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Griechisches Finanzministerium löscht Brief an ESM – was ist da los? Wir haben den Originaltext

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Gestern hat Griechenland dem ESM einen Hilfsantrag geschickt. Das Dokument war bis vorhin auf der Webseite des griechischen Finanzministeriums einzusehen. Jetzt aber nicht mehr. Die URL ist tot, und auch auf der Newsübersicht fehlt jeder Hinweis zu dem Brief. Aber wir haben uns den Originaltext noch rechtzeitig gesichert. Was ist da los? Gibt es in dem Text etwas zu lesen, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war?

In dem Brief verweist man auf das Risiko, dass für Griechenland und für die Eurozone als Ganzes bestehe. Das muss man schreiben, sonst gibt es keinen Anspruch auf Hilfe. Man will einen Kredit über drei Jahre, und will das Geld benutzen um andere Schuldenverpflichtungen zu bezahlen, sowie das Finanzsystem zu stabilisieren.

Hat das Finanzministerium den Brief wieder entfernt, weil es zu peinlich war, dass in dem Schreiben keine Summe genannt wurde? Oder weil man es peinlich gegenüber den NEIN-Wählern findet, dass man genau das tut, was man nicht mehr wollte, nämlich neue Kredite aufnehmen, und das Geld in das Finanzsystem pumpen und nicht in die Menschen? Griechenland verspicht in dem Brief auch alle offenen Forderungen von Gläubigern zu bedienen, also kein Schuldenschnitt. Sollte all das niemand schwarz auf weiß lesen? Was war das NEIN-Votum vom letzten Sonntag dann wert? Hat man zu viel versprochen? Wir lassen diese Fragen mal offen im Raum stehen. Selbst wenn der Brief nur aus technischen Gründen derzeit nicht abrufbar ist, ist mehr als verwunderlich, dass er auch von der Hauptseite verschwunden ist…

ESM-Antrag Vorschau verschwunden
Auf der Newsseite des Finanzministeriums war vor Kurzem mit Datum 08.07.2015 noch eine Vorschau auf den Brief an den ESM zu finden. Jetzt ist davon nichts mehr zu finden.

Antragsbrief an ESM URL tot
Die URL des Antragsbriefs ist tot.


Hier der Text im Original:

Dear Chairperson and Managing Director

On behalf of the Hellenic Republic (“the Republic” or “Greece”),
I hereby present a request for stability support within the meaning of Article s
12 and 16 of the ESM Treaty given the risk to the financial stability of Greece as a member state and of the euro area as a whole.

Specifically, Greece seeks from the ESM a loan facility (“Loan” or “Program me”) with an availability period for three years in accordance with the conditions provided in Article 13 of the ESM Treaty and in Article 2 in the Guideline of Loans. The Loan will be used to meet Greece’s debt obligations and to ensure stability of the financial system. Consistent with the principles of this medium to long term Program me, the Republic is committed to a comprehensive set of reforms and measures to be implemented in the areas of fiscal sustainability, financial stability, and longterm economic growth.

Within the framework of the Programme, we propose to immediately
implement a set of measures as early as the beginning of next week including:
• Tax reform related measures
• Pension related measures

We will also include additional actions that the Republic will undertake to further strengthen and modernize its economy. The Greek government will on Thursday 9 July at the latest set out in detail its proposals for a comprehensive and specific reform agenda for assessment by the three Institutions to be presented to the Euro Group. In addition to the above, it is the expressed goal by the Greek government that by the end of the availability period of the Loan or earlier, it regains full and affordable market financing to meet its future funding requirements as well as sustainable economic and financial situation.

As part of broader discussions to be held, Greece welcomes an opportunity to explore potential measures to be taken so that its official sector related debt becomes both sustainable and viable over the long term. Greece is committed to honor its financial obligations to all of its creditors in a full and timely manner.

We trust Member States appreciate the urgency of our Loan request at this time given the fragility of our banking system, our shortage of available liquidity, our upcoming obligations, our buildup of internal arrears, and our expressed desire to clear our outstanding arrears with the IMF and the Bank of Greece.

