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Griechenland: Tsipras im Wundermärchenland – die reale Krise in Zahlen

Aber abseits von all dem: Was ist denn nun wirklich real in Griechenland los? Wie sieht die Realität aus? In Hoffnung auf neue Milliarden und vor allem in Hoffnung darauf endlich den tollen fetten Schuldenerlass zu bekommen…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Ja, Griechenland hat jüngst einen merkwürdig tollen Primärüberschuss hinbekommen. Und ja, die mögliche Aufnahme Griechenlands in das Aufkaufprogramm der EZB für Staatsanleihen würde das Land von der Liquidität her viel besser dastehen lassen, da immer jemand da wäre, der aufkauft. Und jetzt wo bereits klar ist, dass neue Rettungsmilliarden fließen werden, gibt es merkwürdige Änderungen bei den griechischen Konjunkturprognosen.

Aber abseits von all dem: Was ist denn nun wirklich real in Griechenland los? Wie sieht die Realität aus? In Hoffnung auf neue Milliarden und vor allem in Hoffnung darauf endlich den tollen fetten Schuldenerlass zu bekommen, hat das griechische Parlament gestern Nacht „mal wieder“ ein Sparpaket erlassen, dass ganz real dem Bürger, der ohnehin nichts hat, noch mehr nimmt. Von mehr Steuerfahndern gegen reiche Steuerhinterzieher war nicht die Rede, obwohl Alexis Tsipras doch eigentlich der linke Vorzeigepremier sein sollte?

Es wurde nun beschlossen die Pensionen von 2019 bis 2021 um 18% zu kürzen. Und der Steuerfreibetrag soll ab 2020 um 1/3 gesenkt werden! So sehen also extrem linke Maßnahmen aus? Was hat Tsipras bei der Vereinnahmung von mehr Steuern von Reichen vorgesehen? Ähhhh….. ?

Tsipras sagte gestern im Parlament (wie es eben seine Art ist), dass diese Kürzungen nur dann umgesetzt würden (wie gesagt, erst ab 2019), wenn die Gläubiger die „versprochenen Maßnahmen“ zum Schuldenerlass einhalten würden. Das habe er Angela Merkel und IWF-Chefin Lagarde auch so gesagt, so Tsipras. Also ganz klar mal wieder eine Zusage per Gesetz, bei der man gleich hinterher schiebt, dass man die tatsächliche Umsetzung an eigene Bedingungen knüpft. Ach ja, und Tsipras sagte auch noch, dass Griechenland bereits ab 2018 finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen werde. Von welchem Griechenland redet er, möchten wir da fragen? Gibt es irgendwo auf diesem Planeten ein zweites Land, das genau so heißt? Welch ein seriöses Verhalten von einem Ministerpräsidenten.

Wie sieht die Realität denn nun in Griechenland aus?

Laut Opposition müssen dank der neuen Gesetze ab 2019 die Bürger sogar dann Steuern zahlen, wenn sie weniger als 500 Euro im Monat verdienen.

Nach jüngsten statistischen Daten aus dieser Woche befindet sich Griechenland wieder in der Rezession!

Gemäß einer aktuellen Studie des Instituts GSEVEE (Hellenic Confederation of Professionals, Craftsmen & Merchants) haben in Griechenland 22,4% aller Haushalte ein Familienmitglied, das für den offiziellen Mindestlohn von 586 Euro brutto (!!!) pro Monat arbeitet.

Mehr als 1/3 der griechischen Haushalte erklären, dass sie mit einem Jahreseinkommen von unter 10.000 Euro auskommen müssen.

21,3% der griechischen Haushalte haben Schulden gegenüber dem Finanzamt.

16% der griechischen Haushalte erklärt, dass das Einkommen nicht ausreiche um die Grundbedürfnisse decken zu können.

Die griechischen Banken haben schon 40% aller Baudarlehen als wertlos abgeschrieben. Das bedeutet: Diese Darlehen stehen zwar als quasi „Wertgegenstände“ noch in den Büchern der Banken, aber sie gehen davon aus, dass die Schuldner nicht in der Lage sein werden diese Schulden zurückzuzahlen.

73,5% der Befragten der GSEVEE-Studie äußern sich aktuell sehr pessimistisch über ihre zukünftige wirtschaftliche Situation.

