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Griechenland womöglich bald mit erster Anleihe seit drei Jahren: Wir haben eine böse Vorahnung, wer der Käufer sein wird

Kündigt sich da ein ganz krummes Ding an rund um das Thema "Griechenland und seine Schulden"? Natürlich alles rechtlich einwandfrei, davon darf man ausgehen. Wenn nämlich diejenigen krumme Dinger drehen, die selbst die...

FMW-Redaktion

Kündigt sich da ein ganz krummes Ding an rund um das Thema „Griechenland und seine Schulden“? Natürlich alles rechtlich einwandfrei, davon darf man ausgehen. Wenn nämlich diejenigen krumme Dinger drehen, die selbst die Richtlinien und Gesetze erlassen, dann ist ja alles gut. Griechenland wird vermutlich in diesem Sommer zum ersten Mal seit drei Jahren eine Staatsanleihe auf den Markt bringen, so das WSJ. Ist der Zeitpunkt verwunderlich?


Griechenland-Premier Alexis Tsipras. Foto: FrangiscoDer/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass sich Athen de facto mit seinen Euro-Partnern auf eine weitere Auszahlung einer Tranche aus dem 86 Milliarden Euro-Rettungspaket (wir sagen dazu immer Umschuldungspaket) geeinigt hat. Aber noch viel entscheidender, oder wohl absolut entscheidend ist: Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, dass die EZB möglicherweise im Sommer (zeitlich ein reiner Zufall) Griechenland in den Kreis der Länder aufnehmen könnte, von denen man Staatsanleihen aufkauft.

In Athen hofft man darauf. Im März 2015 begann die EZB für inzwischen einen Billionen-Betrag Anleihen kreuz und quer aus der Eurozone zu kaufen, aber eben nicht die griechische Schulden. Es ist eh eine reine Ansichtssache. Für die EZB wird die Frage des Kaufs griechischer Staatsschulden davon abhängig gemacht, ob die griechischen Schulden denn vom griechischen Staat bedient werden können. Also überschuldet oder nicht? Und bei einer Schuldenhöhe in Relation zur Wirtschaftsleistung von 179% kann man diese Frage wohl getrost Philosophen überlassen.

Also: Wartet man im EZB-Tower nur noch auf das GO vom IWF, dass von dort gesagt wird „ach ja, die griechischen Schulden sind ja doch tragbar“, oder verkündet man es irgendwann einfach von selbst? „Ja, wir haben nochmal geprüft, und sind jetzt der Meinung, dass Athen das doch hinbekommt“. So könnte es bald heißen, auch wenn der Wortlaut vielleicht etwas mehr finanztechnisch klingen dürfte. In Bankenkreisen munkelt man, dass die EZB im Sommer willens sein könnte drei oder mehr als drei Milliarden Euro an griechischen Schulden zu kaufen über ihr Anleihekaufprogramm (PSPP).

Wenn die EZB dann griechische Staatspapiere kauft, darf sie über ihr Anleihekaufprogramm aber keine Staatsanleihen am „Primärmarkt“ (also in der Erstauktion) erwerben, sonst wäre das sogar höchstoffiziell eine direkte Staatsfinanzierung. Nein, beim direkten ersten Verkauf der Anleihen des Staats muss ein privater Käufer zu finden sein, der die Anleihen in seine Bücher nimmt. Daher unsere Vermutung: Griechische oder sonstige europäische Banken, die um den Kaufwillen der EZB wissen, nehmen Athen die Anleihen ab, und verkaufen sie kurz danach im „freien Anleihehandel“ natürlich mit einem netten Kursaufschlag an die EZB.

Und zack… Athen steht am freien Kapitalmarkt wieder als akzeptierter Schuldner da. Wenn die EZB Athen in ihr „Programm“ aufnimmt, bedeutet das de facto für die Märkte: Geil, das Schuldenmachen in Athen ist gedeckt durch die EZB, es kann wieder so richtig abgefeiert werden! Erst gestern hat die EU-Kommission verkündet man gehe davon aus, dass Griechenland sein BIP im laufenden Jahr um 2,1% und in 2018 um 2,5% steigern werde. Hey, Wachstum… das ist doch genau die Botschaft, die zum Beispiel die EZB brauchen könnte um zu erklären, dass das Land (irgendwie) in der Lage sein wird seine Schulden zu tragen.

Der folgende Chart zeigt den Verlauf der Aktienkurse der drei größten griechischen Banken National Bank of Greece, Alpha Bank und Piräus Bank übereinander gelegt seit Anfang März. Sie verlaufen parallel. Vor zwei Wochen begann ein spürbarer Anstieg parallel mit den aufkeimenden Aussagen, dass nun das nächste Rettungsgeld der Europartner fließen wird. Es ist sehr gut möglich, dass die Aufnahme der griechischen Anleihen durch die EZB ein weiterer Weckruf sein könnte für den ganzen griechischen Kapitalmarkt. Der Athener Aktienindex ist im letzten Monat kräftig gestiegen, und hat fast die gesamten Verluste aufgeholt, seitdem man in 2015 bei IWF-Schulden „ausgefallen“ war, und der Aktienmarkt geschlossen werden musste. Geht der nächste starke Schub von der EZB aus?



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8 Kommentare

  1. was ist mit der Bedingung Rating besser als so und so…? Punkt der hier oft im Zusammenhang mit Portugal Erwähnung findet.

