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Viele Briten nutzen Vorkasse für Energie Großbritannien: Millionen Briten ohne Strom und mit kalter Wohnung

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Nicht nur in Deutschland fürchten viele Menschen, sich nach den Preiserhöhungen für Strom und Gas bald in eienr klaten Wohnung zu sitzen – das Problem ist aber besonders eklatant in Großbritannien. Zwar greift auch die britische Regierung den Konsumenten unter die Arme, aber lange nicht in dem Umfang, mit dem das in Deutschland durch die Strompreisbremse und Gaspreisbremse passiert. Vor allem weniger wohlhabende Briten leiden zudem an einer noch höheren Inflation (11,1%) als in Deutschland, zudem werden Lebensmittel wie Eier nicht zuletzt durch die Folgewirkungen des Brexit knapp (so etwa Eier).

Großbritannien: Millionen bald ohne Strom und Heizung?

Wie Bloomberg nun berichtet, bahnt sich mit der Aussicht auf unerschwingliche Gas- und Strompreise in Großbritannien ein soziales Drama im Stillen an: Mehr als zwei Millionen der schwächsten Haushalte des Landes, die ihre Energie über Guthabenkarten freischalten, könnte in diesem Winter das Geld ausgehen, so dass sie unbemerkt von Staat und Versorgungsunternehmen in kalten Wohnungen ohne Strom sitzen.

Damit könnte es auch zu einer Welle von Erkältungskrankheiten und Todesfällen kommen, warnte Bill Bullen, Gründer des Versorgers Utilita Energy. Er hat der britischen Regierung einen Bericht vorgelegt, in dem er die Branche unter anderem auffordert, alte Guthaben-Stromzähler gegen moderne Smart Meter auszutauschen. Nur so könne erkannt werden, wenn jemand ein akutes Energieproblem hat.

“Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass es heute noch alte Zähler gibt, es sei denn, der Kunde hat einen intelligenten Stromzähler abgelehnt”, erklärte Bullen, dessen Unternehmen 750 Haushalte befragt hat, die Energie auf Vorauszahlungsbasis beziehen. “Keine andere Wahl zu haben, als ohne Heizung oder Licht zu Hause zu sitzen, ist inakzeptabel. Unsere Regierung und die Regulierungsbehörde müssen sofort eingreifen, um die Selbstabschaltung zu stoppen.”

Großbritannien befindet sich in der schlimmsten Energiekrise seit Jahrzehnten, nachdem Russland als Vergeltung für die kriegsbedingten Sanktionen die Erdgaslieferungen nach Europa gedrosselt und die Großhandelspreise für Energie auf Rekordniveau getrieben hat. Die britische Regierung gibt etwa 16 Milliarden Pfund (19 Milliarden Euro) aus, um die Rechnungen der Haushalte zu subventionieren – einschließlich derjenigen von Kunden mit Vorauszahlung. Indessen sinken die Temperaturen.

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“Wir helfen Menschen, die bereits verzweifelte Entscheidungen treffen, um ihre Rechnungen niedrig zu halten, die zum Beispiel trotz einer gesundheitlichen Beeinträchtigung die Heizung ausschalten”, erklärte Gillian Cooper, Leiterin der Abteilung Energiepolitik bei der Verbraucherorganisation Citizens Advice.

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Guthaben-Problem: Menschen mit geringem Einkommen nutzen eher Zähler auf Guthabenbasis

Großbritannien: Millionen Briten nutzen Prepaid (Vorkasse) für Strom und Gas

Nach Angaben von Utilita verwenden landesweit etwa 4,5 Millionen Haushalte in Großbritannien Vorkassezähler. Sie wurden entwickelt, damit Verbraucher nicht mit zu hohen Summen in Rückstand geraten, die die Versorger dann nicht mehr eintreiben können. Guthaben kann zum Beispiel bei der Post oder in Kiosken erworben werden. Etwa die Hälfte dieser Kunden hat bereits intelligente Zähler.

Sobald das Guthaben aufgebraucht ist, gehen bei Haushalten mit Vorkassezählern die Lichter aus und die Heizungen werden abgeschaltet. Bei der Hälfte der Kunden in Großbritannien ohne intelligente Zähler erfahren das die Versorger überhaupt nicht, es sei denn, die Kunden teilen es mit.

