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Grundeinkommen: Neue Langzeitstudie von vornherein ein faules Ei?

Claudio Kummerfeld

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am

Grundeinkommen soll 1200 Euro pro Monat als Experiment bringen
Gestern las ich mit aufrichtigem Interesse die Veröffentlichung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Es geht um das Thema Grundeinkommen, was auch korrekterweise als „Bedingungsloses Grundeinkommen“ bezeichnet wird (hier ein Interview zum Thema mit Richard David Precht vom letzten Jahr). Solchen Ideen stehe ich äußerst kritisch gegenüber, aber dennoch bin ich stets bereit mir neue Ideen anzuhören und mich von guten Argumenten überzeugen zu lassen. Denn auf lange Sicht, wenn man nur mal auf Punkte schaut wie Massen-Altersarmut, ein jetzt schon völlig kaputtes Rentensystem, oder eine Digitalisierung sowie Automatisierung mit womöglich Massen neuer Arbeitsloser, dann könnte die Frage essenziell wichtig werden, wie Millionen von Menschen zukünftig anders leben oder wirtschaften können als bisher.

Großes Projekt zum Grundeinkommen in Deutschland

Natürlich ist das Grundeinkommen eine verführerische Idee. Der Staat gibt Geld ohne Gegenleistung, ohne Zwang zu irgendwas. Der Mensch ist frei, kann tun was er will, oder er/sie kann eben auch gar nichts tun. Aber sofort kommt bei mir der Gedanke, dass all das ja auch irgendwie gegenfinanziert werden müsste. Irgendwer muss auch weiterhin arbeiten, und viel mehr Steuern zahlen als bisher, um diesen schönen Traum zu finanzieren. Aber würden nicht trotz Grundeinkommen die allermeisten Menschen trotzdem weiter arbeiten, und das vielleicht sogar viel motivierter als vorher? Weil sie ja mit Grundeinkommen + Gehalt aus Arbeit viel besser da stehen als vorher? Das Konzept Grundeinkommen hat beim genauen Hinsehen verdammt viele Probleme.

Aber ja, dann kam gestern die Info vom DIW. Nun soll es eine große und ernsthafte Studie zum Grundeinkommen geben, bei dem das DIW mit dem Verein „Mein Grundeinkommen“ kooperiert (hier geht es zur Webseite des Vereins). Man vergleicht einen Personenkreis über die nächsten drei Jahre, der pro Monat 1.200 Euro Grundeinkommen erhält, und parallel dazu Personen, die nichts erhalten. Es geht darum, wie sich das Alltagsleben der Probanden verändert. Werden sie motivierter und kreativer? Oder fauler, weil die Notwendigkeit entfällt Geld verdienen zu müssen? Aber wie auch immer. Eines fiel mir gleich ins Auge. Bei diesem großen Experiment, das gestern in den deutschen Medien viel Beachtung fand, geht es darum, dass sich Menschen von selbst als Teilnehmer bewerben können. Ist da überhaupt ein objektives Ergebnis zu erwarten?

Denn wohl nur Menschen, die sich ohnehin für das Thema interessieren, oder die sich verständlicherweise über drei Jahre lang Extra-Cash freuen würden, bewerben sich? Anders war das in Finnland, wo der Staat schauen wollte, ob das Thema Grundeinkommen sinnvoll sein kann. Die dortigen Behörden wählten arbeitslose Finnen aus, die quasi gezwungenermaßen Teilnehmer des Experiments wurden. Ist dieses deutsche Experiment von daher von Beginn an eine Art faules Ei, weil die Teilnehmer am Projekt von Beginn an eh große Zuneigung für das Thema mitbringen, und von daher auch später nur positiv über das Thema berichten werden? Auch das „begleitende“ Institut, das DIW, hat einen gewissen Ruf. Sein Präsident Dr. Fratzscher ist bekannt dafür ein Fan von immer mehr Staatsschulden und staatlichen Stimulus-Maßnahmen zu sein. Ob auch hier schon von vornherein fest steht, wie das Ergebnis der Studie ausfallen wird?

Auch liest man vom DIW kein Wort darüber, dass im Rahmen der Studie die grundsätzliche Finanzierbarkeit des Grundeinkommens geprüft wird, falls ein Staat wie Deutschland jemals ernsthaft über so etwas nachdenken sollte. Nein, es geht nur um die Auswirkungen auf die Teilnehmer. Zitat: „Wir wollen herausfinden, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen Menschen und Gesellschaft verändert. Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen“.

Konkurrenz mit Kritik an Großversuch

Und ja, ich bin doch ein Stück weit beruhigt, dass ich nicht der einzige kritische Kommentator dieses Experiments bin. Denn ich bin heute auf die ganz frischen Kommentare der Wirtschaftsforscher vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gestoßen. Gut, hier kann man unterstellen, dass dieses Institut eher der Wirtschaft nahe steht, und deswegen gegen das Grundeinkommen schreibt? Aber gut, hören wir uns an, was das IW gegen dieses Experiment vorbringt. Es sind fünf Punkte. Die ersten beiden Punkte überlappen sich mit meiner Kritik. Zitat:

1. Das Projekt wird von dezidierten Befürwortern eines bedingungslosen Grundeinkommens finanziert sowie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) begleitet, das einem grundlosen Einkommen ebenfalls zustimmend gegenübersteht. Folglich sind eher positive Ergebnisse wahrscheinlich – und weniger negative. Aus wissenschaftlicher Sicht wäre eine breitere, auch kritische Begleitung wünschenswert gewesen.

2. Die Vorstellung des Experiments und der Aufruf an mindestens eine Million Menschen, sich zu bewerben, passt mehr zu einer Werbestrategie als zu einem wissenschaftlichen Projekt.

3. Nur 120 Menschen sollen das Grundeinkommen erhalten, eine recht kleine Gruppe. Valide Aussagen dürften nur schwer zu treffen sein. Insbesondere angesichts der Vielzahl von Faktoren und Effekten, die erfasst werden sollen, lassen sich allenfalls explorative Erkenntnisse gewinnen. Immerhin wird eine deutlich größere Kontrollgruppe gebildet, die kein Grundeinkommen erhält.

