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Griechenland und Schäuble: Es kracht wieder!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Kurz vor Ende der Deadline zur Verabschiedung neuer Reformen kracht es wieder zwischen Griechenland und seinen Gläubigern – und es kracht inbesondere zwischen der griechischen Regierung und dem deutschen Finanzminister Schäuble. Vordergründiges Thema ist die Beteiligung des IWF an den Hilfskrediten für Griechenland – aber der Ton der Auseinandersetzung legt nahe, dass es um mehr geht als um die Frage, ob es sinvoll ist, dass der IWF sich beteiligt oder nicht.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verschärft wieder den Ton gegen die Tsipras-Regierung.
Foto: Tobias Koch / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Den Ausgang nahm die Kontroverse, als Ministerpräsident Tsipras in einem Fernsehinterview die Rolle des IWF als wenig hilfreich bezeichnet hatte – und die Beteiligung der Organisation am Hilfsprogrammm für Griechenland generell in Frage gestellt hatte. Der IWF sei überzogen streng in seinen Forderungen, und wenn er nicht bereit sei zu einem Kompromiß, solle er sich eben nicht beteiligen, so Tsipras vor laufender Kamera.

Diese Aussagen aber fand Schäuble „wenig hilfreich“. Am Rande des Ecofin-Treffens sagte Schäuble gestern, dass es nicht im Interesse Griechenlands sein könne, die Beteiligung des IWF am Hilfsprogramm in Frage zu stellen. Man habe ohnehin extrem lange mit Tsipras verhandelt, und nun scheine der griechische Ministerpräsident die Vereinbarungen wieder in Frage zu stellen, so Schäuble. Die Tsipras-Regierung solle sich auf das fokussieren, was sie den Gläubigern versprochen habe – aber die Umsetzung der Versprechungen liege „wie immer“ hinter dem Fahrplan, so der deutsche Finanzminster. Offenkundig gehe es Tsipras vor allem um Innenpolitik, da er nur noch eine knappe Mehrheit im griechischen Parlament habe, aber er könne nur davor warnen, den vermeintlich bequemen Weg zu gehen, der nicht in Griechenlands Interesse sei.

Nur wenig später dann die Replik der griechischen Regierung durch die Regierungssprecherin Olga Gerovasili: es sei der griechischen Regierung überlassen, was im Interesse Griechenlands sei – fraglos ein Affront gegen Schäuble. Schäuble solle sich von den „unakzeptablen“ Forderungen des IWF distanzieren, so Gerovasili. Laut Insidern geht die Tsipras-Regierung davon aus, dass Schäuble nicht die Meinung von Merkel wiedergebe, das deutsche Kabinett also gespalten sei.

Nach eigenen Angaben will die Tsipras-Regierung bis zum 20.Dezember die von den Gläubigern geforderten Maßnahmen durch das Parlament bringen. Die Märkte jedenfalls werden langsam nervöser: die Rendite für die griechische 10-jährige Staatsanleihe des Landes liegt, von den Medien weitgehend unbeachtet, wieder auf den höchsten Niveaus seit Zuspitzung der Krise im Sommer.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    olli8+

    9. Dezember 2015 17:12 at 17:12

    Ich bleibe bei meiner Aussage, „je länger der Euro lebt, desto teurer werden seine Beerdigungskosten“
    Die Kreditvergabe in der Eurozone sind so absurd und dies lässt sich einfach erklären:
    Der Staat verschuldet sich bei den Banken, um die Zinsen der Schulden, die er bei den Banken hat, zu begleichen oder um die Banken zu retten, bei denen der Staat selber Schulden hat. Da versteht keiner mehr, wer eigentlich bei wem Schulden hat und was Schulden eigentlich sind.
    C. de Gaulle hat einmal gesagt „schafft die D-Mark ab, es ist die Atombombe Deutschlands“. Aber der Euro hat ein Chaos ohne Ende ausgelöst.

    • Avatar

      joah

      9. Dezember 2015 17:29 at 17:29

      man muss nur wissen, C.d. Gaulle wirklich meinte: eine einzelne Währung nur in deutscher Hand ist zu stark für sein Umfeld = die Produktivität und Leistungsfähigkeit der Deutschen ist zu hoch (retrospektiv: der Rest ist zu schlecht). Der Euro hat also vollkommen sein Ziel erfüllt und ist kurz vor seiner Vollendung.

  2. Avatar

    leser

    9. Dezember 2015 22:20 at 22:20

    Die Griechen sollten sich endlich ehrlich machen. Die Pleite erklären, Drachme einführen und dann in die Hände spucken. Island hat gezeigt, wie man aus der Krise kommt. Und dieses elende „Kick the can down the road“- Spiel ist dann auch vorbei.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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