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Griechenland womöglich bald mit erster Anleihe seit drei Jahren: Wir haben eine böse Vorahnung, wer der Käufer sein wird

Kündigt sich da ein ganz krummes Ding an rund um das Thema „Griechenland und seine Schulden“? Natürlich alles rechtlich einwandfrei, davon darf man ausgehen. Wenn nämlich diejenigen krumme Dinger drehen, die selbst die…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Kündigt sich da ein ganz krummes Ding an rund um das Thema „Griechenland und seine Schulden“? Natürlich alles rechtlich einwandfrei, davon darf man ausgehen. Wenn nämlich diejenigen krumme Dinger drehen, die selbst die Richtlinien und Gesetze erlassen, dann ist ja alles gut. Griechenland wird vermutlich in diesem Sommer zum ersten Mal seit drei Jahren eine Staatsanleihe auf den Markt bringen, so das WSJ. Ist der Zeitpunkt verwunderlich?


Griechenland-Premier Alexis Tsipras. Foto: FrangiscoDer/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass sich Athen de facto mit seinen Euro-Partnern auf eine weitere Auszahlung einer Tranche aus dem 86 Milliarden Euro-Rettungspaket (wir sagen dazu immer Umschuldungspaket) geeinigt hat. Aber noch viel entscheidender, oder wohl absolut entscheidend ist: Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, dass die EZB möglicherweise im Sommer (zeitlich ein reiner Zufall) Griechenland in den Kreis der Länder aufnehmen könnte, von denen man Staatsanleihen aufkauft.

In Athen hofft man darauf. Im März 2015 begann die EZB für inzwischen einen Billionen-Betrag Anleihen kreuz und quer aus der Eurozone zu kaufen, aber eben nicht die griechische Schulden. Es ist eh eine reine Ansichtssache. Für die EZB wird die Frage des Kaufs griechischer Staatsschulden davon abhängig gemacht, ob die griechischen Schulden denn vom griechischen Staat bedient werden können. Also überschuldet oder nicht? Und bei einer Schuldenhöhe in Relation zur Wirtschaftsleistung von 179% kann man diese Frage wohl getrost Philosophen überlassen.

Also: Wartet man im EZB-Tower nur noch auf das GO vom IWF, dass von dort gesagt wird „ach ja, die griechischen Schulden sind ja doch tragbar“, oder verkündet man es irgendwann einfach von selbst? „Ja, wir haben nochmal geprüft, und sind jetzt der Meinung, dass Athen das doch hinbekommt“. So könnte es bald heißen, auch wenn der Wortlaut vielleicht etwas mehr finanztechnisch klingen dürfte. In Bankenkreisen munkelt man, dass die EZB im Sommer willens sein könnte drei oder mehr als drei Milliarden Euro an griechischen Schulden zu kaufen über ihr Anleihekaufprogramm (PSPP).

Wenn die EZB dann griechische Staatspapiere kauft, darf sie über ihr Anleihekaufprogramm aber keine Staatsanleihen am „Primärmarkt“ (also in der Erstauktion) erwerben, sonst wäre das sogar höchstoffiziell eine direkte Staatsfinanzierung. Nein, beim direkten ersten Verkauf der Anleihen des Staats muss ein privater Käufer zu finden sein, der die Anleihen in seine Bücher nimmt. Daher unsere Vermutung: Griechische oder sonstige europäische Banken, die um den Kaufwillen der EZB wissen, nehmen Athen die Anleihen ab, und verkaufen sie kurz danach im „freien Anleihehandel“ natürlich mit einem netten Kursaufschlag an die EZB.

Und zack… Athen steht am freien Kapitalmarkt wieder als akzeptierter Schuldner da. Wenn die EZB Athen in ihr „Programm“ aufnimmt, bedeutet das de facto für die Märkte: Geil, das Schuldenmachen in Athen ist gedeckt durch die EZB, es kann wieder so richtig abgefeiert werden! Erst gestern hat die EU-Kommission verkündet man gehe davon aus, dass Griechenland sein BIP im laufenden Jahr um 2,1% und in 2018 um 2,5% steigern werde. Hey, Wachstum… das ist doch genau die Botschaft, die zum Beispiel die EZB brauchen könnte um zu erklären, dass das Land (irgendwie) in der Lage sein wird seine Schulden zu tragen.