4. Die Finanzierung durch freiwillige Spenden verschleiert, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle nicht finanzierbar wäre – zumindest nicht ohne gewaltige Einschnitte in die bestehenden Sozialleistungen und erheblichen steuerlichen Mehrbelastungen für jene, die das System stemmen müssten. Auch die für 2023 geplante dritte Studie wird – anders als versprochen – die generelle Frage „Wie kann ein realistisches Finanzierungskonzept aussehen?“ für die Umstellung eines bestehenden Systems nicht beantworten.

5. Das zentrale Problem wird mit dem Experiment nicht adressiert: die Bedingungslosigkeit der Zahlung. Menschen geben anderen Menschen ohne Gegenleistung nicht gerne etwas ab und schon gar nicht jenen, die nicht Teil des Systems sind. Es gibt nur wenige Altruisten, für die Finanzierung reicht das nicht aus. Die meisten Menschen geben etwas ab, wenn der andere bedürftig ist, zum Beispiel durch Spenden, oder wenn der Empfänger eine Gegenleistung in Form von Arbeit oder Dienstleistungen erbringt, für die dann ein Preis gezahlt wird. Bei der Finanzierung über Steuern fehlt beim bedingungslosen Grundeinkommen die Rechtfertigung für die Zwangsabgabe. Die Verlierer der Systemumstellung werden hier systematisch nicht betrachtet.

Fazit: Ein Versuch, bei dem eine Personengruppe ohne vorherige Befragung zu Teilnehmern bestimmt wird (wie in Finnland), wäre viel sinnvoller, als wie in diesem Fall quasi Befürworter zum Thema Grundeinkommen zu Testpersonen zu machen – bei denen man erahnen kann, wie sie den „Test“ bewerten werden.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Viktor

    19. August 2020 20:48 at 20:48

    Die Befürworter von Grundeinkommen sind derart inkompetent, dass sie nicht mal den Unterschied zu Spenden begreifen. Das Grundeinkommen müsste logischerweise auch aus dem Pool der 120 Menschen stammen und von denen erarbeitet werden. Kommt es von außerhalb ist es kein Grundeinkommen sondern schlicht und einfach Spendenzahlungen. Interessant wäre natürlich auch wie viele sich dann noch freiwillig für das Experiment melden würden…….

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    Carsten Thomas

    19. August 2020 22:04 at 22:04

    Hallo Herr Kummerfeld,

    Ihr Artikel hinkt hier ja nun ganz gewaltig, und das Sie den Gedanken des bedingungslosen Grundeinkommens „scheisse“ finden ist nach dem 3. Satz klar.
    (Zitat) „Natürlich ist das Grundeinkommen eine verführerische Idee. Der Staat gibt Geld ohne Gegenleistung, ohne Zwang zu irgendwas.“ Genau hier liegt der Fehler. Nicht der Staat, also der Steuerzahler, finanziert die Studie, sondern viele Menschen, die sich für dieses Thema interessieren. Ihr Punkt „5“ ist damit also wiederlegt und kann weg ! Kann es sein, das es Ihnen nicht behagt, wenn immer mehr Menschen diesen Gedanken gut finden ? Passt das nicht in Ihr Welbild von Leistung und im besonderen „Wertschöpfung an materiellen (finanziellen) Dingen“ ?
    Heute wird „Geld“ aus dem nichts erschaffen. Es wird gedruckt oder bei den Banken als Kredit „erschaffen“. Ich bin Handwerker und erschaffe mein Geld mit harter Arbeit, habe mir allerdings den Horizont noch nicht vernagelt, darüber nachzudenken, ob es nicht auch andere Lebensmodelle gibt. Es gibt genügend Studien, das es mit dem Grundeinkommen funktionieren kann. Auch finanziell, wenn wir alle anderen Sozialleistungen damit aufwiegen. Das derzeitige Problem liegt in den überflüssigen, gut bezahlten Verwaltungskräften, welche diese Leistungen dirigieren. Diese werden nicht mehr gebraucht und sind natürlich gegen dieses Projekt.
    Die Probleme der Zukunft sind Vielfältig. Vielleicht sollten wir aufhören, die Zukunft ideologisch vernagelt zu betrachten. Das wir uns kaum einer Lösung näher bringen.
    Wenn ich morgen ein Crowdfunding ins Leben rufe, um die Situation von Schweinswalen in der Ostsee mit den Anglern vom Kleinboot zu beleuchten, tangiert das die Menschheit auch nicht. Dies ist eine rein Private Studie. Haben Sie etwa Angst das etwas dabei herauskommt, was Ihr Lebensmodell in Frage stellt ?
    Schönen Gruß
    Carsten

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      sabine

      20. August 2020 08:47 at 08:47

      Warum diese Aggressivität? Diese finde ich bei der Kritik von Herrn Cummerfeld nicht.
      a) Mag dieses Experiment durch Spenden erwirtschaftet werden, so wird es dies in der Umsetzung sicher nicht mehr, sondern dann per Zwangsabgabe von denen, die es erarbeiten müssen.
      Es wird ein DDR.2 werden.
      a) Der Staat zieht dazu das ganze Geld ein, um es dann zu verteilen.
      Es sei bei diesem angestrebten Super-Finanz-Management an den Berliner Flughafen, Bafin-Wirecard, KFW- „die dümmste Bank der Welt“, Rettung der Kredite Griechenlands und andere staatliche Schildbürgertaten erinnert. Wir haben ja jetzt schon, ohne das eine Staatsquote von 60%.
      https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/erneuter-fehler-nach-lehman-brothers-ueberweisung-kfw-taetigt-fehlueberweisungen-von-5-milliarden-euro_H301945331_396452/
      Und das sind nur die Dinge, die rauskommen!
      b) Natürlich erfordert das den gläsernen Bürger, nicht den Empfänger betreffend, sondern den Zahler. Er muß jeden verdienten Euro genauestens herzeigen, noch mehr als jetzt. Denn das braucht der Staat ja, um davon das viele Geld für das Grundeinkommen abzuziehen. Das durch dieses Grundeinkommen die meisten anderen Subventionen sich erübrigen und somit der Massenbeamtenapparat abgebaut wird, ist ein reiner Glaube an den guten Staat. Mehr nicht.

