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Griechenland womöglich bald mit erster Anleihe seit drei Jahren: Wir haben eine böse Vorahnung, wer der Käufer sein wird

Kündigt sich da ein ganz krummes Ding an rund um das Thema „Griechenland und seine Schulden“? Natürlich alles rechtlich einwandfrei, davon darf man ausgehen. Wenn nämlich diejenigen krumme Dinger drehen, die selbst die…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Kündigt sich da ein ganz krummes Ding an rund um das Thema „Griechenland und seine Schulden“? Natürlich alles rechtlich einwandfrei, davon darf man ausgehen. Wenn nämlich diejenigen krumme Dinger drehen, die selbst die Richtlinien und Gesetze erlassen, dann ist ja alles gut. Griechenland wird vermutlich in diesem Sommer zum ersten Mal seit drei Jahren eine Staatsanleihe auf den Markt bringen, so das WSJ. Ist der Zeitpunkt verwunderlich?


Griechenland-Premier Alexis Tsipras. Foto: FrangiscoDer/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass sich Athen de facto mit seinen Euro-Partnern auf eine weitere Auszahlung einer Tranche aus dem 86 Milliarden Euro-Rettungspaket (wir sagen dazu immer Umschuldungspaket) geeinigt hat. Aber noch viel entscheidender, oder wohl absolut entscheidend ist: Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, dass die EZB möglicherweise im Sommer (zeitlich ein reiner Zufall) Griechenland in den Kreis der Länder aufnehmen könnte, von denen man Staatsanleihen aufkauft.

In Athen hofft man darauf. Im März 2015 begann die EZB für inzwischen einen Billionen-Betrag Anleihen kreuz und quer aus der Eurozone zu kaufen, aber eben nicht die griechische Schulden. Es ist eh eine reine Ansichtssache. Für die EZB wird die Frage des Kaufs griechischer Staatsschulden davon abhängig gemacht, ob die griechischen Schulden denn vom griechischen Staat bedient werden können. Also überschuldet oder nicht? Und bei einer Schuldenhöhe in Relation zur Wirtschaftsleistung von 179% kann man diese Frage wohl getrost Philosophen überlassen.

Also: Wartet man im EZB-Tower nur noch auf das GO vom IWF, dass von dort gesagt wird „ach ja, die griechischen Schulden sind ja doch tragbar“, oder verkündet man es irgendwann einfach von selbst? „Ja, wir haben nochmal geprüft, und sind jetzt der Meinung, dass Athen das doch hinbekommt“. So könnte es bald heißen, auch wenn der Wortlaut vielleicht etwas mehr finanztechnisch klingen dürfte. In Bankenkreisen munkelt man, dass die EZB im Sommer willens sein könnte drei oder mehr als drei Milliarden Euro an griechischen Schulden zu kaufen über ihr Anleihekaufprogramm (PSPP).

Wenn die EZB dann griechische Staatspapiere kauft, darf sie über ihr Anleihekaufprogramm aber keine Staatsanleihen am „Primärmarkt“ (also in der Erstauktion) erwerben, sonst wäre das sogar höchstoffiziell eine direkte Staatsfinanzierung. Nein, beim direkten ersten Verkauf der Anleihen des Staats muss ein privater Käufer zu finden sein, der die Anleihen in seine Bücher nimmt. Daher unsere Vermutung: Griechische oder sonstige europäische Banken, die um den Kaufwillen der EZB wissen, nehmen Athen die Anleihen ab, und verkaufen sie kurz danach im „freien Anleihehandel“ natürlich mit einem netten Kursaufschlag an die EZB.

Und zack… Athen steht am freien Kapitalmarkt wieder als akzeptierter Schuldner da. Wenn die EZB Athen in ihr „Programm“ aufnimmt, bedeutet das de facto für die Märkte: Geil, das Schuldenmachen in Athen ist gedeckt durch die EZB, es kann wieder so richtig abgefeiert werden! Erst gestern hat die EU-Kommission verkündet man gehe davon aus, dass Griechenland sein BIP im laufenden Jahr um 2,1% und in 2018 um 2,5% steigern werde. Hey, Wachstum… das ist doch genau die Botschaft, die zum Beispiel die EZB brauchen könnte um zu erklären, dass das Land (irgendwie) in der Lage sein wird seine Schulden zu tragen.

