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Europa

Großbritannien: Handelsbilanzdefizit zur EU auf Allzeithoch – wer soll das bezahlen nach dem Brexit?

Defizit bei Waren steigt weiter, Pfund-Crash hat Export nicht geholfen, Kapitalflucht aus UK zu erwarten..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es ist ja ein interessantes Phänomen, dass die beiden Länder Europas mit dem größten Handelsbilanzdefizit, Großbritannien und die Türkei, sich am weitesten von der EU entfernen derzeit. Die einen durch den Brexit, die anderen durch eine Hinwendung zum Islamismus mit totalitären Zügen.

Volkswirtschaftlich für uns bedeutsamer aber ist das, was in Großbritannien passiert. Und hier zeigen heute Vormittag veröffentlichte Daten des Office for National Statistics, dass das Handelsbilanzdefizit Großbritanniens zur EU im August auf ein neues Allzeithoch gestiegen ist! So lag das Defizit der Briten im Handel mit der EU im August bei 8,356 Milliarden Pfund – im Juli (also schon nach dem Brexit-Votum und dem damit verbundenen Pfund-Crash) waren es noch 7,282 Milliarden Pfund gewesen. Gegenüber der Nicht-EU liegt das Defizit im August bei -3,756 Milliarden Pfund (Juli noch bei -2,224 Milliarden Pfund).

Insgesamt stieg das Handelsbilanzdefizit der Briten im August auf 4,733 Milliarden Pfund (Juli noch -2,203 Milliarden Pfund). Frappierend ist vor allem, dass das Defizit bei Waren („goods“) noch größer geworden ist: im August mit einem Minus von 12,112 Milliarden Pfund, im Vormonat Juli waren es „nur“ 9,506 Milliarden Pfund.

Leicht vergrößert hat sich dagegen der Überschuß der Briten bei Dienstleistungen, von +7,3 Milliarden Pfund im Juli auf nun +7,4 Milliarden Pfund. Damit haben sich also die Ungleichgewichte noch vergrößert: UK exportiert noch etwas mehr Dienstleistungen als ohnehin schon, aber importiert deutlich mehr Waren als ohnehin schon.

Wer nun glaubt, dass seit dem Brexit und dem deutlich schwächeren Pfund der Export der Briten boomen würde, irrt sich: so fielen die Exporte der Briten zwischen Mai und August 2016 um 200 Millionen Pfund! In der Summe exportieren die Brexit-Briten sogar etwas weniger als zuvor, trotz ihrer extrem schwachen Währung.

Das heißt: bislang hat UK keine Vorteile aus seiner gecrashten Währung ziehen können, während gleichzeitig das Defizit vor allem mit der EU und vor allem bei Waren weiter nach oben schießt. Um dieses Defizit zu refinanzieren, braucht UK also zwingend Kapitalzufluß – aber der dürfte ausbleiben, schon aus Sorge um einen weiteren Pfund-Verfall sowie aufgrund der gestiegenen Furcht vor einem harten Brexit und der damit verbundenen Unsicherheit, wie das Verhältnis zwischen UK und EU gestaltet werden wird!

All das deutet daraufhin, dass nun eine Flucht ausländischen Kapitals aus UK einsetzen wird – und damit wird das Defizit im Grunde untragbar. Die Briten stehen vor schweren Zeiten, mithin ist sogar ein ökonomischer Kollaps nicht ausgeschlossen!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    gerd

    7. Oktober 2016 13:26 at 13:26

    Da muss wahrscheinlich der J – Effekt berücksichtigt werden. Der kann einige Monate anhalten.
    Zunächst geht der Export/(Außenhandelsbilanz) noch runter bevor er kräftig ansteigt – in Preisen gerechnet.
    U.a., weil ja die Pfundabwertung auch dazu führt, dass für die eingeführten (z.B, Dollar-)Produkte mehr Pfund hingeblättert werden müssen.

    Aber WIKIPEDIA kann den J-Kurven Effekt viel besser erläutern als ich.

  2. Avatar

    bauer

    7. Oktober 2016 13:28 at 13:28

    Der Pleitegeier kreist über DE,so ist das,wenn man im Haifischbecken mitschwimmen will!

    • Avatar

      bauer

      7. Oktober 2016 13:31 at 13:31

      Falscher Traed

  3. Avatar

    m.d

    7. Oktober 2016 13:44 at 13:44

    Man kann sagen was man will gegen diese „Rosinenpicker“ bei einem Punkt schätze ich Sie. Und zwar haben Sie keinen Traditionsverlust. Sie verstehen es Moderne mit Tradition zu vereinen, das was wir Deutschen nicht schaffen. Bei uns wird jede Modernisierung der Gesellschaft mit Traditionsverlust bezahlt. Und es wird gewollt verursacht.
    Und die Türkei ist genauso, in den letzten Jahren seit die AKP an der Macht ist saugen wir moderne auf und versuchen ohne größeren Traditionsverlust, es in unser Alltagsleben zu akzeptieren. Der Islam war und wird immer eine große Rolle spielen.
    Die Moscheen werden immer gefüllt sein mit Menschenmassen.
    Wenn wir Deutschen es nicht schaffen, die Kirchen wieder zu besuchen und und Glauben an Gott nicht noch mehr zu verlieren dann sehe ich die Entwicklung in der deutschen Gesellschaft Rabenschwarz entgegen.

    • Avatar

      Sabine

      8. Oktober 2016 17:13 at 17:13

      Ich finde es sowieso primitiv, die Türkei mit Schlagwort „Diktatur“ abzustempeln. Mein Kollege ist Türke und der erzählt, daß die Diktatur von Gülen ausgeht. Er hat ein Netzwerk von Gebildeten aufgebaut, und will unabhängig von der Regierung agieren. Da die Usa da mitdrinhängen, ist der Gegner Gülens natürlich gleich ein Diktator, Folterer, Nazi usw.

      ————————
      Ceterum censeo:
      http://www.finews.ch/news/finanzplatz/23451-marc-faber-brexit-dominoeffekt
      „EU esse ad delendam.“

  4. Avatar

    m.d

    7. Oktober 2016 13:57 at 13:57

    Und schaut euch mal einen Verdienst von einer Altenpflegerin an. Wir haben hier zwischen 800 – 1200 Euro Netto. In Land der Rosinenpicker verdient so eine Frau 3000 – 3500 Euro.
    Vergleicht auch mal Rosinen mit Rosinen nicht Rosinen mit faulen Eiern. :)

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