We reiterate the Greece ’s commitment to remain a member of the Eurozone and to respect the rules and regulations as a member state. We look forward to your favorable and timely consideration of our request.

For avoidance of doubt, this letter supersedes our previous request letter dated 30 June 2015.

Yours faithfully,
Minister of Finance

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    joah

    9. Juli 2015 19:20 at 19:20

    „government shutdown“ ;-)
    (nein: Link funktioniert wieder)

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Battery Day und Tesla: Live-Kommentar zum Event

Markus Fugmann

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Elon Musk hatte den „Battery Day“ im Vorfeld als „einer der aufregendsten Tage der Tesla-Geschichte“ bezeichnet, gestern jedoch die Erwartungen in einem Tweet deutlich gedämpft – die Tesla-Aktie daher heute mit 5% im Minus.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, kommentiert den Battery Day live ab 22.15Uhr

:

Live-Kommentar zum lange erwarteten Battery Day von Tesla

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Gabor Steingart: „Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt“

Claudio Kummerfeld

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am

Gabor Steingart redet Klartext im folgenden aktuellen Video-Interview mit Mission Money. Er spricht von der Ausbeutung einer Zukunft, die es noch gar nicht gibt, von einer Zinsknechtschaft von noch Ungeborenen. Die heutige Politik erkaufe sich mit der Druckerpresse Ruhe in der Bevölkerung, so lautet eine der Hauptthesen von Gabor Steingart (hier geht es zu Steingarts Morning Briefing).

Gemeint ist damit, dass (so wollen wir es formulieren) Notenbanken und Regierungen derzeit ohne Ende neues Geld drucken und die Staatsverschuldung hochschrauben. Damit werden Rettungspakete bezahlt, die zukünftige Generationen als Schuldenlast erben, und dann abbezahlen müssen. Mit diesem jetzt frisch erschaffenen Geld würden alte Industrien gerettet. Und das nun zwei Jahre laufende Kurzarbeitergeld sei de facto ein Bedingungsloses Grundeinkommen, so drückt es Gabor Steingart aus.

Gabor Steingart plädiert für Abkehr von alten Industrien, und für Aufbruch in die Zukunft

Im geht es im Interview hauptsächlich darum, dass es einen Art Aufbruch in Politik und Gesellschaft geben müsse. Denn derzeit rette Deutschland seine Industrie aus dem letzten Jahrhundert. Man müsse aber in Zukunftstechnologien investieren. So plädiert Gabor Steingart unter anderem dafür die Bildungsausgaben zu verfielfachen. Anfangen könne man zum Beispiel bei deutlich mehr Ausgaben für die Digitalisierung der Schulden. In diesem Zusammenhang erwähnt er, dass die Lufthansa vom Staat gerade 2 1/2 Mal so viel Rettungsgeld bekommen habe als die Schulen in Deutschland für die Digitalisierung.

Die Aussagen von Gabor Steingart sind hochinteressant! Sie sollten sich die 30 Minuten Zeit nehmen. Auch werden im späteren Verlauf des Interviews andere interessante Themen angesprochen, und auch der „Wandel von Journalisten hin zu Aktivisten“. Aber hauptsächlich widmet man sich der bislang verspielten Chance, jetzt massiv in die Zukunft zu investieren. Dabei gibt er sich betont optimistisch, dass Deutschland diese Herausforderung bewältigen könne – man müsse nur endlich mal losgehen, jemand müsse den Startschuss geben.

Gabor Steingart
Gabor Steingart, Ausschnitt aus Originalfoto. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Coronakrise: Die Deutschen entdecken plötzlich Aktien!

