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Hamburg und Schleswig-Holstein vor der Pleite? Vor lauter Trump-O-Mania interessiert das niemanden?

Stehen die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein vor der Pleite, und vor lauter Trump-O-Mania hat es niemand mitbekommen? Nur ganz wenige Regionalmedien berichteten jüngst über die brisanten…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Stehen die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein vor der Pleite, und vor lauter Trump-O-Mania hat es niemand mitbekommen? Nur ganz wenige Regionalmedien berichteten jüngst über die brisanten Äußerungen von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig. Es ging um die zusätzliche Schuldenlast, die unausweichlich wohl schon bald die Gesamtschulden der beiden Bundesländer drastisch erhöhen wird. Der HSH-Chef hatte vor Kurzem öffentlich verkündet die Bürgschaften der beiden Länder in Höhe von 10 Milliarden Euro werde man in voller Höhe in Anspruch nehmen. Auf diese immense Belastung hatten wir Anfang Dezember bereits hingewiesen.


Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig. Foto: Ralf Roletschek/Wikipedia (CC BY 3.0)

Laut Albig scheinen diese Summen wohl nicht ansatzweise auszureichen. Er rechne eher mit Kosten von 16 Milliarden Euro für Hamburg und Schleswig-Holstein, wie er dem Hamburger Abendblatt sagte. Das könnte die beiden Länder trotz guter Haushaltslage überfordern, so Albig. Überfordern heißt so weit wir es verstehen „zahlungsunfähig“ oder? Um diese Summe würde also die Staatsverschuldung der beiden Länder steigen. Wäre das gar nicht mehr tragbar? Können beide so einen raschen Zuwachs an Schulden nicht mehr leisten? Staatspleite auf Bundesländer-Ebene? Das wäre ja mal was. Zumindest kann man auf diese gruselige Idee kommen, wenn man Albigs Worte liest. So sagte er, dass die finanziellen Folgen für die Länder durch die HSH-Krise schlimmstenfalls so groß seien, dass der Bund oder die EU aushelfen müssten.

Im Klartext: Vielleicht können die beiden Länder diesen Schulden-Zuwachs nicht mehr alleine stemmen. Das Land Berlin hatte ja schon mal in Karlsruhe versucht trotz immensem Landesvermögen sich quasi auf Kosten des Bundeshaushalts zu entschulden mit dem Hinweis, man sei pleite. Damit scheiterte man. Sollte es soweit kommen, dass die Länder Berlin oder Brüssel bitten mit einzuspringen für die HSH, dann dürfte man wohl auch erwarten, dass es heißt: Ihr besitzt so viel Tafelsilber, erstmal zu Cash machen bitte! Schleswig-Holsteins prominentester FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sah Albigs Äußerungen sehr kritisch. Er gehört zwar zum größten Kritiker der ganzen HSH-Rettung, aber sieht die Bundesländer nicht vor einer Pleite.

Die Schuldenlast würde sich zwar drastisch erhöhen, die laufend zu bedienende Zinslast ebenso, wodurch die Länder sich im Alltag bei Ausgaben einschränken müssten. Das würde dann Ausgaben für zum Beispiel Schulen und Straßen betreffen. Und außerdem würden nicht Berlin und auch nicht Brüssel den Ländern helfen, so Kubicki. In der Kieler Staatskanzlei versucht man die Worte des Landeschefs ins „richtige Licht“ zu rücken. Seine Aussagen, dass eventuell auch EU- oder Bundeshilfen mit hinzugezogen werden müssten, sollten natürlich nicht als mögliche Bankrotterklärung interpretiert werden. Wir meinen: Wenn man selbst nicht zahlen kann und andere um Geld bittet, was ist das denn sonst als ein Bankrott?

Die Linkspartei glaubt nicht daran, dass es überhaupt eine politische Entscheidung geben müsse bei der Frage, wer diese möglichen 16 Milliarden Euro aufbringe. Damit meint man wohl sinngemäß, dass die Summe so groß ist, das möglicherweise der Bund so oder so einspringen muss. Norbert Hackebusch von den Linken sagte dazu, bei so einer Summe gäbe es eh keine Alternative (zur Rettung durch Berlin). Aber wie wir vorhin schon erwähnten: Erstmal heißt es für die beiden Bundesländer womöglich: Alles versilbern, was noch im Besitz der Länder ist?