      c) Dann wird es noch viel mehr Einkommenstouristik geben.
      Einerseits ist es ja schon jetzt so, daß wir das meiste im Ausland produzieren lassen, weil dort die Steuern und Sozialabgaben um vieles billiger sind. (Autoindustrie, Pharmacie und … in China)
      Eine Beispielbeschreibung von 1995-2003, wird danach nicht weniger geworden sein!
      https://www.hanswernersinn.de/archiv-hws/pressebeitrag/medienecho_202191_ifostimme-FTD-21-04-04.html
      Andererseits werden natürlich viele aus ärmeren Ländern daran partizipieren wollen. Und spätestens dann brauchen wir einen Gefängnisstaat wie China, damit die Leistungsträger in Deutschland das ganze mitmachen. Begleitet von der uns bekannten …presse

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    dontspeak

    20. August 2020 09:25 at 09:25

    >> Nicht der Staat, also der Steuerzahler, finanziert die Studie, sondern viele Menschen, die sich für dieses Thema interessieren. Ihr Punkt 5 ist damit also wiederlegt

    Selten so einen Stuss gehört. Und wer soll das BGE zahlen, wenn es deutschlandweit für 80 Mio eingeführt wird? „Menschen, die sich für das Thema interessieren“ ???

    Das Finnland-Experiment hat beindruckend bewiesen, dass ein BGE, von welchem man „gut leben“ kann, nicht funktioniert. Deshalb ist es auch vorzeitig abgebrochen worden und in der Versenkung verschwunden, das es „unliebsame“ Ergebnisse geliefert hätte. Denken Sie mal drüber nach!

    Wo ich Ihnen ausdrücklich zustimme ist, dass die unendliche Bürokratisierung und Selbstbeschäftigung der millionenfach vorhandenen Bürokratie-Systemlinge ersetzt werden sollte, durch ein BGE! Also kein H4, kein Wohngeld, keine Unterhaltshilfe, keine Heitzkosten, kein Sonstwas mehr.

    Sondern ein BGE für alle. ABER sicherlich nicht bei 1200 Euro! Man kann einem fünfjährigen Kindergartenkind erklären, warum das nicht funkionieren KANN (wie viel sollen die Arbeitenden Menschen dann an Steuern zahlen, 300%?)

    D.h. ein BGE für alle, bei sagen wir 400 Euro, und wir könnten von heute auf morgen 4 millionen intellektuelle Minderleister gleich mit ins BGE als einziges Einkommen schicken. DAS ist in Wirklichkeit der Grund, warum dies nicht gemacht wird.

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      Emanuele Forlì

      20. August 2020 12:13 at 12:13

      Nun, für das Grundeinkommen interessieren sich ja sowohl Befürworter, als auch Gegner. Das ist schonmal eine neutralere Auswahl, als nur Arbeitslose mit einzubeziehen. Ziel der Studie ist ja eben, wie sich das Leben ganz verschiedener Personengruppen mit dem Grundeinkommen verändern würde, also auch solchen, die bereits einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

      Zum Thema Finanzierbarkeit: bei einer Höhe von 1.200 Euro bin ich mir nicht sicher, aber schonmal ausgerechnet, was das aktuelle Grundsicherungssystem mit Angestellten, Gebäudemieten usw. verschlingt, Kosten von denen nur ein Teil überhaupt bei den Leuten ankommt? Wenn ich mich richtig erinnern kann, sind das bei 83 Mio. Einwohnern auf den Einzelnen gerechnet bereits 800 Euro im Monat!

      Und die psychologischen (Langzeit-)Effekte gilt es eben noch herauszufinden. Deshalb auch solche Studien. Es ist aber gut vorstellbar, dass die Produktivität der Gesamtgesellschaft mit einem BGE steigt. Weil dann mehr Menschen ohne Zwang den Tätigkeiten nachgehen, die sie wirklich gerne machen. Und weil mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen würden, wenn sie eine bedingungslose Grundsicherung haben, die fürs nötigste (Miete, Essen) reicht.

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        Shong09

        21. August 2020 23:40 at 23:40

        10.000€ x 80 mio ergibt 800€ mrd, das budget des Bundes lag vor ein paar Jahren bei 600€ mrd.
        da irren sie sich wohl gewaltig.
        Die Effekte fände ich auch sehr interessant, aber wie finden sie die langzeiteffekte bei einer Befristung auf 3 Jahre heraus?
        Leider wirklich überflüssig, dann doch lieber Stipendien für was auch immer vergeben

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    Hesterbär

    20. August 2020 12:51 at 12:51

    Ein intaktes Gehirn kommt nicht einmal auf die Idee, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Die Massen werden zur Faulheit erzogen und die Fleißigen verhöhnt. In der Folge wird der Anteil der Faulen immer größer und der Anteil der Fleißigen sinkt. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, eine einst blühende Wirtschaft an die Wand zu fahren, das bedingungslose Grundeinkommen ist eine davon.

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      sabine

      20. August 2020 13:35 at 13:35

      Huijui, das ist ja mal ein Kommentar. Kann ich nur unterschreiben, aber in etwas netterer Form.
      Viele sind nämlich wirklich verblendet durch die vielen Scheinargumente und Schlagwörter…
      a) Wird denn dann wirklich die Schulförderung, Kitas… eingestellt? (Bürokratieabbau – Hahahaha)
      b) Erhalten Millionäre das auch? Aufschrei.
      c) Muß man hier geboren sein, oder reicht ein Ein-Monataufenthalt und eine Verfolgung in einem anderen Land?
      d) 400€ ist unter dem heutigen Existenzminimum. In unserem Land mit gefühlt 80% Gutmenschen, gibt es 100% endlose Diskussionen. Und wenn dann auch noch Regierungswissenschaftler (die anderen werden in TV-Shows lächerlich gemacht) das politisch korrekt absegnen, ist der Schwachsinn perfekt. Masken bringen nix, gesetzlich verpflichtet mit extremen Geldstrafen, Imfpstoff unmöglich, da Erfahrung mit anderen Grippen, Antikörper gleich wieder verschwinden, Menschen wochenlang anstecken oder auch nicht usw.

