Halbleiter-Aktien erleben dank des globalen KI-Booms einen historischen Höhenflug. Allen voran Nvidia treibt mit seinen Chips die technologische Revolution voran und lässt Anleger von Rekordgewinnen träumen. Doch je höher die Kurse steigen, desto größer wird das Risiko einer gefährlichen Übertreibung – mit der Gefahr, dass am Ende die Dotcom-Blase 2.0 platzt.
KI getriebene Rally der Halbleiter-Aktien
Die Analysten von Bravos Research machen in ihrem neuen Video „Das wird nicht gut enden …“ deutlich, dass die Rally der Halbleiter-Aktien zu den spektakulärsten Erfolgsstorys der Aktienmärkte zählt. Wer vor zehn Jahren 10.000 US-Dollar in diesen Sektor investierte, hätte heute ein Vielfaches seines Einsatzes – mit Nvidia gar ein Vermögen in Millionenhöhe. Angetrieben wurde dieser Aufstieg zunächst durch mobile Endgeräte, später durch Smartphones und aktuell durch den Boom rund um Künstliche Intelligenz. Besonders die rasant wachsende Nachfrage nach Rechenzentren sorgt dafür, dass der Bedarf an leistungsfähigen Chips von Herstellern wie Nvidia, Broadcom und AMD nahezu explodiert.
Das Ausmaß dieser Dynamik spiegelt sich im Semiconductor ETF wider, der allein in den vergangenen drei Monaten um 60 Prozent zugelegt hat. Zum Vergleich: Für denselben Zuwachs brauchte der Index zwischen 2006 und 2016 zehn Jahre. Damit übertreffen die Halbleiter-Titel die technologielastigen Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 deutlich. Sie erinnern mit ihrer Euphorie an den Technologieboom Ende der 1990er Jahre. Schon damals führten echte technologische Innovationen und ein günstiges Zinsumfeld zu einer beispiellosen Übertreibung an den Aktienmärkten, die schließlich in der Dotcom-Blase endete.
Heute notiert der Semiconductor ETF bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 80, während der S&P 500 bei 22 liegt – also fast das Vierfache des breiten Marktes. Der folgende Chart von TradingView vergleicht die Performance von Nvidia, Broadcom und TSMC mit dem Leitindex S&P 500 seit Anfang 2024.
Starke Wachstumsgeschichte
Fundamental betrachtet liefern Unternehmen wie Nvidia und Broadcom aufgrund ihres starken Wachstums derzeit außergewöhnliche Zahlen. So kletterten die Gewinne der Halbleiterbranche zwischen 2023 und August 2024 von 80 auf 239 US-Dollar je Aktie, was einem jährlichen Plus von mehr als 70 Prozent entspricht. Verantwortlich dafür sind die milliardenschweren Investitionen von Technologiekonzernen wie Microsoft, Meta oder Amazon. Diese wollen ihre Ausgaben für Rechenzentren bis 2026 auf rund 380 Milliarden US-Dollar steigern. Dennoch mahnt die Börsenweisheit von Benjamin Graham, dem Mentor von Warren Buffett, zur Vorsicht: „Selbst großartige Firmen können schlechte Investments sein, wenn Anleger zu teuer einsteigen.”
Zinsumfeld als Treibstoff für die Rally
Entscheidend bleibt daher das geldpolitische Umfeld. Die bevorstehende Phase von Zinssenkungen durch die Fed, die Jerome Powell in Jackson Hole vorsichtig signalisierte, dürfte wie Treibstoff für die Rally an der Wall Street wirken. Dies erinnert an die späten 1990er Jahre, als die US-Notenbank mit billigem Geld die finale Übertreibungsphase des Tech-Booms einleitete. Die steigenden Aktienkurse wurden jedoch jäh durch den Wechsel zu einer restriktiveren Zinspolitik beendet. Auch heute könnte die expansive Politik der Fed die Rally der Halbleiter-Aktien weiter befeuern, birgt jedoch das Risiko, dass sich erneut eine Blase bildet, die später abrupt platzt. Kurzfristig stellen die Quartalszahlen von Nvidia am Mittwoch nach US-Börsenschluss den nächsten Prüfstein für die gesamte KI-Rally dar.
Bravos Research betont deshalb, dass die Parallelen zur Dotcom-Zeit nicht zu unterschätzen sind. Einerseits sorgen KI und Rechenzentren für einen realen Nachfrageboom, andererseits droht bei derart hohen Bewertungen ein empfindlicher Rückschlag, sobald das Wachstum ins Stocken gerät oder sich die Zinspolitik ändert. Wer heute in Halbleiter-Aktien oder den Semiconductor ETF investiert, setzt zwar auf den wohl spannendsten Trend der Gegenwart – geht aber möglicherweise ein Risiko ein, das ebenso gewaltig ist wie die bisherigen Kursgewinne.
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