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Griechischer Prüfausschuss: Gläubiger-Forderungen „illegal“

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Ein vom Athener Parlament eingesetzter Prüfausschuss hat die Zahlungsforderungen der internationalen Gläubiger an Griechenland als „illegal“ eingestuft. Daher müsse Griechenland diese Schulden auch nicht bezahlen, so der Ausschuss. Die Aussagen des Prüfausschusses wurden gestern im Parlament diskutiert.

Der Prüfausschuss war zuvor von der dem linken Syriza-Flügel angehörenden Parlamentspräsidentin Zoé Konstantopoulou eingesetzt worden. Zu den Mitglieder des Ausschusses gehören auch internationale Experten aus dem Kommitte für den Erlass der Schulden der Dritten Welt (CADTM).

„Griechenland muss diese Schulden nicht bezahlen.“

Das ist die erstaunliche Schlussfolgerung des Berichts der Kommission. Der Grund: die Gläubiger hätten „das europäische und internationale Recht mit Füßen getreten ebenso wie die Menschenrechte“. Dieses Vorgehene sei „schändlich (..) denn die Gläubiger und die Europäische Union haben ihre möglichen Folgen gekannt“ und „die Augen vor den Verletzungen der Menschenrechte verschlossen“.

Vielmehr, so der Ausschuss, hätten der IWF und die EU mittels Medien-Propaganda den Eindruck erweckt, es handle sich bei Griechenlands Schulden um Staatsschulden „und nicht um private Schulden (..) Das war ein ausgezeichnetes Mittel, um eine Sparpolitik in Griechenland einzuführen“.

Wie bitte? Keine Staatsschulden? Sind die Kredite der Gläubiger etwa an Privatpersonen geflossen, und nicht an den griechischen Staat? Sehr seltsame Logik! Nach dieser Logik könnte im Prinzip jeder Schuldner seine erhaltenen Kredite als „illegal“ bezeichnen und die Rückzahlung verweigern. Aber wie auch immer: der Ausschuss will den EX-EZB-Chef Trichet und den ehemaligen IWF-Chef Strauss-Kahn um eine Stellungnahme bitten. Wir sind sicher: die werden den Schlussfolgerungen des Ausschusses hymnisch zustimmen!

Fakt ist: das Geld der Gläubiger ging an den griechischen Staat, der daraufhin seine Bürokratie aufblähte und von diesen Geldern alimentierte. Davon haben viele profitiert: das einlaufende Geld wurde von den Begünstigten ausgegeben, wodurch auch Teile der griechischen Gesellschaft profitierten. Eine klassische Vettern- und Klientelwirtschaft, die wunderbar schon in dem Comic „Asterix bei den Olympischen Spielen“ persifliert wird: jeder hat einen Cousin, der diese und diese Leistung erbringen könne, man kennt sich eben. Klar ist: die ohnehin Priveligierten machten sich die Taschen voll, andere gingen leer aus. Die Machtübernahme von Syriza ist die Machtübernahme der leer Ausgegangenen – deren Wut verständlich und nachvollziehbar ist! Es sind diese Menschen, die Syriza gewählt haben, auch wenn sie nicht mit allen politischen Zielen der Partei einverstanden waren und sind.

Endlich Verantwortung übernehmen!

Abschließend noch einmal die Parlamentspräsidentin Konstantopoulou: sie meint ofenkundig, dass die Probleme Griechenlands vom Verhalten der Nazis, also der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs aussgelöst worden sind und nichts mit den Griechen zu tun hätten:

„Obwohl es sich um während der Besatzung von den Nazis verübte Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelte, haben es die anderen Länder akzeptiert, darüber hinwegzugehen. Und jetzt sollten die Griechen in die Knie gehen, um Schulden zu bezahlen, die nicht die ihren sind, und die nicht im Zusammenhang mit internationalen Verbrechen stehen?“

Dass Deutschland sich geweigert hat und weigert, Reparationen für diese Verbrechen zu bezahlen ist schändliches Unrecht, keine Frage. Aber es ist nicht die Ursache der heutigen Probleme Griechenlands. Es wäre wünschenswert, wenn führende Syriza-Politiker nicht ständig die Schuld bei anderen suchten, sondern sich endlich auch einmal an die eigene Nase fassen! Zufall oder nicht: kein anderes Land in Europa hat so viele Staatsbankrotte hingelegt wie Griechenland. Das ist die Folge einer verbreiteten Mentalität, die schon darin zum Ausdruck kommt, dass Steuerflucht eher ein Kavaliersdelikt ist in der griechischen Gesellschaft. Und diese Mentalität hat sich historisch ausgebildet, als das griechische Volk jahrhundertlang unter der Knute des Osmanischen Reiches stand. Aber diese Zeit ist lange vorbei – jetzt muss sich in den Köpfen etwas ändern. Es ist hohe Zeit, Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Westwood