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      Lausi

      20. August 2020 20:09 at 20:09

      @Hesterbär – so als Couch-Potato dahinzuvegetieren soll aber auch nicht besonders glücklich machen… ;-)

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    Columbo

    20. August 2020 20:13 at 20:13

    BGE könnte es in 50, 100 oder 200 Jahren ohnehin geben. Dann nämlich, wenn Maschinen die Grundbedürfnisse des Menschen übernehmen. Arbeit, wie wir sie heute kennen, wird es nicht dann mehr geben. Schließlich wurde auch die Sklaverei irgendwann überwunden.
    Unter der Bedingung, daß der Mensch nicht vorher sich und die Erde zerstört und wieder von vorne beginnen muß. Danach sieht es derzeit allerdings eher aus.

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    thinkSelf

    20. August 2020 20:15 at 20:15

    Ich erkläre ihnen jetzt mal wieso das nicht funktioniert. Ich persönlich würde sofort jede produktive Tätigkeit einstellen. Und das machen auch alle die ich kenne. Und wer produziert dann die Güter die wir benötigen?
    Wobei ich Ihnen zustimme, das wir gerne die Bullshit Jobs abschaffen sollten. Was könnten wir für einen Wohlstand haben, wenn wir diese Bullshit Jobinhaber einer produktiven Tätigkeit zuführen könnten.

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    Carsten Thomas

    22. August 2020 16:15 at 16:15

    Moin,
    @Viktor…..ja, inkompetent. Es handelt sich um eine Studie, welche aus Spenden finanziert wird. Das hat mit der späteren Theorie der Finanzierung nichts zu tun.
    @ dontspeak
    wir reden hier über DIE STUDIE. Genau hier liegt ja auch mein Kritik. Es wird eine Studie kritisiert, die sich mit dem Thema beschäftigt. Titel: „Grundeinkommen: Neue Langzeitstudie von vornherein ein faules Ei?“ Was ist an einer Studie falsch ? Es kostet nicht das Geld der Steuerzahler und die Ergebnisse verpflichten zu nichts.
    @thinkself ja, so ist das mit dem Freundeskreis. In meinem Umfeld wäre niemand mit 1200 € zufrieden. Alle würden weiterhin einer Tätigkeit nachgehen. Einige allerdings auch einer Anderen, welche mehr Zufriedenheit aufkommen lässt. Weiterhin werden wir über die Güter nachdenken müssen, welche wir (wirklich) benötigen.

    Warum bekommen alle möglichen Menschen Schnappatmung, wenn über neue Wege nachgedacht wird. Eine derartig konservative Einstellung wird uns bei den heutigen Herausforderungen nicht weiterbringen.
    Hier noch etwas „Weiterbildung“ zu dem Thema, ebenfalls hier erschienen in dem von mir geschätzten Haus: https://finanzmarktwelt.de/bedingungsloses-grundeinkommen-2-132807/

  8. Avatar

    Why not?

    22. August 2020 17:20 at 17:20

    Zunächst einmal sollte man das Attribut „bedingungslos“ neu definieren sowie zwischen arbeitenden und nicht arbeitenden Bürgern unterscheiden und bestimmte Staffelungen einführen. Bedingungslos steht für eine gewisse Summe, die ein Mensch im Monat zur Verfügung hat, unabhängig, ob diese aus staatlichen Transferleistungen, einer Beschäftigung oder einer Mischform aus beiden besteht. Meinetwegen steht bedingungslos für eine maximale Höhe staatlicher Transferleistungen von, sagen wir einmal 850 EUR (diese und die nachfolgenden Zahlen sind nur beispielhaft, um die Idee zu veranschaulichen). Kinder und Jugendliche erhalten je nach Alter gestaffelt zwischen 250 und 450 EUR. Sog. Bedarfsgemeinschaften erhalten in der Summe einen reduzierten Satz, weil diese im Ggs. zum Single sich die Kosten für Warmmiete, Auto, Einrichtung usw. teilen (ein arbeitsloses Paar also z. B. 1.500 statt 1.700 EUR).

    Wer einer Halbtagsbeschäftigung nachgeht, sollte mindestens 1.300 EUR netto zur Verfügung haben, bei einer Vollzeitbeschäftigung entsprechend 1.750 EUR netto. Bis zu diesen Beträgen werden niedrigere Löhne und Einkommen vom Staat aufgefüllt. Wer mehr verdient, erhält auch keine staatlichen Transferleistungen. Arbeitgeber beteiligen sich durch eine Anhebung der Mindestlöhne auf ein menschenwürdiges Niveau von 13 EUR, der Staat durch eine Verschiebung des Steuerfreitags auf mindestens 15.000 EUR und eine Senkung des Eingangssteuersatzes auf maximal 5%. Der Spitzensteuersatz wird weit nach rechts verschoben und deutlich erhöht, dazwischen verläuft die Steuerkurve (zumindest annähernd) linear. Der im Ggs. zum aktuellen System deutliche Unterschied zwischen berufstätigen Bürgern und solchen, die von rein staatlichen Transferleistungen leben, sorgt für mehr Gerechtigkeit und gesteigerte Motivation, das Einkommen durch eigene Leistung aufzubessern.

    Wer regelmäßig bzw. eine bestimmte Mindest-Zeit oder -Summe in eine gesetzliche oder private Rentenversicherung einbezahlt hat, erhält steuerfrei entsprechend den obigen Summen mindestens 1.000 bzw. 1.450 EUR, ansonsten gelten auch hier die 850 EUR. Pensionen entfallen, jeder wird zum Ende seines Berufslebens Rentner. Jeder, auch Gutverdiener, Selbständige, Beamte und Politiker müssen entsprechende Beiträge leisten, es bleibt allen unbenommen, freiwillige Mehrbeiträge mit entsprechend höheren späteren Renten zu leisten oder eine rein private Vorsorge durch Aktien, Immobilien usw. zu treffen.

    Das so differenzierte Grundeinkommen gilt nur für Leute, die in Deutschland leben, konsumieren und ggf. Steuern entrichten oder ohne eigenes Verschulden für eine in Deutschland ansässige und Steuern zahlende Firma (nicht für ausländische Tochterfirmen) im Ausland tätig sind. Wer sich im Ausland zur Ruhe setzt, erhält nach Erreichen des Rentenalters seine einbezahlten Beiträge plus einer gewissen Verzinsung von etwa 3 bis 5% p.a. für diese Beitragszeit als monatliche Rente, ganz ähnlich der aktuell geltenden Berechnung.

