfristig elegant und still die Griechenland-Rettung durch die Eurogruppe, in dem das Geld vor Ort von der Bank of Greece zu den Geschäftsbanken fließt. Abseits jeglicher Verhandlungen mit den EU-Partnern zeigen diese harten Fakten, dass die EZB schon vorher massiv eingegriffen hat um das Banksystem in Griechenland am Laufen zu halten.

Für Statistik-Freaks: Ebenfalls geht aus der aktuellen Statistik hervor, dass die Bank of Greece gegenüber der EZB im sogenannten Target2-System Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 76 Milliarden Euro hat.

Vertrauen weg

Wahlergebnisse hin, Umfragen her. Der Geldfluss oder besser gesagt Geldabfluss zeigt, dass die Bevölkerung in Griechenland kein finanzielles Vertrauen in die neue Regierung von Ministerpräsident Tsipras zu haben scheint, sonst wäre schon im Januar der Geldabfluss zum Erliegen gekommen. Die Februar-Zahl, die wir dann in 3-4 Wochen erhalten, dürfte noch aufschlussreicher sein. Wir erwarten hier aber weitere Abflüsse.




Quelle: Bank of Greece

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    olli

    6. März 2015 11:55 at 11:55

    ..guter Artikel. Ob die Menschen in Griechenland ihrer neuen Regierung trauen oder nicht – in ganz Europa haben immer mehr Leutchen von Bruessel und dem gescheiterten Euroexperiment einfach die Nase voll.
    Das berechtigte Misstrauen in „Geld“ das erst gerettet werden muss um dann Schwindsuchtartig mit Gewalt abzuwerten und verwaltet von Politikern ohne persoenliches Haftungsrisiko.bei welchem ehrlich arbeitenden Steuerzahler soll dabei Vertrauen aufkommen?
    Beste Gruesse & gute Trades

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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