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Folgen von Ukraine-Krieg und Sanktionen Unser Handel mit Russland: Zwei Zahlen zeigen die paradoxe Lage

Durch den Krieg und die Sanktionen entstehen für den deutschen Außenhandel mit Russland kuriose Resultate. Hier die aktuellsten Zahlen.

Wladimir Putin ist der Präsident von Russland

Der deutsche Außenhandel mit Russland wird seit dem Angriff auf die Ukraine immer paradoxer. Eigentlich will der Westen Russland ja „bestrafen“ für seinen Angriffskrieg. Man hat beispiellos harte Sanktionen eingeführt, aber nicht beim Thema Energie – denn Europa kann nun mal noch nicht ohne russische Energie durchhalten. Weil Europa aber bereits seit Monaten versucht von Russlands Energieimporten Stück für Stück weiter unabhängig zu werden, versucht man sich bei Brennstoffen Ersatz auf dem Weltmarkt zu beschaffen. Dies treibt die Weltmarktpreise für Öl, Kohle und Gas nach oben.

Russland verkauf weniger Warenmenge nach Deutschland – erhält dafür aber mehr Geld als vorher

Und aus diesem Preisauftrieb resultiert die folgende paradoxe Lage. Laut heutiger Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts hat Deutschland im Mai 2022 wertmäßig 32,8 Prozent mehr Waren aus Russland importiert als im Mai 2021 – mengenmäßig aber 29,1 weniger. Die tatsächlichen Volumen der gelieferten Waren sanken also deutlich, während Deutschland aber fast ein Drittel mehr Geld nach Russland überweisen musste als noch im Vorjahr. Weniger gelieferte Menge, dafür aber mehr Geld gezahlt als im letzten Jahres – es ist paradox, aber letztlich die Folge der westlichen Sanktionen. Die darauf hin steigenden Preise machen die Taschen Putins voller denn je, obwohl sie eigentlich das Gegenteil bewirken sollten.

Die Zahlen im Detail: Die deutschen Importe aus Russland stiegen gegenüber Mai 2021 um 32,8 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro an. Wichtigste Importgüter waren Erdöl und Erdgas mit einem wertmäßigen Anstieg um 29,3 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Weitere wichtige Importgüter waren Metalle (+21,7 Prozent auf 0,4 Milliarden Euro) sowie Kohle (+254,2 Prozent auf 0,4 Milliarden Euro). Mengenmäßig war die Entwicklung gegenläufig. Im Mai 2022 wurden mengenmäßig 29,1 Prozent weniger Waren aus Russland importiert als im Vorjahresmonat. Der Importüberschuss im Außenhandel mit Russland betrug im Mai 2,2 Milliarden Euro. Im April hatte er 2,9 Milliarden Euro betragen.

Deutsche Exporte nach Russland sinken – auf kurze Sicht steigen sie aber

Im großen Bild sind die deutschen Exporte nach Russland kräftig gesunken aufgrund der verhängten Sanktionen. Im dritten Monat in Folge seit Kriegsbeginn in der Ukraine sind die Exporte im Vorjahresvergleich weiter rückläufig. So exportierte Deutschland im Mai 2022 Waren im Wert von 1,1 Milliarden Euro nach Russland, ein Minus von 50,9 Prozent gegenüber Mai 2021. Gegenüber April 2022 stiegen die deutschen Exporte aber wieder um 35,6 Prozent an (+295,6 Millionen Euro). Der Grund hierfür ist zu finden in den steigenden Exporten von dosierten Arzneimitteln. Diese deutschen Exporte nach Russland stiegen im Mai 2022 auf 215,1 Millionen Euro. Das war ein Zuwachs gegenüber Mai 2021 um 47,7 Prozent, und gegenüber April 2022 um 60,5 Prozent. Damit waren im Mai 2022 pharmazeutische Erzeugnisse das wichtigste deutsche Exportgut im Handel mit Russland. Die pharmazeutischen Erzeugnisse insgesamt stiegen um 42,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf einen Wert von 282,0 Millionen Euro an.

Andere Exporte voll betroffen von den Sanktionen

Bei anderen Arten von Exporten sieht man die klaren Auswirkungen der westlichen Sanktionen gegenüber Russland. Deutsche Maschinenexporte sanken im Mai im Jahresvergleich um 52,2 Prozent auf 279,9 Millionen Euro (-305,9 Millionen Euro). Die Exporte von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen nach Russland sanken sogar um 96,2 Prozent (-339,3 Millionen Euro) auf 13,6 Millionen Euro.



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3 Kommentare

  1. Das Russland sich den Sanktionen anpassen muss, wird noch etwa dauern. Aber dann produzieren sie die Waren im eigenen Land. Nur durch Sanktionen ist Russland heute so ein großer Weizenproduzenten geworden.
    Als Erstes werden wohl nun einige Verflüssigungsanlagen für Erdgas gebaut, damit der Rubel noch mehr rollen kann.
    Gas aus N1 und N2 ergeben verflüssigt etwa 2 Gastanker am Tag. Sie werden Russland aus der Hand gerissen werden.
    Es dauert nur noch etwas.
    Verlierer ist die deutsche Industrie, aber die soll ja sowieso fürs Klima nach China verlegt werden.
    Das Volk kann ja frieren.
    Mal sehen wie die Ideologen kreischen werden, wenn die realen Gas- und Strompreise beim Endkunden ankommen.
    Dann ist wieder Putin Schuld, weil Deutschland das Gas aus der Pipeline nicht will.
    Es ist nicht zu fassen.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Richtig, die Sowjetunion kollabierte weil sie sich sich mit der Aufrüstung übernahm und sogar auf US Weizen angewiesen war. Sie haben etwas gelernt.Man kann aus eigenen oder fremden Fehlern lernen.Die EU macht gerade das Dümmste was man machen kann, sie rüstet auf,ist aber total abhängig von Rohstoffen und Energie. Diese Regierungen müssen nicht nur ausgewechselt sondern bestraft werden für den Schaden den sie anrichten.Zwangsarbeit nach Sibirien wäre in Anbetracht des Schadens eine milde Strafe.

  3. Pingback: Meldungen vom 12. Juli 2022 | das-bewegt-die-welt.de

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