Bis 2018 haben die beiden Bundesländer Zeit laut EU-Vorgaben die HSH Nordbank zu privatisieren. Was dabei rauskommt? 1 Euro oder ein paar Millionen als Trostpflaster von einem privaten Käufer? Auch wenn die Kernbank sich des Schrotts entledigt hat: Wer will eine Bank kaufen, bei der man gar nicht weiß, welches Geschäftsmodell sie eigentlich hat? So oder so: Ob 10 Milliarden, 13 oder 16 Milliarden Euro: Die Schuldenlast der beiden Länderhaushalte wird explodieren. All die schönen soliden Haushaltssparpläne von Olaf Scholz und die Anstrengungen des „sparsamen Haushaltens“ etc. sind hinfällig. Da kann man auch noch so sparsam sein. Man muss schon massiv Tafelsilber verkaufen, um wenigstens einen Teil dieser Extra-Schulden abtragen zu können.

Wohl erst 2018 sind wir alle schlauer, über welche Summe man genau zu jammern hat, nach dem Verkauf der Bank an einen privaten Investor. Wenn der sich denn überhaupt finden lässt!

17 Kommentare

17 Comments

  1. Avatar

    GN

    23. Januar 2017 13:55 at 13:55

    ….ich würde die Haßtiraden der Mainstreammedien gegen Trump eher als Trumpmania bezeichnen

    • Avatar

      GN

      23. Januar 2017 14:03 at 14:03

      …..was da in Hamburg, und anderswo ist es nicht anders, für eine Politik gemacht wird, zeigt dieser Artikel aus der Jungen Welt (bitte nicht mit der Jungen Freiheit verwechseln) recht deutlich…..

      https://www.jungewelt.de/2017/01-11/013.php

  2. Avatar

    gerd

    23. Januar 2017 13:56 at 13:56

    Wem gehört jetzt eigentlich die Elbphilamonie?
    8oo Mio gekostet, die würde beim Verkauf doch bestimmt 500 Mio einbringen. Damit könnte Hamburg seinen Sozialetat schon mal aufpäppeln. Und wenn man noch mehr Sozialausgaben tätigen möchte, dann spart man tatsächlich noch ein bisschen mehr bei Schulen und Straßen.

    • Avatar

      GN

      23. Januar 2017 14:51 at 14:51

      …..wer würde denn für den Kasten 500 Millionen bezahlen????

      • Avatar

        gerd

        23. Januar 2017 15:20 at 15:20

        Wüsste ich ehrlich gesagt auch nicht.
        Hab ja schon bewusst unterhalb der Baukosten angesetzt, die ja sogar angeblich bei fast 900 Mio lagen, wie ich einer Verlinkung las.

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      bauer

      23. Januar 2017 15:07 at 15:07

      Pleite..?..das mag der Michel überhaupt nicht wahrnehmen!
      Gerd,glaubst in deinem system noch an sparen?
      Von was,wenn du das Geldsyst.verstehen würdest?
      Die „Masse“ Hirn,befindet sich bei dir noch im 20jhr.!

      • Avatar

        gerd

        23. Januar 2017 15:21 at 15:21

        Vergiss nicht, wir schaffen das.

  3. Avatar

    leser

    23. Januar 2017 14:56 at 14:56

    Deutschland rettet halt lieber die Welt. Bis zu „Deutschland zuerst“ i.S. des Lösens der hauseigenen Probleme ist noch ein langer Weg.

    Bundesländer könnten im Rahmen eines geordneten Insolvenzverfahrens an das meistbietende Bundesland gehen. Das wäre ordnungspolitisch sauber und würde auch die Zahl der Verwaltunseinheiten auf ein handhab- und bezahlbares Maß verringern.

    • Avatar

      gerd

      23. Januar 2017 15:18 at 15:18

      Gut. Schleswig Holstein bitte geht an Bayern.
      Dann haben wir Berge und Meer

  4. Avatar

    bauer

    23. Januar 2017 15:29 at 15:29

    mal sehen,wie lange es auch dauern wird,bis sich FMW Mitarbeiter mit dem Persilkarton und ein hängendes Merkel Gesicht,von den halbhohen Gebäuden verabschieden dürfen….
    Trump&Afd machts event.möglich…
    Die Daxler tun mir jetzt schon leid,wenn spätestens die DE-Wahl gelaufen ist!
    Die Luft wird immer dünner u.eine Reisewarnung gegen DE seitens des Auswärtigen Amtes Berlin lässt nat.auf sich warten….
    Germanys last way startet now,lol….

    • Avatar

      gerd

      23. Januar 2017 15:53 at 15:53

      Etwas später wird es sein. Erst muss Frau Merkel noch mal als Kanzlerin vereidigt worden sein. aber danach könnte es ernst werden.

  5. Avatar

    Marcus

    23. Januar 2017 16:06 at 16:06

    Da wird überhaupt nichts privatisiert was die HSH betrifft. Wie sie werte Redaktion bereits richtigerweise erwähnen: Wer sollte eine Bank kaufen die Milliardenaltlasten im Keller hat und zudem über kein wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell verfügt ?