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Ziemlich genau ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Coronakrise die Aktien auf ihren tiefsten Stand drückten. Anschließend folgte mit einem Lockdown ein einmaliger Stillstand im Berufs- und Alltagsleben der Menschen in Deutschland. Die Konsumenten gaben zwangsläufig weniger aus als vor der Coronakrise, auch unter Berücksichtigung des geringeren Einkommens seit dieser Zeit. Was sie mit ihrem Geld anstellten, ergab eine Umfrage im Auftrag der Postbank – mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

Coronakrise: Die Zurückhaltung der Konsumenten

Wie veränderte die Coronakrise das Konsumverhalten der Deutschen? Dieser Frage ging das Marktforschungsunternehmen Kantar im Auftrag der Postbank nach. Die Ergebnisse:

Drei Viertel der Bundesbürger gaben weniger aus als zuvor, am meisten – 82,4 Prozent die 20 bis 29-Jährigen, die geringste Zurückhaltung bei den über 60-Jährigen mit 64,2 Prozent.
Da aber insgesamt die Einkommenseinbußen im Lande aufgrund von Zuschüssen, Kurzarbeitergeld u.a. moderat ausfielen, muss Geld gespart worden sein. Und zwar bei diesen Ausgaben:

  • Urlaub 46,2 Prozent
  • Gaststättenbesuche 39,6 Prozent
  • Hobby 31,7 Prozent
  • Mode 28,1 Prozent …..

Am geringsten waren die Sparmaßnahmen bei:

  • Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten) 14,1 Prozent
  • Lebensmitteln 7,2 Prozent
  • Altersvorsorge 6,5 Prozent

Damit verbleibt ein Viertel der Bevölkerung, welches keine Ausgabenänderungen durchgeführt haben.

Wohin floss das Eingesparte?

Bei der Betrachtung der Sparziele treten doch einige Tugenden der Deutschen zu Tage – auch und gerade während der Coronakrise. Bei den Sparzielen nannten die Befragten:

  • Rücklagen für unerwartete Ausgaben 39,5 Prozent
  • Altersvorsorge 36,6 Prozent
  • Persönliche Muße 31,6 Prozent
  • Rücklagen für Krisenzeiten 28,9 Prozent
  • Erwerb von Wohneigentum 12,5 Prozent
  • Renovierungen 12,0 Prozent
  • Autokauf 11,6 Prozent
  • Rücklagen für Kinder 10 Prozent
  • Fast 13 Prozent konnten oder wollten überhaupt nichts zurücklegen.

Die Überraschung: Engagement in Aktien

Um diese Ziele wie Altersvorsorge und Weiteres zu erreichen, haben viele Sparer ausgerechnet in der Coronakrise mit all den Katastrophe-Nachrichten ihr Engagement in Aktien verstärkt. 3,2 Prozent tätigten zum ersten Mal eine Anlage in Aktien, 7,2 Prozent verstärkten ihre Wertpapierkäufe. Wie bereits schon öfters berichtet, macht 2020 das Sparplanprinzip in Deutschland die Runde. Mit 62 Prozent war die Anlage in Aktien seit dem Ausbruch der Coronakrise das bevorzugte Investment, gefolgt von ETFs (39,8 Prozent), Investmentfonds (22,2 Prozent), Zertifikate (13,9 Prozent), ganz am Ende Anleihen und Optionsscheine. Sollten deutsche Anleger tatsächlich einmal antizyklisch ins Geschäft mit Aktien eingestiegen sein?

Fazit

Auch wenn das gesamte Finanzsystem in einer sehr angespannten Lage ist und man jederzeit mit heftigen Korrekturen rechnen muss (vor allem in den kommenden Jahren) ist die Fokussierung auf Aktien von neuen Anlegern vermutliche keine schlechte Entscheidung. Die finanzielle Repression läuft – und die Zinsen haben nach vier Jahrzehnten ihren Nullpunkt erreicht. Eine (Leit-)Zinsanhebung ist aus faktischen Gründen auf lange Zeit obsolet und Zinsanlagen ergeben (gewollt) keine Rendite.

Aber die Wirtschaft muss weiter laufen, wie nach jeder Krise – und viele Aktien werden ihren Wert behalten, viele Anleihen dagegen nicht. Keiner hat eine Glaskugel. Aber ohne Wirtschaft, keine Einkommen, keine Steuereinnahmen, kein funktionierender Staat und ……kein Aktienmarkt. Banal aber wahr.

In der Coronakrise entdecken die Deutschen plötzlich Aktien

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