Aktien

Der Brexit schafft eine Zwei-Klassengesellschaft in Großbritannien

FMW-Redaktion

Eines muß man den meisten Banken lassen: sie hatten schnell realisiert, dass der Brexit für viele Aktien aus dem britischen Leitindex FTSE durchaus positiv sein wird. Und nach dem anfänglichen Fall ging es dann rapide nach oben, beschleunigt gestern noch einmal durch Aussagen von Mark Carney von der Bank of England, noch im Sommer die Geldpolitik zu lockern (sprich die Zinsen zu senken, mehr QE etc.). Der FTSE machte in der Folge mehr als die Brexit-Verluste wett und steht nun so hoch wie seit August des Vorjahres nicht mehr – nach einem dreitägigen Bullen-Lauf, den es so seit 2009 nicht mehr gegeben hat. Wenn heute kein großer Rücksetzer mehr kommt, wird das die beste Handelswoche für den englischen Leitindex seit dem Jahr 2011.

Fast alle Banken sind nun bullisch für britische Aktien, zumindest für diejenigen, die von einem schwachen Pfund profitieren – das sind vor allem auch britische Banken. Das alles spiegelt sich auch an den Kosten für Absicherungen auf fallende Kurse – sie sind so gering wie schon lange nicht mehr. Derzeit die beliebteste Strategie seitens vieler Investoren: man verkauft europäische Aktien – und kauft im Gegenzug britische Aktien.

Und der Trend könnte sich verstärken, weil viele Investoren stark unterinvestiert sind im britischen Aktienmarkt, sie hatten laut Daten der Bank of America Merill Lynch Woche für Woche Gelder abgezogen vor der Brexit-Abstimmung. Jetzt werden alle auf den fahrenden Zug aufspringen wollen.

Weniger gut laufen jedoch die Nebenwerte in UK – hier sind viele Unternehmen dabei, die stark auf aufgrund des schwachen Pfunds Probleme bekommen. Und so gibt es eine klare Wegscheide: der Leitindex FTSE 100 ist der Star, weil er im eigentlichen Sinne kaum ein britischer Index ist, vielmehr viele Unternehmen enthält, die nicht-britisch sind und an der Börse in London gelistet sind. Sie profitieren besonders stark vom schwachen Pfund. Der britische Markt ist also eine echte Zweiklassengesellschaft nach dem Brexit-Votum geworden. Und hinter dem Schicksal von Unternehmen steckt das Schicksal ihrer Mitarbeiter, das sollte man nicht vergessen! Profiteure sind überwiegend die Ausländer, die meisten Briten dürften auf der Verlierer-Seite stehen..

Und das Pfund ist der Dreh- und Angelpunkt dafür. Einst eine absolute Weltwährung, wird seine Bedeutung als Reservewährung von Zentralbanken noch weiter abnehmen. Noch hat er an den weltweiten Devisenreserven einen Anteil von 5%. Doch das dürfte bald abnehmen – schließlich haben diejenigen, die das Pfund als Reserve hielten, einen heftigen Buch-Verlust. Dazu die unklare innenpolitische (Labour und Tories) und außenpolitische Dimension (Schottland etc.) der Briten. Noch liegt das Pfund als Reservewährung knapp vor dem Yen – das allerdings könnte und dürfte sich dieses Jahr wohl schon ändern..



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