Der folgende Chart zeigt den Verlauf der Aktienkurse der drei größten griechischen Banken National Bank of Greece, Alpha Bank und Piräus Bank übereinander gelegt seit Anfang März. Sie verlaufen parallel. Vor zwei Wochen begann ein spürbarer Anstieg parallel mit den aufkeimenden Aussagen, dass nun das nächste Rettungsgeld der Europartner fließen wird. Es ist sehr gut möglich, dass die Aufnahme der griechischen Anleihen durch die EZB ein weiterer Weckruf sein könnte für den ganzen griechischen Kapitalmarkt. Der Athener Aktienindex ist im letzten Monat kräftig gestiegen, und hat fast die gesamten Verluste aufgeholt, seitdem man in 2015 bei IWF-Schulden „ausgefallen“ war, und der Aktienmarkt geschlossen werden musste. Geht der nächste starke Schub von der EZB aus?

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Christoph

    12. Mai 2017 14:26 at 14:26

    was ist mit der Bedingung Rating besser als so und so…? Punkt der hier oft im Zusammenhang mit Portugal Erwähnung findet.

  2. Avatar

    asyoulike

    12. Mai 2017 15:18 at 15:18

    Moin, moin,
    darf man im Falle Griechenlands von „Schulden“ sprechen? Ist eine „Gabe“ ohne zu erwartende Gegenleistung (Rückzahlung) eine Schuld? Sicher ist es eine Transferzahlung, also eine Zahlung ohne Gegenleistung oder einfacher gesagt ein „Geschenk“. Vielleicht ist die Thematik der Targetsalden dem durchschnittlichen BRD Bürger noch unklar. Also, alles wie bisher weiter „auf den Deckel“. Und wie in der Eckkneipe kommt zum Schluss der Wirt mit der Rechnung. Viel Spass.

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    Kokkinidis Michael

    12. Mai 2017 20:02 at 20:02

    Schon Krass wie griechenland europa seit jahrzehnten abzockt. Man kann nur davor warnen griechenland irgendwie geld zu geben. Griechenland erwirtschaftet ungefähr 165 milliarden im jahr, darin sind aber auch milliarden wirtschaftshilfe der EU erfasst. Beispiel, ich arbeite und verdiene 1000 euro im monat, dann gehe ich zu irgend einer bank und sage ich möchte einen kredit von 30000 euro. Später gehe ich zu einer anderen bank um einen weiteren Kredit aufzunehmen und behaupte ich würde im jahr 42000 euro erwirtschaften. So macht es griechenland seit jahrzehnten.

    Griechenlands staat verheizt 60% des bruttonationalprodukt. 3 millionen rentner wovon 1,200.000 Millionen zwei renten bekommen und 330.000 rentner bekommen drei renten. 80.000 rentner bekommen rente und haben zusätzlich im monat über 5000 euro einnahmen.

    Griechenland ist eine riesige geldvernichtungsmaschine. Irgend welche reformen hat bis jetzt keine einzige griechische regierung umgesetzt. Steuererhöhungen sind keine reformen.

    Griechenland hat zu keinem Zeitpunkt angefangen zu sparen, wieso auch wenn immer wieder die lieben europäer bezahlen. Stattdessen macht griechenland propaganda und stellt sich immer als irgend ein Opfer dar. Athen bekommt die milliarden kredite zu besten konditionen, bis auf 2060 muss es nichtmal zinsen bezahlen aber meckert und will wieder schuldenschnitte.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      13. Mai 2017 07:53 at 07:53

      Und das Skurrile daran. Ein gewisser Mario Draghi hat vor 2004, damals im Vorstand von Goldman Sachs, dafür gesorgt, dass Griechenland mit Buchungstricks in die Eurozone kam. Diese Herr war dann italienischer Notenbankchef, mit Heimat in Rom, und er kennt daher genau die Art des italienischen Wirtschaftens. Als EZB-Chef wird er alles tun, um den Südländern höhere Zinsen zu ersparen. Ich habe es schon einmal erwähnt. Als ich in den 70-er Jahren am Gardasee war, musste ich für 1000 Lire 4 D-Mark bezahlen, Ende der 90-er Jahre waren es nicht mal 1D-Mark (eine endlose Abwärtungsspirale).
      Dann kam der Euro und die Zinsen fielen deutlich und was hat Italien daraus gemacht? Herr Draghi weiß das sehr genau und wird in seiner Amtszeit, auf Reformen hoffend, die Zinsen mit allerlei Argumenten (Arbeitsmarkt!!!) unten belassen. Also, ich glaube nicht, dass die viel beschworene Alternativlosigkeit der Aktienmärkte in Europa vor Ende 2018 durch die EZB beendet wird, das müsste schon von den USA oder China ausgehen. Ich gebe zu, keine besonders „bearishe“ Sicht der Dinge. Gruß

      • Avatar

        Wolfgang M.

