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Große Sause in Dubai: Wie wird das alles bezahlt?

FMW-Redaktion

In Dubai, da ist was los. Luxushotels, Luxus-Resorts, Luxus-Einkaufszentren, Riesenflughafen, Sonne ohne Ende, alle Menschen sind gut drauf. Irgendwie? Richtig? Der Herrscher von Dubai Muhammad bin Raschid Al Maktum verantwortet die ganze Party. Unangenehm fiel nach der Finanzkrise auf, dass er seinen Prestige-Wolkenkratzer auf den Namen des Herrschers von Abu Dhabi umbenennen musste, weil der Dubai mit einem Notkredit aushalf. Sonst wäre die ganze Party ganz schnell zu Ende gewesen.

Hier nochmal kurz unser Hinweis auf unseren Artikel von Dienstag Wenn der Chef zum falschen Zeitpunkt vorbeischaut .. rollen Köpfe. Der Scheich scheint mit der Arbeitsmoral von höheren Beamten nicht besonders zufrieden zu sein. Dass er sie öffentlich bloßstellt, scheint wohl als Warnung an alle anderen Staatsbediensteten zu verstehen zu sein. So nicht. Es kann auch euch treffen!

Aber zurück zur „großen Party“, denn Dubai selbst scheint ja auch nach der Finanzkrise eine einzige große Party zu sein. Dass viele Wolkenkratzer genau so leerstehen wie vorher, geschenkt. Also, was macht ein Land oder besser gesagt eine Volkswirtschaft, wenn man kaum etwas erwirtschaftet, aber auf großen Fuß lebt? Am besten sieht man das in den USA: Schulden machen, Geld aus dem Ausland ansaugen! So wird es in Dubai vermutlich auch nach der Finanzkrise laufen, so darf man es schlussfolgern. Um die Verhältnisse in Dubai genauer verstehen zu können, haben wir uns mal für das Jahr 2015 die offizielle Außenhandelsstatistik von Dubai angeschaut.

Hierzu gibt es zwei verschiedene Varianten der Berechnung. Nach der einen Variante hatte Dubai in 2015 Importe im Volumen von 514 Milliarden Dirham, und Exporte im Volumen von 286 Milliarden Dirham. Das ergibt ein Defizit von 228 Milliarden Dirham (umgerechnet gut 57 Milliarden Euro). Das ist ein Außenhandelsdefizit von sagenhaften 44% in 2015. Und die USA kämpfen derzeit mit Größenordnungen von -2, 3 oder 4 Prozent… nach der zweiten Methode hatte Dubai in 2015 Importe im Volumen von 795 Milliarden Dirham, und Exporte in Höhe von 486 Milliarden. Ein Defizit von 309 Milliarden Dirham oder umgerechnet 77 Milliarden Euro (Defizit 38%). Erstaunliche Zahlen bei gerade mal 2,5 Millionen Einwohnern, und einem Ölvorrat, der fast schon gar nicht mehr vorhanden ist.

Aber halt, Überschuldung, Staatsdefizit? Trotz dieses monströsen Außenhandelsproblems ist laut Daten des Finanzministeriums von Dubai vom 10. April diesen Jahres das Budget für die Haushaltsjahre 2015 und 2016 ausgeglichen. Während in den Vorjahren die Ausgaben höher waren als die Einnahmen, kommen für die beiden aktuellsten Jahre nicht nur ausgeglichene Haushalte zustande. Einnahmen und Ausgaben stimmen sogar bis auf die Nachkommastelle exakt überein. Für 2015: 41,177 (Milliarden Dirham?) Einnahmen, 41,177 Ausgaben. Für das Haushaltsjahr 2016: 46,1 Einnahmen, 46,1 Ausgaben. Wir meinen: Wow, da kann aber jemand im laufenden Geschäftsbetrieb beide Seiten so perfekt auf die Nachkommastelle abschätzen, dass beide Zahlen exakt übereinstimmen. Toll! Woraus erzielt man in Dubai so viel Einnahmen, dass alle Ausgaben abgedeckt sind? Nach offiziellen Angaben des Finanzministeriums stammen 6% aus Öl-Verkäufen, nur 19% aus Steuereinnahmen, 1% Sonstiges, und sagenhafte 74% aus „Gebühren“. Was für Gebühren? Da wären Gebühren für Kreuzfahrtschiffe, Restaurants, Häuser, Hotels, Märkte, Wasser & Strom, Öffentliche Hygiene. Dann ist ja alles in Ordnung in Dubai…

Ein Problem hat Dubai wie andere Golfstaaten auch: Das Wirtschaftswachstum, und alle die schönen Gebäude, werden zu guten Teilen gebaut und betrieben durch viele hochqualifizierte Ausländer, und durch noch mehr ausländische einfache Arbeiter. Was haben die alle gemeinsam? Sie sind nur als Gäste geduldet, und überweisen ihr erwirtschaftetes Geld ins Ausland, oder nehmen es bei ihrer Ausreise mit, sobald ihr Vertrag ausläuft. Viel Geld fließt also auch in Zukunft wieder ab aus Dubai. So ein Effekt wird statistisch natürlich nicht messbar sein. Dem Staat wird aber so jede Menge Geld entzogen, das einheimische Arbeitnehmer eben nicht verdient haben. Wir wollten uns an dieser Stelle eigentlich noch näher mit der Staatsverschuldung von Dubai beschäftigen. Aber als wir sahen, dass Dubai das Kunststück fertig bringt einen exakt ausgeglichenen Haushalt hinzulegen (auf die Nachkommastelle genau), haben wir die Recherche-Bemühungen eingestellt. In Dubai ist alles in Ordnung!?!

Ach ja: Wer den Youtube-Channel von Scheich Al Maktoum betrachtet, wird merken dass er viel damit beschäftigt ist seine Besitztümer wie zum Beispiel Flughafen öfters zu inspizieren. Lange ausgedehnte Besichtigungen. Eine strukturelle Verbesserung führt man mit Spazierengehen aber nicht herbei. Aber gut, das muss jeder Herrscher machen wie er es für richtig hält.



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