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Handelskrieg – Chinas Spiel auf Zeit

Der Machtpoker geht immer weiter. Ein ständiges Hin und Her und Auf und Ab von Drohungen, Ankündigungen, Verschiebungen und neuen Gesprächsrunden im Handelskrieg lassen die Finanzmärkte stets im Ungewissen. Im Wesentlichen ist dieser aber ein Spiel auf Zeit von beiden Seiten, allerdings mit unterschiedlichen Motiven.

 

Handelskrieg – Chinas Politik der Nadelstiche

China hat zweifelsohne ein großes Problem mit seiner Wirtschaft, nach einer Dekade der Verschuldung. Dies haben die jüngst veröffentlichen Augustzahlen wieder deutlich gemacht. Man befindet sich auch wegen seiner großen Exportabhängigkeit, insbesondere zu den USA, eigentlich in einer ungünstigen Ausgangslage in diesem Handelskonflikt.

Deshalb verfolgt die chinesische Strategie, die erkennbar von einem Spielen auf Zeit geprägt ist, mehrere Zwecke: Zum einen will man mit einer maßvollen Gegenpolitik zur Trumpˋschen Eskalation die heimische Wirtschaft nicht abwürgen, sondern man versucht Zeit zu gewinnen sich neu aufzustellen. Zum Beispiel für die Entwicklung von Huaweis Betriebssystem HarmonyOS, den Aufbau neuer Exportmärkte und einer eigenen Chipindustrie sowie der Verhinderung eines zu starken Anstiegs der Arbeitslosigkeit (Stichwort Wanderarbeiter). Das Ganze im 70. Gründungsjahr der Volksrepublik China.

Zum anderen spart man sich eventuell härtere Gegenmaßnahmen für das Jahr 2020 auf, für eine Zeit, in der konjunkturelle Schwächen der US-Wirtschaft dem jetzigen Amtsinhaber ganz besonders weh täten.

 

Trumps Strategieänderung

Nachdem der US Präsident erkennen musste, dass er seine eigene Wirtschaft mit der Brachialgewalt der angedrohten Zölle schädigen würde, ist er zu einem twittergetriebenen Spiel der Eskalation und Deeskalation im Handelskrieg übergegangen. Immer so tun, als sei mein Herr der Lage sei und der chinesische Verhandlungsgegner würde jeweils klein beigeben.

Damit nimmt er Rücksicht auf die Aktienmärkte, an denen er sich erklärtermaßen messen lassen will – und natürlich auf die eigene Wirtschaft, sprich den US Konsumenten, der mit seinen 70 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt nicht nur ein Zünglein an der Waage darstellt. Dazu versucht Trump mit aller Gewalt die US Notenbank Fed zu starken Zinssenkungen und weiteren Kapitalmaßnahmen zu nötigen, um zumindest ein konjunkturelles Strohfeuer im Vorfeld der US Wahlen zu erzeugen.

 

Fazit

Das Problem für die US-Politik des Abwartens könnte in den zahlreichen Vernetzungen einer globalisierten Wirtschaft liegen. Desto länger der Handelsstreit andauert, umso größer werden die Einflüsse auf das Welthandelsystem sein, welche sich irgendwann auch auf den riesigen US-Binnenmarkt auswirken werden.

Das spürt natürlich auch Donald Trump, nicht zuletzt an der Reaktion der Rentenmärkte, die mit übergroßer Deutlichkeit eine Rezession im Wahljahr 2020 einpreisen. Es vergeht kein Tag, an dem in den Medien nicht ellenlang über die Konsequenzen einer Invertierung der Zinskurve diskutiert wird. Deshalb auch die immer stärker werdenden verbalen Entgleisungen des Präsidenten und seine Nervosität, auch erkennbar an seinem Umgang mit Fakten.

Derzeit scheint das Spiel auf Zeit in diesem Machtpoker mehr aus Seiten Chinas zu stehen, auch wenn es den Anschein hat, als dass die US-Regierung mit der Idee einer Emission von Superlangläufern (50 und 100-jährige Staatsanleihen) weitere Konjunkturprogramme im Auge hat, vielleicht, um einen neuen „Sugar Rush“ im Wahljahr zu erzeugen.

Die aktuellen Kursavancen an den Börsen spiegeln einmal mehr die Effekte des bisherigen Verzögerungsspiels wider. Die scheinbare Verhandlungsbereitschaft der Chinesen und eine im Raum stehende Verschiebung der gerade von Trump angedrohten Zölle lassen die Anleger jubeln – es wurde wieder Zeit gewonnen, bis zum nächsten Dementi.

 

Im Handelskrieg verfolgt China eine Taktik des Hinhaltens



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