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Griechenland: Zurück am freien Schuldenmarkt, und dazu noch die harte Statistik-Wirklichkeit der Volkswirtschaft

Griechenland hat gestern mit einer Laufzeit von sieben Jahren Anleihen im Volumen von drei Milliarden Euro verkauft. Damit ist man zurück am freien Schuldenmarkt! Die Rendite der Investoren für diese Emission liegt bei...

FMW-Redaktion

Griechenland hat gestern mit einer Laufzeit von sieben Jahren Anleihen im Volumen von drei Milliarden Euro verkauft. Damit ist man zurück am freien Schuldenmarkt! Die Rendite der Investoren für diese Emission liegt bei 3,5%. Zum Vergleich: Deutschland hat diese Woche Papiere mit 10 Jahren Laufzeit verkauft, und zahlt nur eine Rendite von 0,69%. Das zeigt das immer noch enorm große Gefälle im Vertrauen der Anleger gegenüber den verschiedenen Staaten.

Wie man aus Finanzkreisen hört, war die Nachfrage der Investoren drastisch größer als das Angebot von drei Milliarden Euro. Die Regierung zeigt sich stolz, dass man auch unter solch schwierigen Bedingungen (Börsenturbulenzen diese Woche) in der Lage sei Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Frage unsererseits: Warum tun die Anleger das, sieben Jahre lang Griechenland Geld leihen, und nicht wissen, ob man es zurück erhält? Denn wer weiß schon, wie sich die politische Lage im Land in dieser langen Zeit ändert!

Aussagen von Bankern zeigen das wahre Bild. Niemand glaubt wirklich an eine wiederauferstandene gesunde griechische Wirtschaft. Es ist viel mehr die Suche und die Gier nach Rendite (3,5% für 7 Jahre ist natürlich eine tolle Sache). Gleichzeitig ist es das Wissen um die große Wahrscheinlichkeit, dass die Euro-Partner Griechenland auch in Zukunft immer wieder raushauen werden bei Problemen. Schließlich hat man mit dem aktuellen 86 Milliarden Euro-Rettungsprogramm jetzt drastisch mehr Außenstände gegenüber Griechenland. Und die will man ja sicher nicht gefährden, in dem man bei der nächsten Krise keinen erneuten Anschlusskredit mehr gibt! Oder?

Arbeitslosigkeit stagniert

Die Arbeitslosigkeit in Griechenland (saisonal angepasst) lag 2013 im Hoch noch bei 27,6%, und nach neusten Daten liegt sie „nur noch“ bei 20,9%. Tatsächlich dürfte sie ohne statistische Schummeleien viel höher liegen, aber immerhin ist nach fünf Jahren ein gewisser Rückgang erkennbar. Doch wer ganz rechts im Chart guckt, sieht jüngst eine Stagnation. Auch was reden wir da… offizielle 20,9% (tatsächlich vielleicht 30%?) sind immer noch eine Katastrophe! Und wenn so viele Menschen arbeitslos sind, kommen vielleicht nochmal so viele oben drauf, die als Teilzeitarbeiter oder Minijobber nur ein paar hundert Euro im Monat verdienen!

Wie die folgende Grafik zeigt: Die Zahl der tatsächlich beschäftigten Menschen (rote Linie) stagniert seit Monaten, und geht zuletzt sogar minimal zurück.

Konsum

Das Umsatzvolumen im Einzelhandel ist nach jüngsten Angaben im Jahresvergleich sogar um 1,7% rückläufig. Das ist gut nachvollziehbar bei anhaltend desaströsen ökonomischen Daten im Land.

Industrie

Die Industrieproduktion in Griechenland ist im Dezember im Jahresvergleich gerade mal um 0,2% gestiegen.

Mit Material von Elstat (griechische Statistikbehörde)



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