Bisher waren die überdurchschnittlich milden Temperaturen eine Erleichterung für Regierung und Verbraucher auf der Insel. Der deutsche Versorger Eon SE, der auch in Großbritannien mehr als 5 Millionen Privatkunden beliefert, verzeichnete in den letzten Wochen einen Rückgang des Energieverbrauchs um etwa 10% im Vergleich zu den saisonalen Durchschnittswerten.

Im Dezember rechnen die Meteorologen des britischen Met Office allerdings mit kaltem Wetter. Mit Temperaturen 1 bis 3 Grad unter den saisonalen Durchschnitten könnte es auch Schnee geben.

FMW/Bloomberg



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11 Kommentare

  1. Sie schreiben Russland hätte aus Vergeltung den Gastransit gedrosselt. Ich hörte jedoch aus unseren Politikerkreisen seit dem Frühjahr, dass die Abhängigkeit von russischer Energie minimiert werden muss – frieren für den Frieden und so weiter…
    Gleiches gilt derzeit für russisches Öl. Wird in einigen Monaten dann auch geschrieben Russland liefert aus Vergeltung kein Öl mehr?
    Ist es nicht so dass Großbritannien im Sommer Gas nach Europa exportiert – wegen mangelder Speicher – und im Winter auf LNG angewiesen ist. Und wer kauft derzeit das ganze LNG vom Markt?

    Schade, manchmal bleiben die unbequemen Fakten einfach auf der Strecke…

    1. Hallo Toni,
      ich hatte schon den gleichen Gedanken. Russland will Gas und Öl liefern, wird jedoch vom Westen
      sanktioniert, damit es das 10x teuere LNG vom Ami kaufen darf. Bravo.
      Und alle machen mit. Dankeschön.

    2. Young Global Leader

      Die Zeitschrift Capital meinte im Oktober ’21 (!) dazu:

      „Im Jahr 2017 wurde ein wichtiger Gasspeicher in Großbritannien vom Netz genommen, weil das Land große Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien gemacht hat. Seitdem kann nur noch Gas für rund einen Monat vorgehalten werden. Die Gaskrise ist daher auch ein Produkt der Dekarbonisierung, die offensichtlich besser gemanagt werden muss.“

      https://www.capital.de/wirtschaft-politik/warum-grossbritannien-so-tief-in-der-gaskrise-steckt

    3. Kanada, die EU und GB haben die notwendigen von Russland geforderten Freistellungen zur Überlieferung der Turbine nicht geliefert. Deswegen ging auf diesem Strang fast nichts mehr. Aber das hat sich ja durch die Sperngung selbst erledigt. Wie vorteilhaft für uns : brauchen wir Russland keinen Gasboykott mehr aufzwingen.
      Diese Sanktionen wurden schon Monate vorher beschlossen wie auch Scholz es erwähnte. Ebenso wie man auf den Krieg vorbereitet war, beschließt man im voraus Sanktionen um die nachher wie zufällig aus dem Ärmel zu ziehen.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    In Großbritannien gab es umfangreiche Hilfen für die Bevölkerung.

    Und der Preis für die Kilowattstunde Strom ist in Großbritannien mit 21,11 Penny für die Kilowattstunde Strom ( Großhandel)noch relativ moderat.

    Gas wurde mit 7,5 Penny für die Kilowattstunde Gas ( Großhandel) veranschlagt. Natürlich sind das die Preise für den Großhandel, sie liegen aber selbst mit den dann gängigen Zuschlägen bei etwa den deutschen Preisen, da in Deutschland die Preise nur auf 80 Prozent des Vorjahres gedeckelt sind,alles darüber zahlt ja viel mehr!