    Man schaue sich doch nur mal die IKB an: Die bekommt LoneStar seit Jahren nicht verkauft obwohl man sie lieber heute als morgen wieder loswerden würde. Oder die Depfa Bank: Sollte auch mal privatisiert werden, jetzt liegt sie in der Bad Bank.

  6. Avatar

    bauer

    23. Januar 2017 16:11 at 16:11

    Gerd….,
    wusstest du nicht,daß der Elbbunker ein Alibi-Projekt ist?
    Die nächsten Refugees ect.werden dann dort für lange Zeit einqartiert und dann…. wird der Klang erst zur Geltung kommen!
    Die optimale Zielscheibe,um Hamburg incl.den Kiez in den Abgrund(finanziell)zu katapultieren….

    • Avatar

      gerd

      23. Januar 2017 16:28 at 16:28

      Sag ich doch: wir schaffen das, so oder so.
      O.k., es müsste heißen DIE schaffen das – und damit schaffen sie uns

  7. Avatar

    bauer

    23. Januar 2017 16:43 at 16:43

    Aber Hallo…werden fakenews bei fmw sofort wieder gelöscht!
    Warum?
    Der Elbbunker ist doch ein fake,was dle kosten betrifft,oder?

  8. Avatar

    bauer

    23. Januar 2017 17:16 at 17:16

    „Die Demokratiekrise“ – Über kaputte Eliten und den Vertrauensverlust in Regierungen & Medien (1)

    Liebe Leser,

    Sie haben es sicher längst geahnt und nun ist es quasi „amtlich“: Die Demokratie ist in der Krise! Und zwar global!
    Massiver Vertrauensverlust in Eliten & Demokratie

    Das Unternehmen Edelman Trust Barometer hat im Herbst 2016 mehr als 33.000 Bürger in 28 Staaten befragt. Das Ergebnis ist nicht nur nüchtern, sondern geradezu schockierend. Denn es dokumentiert einen bislang beispiellosen Vertrauensverlust in Medien, Geschäftswelt, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Regierungen.

    Vor allem in jene, die Demokratie nach westlichem Muster betreiben. Darunter auch Deutschland. Kurzum: In 21 von 28 Ländern, in denen die Menschen befragt wurden, ist das Vertrauen regelrecht „erodiert“!
    Das „kaputte“ System!

    Tatsächlich glaubt ein großer Teil der Menschen, dass das politische System sprichwörtlich „zum Teufel“ geht, kaputt ist. Denn es würde die Eliten ungerecht begünstigen. Harte Arbeit würde nicht mehr belohnt werden, der Führung könne nicht vertraut werden. Außerdem würden starke Reformen gebraucht.

    53 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass das System gescheitert ist. 32 % wissen nicht, was sie davon halten sollen. Und nur 15 % meinen, dass es funktioniert.
    Weite Teile der „breiten Masse“ und der informierten Bevölkerung zeigen die „rote“ Karte

    Nur noch 45 Prozent der „breiten Masse“ vertraut den Institutionen (55 % nicht). Und 60 % der informierten Bevölkerung (40 % nicht). Besonders weit geht diese Schere in den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien und Frankreich auseinander.

    Vielleicht und gerade deshalb wurde in den USA Donald Trump zum neuen Präsidenten gewählt und entschieden sich die Briten für den Brexit.

    Es gibt auch in den anderen Ländern eine Menge Gründe dafür. Nachfolgend verrate ich Ihnen, welche das sind.
    Darum ist das Misstrauen der Bürger so groß

    Der Ursprung des Vertrauensverlusts begann während der globalen Finanzkrise und der großen Rezession von 2008. Damals wurde den Menschen bewusst, wer wirklich am Geldhahn dreht. Vor allem aber, wer tatsächlich verliert und wer gewinnt. Sie jedenfalls waren es nicht.

    Doch auch die Globalisierung allgemein mit ihrem technologischen Wandel, der Arbeitsplätze gefährdet, die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklaffen lässt, hat das Vertrauen in globale Institutionen geschwächt.
    Verheerende Zahlen, die wachrütteln

    Konkret haben nur noch 41 Prozent der Befragten, Vertrauen in die jeweilige Regierung. In die Geschäftswelt 52 % und in die NGOs 53 %.

    An dieser Stelle möchte ich Sie noch auf eine andere Umfrage (Statista) aufmerksam machen, die ebenfalls im Herbst 2016 zum Vertrauen in die Bundesregierung gemacht wurde.

    Demnach gaben 43 % der Befragten an, der Regierung eher nicht zu vertrauen!

    Im 2. Teil zeige ich Ihnen auf, warum das Vertrauen der Menschen in die herkömmlichen Medien verlorengegangen ist. Und nenne Ihnen zwei Beispiele, wie ich meine eigenen Filme „zensieren“ musste!

    Herzlichst Ihr

    Guido Grandt

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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