Der folgende Chart zeigt den Verlauf der Aktienkurse der drei größten griechischen Banken National Bank of Greece, Alpha Bank und Piräus Bank übereinander gelegt seit Anfang März. Sie verlaufen parallel. Vor zwei Wochen begann ein spürbarer Anstieg parallel mit den aufkeimenden Aussagen, dass nun das nächste Rettungsgeld der Europartner fließen wird. Es ist sehr gut möglich, dass die Aufnahme der griechischen Anleihen durch die EZB ein weiterer Weckruf sein könnte für den ganzen griechischen Kapitalmarkt. Der Athener Aktienindex ist im letzten Monat kräftig gestiegen, und hat fast die gesamten Verluste aufgeholt, seitdem man in 2015 bei IWF-Schulden „ausgefallen“ war, und der Aktienmarkt geschlossen werden musste. Geht der nächste starke Schub von der EZB aus?

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Christoph

    12. Mai 2017 14:26 at 14:26

    was ist mit der Bedingung Rating besser als so und so…? Punkt der hier oft im Zusammenhang mit Portugal Erwähnung findet.

  2. Avatar

    asyoulike

    12. Mai 2017 15:18 at 15:18

    Moin, moin,
    darf man im Falle Griechenlands von „Schulden“ sprechen? Ist eine „Gabe“ ohne zu erwartende Gegenleistung (Rückzahlung) eine Schuld? Sicher ist es eine Transferzahlung, also eine Zahlung ohne Gegenleistung oder einfacher gesagt ein „Geschenk“. Vielleicht ist die Thematik der Targetsalden dem durchschnittlichen BRD Bürger noch unklar. Also, alles wie bisher weiter „auf den Deckel“. Und wie in der Eckkneipe kommt zum Schluss der Wirt mit der Rechnung. Viel Spass.

  3. Avatar

    Kokkinidis Michael

    12. Mai 2017 20:02 at 20:02

    Schon Krass wie griechenland europa seit jahrzehnten abzockt. Man kann nur davor warnen griechenland irgendwie geld zu geben. Griechenland erwirtschaftet ungefähr 165 milliarden im jahr, darin sind aber auch milliarden wirtschaftshilfe der EU erfasst. Beispiel, ich arbeite und verdiene 1000 euro im monat, dann gehe ich zu irgend einer bank und sage ich möchte einen kredit von 30000 euro. Später gehe ich zu einer anderen bank um einen weiteren Kredit aufzunehmen und behaupte ich würde im jahr 42000 euro erwirtschaften. So macht es griechenland seit jahrzehnten.

    Griechenlands staat verheizt 60% des bruttonationalprodukt. 3 millionen rentner wovon 1,200.000 Millionen zwei renten bekommen und 330.000 rentner bekommen drei renten. 80.000 rentner bekommen rente und haben zusätzlich im monat über 5000 euro einnahmen.

    Griechenland ist eine riesige geldvernichtungsmaschine. Irgend welche reformen hat bis jetzt keine einzige griechische regierung umgesetzt. Steuererhöhungen sind keine reformen.

    Griechenland hat zu keinem Zeitpunkt angefangen zu sparen, wieso auch wenn immer wieder die lieben europäer bezahlen. Stattdessen macht griechenland propaganda und stellt sich immer als irgend ein Opfer dar. Athen bekommt die milliarden kredite zu besten konditionen, bis auf 2060 muss es nichtmal zinsen bezahlen aber meckert und will wieder schuldenschnitte.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      13. Mai 2017 07:53 at 07:53

      Und das Skurrile daran. Ein gewisser Mario Draghi hat vor 2004, damals im Vorstand von Goldman Sachs, dafür gesorgt, dass Griechenland mit Buchungstricks in die Eurozone kam. Diese Herr war dann italienischer Notenbankchef, mit Heimat in Rom, und er kennt daher genau die Art des italienischen Wirtschaftens. Als EZB-Chef wird er alles tun, um den Südländern höhere Zinsen zu ersparen. Ich habe es schon einmal erwähnt. Als ich in den 70-er Jahren am Gardasee war, musste ich für 1000 Lire 4 D-Mark bezahlen, Ende der 90-er Jahre waren es nicht mal 1D-Mark (eine endlose Abwärtungsspirale).
      Dann kam der Euro und die Zinsen fielen deutlich und was hat Italien daraus gemacht? Herr Draghi weiß das sehr genau und wird in seiner Amtszeit, auf Reformen hoffend, die Zinsen mit allerlei Argumenten (Arbeitsmarkt!!!) unten belassen. Also, ich glaube nicht, dass die viel beschworene Alternativlosigkeit der Aktienmärkte in Europa vor Ende 2018 durch die EZB beendet wird, das müsste schon von den USA oder China ausgehen. Ich gebe zu, keine besonders „bearishe“ Sicht der Dinge. Gruß

      • Avatar

        Wolfgang M.

        13. Mai 2017 07:56 at 07:56

        Sorry, Abwertung, war gemeint.

