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Griechenland vor der Rückkehr an die echten Anleihemärkte: Erst einmal Altgläubiger schlechter stellen

FMW-Redaktion

Griechenland ist noch voll dabei nach und nach Tranchen aus dem 86 Milliarden Euro-Rettungspaket der Euro-Parnter „zu verarbeiten“. Damit werden Löcher gestopft, größtenteils aber auslaufende Anleihen zurückgezahlt. Aber das soll sich ab nächstem Jahr so richtig ändern. Da plant Athen insgesamt ca 15 Milliarden Euro neue Schulden aufzunehmen, ganz ohne die Hilfe der „Partner“. Damit soll ein eigenständiger Puffer jenseits von Rettungspaketen aufgebaut werden – dann wäre man ein klein wenig unabhängiger von den Vorgaben der „Partner“.

Wie man aus Finanzkreisen hört, will man Anfang des Jahres anscheinend eine sieben Jahre laufende Anleihe begeben. Bis zum Sommer sollen dann wahrscheinlich noch zwei Emissionen mit drei und zehn Jahren Laufzeit folgen, bevor das Rettungsprogramm über 86 Milliarden Euro ausläuft. Nichts ist für die Griechen schlimmer als sich gängeln zu lassen durch die EU-Partner, die diese Riesensumme nur in Tranchen auszahlen – und zwar immer erst dann, wenn die Griechen neue Sparzusagen umgesetzt haben.

Wir vermuten mal stark, dass die Griechen diese eigenständigen Emissionen nächstes Jahr relativ problemlos hinbekommen sollten. Das Vertrauen in Griechenland scheint zurück zu sein – oder besser gesagt das Vertrauen darin, dass die EU-Partner inklusive EZB eh alles tun werden um die Griechen stets kurz vor der Pleite zu retten – die europäische Staatsraison! Das erkennt man aktuell sehr gut an einer durchgeführten Umschuldung.

Es geht um griechische Anleihen im Volumen von 30 Milliarden Euro aus dem Jahr 2012. Damals bekamen die (sicher hoch begeisterten) Anleger für eine Anleihe 20 verschiedene Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten. Jetzt hat man im Sinne der Anleger diesen Prozess umgedreht, und ihnen über ein Tauschangebot für ihre 20 verschiedenen Laufzeiten 5 neue angeboten. Die meisten Anleger (86% des Volumens) nahmen das Angebot an, womit die Verwaltung dieser Anleihen natürlich deutlich vereinfacht wird.

Die neuen Laufzeiten gehen bis zu 25 Jahre mit Zinskupons von 3,5%-4,2%. Der Haken dabei ist aber: Die Griechen verschlechtern im Kleingedruckten die Bedingungen für die Anleger, die diesem Anleihetausch zugestimmt haben. In Bankkreisen spricht man aktuell von einem de facto Umtausch in nachrangige Anleihen, ohne dass es der Anleger so richtig gemerkt hat. Denn Gläubigerschutzklauseln werden verwässert. So kann Griechenland als Emittent gemäß dieser neuen Anleihebedingungen neuen Gläubigern bei zukünftigen Emissionen höhere oder bessere Sicherheiten anbieten, ohne dass die Inhaber dieser jetzt ausgegebenen Anleihen den selben Schutz bekommen.

Somit entsteht sozusagen eine indirekte Umwandlung der aktuellen Anleihen in Nachranganleihen, die im Falle eines Zahlungsausfalls womöglich weniger Geld zurückerhalten als neue Gläubiger, die nächstes Jahr ganz frische Anleihen kaufen. Viele Anleiheinhaber, die in den letzten Tagen diesem Tausch zugestimmt haben, werden das Kleingedruckte gar nicht gelesen haben. Sie werden wohl froh sein, dass sie statt 20 nur noch 5 Anleihen im Depot haben. Institutionelle Anleger, die dem Tausch zustimmten, werden wohl darauf vertrauen, dass Europa die Griechen nicht in die Pleite „entlässt“.

Also, alles bereit für wunderbare neue griechische Schulden im Jahr 2018? Die Renditen zumindest dürften sich im Vergleich zu deutschen oder französischen Anleihen sehen lassen können! Wer das Risiko nicht scheut…


© European Union, 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro



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