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Meinung

Griechenland: wer hat Recht? Und was ist wahrscheinlich?

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Stimmt das, was gestern der griechische Ministerpräsident Tsipras sagte? Oder ist es eher so, wie Schäuble meint: ein Deal ist noch weit entfernt? Die Märkte glauben Tsipras – man hält ihn für seriös (seriöser als Varoufakis) und geht davon aus, dass Tsipras seiner Sache sicher sein muß, wenn er zeitnah eine Einigung erwartet. Schäuble wiederum sagte gestern in der ARD:

„In der Sache sind die Verhandlungen zwischen den drei Institutionen und der griechischen Regierung nicht sehr viel weiter gekommen“. Er sei „immer ein wenig überrascht, dass aus Athen immer so gesagt wird, wir stünden kurz vor einer Einigung“.

So weit, so unklar die derzeitige Lage. Aber wahrscheinlich ist doch, dass die Institutionen versuchen werden, die griechische Bombe nicht im Juni platzen zu lassen. Man wird sich gewissermaßen durchwursteln.

Folgendes Szenario ist politisch wahrscheinlich: Griechenland wird die am 05.Juni fällige Raten den IWF bezahlen (woher auch immer die Gelder kommen), auch wenn es keine Vereinbarung mit den Gläubigern gibt. Dann im weiteren Verlauf des Junis wird man sich auf die Verlängerung des Rettungsprogramms einigen, Athen wird minimale Konzessionen machen, aber weitgehend ungeschoren davon kommen. Ziel der Gläubiger wird sein, das Problem aufzuschieben, wahrscheinlich bis in den Herbst hinein. Wahrscheinlich findet dann noch im Sommer ein Referendum oder Neuwahlen in Griechenland statt, die aktuell Regierung wird bestätigt. Und weil auch im Herbst die Gläubiger Griechenlands den worst case verhindern wollen, kommt dann das dritte Rettungspaket, dass das grundsätzliche Problem nicht löst, aber wieder Zeit bringen soll.

Das alles ist nicht wirklich befriedigend – aber im Sinne der Logik aller Beteiligten doch sehr wahrscheinlich. Ein Grexit, das ist vor allem den Politikern der Euro-Peripherie sehr klar, hätte schwerwiegende Konsequenzen auch für Länder wie Portugal und Spanien (ebenso Frankreich). A propos Spanien: man spürt bereits den Schatten der im November anstehenden Wahlen in Spanien. Da die Etablierten einen Sieg von Podemos fürchten, dürfte das ihre Haltung gegenüber Griechenland maßgeblich beeinflussen. Man wird dann im Herbst also kaum Griechenland fallen lassen aus Angst vor einem politischen Erdbeben in Spanien.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Chris

    28. Mai 2015 09:21 at 09:21

    Im Fall Griechenland den Begriff „Recht „zu gebrauchen ist wohl mehr als unangebracht!Von Deal oder Deals zu reden trifft die kriminellen Machenschaften eher&ist in dieser Szene auch gebräuchliche Wortwahl:Das gemeine Volk ist nur noch angeekelt!

    • Avatar

      bademeister

      28. Mai 2015 09:34 at 09:34

      Im Spiel gibt’s wenig Recht und schon gar keine Logik!

      Großzügig gesehen haben Sie Recht mit dem/den angeführten Szenario/-ein, der grosse Crash kommt vermutlich im Oktober/November, wie schon immer öfter prognostiziert.

      Kurzfristig soll die besonders positive Einstellung von Tsipras zeigen, dass vermeindlich gute Arbeit (für Griechenland) geleistet wird.

      Deckt sich natürlich überhaupt nicht mit den Ansichten in Brüssel.

      ..soetwas nennt man Wahlkampf…nach den Wahlen ist vor den Wahlen…schneller als wir uns das vorstellen können.

      • Avatar

        joah

        28. Mai 2015 13:46 at 13:46

        Hier gibt es sogar sehr viel Recht (wenn man wahrhaftig versteht was es wirklich ist), viele Verträge, viele Vertragsbrüche (bei denen keiner interveniert), viele ungültige Verträge (zwischen A & B, jedoch unbeteiligt C soll zahlen), viel Poker, viel Machtgerangel, viel Dreistigkeit (von allen Seiten) und vor allem viel Angst. Das ist sogar sehr logisch.

        Ein vollwärtiger Crash* im Herbst diesen Jahres passt allerdings noch nicht ganz in deren Gesamtplanung – wäre noch etwas zu früh.

        * hier Euro-Kollaps etc. pp. gemeint

  2. Avatar

    Lars Hoffmann

    28. Mai 2015 10:17 at 10:17

    Es deckt sich auch nicht mit den Ansichten des IWF, der nicht im Wahlkampf ist. Tsipras mag glauben, einen Fortschritt sehen zu können, aber aktuell gibt es nichts Belastbares, das auf eine Einigung hindeutet.

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