    Bisherige hoch bürokratische und dadurch zusätzlich Unsummen verschlingende Transferleistungen wie Hartz IV oder Kindergeld entfallen ersatzlos. Ungerechte Steuerklassen werden auf 2 oder 3 Stufen reduziert und deutlich mehr angeglichen. Das Steuerrecht wird zusätzlich durch die Abschaffung verschiedener Einkommensarten und die drastische Vereinfachung und Reduzierung hoch komplizierter Absetzbeträge nochmals deutlich vereinfacht. Einkommen ist Einkommen. Welch Potenzial für unglaubliche Einsparungen in einer sinnlosen und überbordenden Bürokratie.

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Daniel Stelter: Buchauszug über konkrete Lösungsansätze zur Coronakrise

Claudio Kummerfeld

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Typisches Bild in der Coronakrise

Diese Woche hat sich die Bundesregierung dazu entschieden, dass man die betroffenen Betriebe des zweiten Lockdowns im November mit einer Umsatzausfallzahlung unterstützen wird, und nicht mit Krediten. Genau diese jetzt beschlossene Maßnahme hatte der Buchautor und anerkannte Wirtschaftsexperte Daniel Stelter (hier finden Sie seine Webseite) schon vor Monaten im Detail erläutert und vorgeschlagen. An dieser Stelle drucken wir mit freundlicher Genehmigung einen Auszug seines hochinteressanten Buches Coronomics: Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise ab, welcher im „Campus Verlag Frankfurt/New York“ erschienen ist. Absolut empfehlenswert, nehmen Sie sich die Zeit!

Künstliches Koma für die Wirtschaft

Es mangelt nicht an Programmen, die Notenbanken und Staaten weltweit ankündigen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie aufzufangen. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verantwortlichen die gewaltigen Schäden zwar erahnen und entsprechend großzügig und kämpferisch agieren, zu- gleich aber nicht so richtig wissen, wo sie ansetzen sollen. Einen Vorwurf kann man ihnen daraus nicht machen, ist es doch eine für uns alle neue Situation. Zwar gibt es die Lehren aus der Finanzkrise, doch diese passen nicht. Heute genügt es nicht, die Bilanzen der Banken zu sanieren – durch Kapitalzuschuss, durch Manipulation der Vermögenspreise nach oben und durch Schönen der Bücher. Stattdessen muss man echte Einnahmen ersetzen. Das ist ungleich schwerer zu organisieren und vor allem ungleich teurer.

Die Politik setzt auf Liquiditätshilfen

Die Politik setzt nicht nur in Deutschland auf Liquiditätshilfen. Als ich diese Zeilen schrieb, war Folgendes angekündigt:1

• Ein Hilfspaket von 50 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen. Selbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten bis zu 9000 Euro, Selbstständige und Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten erhalten bis zu 15000 Euro. Außerdem erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung (Hartz IV), wobei die Vermögensprüfung für sechs Monate ausgesetzt wird.
•Anpassung der Kurzarbeiterregelung: Betroffene Unternehmen können Lohnkosten und Sozialabgaben von der Bundesagentur für Arbeit bezahlen lassen. Leiharbeitnehmer sind künftig einge- schlossen und es müssen nur zehn Prozent der Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen sein, damit die Regelungen greifen. Zugleich wird eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes diskutiert.
• Unbegrenztes »Milliarden-Schutzschild« für Betriebe und Unternehmen. Über ihre Hausbanken erhalten Unternehmen Zugang zu Krediten und Bürgschaften der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dazu gründet der Staat einen »Wirtschaftsstabilisierungsfonds«, der 400 Milliarden Euro für Bürgschaften und 100 Milliarden Euro für »Kapitalmaßnahmen«, also direkte staatliche Beteiligungen, umfasst.
•Steuerstundungen auf Antrag, wenn Unternehmen »unmittelbar vom Corona-Virus betroffen sind«. Bis Ende des Jahres 2020 wird auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge verzichtet. Auch die Voraussetzungen, um Vorauszahlungen von Steuerpflichtigen anzupassen, werden »erleichtert«.

Abgesehen von den Direkthilfen für Kleinunternehmen und Selbstständige handelt es sich um Liquiditätshilfen in Form von Krediten und Staatsbeteiligungen. Diese laufen über die Hausbanken der Unternehmen, die die Finanzlage am besten kennen. Die Banken müssen jedoch bei der Vergabe der Kredite, die sie von der KfW durchreichen, darauf achten, dass der Schuldner kreditwürdig ist. Dies auch, weil sie zehn Prozent der Summe aus eigenen Mitteln ausreichen müssen. Die Folge: Es häufen sich die Probleme mit der Kreditvergabe, weil die Sicherheiten und die Ertragskraft der Unternehmen nicht ausreichen. Die Banken forderten deshalb schon Anfang April 2020 eine völlige Freistellung von den Risiken.2 Dies zu Recht, haben wir doch bereits gesehen, dass das europäische Bankensystem – und auch die deutschen Banken – durch Finanzkrise und Nullzinspolitik nachhaltig geschwächt sind.

Doch was bedeutet es, wenn Banken keine Kredite vergeben wollen, obwohl sie nur zehn Prozent des Risikos tragen sollen? Es bedeutet, dass die Banken es für äußerst unwahrscheinlich halten, dass die Unternehmen in der Lage sind, die Kredite zu bedienen. Wenn nun der Staat die Risiken zu 100 Prozent übernimmt, ändert das nichts am eigentlichen Kernproblem der Maßnahmen. Diese laufen darauf hinaus, dass die betroffenen Unternehmen Schulden machen und im Extremfall den Staat als stillen Eigentümer bekommen. Nicht selten dürften die Schulden den Unternehmer überlasten. Und wer hat schon gern den Staat als Eigentümer? Deshalb ist die rationale Entscheidung jedes Unternehmens, diesen Punkt so weit wie möglich zu vermeiden. Dies bedeutet: Kosten senken, so schnell es geht, also Entlassungen und Auftragsstornierungen, was den Abschwung verstärkt. Anders als es die Schlagzeilen zu den großen Beträgen suggerieren mögen, wirkt das Programm nicht, wie es sollte.