        13. Mai 2017 07:56 at 07:56

        Sorry, Abwertung, war gemeint.

      • Avatar

        Marko

        14. Mai 2017 16:05 at 16:05

        Alles richtig,

        nur wieso „funktioniert“ der EUR beim uns im Norden dann ? Stichwort Estland, da gehts doch ? Es ist eine Mentalitäsfrage, Abwertungen der eigenen Währungen sind immer „einfach“.
        Die „Sorgen“ werden wir durch Abwertungen immer „los“…

        Diese Suppe haben sich alle „Südstaatler“ selbst eingebrockt – da ist der EUR Schuld ? – Verrückt ?

  4. Avatar

    Marko

    14. Mai 2017 16:21 at 16:21

    Ihr müsst Euch mal vorsetllen, was da los wäre, sollte man Griechenland „fallen lassen“ und zwar ins Bodenlose !! Das wünsche ich keinem !
    Dafür ist die EU da ! Kapieren die Briten nicht, ich weiß … :D

  5. Avatar

    Bärenfell

    14. Mai 2017 18:33 at 18:33

    @asyoulike u.Wolfgang M. Gratulation an Wolfgang,das ist die Wahrheit, aber meines Wissens ist Draghi nicht für ewig gewählt u,es könnte dann trotzdem irgendwas ändern.Zu Schulden ,die wie jeder wenig informierte Bürger weiss nie zurückbezahlt werden sind eben nur Zeitkauf d. h spätere Abschreibungen, weil man im Moment nicht bereit ist die Wahrheit zu sagen verschiebt man dieses Problem einfach in die Zukunft.Ich erinnere mich ,dass ein hochstehender Bänker einen Journalisten zusammengestaucht hat, weil der eben fragte ob man diese GR Kredite nicht als Abschreiber benennen könnte. Dass eben die Folgen diese bekannten Probleme ( die Zinsen tief halten) u.die Börsen weiter beflügeln geht unter keine Kuhhaut. ( BULLENHAUT)

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Immobilienpreise steigen kräftig an – keine Spur von Corona!

Claudio Kummerfeld

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am

Hausbau

Bei Immobilien ist keinerlei Spur von der Coronakrise zu entdecken. Unfassbar. Die Immobilienpreise klettern weiter nach oben wie in den letzten Jahren auch. Im zweiten Quartal sind die Preise für Wohnimmobilien nämlich im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 6,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet. Die folgende Grafik zeigt den Häuserpreisindex seit dem Jahr 2015. Es ist keinerlei Einbruch erkennbar in den letzten beiden Quartalen. Nochmal… unfassbar, dass bei 10 Millionen Kurzarbeitern im Höhepunkt der Krise kein Einbruch der Immobilienpreise erkennbar war. Die Statistiker melden aktuell auch, dass die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2 Prozent gestiegen sind. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz Corona-Krise weiterhin sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Immobilienpreise klettern mitten in der Coronakrise immer weiter nach oben

Hier weitere Details von den Statistikern im Wortlaut:

Im 2. Quartal 2020 waren in den sieben größten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 6,5 % und Eigentumswohnungen 6,1 % teurer als im Vorjahresquartal. Damit setzte sich der Anstieg der Preise für Wohnimmobilien in Metropolen zwar fort, jedoch weiterhin mit einer abnehmenden Dynamik bei Wohnungen. Für Eigentumswohnungen hatte die Veränderungsrate zum Vorjahresquartal im 2. Quartal 2019 noch 7,9 % betragen, im 2. Quartal 2018 lag sie bei 11 %. In den anderen Großstädten ab 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern stiegen im 2. Quartal 2020 die Häuserpreise um 7,3 % und die Preise für Eigentumswohnungen um 8,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch in ländlichen Kreisen wurden Wohnimmobilien im Durchschnitt teurer. So erhöhten sich die Preise für Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen um 8,9 % und für Eigentumswohnungen um 5,9 %. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 4,8 %, Wohnungen verteuerten sich um 6,6 %.

