Europa

Großbritannien: Importierte Inflation explodiert

Vor dem Einschwenken auf die Zielgerade Richtung Brexit explodiert die importierte Inflation in Großbritannien. Das erkennt man in heute offiziell veröffentlichten Daten zu den Erzeugerpreisen von importierten Waren. Nach +5,6% im April steigen sie im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um satte 9,2%. Selbst im Monatsvergleich von April auf Mai steigen sie um 2,8% (von März auf April +0,6%) – das in nur einem Monat, das ist ein wahnsinniger Anstieg!

Die Erzeugerpreise sind ein Frühindikator für die Verbraucherpreise (Inflation), weil sie ja erst über die Verwertungskette (Produzenten / Großhandel / Einzelhandel / Endverbraucher) weitergereicht werden müssen. Das dauert einige Zeit. Von daher kann den Verbraucherpreisen in Großbritannien in einigen Monaten ein deutlicher Anstieg ins Haus stehen, da die Insel einen großen Teil ihres Konsums importieren muss.

Die heute veröffentlichen Verbraucherpreise steigen im Mai um 2,4% im Jahresvergleich. Die Kernrate steigt wie erwartet um 2,1%. Damit liegt man schon längst über dem Inflationsziel der Bank of England von 2,0%. Die Einzelhandelspreise sind im Mai um 3,3% gestiegen nach 3,4% im April. Bisher haben die Notenbanker alle drei Augen zugedrückt – steigende Zinsen würden nämlich die Konjunktur abwürgen. Und genau so etwas möchte man ja im Zuge des Brexits vermeiden.

Der Leitzins der Bank of England wurde zuletzt am 2. November 2017 von 0,25% auf 0,50% angehoben. Seitdem hängt man auf diesem Niveau und hofft, dass die Inflation nicht weiter ansteigt. Euro vs britisches Pfund ist seit der heutigen Datenverkündung leicht angestiegen um 25 Pips (aktuell 0,8815). Das Pfund ist also leicht schwächer. Müsste es nicht eigentlich stark ansteigen, weil die Import-Erzeugerpreise auf einen drastischen Inflationsdruck hindeuten? Nein, die Forex-Trader sehen heute offenbar nur, dass die offizielle Inflationsrate wie gesagt bei +2,4% lag – allgemeine Erwartungen lagen leicht höher bei +2,5%. Also wirkt ja erstmal alles total friedlich und ruhig an der Inflationsfront in Großbritannien – aber nur auf den ersten Blick!



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