Ein Systemwechsel als unvermeidliche Folge?

Hinzu kommt, dass die staatliche Rettung, wenn sie in dieser Form organisiert wird, unsere Wirtschaftsordnung massiv verändert. Wir beschreiten einen Weg zu einer immer stärker staatlich dominierten Wirtschaft, was nur umso wahrscheinlicher wird, je länger die Krise andauert und je tiefer der Einbruch der Wirtschaftstätigkeit ist. Nicht wenige Beobachter sehen darin einen guten Weg, weil es ja nur richtig sei, dass der Staat als Gegenleistung für seine Hilfe einen Anteil an Unternehmen bekommt. Dabei wird gern auf die Finanzkrise Bezug genommen und angemerkt, dass es nur so möglich sei, sicherzustellen, dass wir nicht wieder eine Situation haben, in der wir Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.

Diese Logik hinkt aber. Während die Unternehmen, die in der Finanzkrise in Schwierigkeiten gerieten, diese selbst zu verantworten hatten, ist es diesmal eine Krise, die alle unschuldig trifft, wenn auch unterschiedlich. Sollte hier nun der Staat zu einem wichtigen Akteur werden, so hat dies erhebliche negative Folgen:3

• Der Staat wird vor allem Großunternehmen helfen, einfach schon aus Effizienzgründen. Dabei ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft der Mittelstand. Diesem muss geholfen werden, und wenn dies über Kredite erfolgt, schwächt das die Unternehmen auf Jahre.
• Wettbewerbsverzerrungen sind ebenfalls zu erwarten. Unternehmen mit Staatsbeteiligung werden einen Vorteil gegenüber jenen haben, die mit eigenen Mitteln versuchen, über die Runden zu kommen. Damit werden diejenigen bestraft, die eigene Mittel in ihren Unternehmen einsetzen. So dürften die Finanzierungskosten der Unternehmen mit Staatsbeteiligung dauerhaft unter jenen der freien Wirtschaft liegen.
•Der Staat muss seine Beteiligungen kontrollieren und managen. Man darf skeptisch sein, ob es gelingt, ausreichend qualifizierte Beamte und Politiker für diese Aufgabe zu finden.
•Aus der Finanzkrise wissen wir – siehe Commerzbank –, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis der Staat wieder aussteigt. Es droht ein Postenparadies für Politiker, was weder gut für die Unternehmen ist noch dafür spricht, dass sich der Staat schnell wieder zurückzieht.
• Auch droht der Erhalt von Unternehmen, die ohnehin keine Zukunft haben. Entweder weil sie schon vor der Corona-Krise nur dank Nullzinspolitik lebensfähig waren oder aber weil in der neuen Welt nach Corona ihre Dienstleistungen und Produkte nicht mehr wie zuvor nachgefragt werden. Ökonomen sprechen bei solchen Unternehmen von »Zombies« und der starke Anstieg des Anteils solcher Unternehmen wird als eine Ursache des Rückgangs der Produktivitätsfortschritte in den letzten Jahren gesehen.4 Eine weitere »Zombifizierung« würde das noch verstärken und so das künftige Wachstum hemmen.

Was droht, ist ein Systemwechsel durch die Hintertür. Die Öffentlichkeit steht – so zumindest das Stimmungsbild Anfang April 2020 –, hinter diesen Maßnahmen. Ohnehin zeigten Umfragen schon weit vor Corona, dass sich die Bürger eine größere Rolle des Staates wün- schen.5 Politiker träumten vom »demokratischen Sozialismus« und Enteignungen sowie Verstaatlichungen zur Verwirklichung einer »gerechten Gesellschaft«.6 Nun scheinen wir auf dem besten Weg in diese Richtung zu sein.

Hierin liegt eine enorme Gefahr, denn die Nebenwirkungen wären erheblich: zunehmende Konzentration und weniger Wettbewerb, Bevorzugung von Großunternehmen, staatliche Einflussnahme statt betriebswirtschaftlicher Effizienz. Kurzgefasst, ein Weg, der zwangs- läufig weniger Wachstum und damit Wohlstand bedeutet. Wir sollten einen anderen Weg gehen.

Ein künstliches Koma wäre die Lösung gewesen

Damit kommen wir zu der Frage, was denn zu tun wäre, um die Krise zu dämpfen und die Wiederholung der Großen Depression zu vermeiden. Die Maßnahmen müssen meiner Meinung nach am Existenzproblem der Unternehmen ansetzen, und zwar beginnend beim Einzelunternehmer und bis hin zum Weltkonzern. Das zeigt bereits, wie schwierig es für die Politik ist, sind doch Rettungsaktionen für große Unternehmen viel leichter zu organisieren als für viele kleine Unternehmer. Da kann es gut sein, dass die Hilfe zu spät kommt. Im März 2020 erklärte ich in verschiedenen Beiträgen, wie wir es machen könnten:7 Die Wirtschaft müsste in ein künstliches Koma versetzt werden. Aus der Medizin kennen wir das: »Ein künstliches Koma ist eine lange Vollnarkose, die über Tage – in seltenen Fällen über Wochen – eingesetzt wird. Mithilfe von Narkose- und Schmerzmitteln wird der Patient kontrolliert in einen Zustand versetzt, in dem Bewusstsein und Schmerz ausgeschaltet sind.«8 Bezogen auf die Wirtschaft würde das bedeuten, dass wir für eine bestimmte Zeit alles einstellen: Lohnzahlungen, Mieten, Zinszahlungen. Wir täten einfach so, als würde ein Quartal ökonomisch nicht stattfinden. Es gäbe keine Umsätze, aber es gäbe auch keine Verpflichtungen.

Beispiel Miete: Der Betreiber eines Kaffees kann die Miete nicht mehr bezahlen, weil er geschlossen hat. Der Vermieter verzichtet auf die Miete und im Gegenzug muss er keine Zinsen und keine Tilgung bezahlen und die Bank wiederum keine Löhne und keine Zinsen. Wir stellen alles ein und in drei Monaten – wenn wir annehmen, dass das Koma solange andauert – fangen wir dort an, wo wir aufgehört haben, und tun so, als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben.