      • Avatar

        Marko

        14. Mai 2017 16:05 at 16:05

        Alles richtig,

        nur wieso „funktioniert“ der EUR beim uns im Norden dann ? Stichwort Estland, da gehts doch ? Es ist eine Mentalitäsfrage, Abwertungen der eigenen Währungen sind immer „einfach“.
        Die „Sorgen“ werden wir durch Abwertungen immer „los“…

        Diese Suppe haben sich alle „Südstaatler“ selbst eingebrockt – da ist der EUR Schuld ? – Verrückt ?

  4. Avatar

    Marko

    14. Mai 2017 16:21 at 16:21

    Ihr müsst Euch mal vorsetllen, was da los wäre, sollte man Griechenland „fallen lassen“ und zwar ins Bodenlose !! Das wünsche ich keinem !
    Dafür ist die EU da ! Kapieren die Briten nicht, ich weiß … :D

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    Bärenfell

    14. Mai 2017 18:33 at 18:33

    @asyoulike u.Wolfgang M. Gratulation an Wolfgang,das ist die Wahrheit, aber meines Wissens ist Draghi nicht für ewig gewählt u,es könnte dann trotzdem irgendwas ändern.Zu Schulden ,die wie jeder wenig informierte Bürger weiss nie zurückbezahlt werden sind eben nur Zeitkauf d. h spätere Abschreibungen, weil man im Moment nicht bereit ist die Wahrheit zu sagen verschiebt man dieses Problem einfach in die Zukunft.Ich erinnere mich ,dass ein hochstehender Bänker einen Journalisten zusammengestaucht hat, weil der eben fragte ob man diese GR Kredite nicht als Abschreiber benennen könnte. Dass eben die Folgen diese bekannten Probleme ( die Zinsen tief halten) u.die Börsen weiter beflügeln geht unter keine Kuhhaut. ( BULLENHAUT)

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Aktienmärkte: Die Jungen entdecken die Aktie – und zocken

Ist die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie ein Trend – oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte?

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte haussieren, und das bleibt nicht ohne Folgen. Das Corona-Jahr 2020 mit Covid-19 hat viele Veränderungen ins Alltagsleben der Menschen gebracht. Zwangsläufig mit vielen Aktivitäten, die mit „Home“ beginnen. Auch hatte mancher Zwangsaufenthalt in den vier eigenen Wänden dafür gesorgt, dass viele und vor allem junge Privatanleger den Weg an die Aktienmärkte fanden. Angelockt durch zahlreiche Erfolgsmeldungen über die sozialen Medien, vermutlich initiiert durch die RobinHooder aus den USA. Ein Trend, der von Dauer ist?

Aktienmärkte: Corona und der Anstieg der Zahl der Aktionäre

Die Internetblase im Jahr 2000 und der folgende Jahrhunderteinbruch des Dax (- 72 Prozent) haben lange Jahre Spuren hinterlassen. Während es nach den Daten des Deutschen Aktieninstituts im Jahre 2001 noch 12,85 Millionen Aktionäre in Deutschland gab, pendelte der Wert seit Jahren nur noch an der 10-Millionen-Marke. 2019 war die Zahl der Anleger noch einmal zurückgegangen, 9,7 Millionen direkte Aktionäre in Deutschland.

Jetzt kam die Coronakrise, die einen Boom beim Aktienhandel durch die Privatanleger ausgelöst hat. „Retail Bros“, oder Handelsbrüder, hat die englische „Financial Times“ die neuen Anleger genannt. Seit Längerem gibt es eine „Crypto Bros“, das Pendant mit Kryptowährungen.

Der Trend, der aus den USA herüberschwappt

Der Name ist in der Finanzberichterstattung in aller Munde: Robinhood, ein ehemaliges Start-up aus Kalifornien, welches in den vergangenen Monaten einen Boom verstärkt hat. Der Broker hat bereits über 13 Millionen Kunden, von denen drei Millionen allein seit Anfang des Jahres bis Herbst dazu kamen. Bemerkenswert: Die Hälfte der neuen Kunden sind Aktienneulinge. Star der Szene ist David Portnoy, Inhaber des Sport-Blogs Barstool Sports, der mit seinen superoptimistischen Börsentweets (Aktien und Aktienmärkte würden immer steigen etc.) eine ganze Community antreibt. Hinzu kommt die Entwicklung zum nahezu kostenlosen Börsenhandel, durch E-Trade und Schwab weiter vorangetrieben. So haben manche Arbeitslose ihre 600 Dollar-Wochen-Schecks zum Zocken eingesetzt.

Der Anstieg der Online-Depots in Deutschland

Eine Studie von Comdirekt, Consorsbank und ING zeigte eine deutliche Zunahme der Zahl der Aktionäre unter 25 Jahren. Viele junge handeln auch auf Plattformen wie dem Handybroker Trade Republic. Kaufgebühren von einem Euro pro Trade oder gebührenfreie Sparpläne haben schon zu sechsstelligen Kundenzahlen geführt.