  2. Moin, moin,
    darf man im Falle Griechenlands von „Schulden“ sprechen? Ist eine „Gabe“ ohne zu erwartende Gegenleistung (Rückzahlung) eine Schuld? Sicher ist es eine Transferzahlung, also eine Zahlung ohne Gegenleistung oder einfacher gesagt ein „Geschenk“. Vielleicht ist die Thematik der Targetsalden dem durchschnittlichen BRD Bürger noch unklar. Also, alles wie bisher weiter „auf den Deckel“. Und wie in der Eckkneipe kommt zum Schluss der Wirt mit der Rechnung. Viel Spass.

  3. Avatar
    Kokkinidis Michael

    Schon Krass wie griechenland europa seit jahrzehnten abzockt. Man kann nur davor warnen griechenland irgendwie geld zu geben. Griechenland erwirtschaftet ungefähr 165 milliarden im jahr, darin sind aber auch milliarden wirtschaftshilfe der EU erfasst. Beispiel, ich arbeite und verdiene 1000 euro im monat, dann gehe ich zu irgend einer bank und sage ich möchte einen kredit von 30000 euro. Später gehe ich zu einer anderen bank um einen weiteren Kredit aufzunehmen und behaupte ich würde im jahr 42000 euro erwirtschaften. So macht es griechenland seit jahrzehnten.

    Griechenlands staat verheizt 60% des bruttonationalprodukt. 3 millionen rentner wovon 1,200.000 Millionen zwei renten bekommen und 330.000 rentner bekommen drei renten. 80.000 rentner bekommen rente und haben zusätzlich im monat über 5000 euro einnahmen.

    Griechenland ist eine riesige geldvernichtungsmaschine. Irgend welche reformen hat bis jetzt keine einzige griechische regierung umgesetzt. Steuererhöhungen sind keine reformen.

    Griechenland hat zu keinem Zeitpunkt angefangen zu sparen, wieso auch wenn immer wieder die lieben europäer bezahlen. Stattdessen macht griechenland propaganda und stellt sich immer als irgend ein Opfer dar. Athen bekommt die milliarden kredite zu besten konditionen, bis auf 2060 muss es nichtmal zinsen bezahlen aber meckert und will wieder schuldenschnitte.

    1. Und das Skurrile daran. Ein gewisser Mario Draghi hat vor 2004, damals im Vorstand von Goldman Sachs, dafür gesorgt, dass Griechenland mit Buchungstricks in die Eurozone kam. Diese Herr war dann italienischer Notenbankchef, mit Heimat in Rom, und er kennt daher genau die Art des italienischen Wirtschaftens. Als EZB-Chef wird er alles tun, um den Südländern höhere Zinsen zu ersparen. Ich habe es schon einmal erwähnt. Als ich in den 70-er Jahren am Gardasee war, musste ich für 1000 Lire 4 D-Mark bezahlen, Ende der 90-er Jahre waren es nicht mal 1D-Mark (eine endlose Abwärtungsspirale).
      Dann kam der Euro und die Zinsen fielen deutlich und was hat Italien daraus gemacht? Herr Draghi weiß das sehr genau und wird in seiner Amtszeit, auf Reformen hoffend, die Zinsen mit allerlei Argumenten (Arbeitsmarkt!!!) unten belassen. Also, ich glaube nicht, dass die viel beschworene Alternativlosigkeit der Aktienmärkte in Europa vor Ende 2018 durch die EZB beendet wird, das müsste schon von den USA oder China ausgehen. Ich gebe zu, keine besonders „bearishe“ Sicht der Dinge. Gruß

      1. Sorry, Abwertung, war gemeint.

      2. Alles richtig,

        nur wieso „funktioniert“ der EUR beim uns im Norden dann ? Stichwort Estland, da gehts doch ? Es ist eine Mentalitäsfrage, Abwertungen der eigenen Währungen sind immer „einfach“.
        Die „Sorgen“ werden wir durch Abwertungen immer „los“…

        Diese Suppe haben sich alle „Südstaatler“ selbst eingebrockt – da ist der EUR Schuld ? – Verrückt ?

  4. Ihr müsst Euch mal vorsetllen, was da los wäre, sollte man Griechenland „fallen lassen“ und zwar ins Bodenlose !! Das wünsche ich keinem !
    Dafür ist die EU da ! Kapieren die Briten nicht, ich weiß … :D

  5. @asyoulike u.Wolfgang M. Gratulation an Wolfgang,das ist die Wahrheit, aber meines Wissens ist Draghi nicht für ewig gewählt u,es könnte dann trotzdem irgendwas ändern.Zu Schulden ,die wie jeder wenig informierte Bürger weiss nie zurückbezahlt werden sind eben nur Zeitkauf d. h spätere Abschreibungen, weil man im Moment nicht bereit ist die Wahrheit zu sagen verschiebt man dieses Problem einfach in die Zukunft.Ich erinnere mich ,dass ein hochstehender Bänker einen Journalisten zusammengestaucht hat, weil der eben fragte ob man diese GR Kredite nicht als Abschreiber benennen könnte. Dass eben die Folgen diese bekannten Probleme ( die Zinsen tief halten) u.die Börsen weiter beflügeln geht unter keine Kuhhaut. ( BULLENHAUT)

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