In diese Richtung ist die Bundesregierung gegangen, aber eben nur ein bisschen. So darf Mietern nicht gekündigt werden, wenn sie, bedingt durch den Kampf gegen COVID-19, ihre Mieten zwischen dem 1. April und dem 30. Juni nicht bezahlen können. Die Miete wird bis zum Juni 2022 gestundet. Eine Stundung ist allerdings nichts anderes als eine Art Zwangskredit des Vermieters und damit auch keine völlige Entlastung des Mieters. Zudem fehlt eine korrespondierende Entlastung des Vermieters, der ja ebenfalls finanzielle Verpflichtungen hat, beispielsweise für Zins und Tilgung. Um die Banken zu schonen, wird hier einseitig die Last auf die Vermieter verlagert, die – entgegen der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung – nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) meist mit geringen Renditen von ein bis zwei Prozent arbeiten.9

Das künstliche Koma wie oben beschrieben geht offensichtlich nur in der Theorie. In der Praxis haben wir keinen kompletten Shutdown der Wirtschaft, wir haben echte Ausgaben – zum Beispiel für Nahrungsmittel – und viele Menschen haben unabhängig von der Wirtschaftslage ein Einkommen, so Rentner.

Deshalb müssen wir uns mit den Maßnahmen in der Praxis so nah wie möglich an den Zustand des künstlichen Komas annähern. Für Menschen, die aufgrund des Virus weniger oder keine Einnahmen haben, muss es einen Ausgleich geben, der wirtschaftlich dem Gedanken des künstlichen Komas am nächsten kommt. Dieser Ausgleich muss dafür sorgen, dass es nach der Komaphase keine Schmerzen mehr gibt. Also auch keine zusätzlichen Verpflichtungen, die vor dem Koma nicht bestanden haben. Ich wiederhole es nochmals: Es muss so sein, als hätte es diese Monate nicht gegeben. Wenn nun von der Politik Liquiditätshilfen in Form von Darlehen oder direkten Beteiligungen des Staates an Unternehmen an- geboten werden, ist diese Bedingung nicht erfüllt. Wenn die Betroffenen nämlich aus dem Koma erwachen, sehen sie sich mit finanziellen Lasten konfrontiert, die sie vorher nicht hatten und die sie oftmals nicht abtragen können. Gerade Restaurants, Hotels, Reiseveranstalter und Kinos – um ein paar Beispiele zu nennen – können den verlorenen Umsatz nicht wieder wettmachen. Ein Auto mag man ein paar Monate später kaufen, aber in das Restaurant geht man nicht doppelt oder dreimal so häufig, um frühere Mahlzeiten nachzuholen.

Staatliche Umsatzausfallzahlung

Wir müssen also als Gesellschaft den Umsatzausfall ersetzen. Die künftigen Umsätze kennen wir nicht, aber wir kennen die Steuerzahler Deutschlands. Getrost dürfen wir davon ausgehen, dass nur Steuerzahler von dem Einbruch der Wirtschaft getroffen sind.
Dabei haben wir die folgenden verschiedenen Gruppen von Steuerzahlern auf Einkommen:

•Bei Arbeitnehmern wird die Lohn- und Einkommensteuer direkt an der Quelle abgezogen. Tritt Arbeitslosigkeit ein, wird Einkommen durch Sozialleistungen aufgefangen. Weitere unternehmerische Verpflichtungen sollten hier nicht bestehen, nur eventuelle private finanzielle Verpflichtungen aus Krediten.10 Hier wäre es denkbar, dass wir pauschal die Arbeitslosengelder und die Kurzarbeiterzahlungen (bereits teilweise geschehen) deutlich erhöhen. Diese sollten ab Tag eins gezahlt werden.
• Im Fall von Selbstständigen und Unternehmen, die Einkommensteuer zahlen, sind die Einkünfte der vergangenen Jahre bekannt. Das Finanzamt kennt diese aus den Steuererklärungen der vergangenen Jahre. Hier sollte das Finanzamt in jedem Monat, den die Komaphase andauert, einen Betrag in Höhe von einem Zwölftel des Jahresumsatzes des letzten verfügbaren Jahres auf das Konto des Unternehmens überweisen.
•Bei Unternehmen, die Körperschaftsteuer zahlen, wird genauso vorgegangen. Auch sie bekommen den geschätzten entgangenen Umsatz gutgeschrieben.

Entscheidend ist, dass dies ohne Antrag und ohne Bedürftigkeitsprüfung erfolgt. Alle werden so gestellt, als wäre nichts passiert. Im kommenden Jahr müssen dann alle Bürger, die Zahlungen vom Staat erhalten haben, dem Fiskus ihren Geschäftsverlauf des Jahres 2020 erklären. Davon ausgehend würden sich die folgenden Zahlungsverpflichtungen der Empfänger ergeben:

•Entspricht der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen des Staates – dem Umsatz im Jahr 2019, so behält der Empfänger die Zahlung und versteuert den sich ergebenden Gewinn.
•Liegt der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen – über dem Niveau von 2019, so ist der Teil der Ausfallzahlungen zu erstatten, der nicht erforderlich war, um das Umsatzniveau 2019 zu halten.
•Wenn ein Unternehmen einen Teil oder den gesamten Umsatzausfallzuschuss des Staates behält, darf der Gewinn ebenso wie der Umsatz nur auf dem Niveau des Vergleichsjahres liegen. Er- zielt ein Unternehmen einen höheren Gewinn, so wird die Differenz zu 100 Prozent besteuert. Damit gibt es auch einen Anreiz, Mitarbeiter nicht zu entlassen.

So oder so ist in diesem Modell der Umsatz auf dem Niveau von 2019 garantiert. Unternehmer können die Erstattung der Umsatz- ausfallzahlung umgehend leisten, wenn sie nicht auf die Zahlungen angewiesen sind; spätestens bei Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2020 wären die unnötig zugeflossenen Gelder zurückzuzahlen. Die Politik könnte auch einen Anreiz geben, unnötige Umsatzausfallzahlungen sofort zurückzuzahlen, zum Beispiel, indem bei Rückzahlung innerhalb eines Monats ein Skonto gewährt wird. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise liegt auf der Hand: Sie wirkt wirtschaftlich wie das Koma, ist einfach umzusetzen und kann im Nachhinein, wenn die Krise überwunden ist, korrigiert werden, indem jene, die die Zahlung des Staates nicht benötigen, den entsprechenden Betrag nach Abgabe der Einkommensteuererklärung erstatten müssen.