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US-Wirtschaft: Warum es ohne KMUs keine Erholung gibt

Hannes Zipfel

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am

US-Wirtschaft ist angewiesen auf Arbeiter bei den KMUs

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind für die US-Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze, stehen aber vor enormen Herausforderungen und viele sogar vor dem Aus. Ohne die KMUs wird es keine nachhaltige Erholung und erst recht keinen Wirtschaftsboom in den USA geben.

US-Wirtschaft braucht dringend neue Finanzhilfen

Als Steven Terner Mnuchin (Rep.), seit Februar 2017 US Finanzminister, am Dienstagnachmittag vor dem US-Repräsentantenhaus vom kommenden Boom der US-Wirtschaft im vierten Quartal schwärmte, muss dem ehemaligen Chef der Investmentbank Goldman Sachs die zuvor veröffentlichte Umfrage zum Paycheck Protection Program (PPP) seines früheren Arbeitgebers entgangen sein. Das Ergebnis der Umfrage kontrastiert die Jubelstimmung, die auch von seinem Amtskollegen Olaf Scholz (SPD) in Deutschland immer häufiger zu vernehmen ist.

Nüchterner war da schon die dringende Empfehlung des US-Notenbankchefs Jerome Powell an die Abgeordneten im US-Kongress, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) des Landes mit zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen zu unterstützen, da ansonsten eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft nicht möglich sei.

Gemäß der jüngsten verfügbaren Daten gab es in den USA im Jahr 2019 gut 31 Millionen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Diese sogenannten „Small Businesses“ repräsentieren 99,9 Prozent aller Unternehmen und sind größter Arbeitgeber im privaten Sektor der US-Wirtschaft. Die amerikanischen KMUs schufen im letzten Jahr mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Daher ist das Schicksal der kleinen und mittleren Unternehmen bei der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Erholung von so großer Relevanz.

Weil das so ist, hat die Trump-Administration Ende April im Rahmen des CARES Act (Coronavirus Aid, Relief and Economic Security Act) das Paycheck Protection Program (PPP) über 659 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Das ermöglichte es vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen, zinsgünstige Privatkredite zu beantragen, um ihren Gehaltsverpflichtungen trotz Coronakrise weiter nachzukommen.

Die Höhe eines PPP-Darlehens entsprach dabei ca. dem Zweieinhalbfachen der durchschnittlichen monatlichen Lohnkosten des Unternehmens. Die Darlehen können neben der Zahlung von Löhnen (Paychecks) auch für Mieten, Zinsen und Nebenkosten verwendet werden. Das Darlehen wurde aber nur dann gewährt, wenn das Unternehmen versprach, die Anzahl seiner Mitarbeiter und die Löhne stabil zu halten. Die ursprüngliche Frist für die Beantragung eines PPP-Darlehens war zunächst der 30. Juni dieses Jahres und wurde später bis zum 8. August 2020 verlängert.

Der PPP-Stimulus läuft aus

Nachdem das Gesetz seit fünf Monaten in Kraft ist, läuft die Hilfe nun aus und kann wegen der Blockade im US-Kongress für ein fünftes Konjunkturpaket nicht aufgestockt und verlängert werden. Das bringt viele KMUs an den Rand des Ruins – ein enormes Problem für die US-Wirtschaft!. Gemäß einer aktuellen Umfrage von Goldman Sachs unter US-KMUs haben 88 Prozent ihre PPP-Kredite bereits vollständig ausgeschöpft. Ein Drittel der befragten Unternehmen sah sich bereits gezwungen, die Löhne zu kürzen oder Entlassungen vorzunehmen. Weitere ca. 30 Prozent gaben an, dass ihnen ohne weitere Finanzhilfen bis zum Ende des Jahres das Geld ausgeht.

Anders als Großkonzerne können sich kleine Unternehmen nicht direkt über den Kapitalmarkt refinanzieren und kommen somit auch nicht in den Genuss der Unternehmensanleihekäufe durch die US-Notenbank (Fed), die in diesem Jahr ein neues Rekordvolumen erreicht haben.

Die auf Banken zur Refinanzierung angewiesenen KMUs haben ein weiteres, sich verschärfendes Problem: Wegen der anhaltend schlechten geschäftlichen Situation, aufgebrauchter Rücklagen und ausgeschöpfter Kreditlinien sind die Perspektiven für viele potenzielle Kreditnehmer so schlecht, dass die Banken sie als zu risikoreich einstufen und weitere Kredite verweigern. Schattenbanken, v. a. Hedgefonds, die in diese Lücke springen, verlangen dem Risiko angemessene hohe Zinsen, die für die in Not geratenen KMUs nicht zu stemmen sind.