Auch die klassischen Onlinebroker profitieren davon. Konkret wurde die Comdirect, die mit 232.000 neuen Kunden innerhalb der ersten neun Monate vom größten Depot-Wachstum seit 20 Jahren spricht.

Der Vormarsch der Jungen

Wie bereits erwähnt, sind es vor allem die ganz jungen deren Interesse für die Aktienmärkte gewachsen ist, wie die Studie aufzeigt. Nach 26 Prozent, der unter 25-jährigen, die im vergangenen Jahr die Aktienanlage nutzen, sind es derzeit bereits 39 Prozent. Die Steigerung gegenüber 2017 beträgt sogar 22 Prozent. Aber auch bis zur Generation Ü 50 hat sich die Zahl der Aktionäre gesteigert. Was die Börsenplätze sicherlich erfreut, dürfte nicht unbedingt für die herkömmlichen Geschäftsbanken gelten. Denn der Drang zu Online- und Discountbrokern ist unübersehbar.

Ein schnelles Hin und Her

Noch etwas zeichnet die neue Generation Börsianer aus. Die Haltedauer von Aktien ist so kurz wie nie. In den USA lag diese im Sommer diesen Jahres gerade noch bei circa fünfeinhalb Monaten, im letzten Jahr hatte sie noch achteinhalb Monate betragen. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Aus Daten der New Yorker Börse zeigt sich, dass man vor dem Jahrhundertwechsel Aktien noch durchschnittlich 14 Monate im Depot vor einer Umschichtung beließ. Die Ausnahme:

Nach der Finanzkrise von 2008 wurde das bisherige Haltetief von sechs Monaten erreicht. Krisen beschleunigen anscheinend das Handeln von Wertpapieren.

Wie könnte es anders sein: Auch in Europa ist die gleiche Aktientendenz zu beobachten. Hier ging den Erhebungen zufolge die Haltedauer von Aktien von sieben Monaten zum Jahresende 2019 sogar auf weniger als fünf Monate zurück.

Kein Vergleich mit dem Verhalten des Langfristinvestors Warren Buffett, der seinen Titeln bisher im Schnitt 11 Jahre die Treue hält, auch folgt ein Teil der jungen Generation nicht dem Rat der ungarischen Börsenlegende Kostolany: „Aktien kaufen und dann schlafenlegen.“

Allerdings gibt es heutzutage auch den großen Trend zu langfristigen Sparplänen, monatliche Einzahlungen kleinerer Investmentsummen für die Altersvorsorge. Beides wurde möglich durch eine ganz andere Gebührenstruktur. Zocken zum Nulltarif, nicht nur bei Aktien und Optionen, selbst bei Staatsanleihen oder Junk-Bonds hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Papiere deutlich erhöht.

Wird das eine erhöhte Rendite bringen? Vielleicht kurzfristig im besonderen Jahr 2020. Ältere Börsenexperten sind davon überzeugt, dass die Masse der Anleger durch das Hin und Her auf keine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr kommen wird. Das Ergebnis sollte Volatilität sein, also ein größeres Auf und Ab in den Märkten mit Vielen, die teuer kaufen und dann billig wieder aussteigen.

Fazit

Ist es ein Trend in Deutschland, die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie, oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte mit dem Vergleich zur Internetblase des Jahres 2000? Damals gab es es Tausende von neuen und noch unerfahrenen Daytradern, die glaubten mit dem raschen Handel reich werden zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur Gegenwart. Damals warf eine 10-jährige Bundesanleihe fast noch das ganzen Jahr über Renditen von über fünf Prozent ab, selbst Lebensversicherungen waren noch attraktiv. Anders die Gegenwart. Wie soll langfristig ein Kapitalstock aufgebaut werden in dem jetzigen Zinsumfeld? Bei einem vermutlich noch länger anhaltenden Zustand der finanziellen Repression. Selbst wenn die Zinsen über die 0-Prozent-Marke stiegen, wäre dies wahrscheinlich einer gestiegenen Teuerungsrate geschuldet.

Es ist also mehr als notwendig, sich mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen, nicht so sehr mit Hebelprodukten auf Tesla oder FANGMAN-Aktien, sondern eher mit langweiligen Sparplänen. Nach dem wundersamen Jahr 2020 mit den vielen Home-Aktivitäten (Home Office, Home Schooling, Home Shopping, Home Banking) sollte es beim aggressiven Home Trading der RobinHoodies zunächst einmal einen schmerzhaften Ausleseprozess geben.

Die Jungen entdecken die Aktienmärkte

 

 

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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