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Griechenland: Target2-Minussaldo 98 Milliarden Euro – in nur 4 Monaten verdoppelt

Von Claudio Kummerfeld

Wie dramatisch der Geldabfluss aus Griechenland tatsächlich ist, zeigt eine Zahl: Der „Target2-Minussaldo liegt jetzt bei 98 Milliarden Euro – in nur 4 Monaten verdoppelt! Was das auch für uns zu bedeuten hat…

Griechenland Target2 Schulden
Aus der Bilanz der griechischen Notenbank „Bank of Greece“ vom 13.05.2015 mit Stichtag 30.04.2015.

Target2

Aus Daten der aktuellen Veröffentlichung der griechischen Notenbank „Bank of Greece“ geht hervor, dass Ende April der „Target2“-Saldo Griechenlands bei -98 Milliarden Euro lag. Hingegen liegt der Saldo der Deutschen Bundesbank über 500 Milliarden Euro im Plus. Was hat das zu bedeuten? „Target“ bezeichnet das Buchungssystem innerhalb des „Eurosystems“, also des Verbunds der einzelnen nationalen Notenbanken unter dem Dach der EZB.

Wenn z.B. ein Grieche von seinen Bankkonto in Athen Geld auf ein deutsches Bankkonto überweist, wird zwar rein optisch Geld bewegt und transferiert. Tatsächlich findet aber „nur“ eine EZB-interne Forderungs-Buchung von der griechischen Notenbank über die EZB zur Deutschen Bundesbank statt, die der deutschen Geschäftsbank das Geld gutschreibt.

Dadurch, dass die Bundesbank der deutschen Geschäftsbank als Endempfänger eine Gutschrift gibt, hat sie selbst auf der anderen Seite eine Forderung gegenüber der EZB im „Target2“-System, damit ihre Bilanz im Gleichgewicht ist (Aktiva/Passiva). Genau andersrum verhält es sich auf griechischer Seite. Die EZB hat jetzt eine Forderung gegenüber der griechischen Notenbank, die wiederum in ihren Büchern eine Forderung gegenüber der absendenden griechischen Geschäftsbank vermerkt. Es wird also nie real Geld innerhalb der Eurozone transferiert, sondern in den virtuellen Büchern der Notenbanken sowie der EZB als „Umbuchungsstelle“ werden lediglich Forderungen untereinander vermerkt. Und durch den stetigen Mittelabfluss aus Griechenland ist dieses Forderungssystem längst aus dem Gleichgewicht geraten.

Ob das überhaupt ein Problem ist, oder ob es sich nur um rein optische Minussalden handelt, die man ignorieren kann, ist sogar innerhalb der europäischen Notenbankfamilie und sowie der „Elite“ der deutschen Ökonomen höchst umstritten.

Abflüsse aus Griechenland

Die Tatsache, dass sich das Minussaldo der „Bank of Greece“ von Dezember 2014 bis April 2015 verdoppelt hat auf jetzt 98 Milliarden Euro, zeigt knallhart den massiven Mittelabfluss von Bankguthaben raus aus Griechenland hin in andere Staaten, die den Euro haben (nicht zwingend Deutschland, aber zu guten Teilen). Scheidet Griechenland aus dem Euro aus, endet damit auch die „Mitgliedschaft “ im Eurosystem, und damit würden jetzt 98 Milliarden Euro buchhalterisch an der EZB hängen bleiben.

Eine kleine Entwarnung

Anders als mal vor Jahren vom ifo-Chef Hans Werner-Sinn (Captain Ahab) erläutert, steigt Deutschlands Risiko nicht ins Unermessliche, wenn Griechenlands Target2-Minussaldo immer größer wird bzw. Deutschlands Plus immer größer wird. Denn für das Minussaldo von Griechenland letztendlich geradestehen tut die EZB als „Dachorganisation“ der einzelnen Euro-Notenbanken. Und jede nationale Notenbank haftet für EZB-Schulden mit seinem festen %-Anteil. Deutschlands Risiko steigt also mit den Ungleichgewichten prozentual an, aber eben nur prozentual mit seinem Anteil an der EZB, und der liegt bei 18%. Dann wird der „virtuelle Schaden“ eben nur um jeweils 18% höher.

Aber Entwarnung, Entwarnung: Wenn der Grexit Realität wird und alle anderen Euro-Staaten Griechenlands 98 Milliarden Euro (oder dann irgendwann 110, 120, 130 Milliarden?) Minussaldo aus Target2 auffangen müssen, so muss dafür erst einmal kein Steuerzahler blechen. Das Minus zirkuliert dann weiter virtuell vor sich hin zwischen den Notenbanken des Eurosystems – die Deutsche Bundesbank ist dann mit 20 oder mehr Milliarden Euro dabei.




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