Da gleichzeitig die im Sommer vom US-Finanzministerium an US-Bürger mit geringen und mittleren Einkommen verteilten Schecks in Höhe von 1.200 US-Dollar pro Person zunehmend eingelöst und aufgebraucht sind, haben viele Kleinunternehmer, Soloselbstständige und Freiberufler auch immer stärker eingeschränkte private Finanzspielräume.

US-Wirtschaft mit Entlassungswelle ab 1. Oktober

Ohne neue Fiskalstimuli droht der US-Wirtschaft im Abschlussquartal eine sich wieder verstärkende Entlassungswelle. Zumal ab 1. Oktober auch die US-Fluggesellschaften trotz vorheriger finanzieller Unterstützung aus dem PPP wieder Massenentlassungen vornehmen dürfen und dies auch bereits für Anfang Oktober angekündigt haben. Allein die größte US-Fluggesellschaft American Airlines will ab diesem Stichtag 20 Prozent ihrer Belegschaft abbauen – also jeden fünften Mitarbeiter. Ähnliche Ankündigungen gibt es von der zweitgrößten US-Fluggesellschaft Delta Airlines und kleineren Fluggesellschaften. Damit wird in den USA das nachgeholt, was bei deutschen und europäischen Airlines wie Lufthansa oder Ryanair bereits Realität ist.

Besonders betroffen von dem Auslaufen des PPP sind neben den Branchen Verkehr und Touristik vor allem Gastronomen, Konzert-Veranstalter, Kreuzfahrt Reedereien, stationäre Einzelhändler, Unterhaltungskünstler, Wedding Planner und andere Event-Manager. Besonders in der US-Gastronomie sind viele KMUs tätig. Generell wird der Dienstleistungssektor von KMUs dominiert. Für die US-Wirtschaft hat dieser Sektor eine besondere Bedeutung: 79,4 Prozent aller Erwerbstätigen ist hier angestellt, davon über 90 Prozent bei KMUs (Daten von 2019, Quelle: Statista).

Fazit

Die Indizien verdichten sich, dass es im vierten Quartal entgegen der Beschwichtigungsrhetorik mancher Politiker statt eines Booms einen Pleite-Tsunami und Massenentlassungen in der US-Wirtschaft geben könnte. Das Erschreckende dabei ist, dass diese Entwicklung noch keine zweite Pandemie-Welle berücksichtigt, die den Schaden in der US-Wirtschaft nochmals maximieren würde. Es bleibt für die KMUs Amerikas zu hoffen, wenn aus heutiger Sicht auch unwahrscheinlich, dass sich der US-Kongress nach dem Wahltermin Anfang November schnell auf ein neues, billionenschweres Hilfspaket einigen kann.

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Coronakrise: Die Flucht aus den Großstädten beschleunigt sich!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Coronakrise macht das in den letzten Jahren geltende Mantra immer fragwürdiger: dass die Großstädte immer weiter wachsen würden. Das entsprach einer auch in der Wissenschaft beliebten allzumenschlichen Methodik: man schreibt Trends aus der Vergangenheit einfach in die Zukunft fort. So meinte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor drei Jahren:  „Hamburgs Bevölkerungszahl wächst einer Prognose zufolge bis 2035 um rund 162.000 Einwohner auf fast zwei Millionen Menschen“.

Dabei aber ignorierte man einen großen Trend, der schon vor der Coronakrise eingesetzt hatte: Automatisierung und Digitalisierung (siehe hierzu meinen Artikel „Über Automatisierung und die Auswirkung auf die Großstädte: Glaubt den Prognosen nicht!“ aus dem Jahr 2017).

Die Automatisierung macht vor allem immer mehr Bürojobs überflüssig (die überwiegend in Großstädten angesiedelt sind). Die Digitalisierung wiederum trifft vor allem den stationären Einzelhandel. Hier hat die Coronakrise den ohnehin vorhandenen Trend zur Online-Bestellung noch weiter verstärkt (mit Amazon als dem größten Profiteur).