    Wir zahlen 40 Cent für die Kilowattstunde Strom wenn’s gut kommt( Einsparen auf 80 Prozent des Vorjahres), oft sogar mehr( kaltes Wetter). Und Gas wurde bei uns auf 12,5 Cent pro Kilowattstunde Gas terminiert( alles nur für 80 Prozent des Vorjahres).
    Natürlich sind die Briten bei Preisen von 22,1Penny für die Kilowattstunde Strom( Großhandel) verärgert, aber bei uns ist es doch nicht viel besser.
    Im Grunde gehen die Preise hier und da nicht so weit auseinander. Die Kilowattstunde Strom wird für den Endverbraucher in Großbritannien, inclucive aller Steuern und Abgaben, so um die 48 Eurocent, umgerechnet kosten und 15 Cent pro Kilowattstunde Gas.
    Das aber für den Gesamtverbrauch und nicht nur für die 80 Prozent vom Vorjahr. Deshalb sehen ich da keine großen Differenzen zu Deutschland. Am Ende kommt’s auf’s Gleiche raus oder „entscheidend ist was hinten raus kommt“, um den Altkanzler Kohl mal zu zitieren…
    Und last but not least, durch die britische Nähe zum Golfstrom,ist das Wetter in Großbritannien relativ mild. Deshalb kann auch die englische Liga im Winter durchspielen, während wir immer Pause machen.

  3. >> in dem er die Branche unter anderem auffordert, alte Guthaben-Stromzähler gegen moderne Smart Meter auszutauschen. Nur so könne erkannt werden, wenn jemand ein akutes Energieproblem hat.

    >> Sobald das Guthaben aufgebraucht ist, gehen bei Haushalten mit Vorkassezählern die Lichter aus und die Heizungen werden abgeschaltet. Bei der Hälfte der Kunden in Großbritannien ohne intelligente Zähler erfahren das die Versorger überhaupt nicht, es sei denn, die Kunden teilen es mit.

    Können Sie das bitte erläuern!? Ein herkömmlicher Zähler schaltet also selbständig ab wenn das „Guthaben“ verbraucht ist??? Dann ist der ja auch schon ganz schön „Smart“… Wie kann es sein, dass der Versorger das nicht mitbekommt?

    Ich halte das für Unsinn. Hier kann doch etwas nicht stimmen.

    1. Bei einem Prepaid-Stromzähler erwerben Kunden eine Karte mit einem bestimmten Guthaben – genau wie bei einem Prepaid-Tarif fürs Smartphone. Je nach Prepaid-Anbieter wird dieses Guthaben durch Eingabe eines Codes, das Einstecken einer Karte oder per Funk auf den Zähler übertragen. Alte Zähler sind aber nicht mit dem Energieversorger vernetzt, d.h. der Energieversorger merkt nicht, wann ein Guthaben aufgebraucht ist. Die Smart-Meter hingegen senden diese Daten an den Energieversorger.

      1. Hallo Hansi Flick,
        danke. Bis in die 90er gab es diese Zähler anscheinend teilw. mit Münzen – eigentlich unvorstellbar.

        Trotzdem kann das nicht das Problem sein. Alles ist heute digital und online, gerade auch das Aufladen des Guthabens. „Jemand“ weis auf jeden Fall, dass es kein Guthaben mehr gibt. Beim Prepaid-Handy Tarif ist das auch so. Ob das nun der physische Gasanbieter oder ein Zwischenverkäufer von irgendwelchen Prepaid-Tarifen ist, ist doch völlig egal. Irgendeine der Firmen in der Lieferkette weis es, und könnte es zentral melden bzw den Zähler freischalten bzw kostenlose Codes etc liefern. Denn ich nehme mal an es ist nicht möglich in den Laden zu gehen, ANONYM eine Prepaid-Karte eines BELIEBIGEN Anbieters zu kaufen, und dann einfach einen Code einzugeben. (oder doch?)

        Hier wird ein Problem formuliert um den Zentralisierungswahn weiterzutreiben. Trotzdem scheint Strom- und Gasversorgung per Prepaid keine sonderliche schlaue Idee gewesen zu sein….

  4. @dontspeak,nennt sich grüne Revolution.Die braucht Steuerung und die wiederum braucht Rohdaten für die KI.

    Damit man noch näher ,mit weniger Investition an den Nullpunkt kommt .Rausquetschen sagt der Volksmund dazu. Es ist immer die gleiche Wurzel — Risikovermeidung/verlagerung/sozialisierung

  5. Pingback: Millionen Briten bald ohne Strom und Heizung - Digitaler Harz News

  6. Unglaublich eigentlich, dass es dieses Modell noch gibt…

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