32,6% der griechischen Haushalte haben mindestens ein arbeitsloses Familienmitglied.

2/3 der griechischen Haushalte sind gezwungen erhebliche finanzielle Einschnitte vorzunehmen um ihr Überlegen sichern zu können.

Anmerkung von unserer Seite:

Und wenn demnächst die griechischen Banken mal wieder kräftig gerettet werden müssten? Was dann? Irgendwie, auf irgendeinem Weg ist die EZB als Retter zur Hand? Notfalls eben erneut mit Notfalldarlehen für „gesunde Banken“? Gestern bei der Zustimmung für die aktuellsten Kürzungen im griechischen Parlament stimmten 153 mit JA, 128 mit NEIN. 19 Abgeordnete waren erst gar nicht anwesend! Na dann… Herr Tsipras ist sich ja sicher, schon nächstes Jahr steht man wieder finanziell auf eigenen Beinen. Viel Glück dabei Herr Tsipras.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    asyoulike

    19. Mai 2017 15:47 at 15:47

    Moin, moin,
    die Griechen gehen voran, wir werden wohl oder übel folgen müssen. Europa einig Schuldenland. Aber wie soll das auch funktionieren? Wer einen Euro (100 Euro-Cent) besitzt kann einen Euro (100 Euro-Cent) ausgeben. Das gilt für jeden, auch für Herrn Copperfield dem Zauberer. Aber halt, es gibt eine Ausnahme, die Staaten dieser Welt. Sie leben auf einen anderen Planeten. Sie haben einen Euro und möchten aber zwei ausgeben. Also muss man sich einen zusätzlichen Euro „leihen“ bei der Zentralbank, schon hat man zwei Euro. Was für eine Milchmädchenrechnung. Wann soll dieser geliehen Euro zurück gezahlt werden? Nie! Die EU wird auf dem Weg in die Schuldenunion uns (Otto-Normalverbraucher) in den Abgrund ziehen. Wie das? Schaffung einer EU Finanzbehörde, dann rollt der Rubel für die Mittelmeerländer. Sehen wir es positiv, dann ist aber auch das Ende nah, dann greift die Finanzphysik und das Papiergeldsystem ist perdu.

  2. Avatar

    Dreistein

    20. Mai 2017 16:45 at 16:45

    @asyoulike Genau deshalb arbeiten die Herren und Damen auch an ein Bargeldloses da sein, damit man auch den letzten Rest des dummen arbeitenden Volk abziehen kann. Dann ist die Möglichkeit leider nicht mehr gegeben sein Geld vom Konto zu holen. Die Reichen werden diese Politmarionetten nicht anfassen, haben sie noch nie getan. Die Gesetze sind so schwammig aufgebaut das ein guter Rechtsverdreher immer einen Weg findet das Geld ohne auch nur einen Cent an Steuern zu bezahlen auf ein sicheres Konto verschwinden zu lassen. Der kleine Mann hat feste Steuersätze und da schlägt der Staat erbarmungslos zu.

  3. Avatar

    sabine

    20. Mai 2017 18:57 at 18:57

    Der kleine Mann ist genauso schlecht, wie der Reiche. Nur steht das nicht in der Zeitung. Mein Vermieter reißt meine Bäume raus, die er mir vorher angeschafft hat. Aber egal, soll ich doch wegen dem bißchen klagen. Er weiß, rentiert sich nicht. Das ist in unserer Gesellschaft der meistverbreiteste Satz: „Der kann ja doch nix machen.“ So machen es die Angestellten der Autohersteller, tägllich, so machen es die Handwerker, so machen es fast alle. Und so haben wir die Politiker-Kaste, die wir verdienen.
    An fängt es mit der Gier nach Geld und Ansehen. Was die Frauen allein sich verschandeln, um „schön“ zu sein! Grauenhaft. Künstlich. Abstossend. Und wenn sie merken, die sonnenverbrannte Lederhaut ist häßlich, werden sie aggressiv und zynische Genießer.
    http://board.gulli.com/thread/1418429-moral-gibt-es-das-heute-noch/

  4. Avatar

    Dreistein

    22. Mai 2017 09:48 at 09:48

    @Sabine Mein Vermieter reißt meine Bäume raus, die er mir vorher angeschafft hat. Dann waren es doch seine Bäume.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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