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Großbritannien: größtes Handelsbilanzdefizit, 7% des BIP!

FMW-Redaktion

Großbritannien hat, das zeigen heute Vormittag veröffentlichte Daten, im vierten Quartal das größte Handelsbilanzdefizit eingefahren, seit die Daten aufgezeichnet werden (also seit 1955). So betrug das Handelsbilanz-Defizit 32,7 Milliarden Pfund, das entspricht satten 7% des britischen BIP und übertraf die Prognosen deutlich! Im dritten Quartal des Vorjahres hatte das Defizit noch lediglich 5,1% des BIP betragen.

Das hohe Defizit ist eine Folge stagnierender Exporte, gleichzeitig haben britische Firmen im Ausland weniger Geld verdient. Dabei zeigen die Daten eine Verstärkung des ohnehin bestehenden Trends: so legte der Dienstleistungssektor um weitere 0,8% zu, während die Industrieproduktion um weitere 0,4% abnahm. UK ist damit weiter auf dem Weg zur Deindustrialisierung!

Insgesamt zeigen sich ungesunde Entwicklungen: so stiegen die Ausgaben der Haushalte um 0,6%, aber die Business-Investitionen sanken um 2%. Dabei sanken auch die Realeinkommen der Briten um 0,6%, sodass auch die Sparrate auf ein neues historisches Tief von 3,8% fällt – zumal die Verschuldung der britischen Konsumenten stetig steigt.

Insgesamt lag das BIP im vierten Quartal bei 0,6% und damit etwas höher als in der ersten Veröffentlichung (0,5%). Im Februar, das zeigen Daten aus der britischen Industrie, hat sich das Wachstum weiter verlangsamt – vermutlich aufgrund der Unsicherheit, ob es zu einem Brexit kommen wird. Vor allem die zurück gehenden Investitionen deuten auf eine zunehmende Vorsicht bei ausländischen Investoren. Darunter leidet auch das britische Pfund, das das schwächste Quartal seit dem Jahr 2009 verzeichnen wird. Die Terminmärkte halten – auch angesichts der Brexit-Debatte – inzwischen eine Zinssenkung für wahrscheinlicher als eine Zinsanhebung, die die Bank of England häufig angekündigt, aber nicht realisiert hat.

Die britische Wirtschaft, das machen die Daten einmal mehr klar, kommt immer mehr aus dem Gleichgewicht. Um das gigantische Handelsbilanzdefizit finanzierbar zu machen, braucht UK den Zufluß ausländischen Kapitals, das sich derzeit jedoch angesichts der Möglichkeit eines Brexits verunsichert zeigt. Sollte UK aus der EU ausscheiden, müssten neue Handelsvertäge mit der EU geschlossen werden, was erfahrungsgemäß Jahre dauert. Das wiederum würde Auslandsinvestitionen negativ beeinflussen, womit die Tragfähigkeit des britischen Defizits mehr und mehr in den Fokus geriete.



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2 Kommentare

  1. Nach dem Motto „traue nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast“, sollte man sich fragen: Wem nützen diese Zahlen angesichts der bevorstehenden Brexit-Abstimmung? Soll hier dem Wahlvolk Angst eingeträufelt werden, damit der Schritt in die Unabhängigkeit von der Bevormundung aus Brüssel als düstere Zukunft dargestellt wird?
    Ich wünsche der Briten, dass sie ihre Freiheit wählen und der verrottenden, zentralistischen Bürokratie aus Brüssel die Rote Karte zeigen!

    1. Nach dem Motto „traue nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast“, sollte man sich fragen: Wem nützen diese Zahlen angesichts der bevorstehenden Brexit-Abstimmung? Soll hier dem Wahlvolk Angst eingeträufelt werden, damit der Schritt in die Unabhängigkeit von der Bevormundung aus Brüssel als düstere Zukunft dargestellt wird?
      Ich wünsche der Briten, dass sie ihre Freiheit wählen und der verrottenden, zentralistischen Bürokratie aus Brüssel die Rote Karte zeigen!

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