
Donald Trump feiert das neue Handelsabkommen mit der EU als „das größte aller Zeiten“ – doch an den Märkten bleibt es auffallend still. Während der US-Präsident seine Handelsagenda weiter vorantreibt, reagieren die Börsen kaum noch auf seine Deals. Ein Zeichen dafür, dass Investoren den einst marktbewegenden Abkommen zunehmend die Kraft absprechen – selbst wenn sie von Trump selbst stammen.
Trump-Deals verlieren an Wirkung
Für US-Präsident Donald Trump ist das neue Handelsabkommen zwischen der EU und den USA “das größte aller Abkommen”. An den Finanzmärkten jedoch fiel die Reaktion verhalten aus — ein weiteres Zeichen dafür, dass die Wirkung neuer Handelsverträge auf die Risikobereitschaft der Anleger zunehmend schwindet.
Am Montag bewegten sich die Märkte weltweit nur wenig, einzig am Deutschen Aktienindex (DAX) ging es bergab. Andere europäische Aktienmärkte und der Euro gaben ebenfalls nach, während die US-Börsen unverändert schlossen. Zum Vergleich: Nach Bekanntgabe des US-Japan-Abkommens in der Vorwoche waren sowohl japanische als auch US-Aktien deutlich gestiegen.
Die verhaltene Marktreaktion auf das EU-Abkommen mit Trump unterstreicht, dass seine Handelsinitiativen kaum noch in der Lage sind, nennenswerte Kursausschläge auszulösen. Noch Anfang April hatte die Ankündigung neuer Strafzölle deutliche Marktreaktionen hervorgerufen. Inzwischen aber betrachten viele Investoren derartige Maßnahmen als Teil taktischer Verhandlungen — zumal die Märkte und Analysten mit den vereinbarten 15%-Zöllen weitgehend gerechnet haben.

“Die Reaktionen der Märkte auf neue Handelsabkommen sind rationaler geworden – insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Schwankungen bei den Zinssenkungserwartungen”, sagte Dilin Wu, Strategin bei Pepperstone Group in Melbourne. “Die Anleger konzentrieren sich nun mehr auf harte Daten, um die wirtschaftlichen und politischen Aussichten zu validieren, anstatt Handelsabkommen überzubewerten.”
Der Fokus der Märkte verschiebt sich
Dass das EU-Abkommen – anders als der Japan-Deal – kaum Bewegung auslöste, erklärt sich zum Teil damit, dass der vereinbarte Zollsatz von 15 % weitgehend erwartet wurde. Zudem richten sich die Blicke der Anleger zunehmend auf größere marktbewegende Ereignisse. Dazu zählen die Zinssitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch sowie zentrale Konjunkturdaten wie das US-Bruttoinlandsprodukt und der Arbeitsmarktbericht. Auch die laufende Berichtssaison der US-Konzerne für das zweite Quartal beeinflusst die Stimmung. Im Fokus stehen dabei vor allem die Zahlen der großen Technologiewerte Microsoft, Meta, Apple und Amazon, die am Mittwoch und Donnerstag nach US-Börsenschluss vorgelegt werden. Die Vielzahl und Bedeutung dieser Ereignisse gleicht einem Showdown für die Rally an den Aktienmärkten.
Das Potenzial von Handelsnachrichten, die Märkte in Bewegung zu versetzen, habe stark nachgelassen, sagte Taosha Wang, Portfoliomanagerin bei Fidelity International in Hongkong, im Gespräch mit Bloomberg TV. “Ich glaube, dass die mit den Zöllen verbundenen Risiken weitgehend eingedämmt wurden”, sagte sie.
Ein weiterer Grund für die verhaltene Reaktion: Viele Investoren empfinden das Abkommen mit der EU als unausgewogen, also mit klaren Vorteilen für die USA. Demnach würden EU-Exporte mit deutlich höheren Zöllen belegt als US-Waren beim Import in die EU. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verteidigte die Vereinbarung mit dem Argument, sie solle zur Korrektur des Handelsüberschusses der EU beitragen.
Nur dieser Deal ist entscheidend
Während die Handelsabkommen von Trump an Wirkung verlieren, gibt es einen Deal, der nach wie vor das Potenzial hat, die Märkte kräftig zu bewegen: das Abkommen mit China. US-Handelsminister Howard Lutnick erklärte am Montag, eine Verlängerung der laufenden Handelsruhe um 90 Tage sei das wahrscheinlichste Ergebnis der Gespräche, die derzeit in Stockholm stattfinden.
“Es herrscht eine gewisse Müdigkeit”, sagte Billy Leung, Investmentstratege bei Global X Management. “Man darf nicht vergessen, dass wir auch in eine Phase politischer Unsicherheit eintreten: Die Gespräche mit China gehen in die nächste Runde, weitere Handelsabkommen stehen bevor, die Fed-Entscheidung rückt näher und auch die großen US-Technologiekonzerne melden Zahlen.” Die aktuelle Handelswoche dürfte also spannend bleiben.
FMW/Bloomberg
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“Die Anleger konzentrieren sich nun mehr auf harte Daten, um die wirtschaftlichen und politischen Aussichten zu validieren, anstatt Handelsabkommen überzubewerten.”
Wenn das so wäre, würden die Aktienmärkte deutlich niedriger stehen. Die Aktienmärkte sind getrieben vom ETF-Hype und den nicht nachvollziebaren Analystenschätzungen…