Wäre das gerecht? Im Einzelfall vielleicht nicht, in der Summe schon. Natürlich mag es Unternehmen geben, die auch ohne Corona einen Umsatzrückgang erlebt hätten. Es wird auch Fälle geben, in denen das Geld verloren ist, weil die Empfänger die Zahlungen falsch verwenden. Die korrespondierenden Beträge dürften aber relativ zum Gesamtvolumen vernachlässigbar sein. Ebenso mag die Gefahr bestehen, dass einzelne Empfänger sich über die Zahlung freuen und gar kein Interesse daran haben, zu arbeiten. Dies dürften aber vor allem Solo-Unternehmer sein – und auch diese nur in begrenzten Umfang. Unternehmer mit Angestellten und Infrastruktur – Büroräume oder Ladengeschäft – werden ei- nem solchen Modell nicht folgen, weil sie andernfalls ihr Unternehmen nachhaltig gefährden würden. Außerdem wäre der Gewinn auf dem Niveau von 2019 gedeckelt. In der Summe also ein vernachlässigbarer Punkt.

Kritiker dieses Vorschlags bemängelten, es sei nicht gut, den Unternehmen auch noch den Gewinn zu garantieren. Dieser Einwand kam von Nicht-Unternehmern, die meist keine Vorstellung davon haben, wie gering die Margen und Gewinne der meisten Selbstständigen sind. Wir haben das Beispiel des Restaurants aus Berlin gesehen. Bei einem Umsatz von rund 500 000 Euro im Jahr und immer- hin 13 Mitarbeitern bleiben den zwei Eigentümern nach Steuern jeweils nur rund 25000 Euro in der Tasche. Das ist wahrlich kein hohes Gehalt, wenn man an die erheblichen persönlichen Risiken (Haftung für Miete etc.) und die langen Arbeitszeiten denkt. Hier zu helfen, ist aus meiner Sicht gerechtfertigt.

Der entscheidende Vorteil ist, dass jedes Unternehmen weiß, welchen Umsatz es inklusive der staatlichenÜberweisung erzielt. Niemand muss sich Sorgen machen, zu viele Schulden anzuhäufen, niemand damit rechnen, dass sein Eigentum auf den Staat übergehen könnte. Vor allem ist das Verfahren unbürokratisch und transparent. Die Mitarbeiter des Finanzamts müssten sich für die Dauer der Krise auf diese Aufgabe konzentrieren.

Wir reden von einem theoretischen Maximalbetrag von 25 Prozent des deutschen BIP des Jahres, wenn wir davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Aktivität drei Monate lang komplett brachliegt. Dem wird aber nicht so sein, weshalb wir eher mit einer Größenordnung von zehn Prozent des BIP rechnen sollten. Selbst bei 25 Prozent stiege die Verschuldung des deutschen Staates auf die Größenordnung von 90 Prozent des BIP. Dieser Satz liegt weit unter dem Niveau, das die meisten anderen EU-Staaten schon vor dem Corona-Schock zu verzeichnen hatten.

Ein »gedankliches Koma« ist effektiv und effizient

Wir haben verschiedene Probleme, die sich gegenseitig verschärfen und in der Summe zu einem sich verstärkenden Abschwung führen. Die Unternehmen wissen nicht, wie heftig und wie lange sie unter der Krise leiden werden. Sie wissen nicht, ob und wie die Hilfe des Staates wirkt, und sie fürchten die längerfristigen Konsequenzen. Wer künftig Schulden tilgen oder den Staat als Miteigentümer los- werden müsste, der setzt alles daran, erst gar nicht in diese Situation zu kommen, sondern sie zu verhindern. Also baut er Kosten um jeden Preis ab, und das verstärkt die Krise. Der Komaansatz ist im Vergleich damit besser.

Die kurzfristige Finanzierung der mit dem Komaansatzverbundenen Ausgaben ist im heutigen Nullzinsumfeld gar kein Problem. Die Bundesregierung dürfte die Gelder umsonst bekommen oder gar daran verdienen. Die langfristige Finanzierung sollten wir im Zusammenhang mit der Eurozone klären.

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Allgemein

Coronakrise: Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

Markus Fugmann

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Die Coronakrise geht durch den „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) in eine zweite Runde. Zwar erlebte die Wirtschaft nicht nur in Deutschland im 3.Quartal eine deutliche Erholung, aber mit den zunächst für November verfügten Maßnahmen kehrt die Coronakrise mit voller Wucht zurück. Das trifft bekanntlich die schon der ersten Welle betroffenen Branchen (Touristik, Veranstaltung, Gastronomie etc.) besonders hart – da werden auch Kompensationszahlungen der Bundesregierung nur wenig daran ändern.

Coronakrise – nach der vermeintlichen „V-Erholung“ der 2. Lockdown

Haben wir zuvor wirklich eine V-Erholung gesehen? Nicht wirklich, sagt etwa Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts – denn die V-Erholung in den Daten war wesentlich geprägt von der Hoffnung auf Besserung, also der Erwartungs-Komponente: Firmen werden befragt, ob es schlimmer, gleichbleibend oder besser wird. Wenn aber die Dinge schon extrem schlecht sind, sei es fast schon „mechanisch“, dass eine Besserung erwartet werde.

Was aber bedeutet nun der neue Lockdown? Fuest verweist auf die Studien, die zeigen, dass schnelle restriktive Maßnahmen zwar der Wirtschaft zunächst schaden, dann aber durch die bessere Beherrschung der Pandemie zu einer schnelleren und kräftigeren Erholung führt als in Ländern/Regionen, in denen solche Maßnahmen nicht ergriffen werden. Das gilt etwa cuh für Schweden: dort war in Gefolge der ersten Welle der Coronakrise die Wirtschaft trotz der weniger restriktiven Maßnahmen deutlich stärker eingebrochen als etwa in Norwegen, bei gleichzeitig sehr viel mehr Opfern in Schweden.

Clemens Fuest fasst in folgendem Vortrag die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise gleichsam kompakt und kompetent zusammen:

Die Coronakrise und die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

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Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

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Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

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