    19. Juni 2015 12:09 at 12:09

    Das ist wie 1945 vom „Endsieg“ zu träumen^^

  2. Avatar

    J

    19. Juni 2015 12:21 at 12:21

    Gut gebrüllt, Löwe!

    Herzlichst
    J.

  3. Avatar

    joah

    19. Juni 2015 12:28 at 12:28

    „Nach dieser Logik könnte im Prinzip jeder Schuldner seine erhaltenen Kredite als „illegal“ bezeichnen und die Rückzahlung verweigern.“

    Auch wenn es mit dieser grieschichen Logik nicht ganz richtig ist, man kann jeden – ich wiederholde: JEDEN – Kredit rechtlich für (größtenteils) unwirksam im Nachhinein erklären lassen. Das wissen leider nur die wenigsten. Es muss lediglich die Schadenshöhe ermittelt werden und diese beträgt lediglich den anteiligen Prozentsatz + kleinere Bearbeitungsgebüren des geliehenen Geldes von der jeweiligen Geldschöpfungsquelle (Zentralbank). Der Restanteil des Kredites ist zusätzlich aus dem Nichts geschöpft worden und somit kann einem „Nichts“ auch kein Schaden zugeordnet werden. Rechtlich sauber und schon mehrfach gerichtlich per Urteil bestätigt.

    Es könnte letztendlich nur zur Folge haben, das man bei dem entsprechenden Kreditinstitut dann zukünftig einfach nie wieder einen Kredit bekommt – verweigern dürfen sie. Man sollte ferner dann vielleicht außerdem der Schufa verbieten, weiterhin Daten zu erfassen und den Rest rückstandsfrei zu löschen.

  4. Avatar

    Hinterfrager

    19. Juni 2015 14:44 at 14:44

    Dumm nur, dass man dabei doch glatt vergessen hat, den Euro in Hellas für illegal zu erklären! Schließlich ist der Beitritt zur Eurozone doch erst durch griechische Zahlentricksereien, die man u.a. mit Hilfe ausgebuffter Goldmänner über lange Zeit verstecken konnte, überhaupt erst möglich geworden. Ein Eurobeitritt auf Basis schwerer Täuschung = Vertrag rechtswidrig, da nicht auf sauberer Grundlage zustande gekommen = illegal…

    • Avatar

      joah

      19. Juni 2015 15:28 at 15:28

      „schwere Täuschung“? Nein, es war einfach „geänderte Bilanzierung“: man hat damit die Schulden in die Zukunft verschoben und die türmen sich nun (schon seit einer Weile) untragbar hoch auf – war absehbar, somit mutwillig: ja.

      Die Gegenseite (EU) hat aber auch vertraglich bewusst darauf verzichtet eine solche Bilanzprüfung durchzuführen, da man seinen Partnern im geschäftlichen Sinne (= Firma zu Firma; B2B) – nichts anderes ist das hier – grundlos vertraut.

      Es gibt immer den Bescheißer, und den noch Dümmeren, der sich bescheißen lässt.

  5. Avatar

    Berger

    21. Juni 2015 20:57 at 20:57

    Wenn Deutschland Reparationen bezahlen soll, warum spricht keiner über England und Italien?
    Man sollte mal nach Geschichtsbücher greifen die vollständig sind. Z.B. der Große Wendig! Darin liest man, dass Italien in Griechenland im 2. WK einmarschierte und von den Engländern u. Griechen bis nach Jugoslawien zurückgeschlagen wurden. Im Rahmen der Bündnispflicht jagte die Wehrmacht die Engländer aus Griechenland. Sehr nennenswert ist der Fallschirmjägerangriff auf Kreta. Und wenn aufgerechnet werden soll, dann sollten ALLE eine Quittung erhalten. Dazu sollten endlich von den Siegermächte die Archive geöffnet werden. Warum wenden sich die Griechen. Nicht auch an England und Italien??

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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