Die Coronakrise ist nicht nur in Deutschland ein „game changer“. Vor allem große Firmen brauchen absehbar weniger Büroflächen. In meiner persönlichen Umgebung geht kaum jemand noch täglich zur Arbeit, sondern arbeitet mindestens drei Tage pro Woche von zu Hause aus. Wer aber seltener oder gar nicht mehr zum Job fahren muß, für den wird es weniger wichtig, direkt im Ballungsraum zu wohnen. Wichtiger wird das eigene Heim, und da möchte man es gemütlich haben – man möchte (wenn man es sich leisten kann) einen Garten, möchte einfach Platz haben. Die Menschen-Massen in den Großstädten werden durch Corona nicht gerade attraktiver, zumal das Angebot in den Großstädten an Kultur, Gastronomie oder Einzelhandel auszudünnen beginnt: in Hamburg etwa steht nun das riesige Kaufhof-Gebäude im Zentrum der Stadt bald leer – das ist gleichsam ein Mahnmal für den schleichenden Abstieg der Großstädte.

Die Coronakrise macht nun einen Prozeß, der schon länger begonnen hat, immer offensichtlicher. Das bestätigt nun eine heute veröffentlichte Pressemitteilung der Interhyp AG:

„Schon seit einigen Jahren beobachtet Interhyp eine Tendenz zur Stadtflucht aus Großstädten und Metropolen bei Immobilienkäufern und Bauherren. Waren es 2016 noch 63 Prozent, die ein Eigenheim in einer Stadt mit 500.000 und mehr Einwohnern erwerben wollten, sind es im ersten Halbjahr 2020 nur noch 57 Prozent. Auch der Großstädter-Anteil, der wieder in einer Großstadt eine Immobilie kauft, ist in den vergangenen fünf Jahren von 61 Prozent auf 58 Prozent gesunken. Metropol-Bewohner zieht es zunehmend in Mittel- und Kleinstädte (2020: 19 Prozent in Mittelstädte, 14 Prozent in Kleinstädte vs 2016: 17 Prozent in Mittelstädte, 12 Prozent in Kleinstädte). Nur wenige ziehen beim Immobilienkauf allerdings aufs Land bzw. in Orte kleiner 5.000 Einwohner (3 Prozent in 2020). Dennoch macht Interhyp eine zunehmende Landlust aus. Denn diejenigen, die bereits auf dem Land oder in Kleinstädten leben, bleiben dort heute häufiger als früher: 2016 kauften 56 Prozent der Landbewohner ihre Immobilie auf dem Land, 2020 sind es 59 Prozent.“

Coronakrise: Wo zieht es die Menschen hin?

Welche Regionen aber werden von dieser Entwicklung profitieren? Es sind die Randbezirke von Großstädten – oder mittelgroße Städte, die nicht weit von den großen Ballungsräumen entfernt liegen.

Dazu schreibt Interhyp:

„Den Trend zur Immobilie außerhalb der Ballungszentren beobachten wir nicht erst seit gestern. Doch die Entwicklung gewinnt mit der Pandemie neue Dynamik, wie sich in der Analyse unserer Daten abzeichnet“, so Jörg Utecht. Utechts Meinung nach gibt es dabei folgende Gedanken, die Eigenheimbesitzer umtreibt: „Wenn mobiles Arbeiten es erlaubt, dass der Arbeitsweg nur zweimal in der Woche anfällt, entsteht zeitliche und finanzielle Ersparnis. Das Eigenheim wird in ländlichen Gebieten und Klein- und Mittelstädten zur leistbaren und praktikablen Alternative für diejenigen, die sich in den Groß- und Metropol-Städten kein eigenes Zuhause ermöglichen können. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass eine gute Infrastruktur in den Zielgebieten vorliegt. Dazu gehören zum Beispiel gute digitale Anbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und eine gute breite ärztliche Versorgung.“

Aus all dem wird klar: die deutschen Großstädte haben den Zenit ihres Wachstums wohl längst überschritten – und das wird sich auch bei den dort besonders hohen Immobilienpreisen deutlich niederschlagen. Käufer, die in Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt aktuell noch Mondpreise bezahlen, gehen erhebliche Risiken ein (vor allem je höher sie fremdfinanziert sind).

Vor allem Randbezirke von Großstädten mit viel Grün oder Wasser in der Nähe dürften hingegen die große Gewinner werden!

Die Coronakrise verstärkt die Stadtflucht - das gilt auch für Berlin

Berlin hat in diesem Jahr bereits Einwohner verloren

 

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